Frage von gulia, 463

Geldgeschenk von Eltern vor und während Ehe, Hausbau - dann Scheidung? Was nun?

Insgesamt erhielt eine sehr gute Freundin noch vor ihrer Eheschließung und auch danach Geldgeschenke ihrer Eltern. Meine Freundin hat das Geld in den Hauskauf eingebracht, beide sind Eigentümer geworden, die Bank wollte das so. Ein kind ist mittlerweile auch da. Nun hat sich herausgestellt, dass ihr Mann ein Doppelleben führt und die Familie verlassen will. Wie verhält es sich mit dem Schenkungsbetrag. Wird der rausgerechnet?

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo gulia,

Schau mal bitte hier:
Recht scheidung

Antwort
von Mikkey, 463

Die während der Ehe zugeflossenen Erbschaften und Schenkungen werden so behandelt, als ob sie bereits vor der Ehe zum Vermögen gehört hätten.

Kommentar von EnnoBecker ,

Das ist zwar richtig, aber hier liegt das Problem woanders:

Die beiden haben eine GbR und halten jeder 50% des Grundstücks. Egal wer es mal bezahlt hat.

Kommentar von Mikkey ,

Genau genommen haben die beiden eine Ehe. So etwas wie eine GbR wird es bei der Scheidung und das währt bis zur Auflösung des gesamthändischen Vermögens.

Dass das Haus beiden gehört, ist letztendlich belanglos. Es geht um den vorehelichen und nachehelichen Vermögensvergleich und da stehen bei der Frau vorehelich die gesamten Schenkungen zu Buche.

Kommentar von EnnoBecker ,

Ja, eine Ehe haben die beiden auch - eine der klassischsten GbR.

Du musst zwischen den beiden Problembereichen unterscheiden: Zum einen der Zugewinnausgleich, in den die Schenkungen an die EF als voreheliches Vermögen einfließen. Zum andern das Grundstück, welches beiden zur Hälfte gehört.

Da heißt es sauber trennen.

Denn das, was die EF dem EM hinsichtlich des Grundstücks geschenkt hat, gehört ihm und damit zu seinem Endvermögen, nicht zu ihrem.

Kommentar von Mikkey ,

Denn das, was die EF dem EM hinsichtlich des Grundstücks geschenkt hat,

ist etwas, was in der Frage nicht steht und sich auch aus dem Geschriebenen nicht herleiten lässt.

Aus dem Grundbucheintrag auf eine Schenkung zu schließen, halte ich für ziemlich gewagt.

Kommentar von EnnoBecker ,

Hm.... da nun beide Eigentümer sind und die EF "das Geld in den Hauskauf eingebracht" hat, wie wurde dann wohl das Eigentum an dem hälftigen Grundstück begründet?

Glaubst du, die haben einen Darlehensvertrag gemacht? Oder kennst du eine schlüssige weitere Möglichkeit neben Erbe, Kauf und Schenkung, Eigentum an einem Grundstück zu erwerben?

Kommentar von Mikkey ,

Nun, EF-Anfangsvermögen(inkl. Schenkungen): 100.000

EM-Anfangsvermögen: 0

Kredit: 200.000


Scheidung:

Haus: 350.000

Kreditsaldo: 160.000

= Vermögen: 190.000

= Zugewinn: 90.000


EEF: 100.000 +90.000/2

EEM:90.000/2

Es ist natürlich eine ganz andere Geschichte, wenn sich irgendwoheraus ergibt, dass die Schenkungen tatsächlich hälftig weiterverschenkt wurden.

Kommentar von EnnoBecker ,

kennst du eine schlüssige weitere Möglichkeit neben Erbe, Kauf und Schenkung, Eigentum an einem Grundstück zu erwerben?

Sorry, aber das war noch nicht beantwortet. Und "beide sind Eigentümer geworden", wie man im SV nachlesen kann.

Daher hat der Mann ein Endvermögen von 175', nämlich das halbe Haus, abzüglich dem ihm zuzurechnenden Darlehenssaldo. Läuft das Darlehen auch hälftig, hat er ein Endvermögen von 95'. Also einen Zuwachs von 95'.

Die Frau hat ebenfalls 95' und damit einen negativen Zugewinn von 5'.

Die 50' Differenz sind ja auch schlüssig: Das Haus wurde ja zunächst aus den Mitteln der EF bezahlt, und die waren nun mal 100'.

Kommentar von Mikkey ,

Kann man ein Grundstück ersitzen? Ansonsten gäbe es noch die Rückübertragung nach rechtswidriger Enteignung.

Also einen Zuwachs von 95'. Die Frau hat ebenfalls 95' und damit einen negativen Zugewinn von 5'.

Und dann kommt §1378 Absatz 1 ins Spiel:

Übersteigt der Zugewinn des einen Ehegatten den Zugewinn des anderen, so steht die Hälfte des Überschusses dem anderen Ehegatten als Ausgleichsforderung zu.

i.e. Der Mann muss noch 50.000 an die Frau abdrücken

Kommentar von EnnoBecker ,

Der Mann muss noch 50.000 an die Frau abdrücken

So isses.

Antwort
von Franzl0503, 377

gulia:

"... die Bank verlangte es so" von meiner sehr guten Freundin.

Zu unterscheiden sind:

die Zustimmung des Ehemannes zur Bestellung der Grundschuld, wenn das zu belastende Grundstück praktisch das gesamte Vermögen des im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft verheirateten Eigentümers ausmacht, aber nur dann, wenn durch die Belastung der Grundstückswert ausgeschöpft wird,.

die persönliche gesamtschuldnerische Mithaft des Ehemannes zusammen mit der Ehegatten-Allein-Eigentümerin,

der Erwerb eines Miteigentumsanteils am Grundstück durch den Ehegatten.

Letzteres hätte die Bank m. E. nicht verlangen dürfen, zumal dadurch eine etwa erforderliche Sicherheitenverstärkung nicht eintrat.

Antwort
von Privatier59, 316

ihr Mann ein Doppelleben führt

Tragische Sache und die Tragik wird dadurch gesteigert, dass die Schenkung nicht mehr im Vermögen der Frau verblieben ist, sondern offenbar in den Hauskauf gewandert war. Da nun stellen sich rechtlich sehr kniffelige Fargen und zwar so kniffelig, dass Du hoffentlich nicht ernsthaft erwartest, hier eine rechtlich hieb- und stichfeste Antwort zu bekommen. Das könnte nur ein Anwalt nach eingehender Prüfung des Falles leisten.

Es ist so, dass man einerseits den Zahlungsvorgang hat, nämlich der Frau für das Haus, und andererseits überlegen muß, wie die interne rechtliche Bewertung eben dieses Zahlungsvorgangs ist. Ist das nun eine unbenannte Zuwendung oder Schenkung? Der Unterschied ist ganz erheblich:

http://www.juraexamen.info/bgh-keine-unbenannten-zuwendungen-bei-geschenken-der-...

Bei Schenkungen gibt es die Rückforderung bei grobem Undank, bei unbenannten Zuwendungen muß man -wie vorgenannter Quelle zu entnehmen ist- erst mal nach Möglichkeiten der Rückabwicklung suchen.

Mehr ins Detail gehen kann man nicht, man müßte alle Einzelheiten des Falles kennen. Was heißt denn zum Beispiel "Doppelleben"? Ist der Mann in Wahrheit schwul? Hat er 5 geheime Geliebte? Oder spielt er nur gerne Skat und hat das seiner Frau verschwiegen?

Antwort
von EnnoBecker, 256

Wo "rausgerechnet"?

Fakt ist doch, dass beide Eheleute jeweils zur Hälfte Miteigentümer des Grundstücks sind. Sofern keine schuldrechtlichen Vereinbarungen getroffen wurden, läuft die Tatsache, dass Schenkungen "von außen" nicht in den Zugewinn einberechnet werden, ins Leere.

die Bank wollte das so.

Das verstehe ich nicht. Seit wann bestimmt die Bank, wem was gehören soll? Da ist wohl irgendwas nicht ganz richtig gelaufen.

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