Frage von costCut, 937

gemeinsame steuerliche Veranlagung - Werbungskosten der Ehepartner. Wie rechnet der Staat?

wie rechnet das Finanzamt bei einem gemeinsam veranlagten Ehepaar bzgl. Werbungskosten?

Wird alles in einen Pott geworfen von beiden Personen und den das zu versteuernde Einkommen ermittelt oder werden beide im ersten Schritt Person für Person gesehen, gerechnet und pro Ehepartener das zu versteuernde Einkommen ermittelt, das dann letztendlich addiert wird?


WK = Werbungskosten, EK = Einkommen

  • Fall 1: (EK1 + EK2) - (WK1 + WK2) = zvE
  • Fall 2: (EK1 - WK1) + (EK2 + WK2) = zvE1 + zvE2 = zvE

Gilt Fall1 oder Fall2? Ich hoffe, mein Problem ist klar.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von EnnoBecker, 937

So ganz habe ich weder die Frage noch die Antwort von "barmer" verstanden, vor allem diese EK-WK-Dinger.

Bei der Zusammenveranlagung werde zunächst die Einkünfte pro Person ermittelt. Erst danach, also ab den Sonderausgaben, geht es gemeinsam weiter.

Also wohl die erste Hälfte von deinem Fall 2, wenn ich das richtig deute.

Kommentar von costCut ,

hm. Verstehe.

Dann mache ich ein Beispiel:

  • Ehepartner (EP) 1 verdient 4.000 Euro und hat Werbungskosten iHv. 5.000 Euro
  • Ehepartner (EP) 2 verdient 50.000 euro und hat WK iHv. 2.500 Euro

Wie rechnet das Finanzamt? Bei EP1 haben wir ein neg. zvE.

Kommentar von EnnoBecker ,

EP1 hat -1.000
EP2 hat 47.500

Gesamtbetrag der Einküfte = 46.500.

Siehe Meandor.

Kommentar von costCut ,

jetzt fiel der Groschen. Danke!

Antwort
von LittleArrow, 739

Gilt Fall1 oder Fall2?

Weder noch, denn beide Fälle sind falsch im Ansatz und falsch beschrieben. Erstmal hinsichtlich der Bestimmung des zvE. Und im Fall 2 darüberhinaus hinsichtlich des falschen Vorzeichens bei WK2 und der Trennung von zvE1 und zvE2 (es gibt nur ein zvE!).

Je nach Einkunftsart können die Einkünfte und Werbungskosten auf den einzelnen Ehegatten oder auf beide zugerechnet werden.

Bei Einkünften aus unselbständiger Arbeit (Anlage N) gilt also Einkünfte von Ehegatten 1 minus Werbungskosten von Ehegatten 1 (verkürzt: NEK1-NWK und analog beim Ehegatten 2: NEK2-NWK2). Ähnlich geht es so bei den Leibrenten.

Bei gemeinsamen Einkünften (dies könnte z. B. bei Vermietung und Verpachtung gemäß Anlage V gelten, muss es aber nicht unbedingt, wenn z. B. der eine Ehegatte noch Einkünfte aus einer Haus-Erbengemeinschaft hat und der andere nicht!) würde es jeweils objektbezogen eigentlich lauten: VEK-VWK, aber der ermittelte Betrag wird hälftig den Ehegatten zugeordnet.

Ähnlich geht es bei den weiteren Einkunftsarten, so dass sich letztlich die Summe der Einkünfte je Ehegatten ergibt. Diese wird zunächst um den bei einem Steuerpflichtigen evtl. anfallenden Altersfreibetrag gekürzt, was dann den Gesamtbetrag der Einkünfte je Ehegatten und gesamt ergibt.

Anschließend werden die diversen Sonderausgaben bestimmt und (beschränkt oder unbeschränkt) abgezogen, um das zu versteuernde Einkommen (zvE) zu errechnen. Danach erfolgt die Besteuerung nach dem Splittingtarif. Evtl. erfolgt hier noch die Berücksichtigung etwaiger Einkünfte mit Progressionsvorbehalt, z. B. Arbeitslosengeld.

Kommentar von costCut ,

danke für die Korrekturen und die Mühe, die Frage dennoch zu beantworten.

Ich sehe den Unterschied. Die WK sind je nach Einkunftsart und der Zuordnung der Einkünfte sehr wohl personenbezogen. Damit gibt es nicht zwingend einen Pott für die WK für beide, sondern ggf. eine gesonderte Betrachtung.

Nochmals danke!

Kommentar von EnnoBecker ,

Einkünfte werden stets personenbezogen ermittelt.

Bei gemeinsamen Einkünften (dies könnte z. B. bei Vermietung und Verpachtung gemäß Anlage V gelten,

Das ist eine große Ausnahme und genaugenommen ein Verstoß gegen die AO. Denn die Vermietungs-GbR müsste eigentlich erst mal eine Feststellungserklärung machen. Das Finanzamt verzichtet aber darauf.

Kommentar von LittleArrow ,

Nun haben wir es wohl verstanden. Danke für Deine Ergänzung.

Antwort
von Meandor, 567

Das Finanzamt rechnet anhand der Vorgaben die es durch § 2 EStG erhält.

Als erstes ermittelt es die Einkünfte der einzelnen Einkunftsarten des Steuerpflichtigen. Bei Gewinneinkünften werden dafür in der Regel die Betriebseinnahmen genommen und davon die Betriebsausgaben abgezogen. Bei den Überschusseinkünften nimmt man die Einnahmen und zieht die Werbungskosten ab.

Die Einkünfte der einzelnen Einkunftsarten werden dann addiert und bilden die Summe der Einkünfte.

Die Summen der Einkünfte (der beiden Ehegatten) werden dann um bestimmte Beträge verringert (oder auch nicht) und werden dann zum Gesamtbetrag der Einkünfte addiert.

Dieser wird um Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen verringert und ergibt das Einkommen.

Das Einkommen ist in der Regel mit dem zu versteuernden Einkommen identisch.

Antwort
von barmer, 446

Hallo,

in der zweiten Zeile ist das Vorzeichen vor WK2 falsch. Wenn man das korrigiert, ist das Ergebnis nach dem Kommutativ- und Assoziativgesetz der Addition in Verbindung mit den Klammerregeln identisch.

Allerdings ist das Einkommen (grob) die Differenz aus Einnahmen und Werbungskosten und durch Abzug ggf. weiterer Freibeträge ergibt sich das zvE.

Bis dahin ist die Reihenfolge (bei gemeinsamer Veranlagung) egal.

Bei einer gemeinsamen Veranlagung wird das zvE halbiert, die Steuer berechnet und dann verdoppelt.

Bei einer getrennten Veranlagung wird die Steuer auf zvE1 und zvE2 getrennt ermittelt.

Viel Spass

Barmer

Kommentar von costCut ,

das mit dem Vorzeichen ist korrekt.

Ich dachte auch, dass mathematisch betrachtet die Formeln identisch sind, ABER: bei der Steuer ist das mglw. anders. Warum?

Folgender Fall:

wenn einer der Partner sehr hohe Werbungskosten hat, so dass er gar einen rechnerischen Verlust hat, dann macht es einen Unterschied. Das Finanzamt nimmt dann eben ein zvE von 0 Euro, gibt dem einen Partner einen Verlustvortrag oder nimmt diesen negativen Wert zu den Werbungskosten des anderen.

Oder der Verdienst eines Partners liegt unter 8.000 Euro. Dann macht es einen Unterschied, wie mit den WK verfahren wird: entweder nicht anrechenbar, weil Verdienst zu gering oder die WK haben eine Auswirkung auf die Werte beim anderen Partner.

Kommentar von barmer ,

Das mit den 8000 EUR ist unerheblich.

Erst ganz am Schluss wird bei der Berechnung der Steuer der Freibetrag von gut 8000 EUR (hier doppelt) berücksichtigt.

Kommentar von barmer ,

Das mit den 8000 EUR ist unerheblich.

Erst ganz am Schluss wird bei der Berechnung der Steuer der Freibetrag von gut 8000 EUR (hier doppelt) berücksichtigt.

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