Frage von CafebetreiberBusiness Profil - Light, 28

Gewerbliche Betriebskostenabrechnung durch Kirche

Wir haben von der Kirchgemeinde Räumlichkeiten gemietet, in der wir ein kleines Café betreiben. In den Betriebskostenvorauszahlungen sind auch die Kosten für Strom, Gas und Wasser enthalten. (Haben keinen eigenen Anbieter für Strom, Gas, Wasser) Nun haben wir eine Betriebskostennachzahlungsrechnung bekommen. In dieser sind entsprechende Mwst enthalten (19% Strom und Gas, 7% Wasser). Diese Mwst wollte ich nun beim Finanzamt als Vorsteuerabzug geltend machen. Unser Steuerberater meinte aber das ginge nicht, da die Kirchgemeinde nicht Umsatzsteuerpflichtig ist (keine Steuernummer). Nun soll ich auf den über 400,00 Euro enthaltender Mwst aus den Betriebskostenabrechnungen 2012/13 sitzen bleiben? Kann doch nicht sein oder?

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Antwort
von blackleather, 19

Nun soll ich auf den über 400,00 Euro enthaltender Mwst aus den Betriebskostenabrechnungen 2012/13 sitzen bleiben?

Die Auskunft deines Steuerberaters ist durchaus schlüssig.

Erstens wird er sich ja an der Rechnung der Kirchengemeinde orientiert haben. Und selbst wenn die Gemeinde - rein zu deiner Information - in der Rechnung Nettobeträge und USt der von ihr selbst verauslagten Betriebskosten ausgewiesen hat, so hat sie garantiert in ihrer Rechnung dir gegenüber keine USt. in Rechnung gestellt.

Zweitens zieht der Umstand, dass die Gemeinde selbst an den Versorger Umsatzsteuer bezahlen musste, doch keine Vorsteuerabzugsberechtigung für dich nach sich. Diese wäre vielmehr nur dann gegeben, wenn die Gemeinde selbst an dich eine umsatzsteuerpflichtige Leistung erbracht hätte. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Vielmehr wäre es nur dann so gewesen, wenn die Gemeinde von der an sich umsatzsteuerfreien Vermietung zur Umsatzsteuerpflicht optiert hätte. Davon hätte sie aber nichts gehabt, also warum sollte sie?

Drittens war dir doch bei Abschluss des Mietvertrages bekannt, ob die Vermietung umsatzsteuerpflichtig oder -frei erfolgt; das steht ja schließlich im Vertrag. Wieso tust du also jetzt so überrascht?

Kann doch nicht sein oder?

Weshalb nicht?

Kommentar von EnnoBecker ,

Richtig.

Die Leistungsbeziehungen

  • Versorger <---> Kirche
  • Kirche <---> Café

lassen sich nun mal nicht auf

  • Versorger <---> Café

zusammenschrumpfen.

Der Versorger hat nun mal an die Kirche geleistet und nicht an das Café.

Antwort
von EnnoBecker, 13

Hast du etwa von der Kirche Gas, Strom und Wasser gekauft oder doch nur Räumlichkeiten gemietet?

Du kannst doch nur die Vorsteuern abziehen, die aus Leistungen stammen, die DIR gegenüber erbracht wurden.

Die Kirche hätte umsatzsteuerpflichtig vermieten müssen, dann hättet ihr aus der Miete (und den Nebenkosten) die Vorsteuer abziehen können. Hat sie aber nicht.

Ein Bäcker verkauft dir seine Brötchen ja auch nicht teilweise ohne Umsatzsteuer, weil auf seinen Personalkosten keine Umsatzsteuern drauf sind.

Kommentar von EnnoBecker ,

Übrigens ist das mal wieder ein hübsches Beispiel dafür, wie ein Verzicht auf Umsatzsteuer - ob nun wie hier durch Steuerfreiheit oder wie woanders durch Kleinunternehmerschaft - mal eben auf die Schnelle 400 Euro kostet.

Und zwar nicht den, der verzichtet, sondern den am Ende, hier das Café.

Kommentar von blackleather ,

Ein Trost: Die meisten Kirchengemeinden sind heutzutage froh, wenn sie überhaupt noch Mieter finden. Soll heißen: Das Café sollte mit dem Kirchenvorstand über eine umsatzsteuerpflichtige Vermietung - rückwirkend ab 2014 - verhandeln. Und zwar so, dass trotzdem die Bruttomiete nicht gleich wahnsinnig ansteigt.

Die Kirchengemeinde wird nicht begeistert sein, dass sie dann womöglich Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben und ihr Finanzheini sich auch noch da drum kümmern muss.

Aber mit Gottes Hilfe wird's schon klappen.

Kommentar von EnnoBecker ,
Die Kirchengemeinde wird nicht begeistert sein, dass sie dann womöglich Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben und ihr Finanzheini sich auch noch da drum kümmern muss.

Das muss man nur richtig verpacken. Schließlich berechtigen dann ja auch noch weitere Vorleistungen, beispielsweise bei den nicht umlegbaren BK, zum Vorsteuerabzug.

Kann für alle nur billiger werden.

Und eine Steuernummer ist rasch besorgt.

Kommentar von Cafebetreiber ,

Meiner Meinung nach habe ich ich ja den Strom, das Gas und das Wasser von der Kirche "gekauft"- deren Anbieter kenne ich ja nicht. Deshalb sind in der Betriebskostenabrechnung ja auch die entsprechenden Mwstsätze ausgewiesen. Ich dachte wenn die Kirche unternehmerisch tätig ist, ist sie sehr wohl Umsatzsteuerpflichtig. Ich sollte wohl darauf bestehen, eigene Anbieter für Strom und Gas zu wählen.

Kommentar von EnnoBecker ,

Meiner Meinung nach habe ich ich ja den Strom, das Gas und das Wasser von der Kirche "gekauft

Dann schau dir doch mal den Vertrag mit der Kirche genau an, ob da was drinsteht von "Die Kirche liefert auch Gas, Strom, Wasser".

Deshalb sind in der Betriebskostenabrechnung ja auch die entsprechenden Mwstsätze ausgewiesen.

Ja, das war in der BKA natürlich entbehrlich. Die Kirche schlüsselt ja nur auf, was sie selber für Kosten gehabt hat, um die BKA zu rechtfertigen. Einen eigenen Vorsteuerabzug hat sie ja nicht. Da wäre es ohne den USt-Hinweis(!) transparenter gewesen.

Aber zumindest hat dich auf die richtige Spur gebracht:

Ich sollte wohl darauf bestehen, eigene Anbieter für Strom und Gas zu wählen.

.

Ich dachte wenn die Kirche unternehmerisch tätig ist, ist sie sehr wohl Umsatzsteuerpflichtig

Ist auch der Fall. Nur ist die Vermietung von Grundstücken und Grundstücksteilen umsatzsteuerfrei. So wir Porto bei Basisdiensten.

Aber anders als beim Porto hat man bei der Vermietung das Wahlrecht, zur Umsatzsteuer zu optieren (also auf die Steuerfreiheit zu verzichten), wenn der Mieter abzugsberechtigt ist. Also beispielsweise bei dem Café hier.

Kommentar von blackleather ,
Ein Bäcker verkauft dir seine Brötchen ja auch nicht teilweise ohne Umsatzsteuer, weil auf seinen Personalkosten keine Umsatzsteuern drauf sind.

Das Beispiel ist schräg. Auf den Personalkosten ist ja nur deshalb keine USt drauf, weil das Personal kein Unternehmer ist. Besseres Beispiel: Die Post. Die dienstleistet umsatzsteuerfrei gegenüber dem Bäcker und trotzdem verlangt er auch auf das im Brot enthaltene Briefporto USt.

Kommentar von EnnoBecker ,

Das Beispiel geht un wiederum nicht, weil es zwei entgegengerichtete Leistungen sind.

Sagen wir, der Bäcker verschickt sein Brot mit einem Päckchen, meinetwegen zur Post.

Dann ist im Gesamtpreis, der auch das Porto einschließt, auch Umsatzsteuer 7% drin, weil ja nicht der Bäcker an die Post die Postbeförderungsleistung erbringt, sondern ein Brot verkauft. Und darauf gibt es eben 7% USt.

Die Post hingegen hat die Briefmarke ohne Umsatzsteuer an den Bäcker verkauft, denn sie erbringt die steuerfreie Leistung "Transport".

Kommentar von blackleather ,

Letzteres meinte ich ja auch nur. Dass der Bäcker kein Kurierdienst ist, ist mir schon klar.

Kommentar von EnnoBecker ,

Das ist für den Bäcker sicherlich nur schwer verständlich, denke ich.

Kommentar von Cafebetreiber ,

Danke erst einmal für die Antwort. Also wenn ich mir die Betriebkostenabrechnung ansehe, habe ich Gas, Strom und Wasser von der Kirche gekauft. (Den ihr Anbieter kenne ich ja nicht) Entsprechend ist auch eine Mwst über die Abrechnungspunkte Stro, Gas, Wasser ausgewiesen. Wenn kein Weg zum Vorsteuerabzug der Kostenpunkte Strom, Gas und Wasser über die Kirchgemeinde führt muss ich mich wohl mit der Gemeinde über einen eigenen Versorger dieser Kostenarten einigen. Dann geht die Rechnung des Anbieters direkt an mich.

Kommentar von EnnoBecker ,
habe ich Gas, Strom und Wasser von der Kirche gekauft.

Das wäre die erste Kirche, die nebenbei auch noch Gas, Strom und Wasser verkauft.

Wenn kein Weg zum Vorsteuerabzug der Kostenpunkte Strom, Gas und Wasser über die Kirchgemeinde führt muss ich mich wohl mit der Gemeinde über einen eigenen Versorger dieser Kostenarten einigen. Dann geht die Rechnung des Anbieters direkt an mich.

Anscheinend macht es gerade klick bei dir. Richtig, man immer gucken, wer hat mit wem was für einen Vertrag gemacht.

Du hast mit der Kirche einen Mietvertrag, aber keinen Versorgungsvertrag. Die Kirche hat mit dem Versorger einen Strom./Wasser-/Gasliefervertrag.

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