Frage von Privatier59, 330

Geldanlage für Senioren

Ich stehe vor der undankbaren Aufgabe, für einen Angehörigen -Alter so Mitte 80- nach Anlagemöglichkeiten für einen sechsstelligen Betrag suchen zu müssen. Die üblichen Verdächtigen wie Tagesgeld oder Festgeld habe ich schon abgeklappert. Wie zu erwarten war das Ergebnis ernüchternd. Hat hier jemand konkrete Vorschläge dazu, was man einem Anleger dieses Alters empfehlen kann?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von GAFIB, 293

Wie immer entscheidet wesentlich der sog. Anlagehorizont. Wenn es sich dabei um den persönlichen Anlagehorizont handelt, dann beträgt er statistisch leider nur noch wenige - hoffentlich aber gute - Jahre. Dann wäre alles außer Tagesgeld obsolet.

Wenn das Geld zum Vererben gedacht ist, dann leitet sich der Anlagehorizont ab von dem der Erben, und der dürfte deutlich länger sein, womit wir wieder bei der klassischen - individuell Risiko-adjustierten - Anlage aus Aktien, Renten und Immobilien wären.

Kommentar von Privatier59 ,

Ja, es ist in der Tat zum Vererben gedacht, wobei meinereiner hälftig beteiligt ist. Dummerweise ist anlagemäßig aber schon fast alles vorhanden. Das Argument mit der besseren Streuung zieht daher nicht. Meine vorsichtigen Anregungen in Richtung Aktie wurden eher ungnädig beschieden. Nur der Kauf eines Mischfonds wurde genehmigt, jedoch in Stückzahlen die das Gesamtproblem nicht zu lösen in der Lage sind.

Kommentar von Rat2010 ,

Wenn du die Verkaufshitlisten (nicht der Direktbanken sondern die der Pools, zu finden in "das Investment" oder "portfolio") oder die Listen, die gandalf in der letzten Zeit häufiger reinstellt von oben her durchgehst, kommst du auf lauter Vermögensverwalterfonds, die sich eignen. Wenn du dann noch auf die Korrelation achtest und vielleicht irgendwas, was mit einem Großteil der Fonds negativ korreliert beifügst (auch Fonds) hast du dein Portfolio.

Es gibt nebenbei Leute, die ausschließlich davon leben, für kleinere oder größere Vermögen derartige Lösungen zu finden und die Anleger zu betreuen. Das sind die, die entscheidend beeinflussen, was bei den Verkaufshitlisten oben steht.

Vermögensverwalter machen das für eher viel Geld. Ein dir bekanntes Unternehmen macht das bei dem Anlagebetrag mit 100 % Rabatt auf den Ausgabeaufschlag und auch sonst (aus der Sicht des Anlegers) umsonst.

Der wesentliche Unterschied dazu, dass du es machst: die Verantwortung/Haftung für die Beratung hat ein anderer!

Kommentar von GAFIB ,

@Rat2010: Wenn "Verkaufshitlisten" irgendeine sinnvolle Bedeutung hätten, wäre ich sogar dankbar, dann wäre die Auswahl der "richtigen" Fonds ja recht einfach. Haben sie aber nicht. Solche Hitlisten entstehen primär durch entsprechende Promotion der Fondsanbieter. Rationale Anlage hat mehr zu tun mit passender Portfolio-Struktur und niedrigen Anlagekosten.

http://www.finanzfrage.net/tipp/wie-hilfreich-sind-fonds-rankings

Kommentar von Rat2010 ,

Hörst du deinen Mandanten so zu, wie du meine Beiträge liest?

Ich schreibe von Listen, die ich durch meinen Beratung selbst maßgeblich bestimme. Weil ich oft Menschen berate, die in etwa das wollen, das Privatier jetzt braucht, sind einige der Fonds für ihn dabei.

Anlagekosten sind als Einflussfaktor für eine Anlageentscheidung kontraproduktiv. Du findest auch bei dem weltweiten ETF zwar nur etwa 50 % weltweit anlegender Aktienfonds, die besser laufen (weil der ETF immer voll investiert ist) aber vermutlich keinen, der auch nur annähernd so riskant ist. Dazu ist der Fonds für Privatiers Bedürfnisse eine klassische Themaverfehlung. Wenn der Rest 5 % steigt und die Beimischung 50 % fällt (was jederzeit auch kurzfristig passieren kann), ist der Opa unglücklich.

Kommentar von GAFIB ,

@P59: Vor Mischfonds habe ich an dieser Stelle schon häufiger gewarnt: Sie mögen ja furchtbar plausibel und auch bequem sein: Aber sie sind leider nicht sehr erfolgreich. Besser: Aktienfonds bzw. ETFs selber kombinieren mit reinen Rentenfonds. Oder, wenn jemand mit steigenden Renditen rechnet: Dann nur Aktienfonds und daneben Tagesgeld/Festgeld.

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/finanzprodukte-fuer-jedermann...

Kommentar von GAFIB ,

... steigenden Renditen... -> Gemeint ist: Mit steigendem Zinsniveau, denn dann würden börsennotierte Renten(fonds) ja Kursverluste erleiden.

Kommentar von GAFIB ,

Für eine sinnvolle Benchmark, ob ein global orientierter Aktienfonds erfolgreich ist, halte ich übrigens den Index: "MSCI All Country World Index", der zu je ca. 50% die Industrieländer und die Schwellenländer abbildet, 2.500 Werte umfasst und 45 Länder abdeckt: -> WKN: LYX0MG (ETF)

Die Performance im lfd. Jahr beträgt +18,02%. Nach meiner Lesart muss sich jeder aktiv gemanagte Fonds mit globaler Ausrichtung genau daran messen lassen - und es gibt nur ganz wenige, die diese "einfache" Performance auch nur erreicht hätten.

Kommentar von LittleArrow ,

@GAFIB: Ich habe mir Deine WKN-Empfehlung angeguckt. Die Abweichung vom normalen MSCI World ist ja sehr gering, vielleicht sogar zu vernachlässigen. Aber ich habe dabei ja auch nur 1 Jahr ansehen können. Für Senioren wären die ETFs auf Basis beider MSCI World-Indices allerdings der Schocker: Kursverlust von 16 % innerhalb von nur 4 Wochen im Mai/Juni 2013, auch wenn es anschließend wieder aufwärts ging. Aber manche Rentner überleben das mental nicht. Für nervenflatterige Senioren klingt das eher wie eine Empfehlung der DRV;-)

Und man macht diesen Rentenbeziehern (immer) eine Freude mit ausschüttenden Fonds, weil es da was auf das Konto zum Konsumieren gibt, selbst wenn es nur ein wenig ist.

Kommentar von GAFIB ,

@LA: Da liegt ein Missverständnis vor. Das war keineswegs eine Empfehlung, sondern stand in dem Zusammenhang, besser frei zu kombinieren mit Aktienfonds und Rentenfonds. Dann reduziert sich die (Gesamt-)Volatilität je nach Rentenfondsanteil natürlich ganz erheblich.

Kommentar von Rat2010 ,

Nur ist die Idee, Aktien- und Rentenfonds vielleicht noch mit Tagesgeld zu mischen ja ausgesprochen problematisch. Im Mai und vielleicht auch in Zukunft ist nicht nur die Vola und der mögliche maximale Verust beider Anlageklassen zu hoch sondern auch deren Korrelation. Kunden, die ein defensives Portfolio wollen, vertragen auch dann keine fünf Prozent Rückgang, wenn sie Mitte Mai eingestiegen sind und bei ETFs kommen ja auch noch Erwerbskosten dazu,

Das ist ja der Grund aus dem seit mindestens acht Jahren der Trend hin zu Portfolien geht, bei denen die Rendite nur teilweise von den beiden Anlageklassen aber auch maßgeblich vom Geschick und der Grundeinstellung verschiedener Manger, der Vola oder anderen Anlageklassen abhängt.

Wenn die Kunden eine gleich bleibende Mischungen aus Aktien und Renten wollen, könnten sie auch gleich zur Sparkasse gehen. Das gibt es mit vielleicht geringeren Kosten aber das Thema ist doch, dass sie den maximalen Verlust nicht vertragen!

Ich weiss nicht wie das bei Honorarberatern ist aber kannst du darüber hinweggehen, dass es für die Kunden wesentlich bessere Lösungen gibt? Ich meine, es geht um einen Mitte-80-jährigen und wenn dem Aktien zu sehr schwanken kommst du mit Renten ebenso wenig zum Ziel.

Antwort
von KU333, 256

der zu erwartende Anlagehorizont, die Laufzeit, die zu erwarten ist, ist auch ernüchternd.

Die Frage ist, wie der Angehörige das mit der Anlage sieht. Wie langfristig will er anlegen? Legt er für sich an? Für eine laufende Rendite? Für Vermögenserhalt?

Oder sieht er trotz seines hohen Alters einen langen Zeitraum für potentielle Erben?

Wenn er Angehörige sein Geld sicher anlegen will, stets darauf zugreifen, dann sehe ich eigentlich nur Tagesgeld oder kurzlaufende Anleihen. Alles nicht das Gelbe vom Ei, ich weiss.

Antwort
von gandalf94305, 241

Zu diesem Thema könnte man nach einem langen Gespräch sicher einiges sagen - auch im Hinblick auf mögliche Schenkungen und Investitionen, die der Absicherung der Hobbies und Interessen des Angehörigen dienen - aber letztendlich wird man ohne dies nicht auskommen. Daher ist die Frage aus meiner Sicht ungeeignet für dieses Forum, da es drei Sorten von Antworten gibt:

Mit sind an dieser Stelle daher diejenigen lieber, die sich wohlweislich zurückhalten, da sie wissen, daß es keine Antwort geben kann, ohne wirklich ein intensives Beratungsgespräch zu führen, als diejenigen, die ihre grundsätzlich praktisch für alle Fälle gleichlautende Meinung kundtun und vehement verteidigen, jedoch noch keinen echten Nachweis erbracht haben, daß ihre Ideologie funktioniert.

Kommentar von gandalf94305 ,

Sorry, ich wollte nicht eine verschärfte Version von Rick Perry sein :-)

Die drei Sorten von Antworten:

  • Die einen halten sich wohlweislich zurück, da sie wissen, daß für eine qualifizierte Aussage hier nicht der Platz ist und auch nicht die nötigen Information vorliegen.

  • Die anderen wiederholen gebetsmühlenartig ihre Ideologie, ob sie nun paßt oder nicht, ob sie nun mit zur Realität paßt oder nicht.

  • Und wieder andere scheinen keine Ahnung von der Materie zu haben, davon aber ganz viel.

Ideen kann man in Foren wie hier ja finden, aber mit so wenig Informationen sind sogar Ideen schwierig.

Antwort
von Maxieu, 210
Die üblichen Verdächtigen wie Tagesgeld oder Festgeld habe ich schon abgeklappert.

Auch in Verbindung mit einem Depot?

Bei uns hat jeder aus der Familie ein Depot knapp oberhalb des von der Bank für die Erzielung eines erhöhten Tagesgeldzinssatzes geforderten Schwellwertes. Leider haben die Banken (DAB/Cortal C.) die Höchstanlagesummen für die so begünstigten Tagesgelder zuletzt doch stark herabgesetzt, so dass ein 6-stelliger Betrag auf diese Weise von einer Person bei einer einzigen Bank nicht unterzubringen ist. Bei CC gibt es z. B. z.Z. bei einem Mindestdepot von 6.000 € 2% aufs TG, nach Depotwechsel 3%.

Als Aktie würde ich z. B. 200 (oder mehr) EADS nehmen. Airbus scheint ein Auftragspolster zu haben, das für die nächsten Jahre gute Geschäfte verspricht. Die Dividende war bislang eher mickrig, soll aber von Jahr zu Jahr angehoben werden. Riesige dauerhafte Ausschläge nach unten sind kaum zu befürchten - außer es kommt zu einem allgemeinen Kladderadatsch, aber dann...

Antwort
von althaus, 192

Entweder er nimmt das Geld zum Verleben und wenn es immernoch zuviel dafür ist, dann aufs Tagesgeld damit. Kein Erbe möchte sich mit komplizierten Wertpapiere oder anderen Analegformen ausernandersetzen. Sie wollen am besten Cash und das sofort, daher Tagesgeld.

Antwort
von robinek, 184

Meine ehrliche Meinung: Kenne die Vermögensverhältnisse Deines angehörigen Seniors nicht. 6 stelliger Betrag, also ab 100.000,-- €!? Was macht er sich da noch um Gedanken um eine Anlage ? Gib ihm den Rat: Lebe, das restliche Leben, ist kürzer als Du denkst! Hoffe er ist noch in gesundheitlich gutem Zustand. Oder macht er sich evtl. Gedanken um seine Erben? Hat er für eigene Notfälle vorgesorgt?

Antwort
von althaus, 183

Wozu hast Du die Frage noch einmal eingestellt? Immernoch nicht zufrieden?

Kommentar von Privatier59 ,

Ich wars nicht!

Antwort
von klautke, 156

hallo!

wie bei jeder kapitalanlage muss man auch hier den konkreten anlagebedarf und die anlageziele definieren.

welchen anlagehorizont, rediteerwartungen, anlagebetrag, persönliche vermögens - u einkommensverhältnisse, alles sollte berücksichtigt werden.

die wichtigste frage. wann benötige ich vieviel geld wieder?

soll längerfristig angelegt werden? will man eine regelmässige auszahlung erhalten, etwa jährlich, monatlich oder quartalsweise?

bei einem sechsstelligen betrag bieten sich genügend interessante möglichkeiten.

kreativität und erfahrung sind gefragt.

auch steuerliche aspekte sind zu berücksichtigen.

und festgeld oder tagesgeld kann man eigentlich aus dem wortschatz streichen, hier handelt es sich seit jahren schon um eine geldvernichtungsmaschinerie.

davon werden nur die banken reich, aber kein anleger!

tagesgeld allenfalls als liquider geldparkplatz geeignet, aber niemals als anlage.

das war aber auch mal anders: anfang der 80er jahre, als einige gold für spitzenpreise kauften (40.000 dm /kilo) und bis heute real gesehen auf verlusten sitzen, erinnere ich mich, in dieser zeit gab es tagesgeld für 13% !!!

aber das ist lange her, heute und auch in den nächsten jahren sind wir davon weit entfernt.

nur im sachwertbereich lassen sich inflationsfreie renditen erwirtschaften.

im geldmarkt sind hohe renditen auch mit einem entsprechenden risiko verbunden, welches aber durch eine gute strukturierung etwas gemindert werden kann.

bei interesse können sie gerne mit mir kontakt aufnehmen, daten in meinem profil . grüsse aus dem neckartal

a. klautke

Kommentar von LittleArrow ,

Sorry, ich habe nicht ganz verstanden, was Du nun mit Deiner Antwort konkret sagen willst. Das steht soviel "Alles Gute für jeden!" drin, aber vor allem "Kommt deshalb zu mir!".

davon werden nur die banken reich, aber kein anleger!

Wäre es nun unfair zu sagen, dass man das Wort "banken" durch "finanzvermittler wie mich" ersetzen könnte, weil der ja auch leben will?

Den Kommentar des Fragestellers hast Du vermutlich wegen der zeitlichen Überschneidung Eurer Textierung leider nicht gelesen. Da werden Deine Frage weitestgehend beantwortet.

Kommentar von klautke ,

lieber littlearrow, die von ihnen zitierte zeile bezog sich auf tagesgeld u festgeld, die ja zur zeit zweifelsfrei dem anleger keine reale rendite bringen, jedoch verstehen die anbietenden banken diese einlagen sehr profitabel für sich zu nutzen (nicht nur durch herausgabe von dispo-krediten mit bis zu 18% sollzins. derartige produkte vermittle ich nicht.

ich lebe im wesentlichen nicht von provisionen, sondern überwiegend von partizipation am anlageerfolg.

übrigens, ich kenne - ausser mir - keinen einzigen immobilienmakler in deutschland, der eine courtage-rückerstattung anbietet.

grüsse aus dem neckartal a. klautke

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