Frage von neuInvestor,

Geschäftsführender Gesellschafter und Gehaltszahlungen - auch Honorar auf Rechnung möglich?

folgende Situation: eine Firma hat 2 geschäftsführende Gesellschafter. Einer hat "nur" 10% der Anteile. Dieser erhält ein Gehalt.

Nun wird dieser Gesellschafter weniger für die Firma arbeiten und sucht Alternativen. Er wird unregelmässiger in den kommenden Monaten für die Gesellschaft tätig sein.

Kann dieser Gesellschafter/ Geschäftsführer dann als selbständiger Einzelunternehmer Rechnungen an die Firma schreiben oder müssen die Zahlungen über eine Festanstellung laufen?

Er macht ja quasi ein Geschäft mit der Gesellschaft, die er auch vertritt. Und ich habe gehört, das ist problematisch.

Wie lösen, wenn Rechnungen der beste Weg wären?

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Antwort
von Privatier59,

Was genau interessiert Dich denn nun?

Zivilrechtlich ist das Problem das Verbot der Selbstkontrahierung (§ 181 BGB), wovon man sich aber befreien lassen kann, was mit einiger Sicherheit schon in den hier bestehenden Verträgen passiert ist.

Die Art der Vergütung ist frei regelbar. Allerdings glaube ich nicht, dass man einen geschäftsführenden Gesellschafter zum selbständigen Unternehmer mit gleichem Aufgabenkreis machen kann und ich frage mich, was diese merkwürdige Konstruktion überhaupt soll. Wieso gestaltet man die bestehende Gehaltsregelung nicht den geänderten Verhältnissen entsprechend um. Das würde einem auch so einiges an Aufwand und Ärger ersparen: Der selbständige Einzelunternehmer nämlich müßte sich Gedanken über seinen Rechtsstatus machen, insbesondere, ob er sein "Gewerbe" bei der IHK anmelden muß, ob er monatlich Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben muß etc.

Außerdem ist bei dieser Konstruktion die besondere Aufmerksamkeit des Prüfers bei der Betriebsprüfung zu erwarten. Und wenn es ganz schlimm kommen sollte und die Gesellschaft in die Insolvenz geht, unterstellt der Insolvenzverwalter möglicherweise dunkle Absichten, erstattet Strafanzeige wegen Untreue und macht Rückzahlung geltend.

Kommentar von EnnoBecker ,

Allerdings glaube ich nicht, dass man einen geschäftsführenden Gesellschafter zum selbständigen Unternehmer mit gleichem Aufgabenkreis machen kann

Glaub es ruhig. Welches Problem sollte dabei denn auftreten?

Kommentar von Privatier59 ,

Klar, es gibt Leute die einen neben sich stehen haben, andere haben einen kleinen Mann im Ohr und wieder andere sind geschäftsführende Gesellschafter und beauftragen sich selber als geschäftsführende Gesellschafter. Es soll auch eckige Eier und gerade Bananen geben und trotzdem ist das weder der Normalzustand noch regelgemäß. Ich nehme nicht an, dass man per Gottesurteil oder per Handschlag geschäftsführender Gesellschafter wird. Mich dünkt, da wird es Verträge geben und steht da nicht etwas von persönlicher Arbeitsleistung? Hoppla, ob das aber dann noch erfüllt ist, wenn man sich selber beauftragt?

Kommentar von EnnoBecker ,

Der Bundesfinanzhof ist früher davon ausgegangen, dass GmbH-Geschäftsführer immer angestellt und weisungsgebunden seien. Hintergrund der Rechtsprechung war der Gedanke, dass sich der Geschäftsführer den Zielen der Gesellschafter zu beugen hat. Diese Rechtsprechung hat der BFH jedoch bereits vor einiger Zeit aufgegeben.

Es gilt nunmehr, dass ein selbständiger Unternehmer, der auf dem Markt auftritt, gleichzeitig als selbständiger Mitarbeiter die Geschäftsführung einer GmbH übernehmen kann. (BFH: V R 29/03).

Der Unternehmer muss jedoch auch für andere Auftraggeber arbeiten, sonst handelt es sich um eine Scheinselbstständigkeit. Der Vertrag mit der GmbH muss einen Punkt enthalten, wonach der GF frei entscheiden kann, also nie an Weisungen der GmbH gebunden ist. Der Vertrag schließt Ansprüche auf Urlaub, Sozialleistungen und Vergütung im Krankheitsfall aus.

Der GF weist in seinen Honorarrechnungen Umsatzsteuer aus und meldet die Umsätze zusammen mit seinen übrigen Umsätzen an.

Die Einkünfte aus der Geschäftsführertätigkeit werden im Rahmen der gewerblichen Einkünfte, § 15 EStG, versteuert.

Kommentar von Privatier59 ,

Mich dünkt, da wird es Verträge geben und steht da nicht etwas von persönlicher Arbeitsleistung?

Da ist der Meister aber nicht drauf eingegangen!

Kommentar von neuInvestor ,

der Geschäftsführer wird letztendlich in wenigen Monaten gehen. Vermutlich ist er in 6-9 Monaten auch seinen GF-Titel los. Nachdem die Gesellschaft keine reiche ist, wird man der Flexibilisierung der Zahlungen an diesen Herren insofern nachkommen, dass er Rechnungen schreiben wird, und er wird weitere Kunden akquirieren - auch auf freiberuflicher Basis.

Die Ausführungen helfen mir sehr.

Danke euch beiden!

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