Frage von Casavala, 63

Gefährdet ein Umweg zum Tanken den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz?

Kann ein Umweg zum Tanken den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz gefährden, da man vom kürzesten und üblichen Arbeitsweg abweicht?

Antwort
von Primus, 58

Grundsatz: Wer auf dem Weg zur Arbeit einen Umweg zur Tankstelle macht, verliert den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz. Das Hessische Landessozialgericht begründet dies damit, dass das Tanken zum unversicherten persönlichen Lebensbereich gehört (vgl. Urteil des Hessischen LSG vom 20.05.2008 L3 - U 195/07).

Auszug aus der Urteilsbegründung: Bei dem Auftanken des Pkw handelt es sich um eine eigenwirtschaftliche Tätigkeit . Nach der ständigen Rechtsprechung ist das Auftanken eines zur Fahrt nach oder von dem Ort der Tätigkeit benutzten Kraftfahrzeuges grundsätzlich dem unversicherten persönlichen Lebensbereich des Versicherten zuzurechnen. Denn es handelt sich dabei um eine Verrichtung, die zwar üblicherweise der Aufnahme der Betriebstätigkeit vorangeht, der Betriebsarbeit aber zu fern steht, als dass sie schon dem persönlichen Lebensbereich des Beschäftigten entzogen und der unter Versicherungsschutz stehenden betrieblichen Sphäre zuzurechnen wäre. Eine andere rechtliche Beurteilung ist allerdings dann gerechtfertigt, wenn das Nachtanken während der Fahrt unvorhergesehen notwendig wird, damit der restliche Weg zurückgelegt werden kann.

Mehr hierzu bei: http://www.finanztip.de/recht/sozialrecht/arbeitsunfall--umweg-tanken.htm#ixzz2X...

Kommentar von gammoncrack ,

Ist auch logisch, da ja nie nachvollziehbar wäre, ob der Umweg tatsächlich zum Tanken oder zu McDonald's führen sollte.

Kommentar von Primus ,

Ab und zu hat man Glück und die beiden liegen nebeneinander...;-))

Antwort
von qtbasket, 39

Der unmittelbare Weg zählt

Als Wegeunfall werden Unfälle auf dem unmittelbaren Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstelle (dem so genannten "Ort der versicherten Tätigkeit") bezeichnet. Wegeunfälle sind dem Arbeitsunfall versicherungstechnisch gleichgestellt. Auch der Weg von der Arbeitsstelle zu einem so genannten "Dritten Ort" fällt unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung, wenn dieser aus betrieblichen Gründen aufgesucht wird. In diese Kategorie der "Dienstwege" fallen etwa Dienstreisen, Dienstgänge oder die Anfahrt zum Kunden und zurück.

Zusätzlich sind bestimmte Umwege versichert, so zum Beispiel das Abholen von Teilnehmern einer Fahrgemeinschaft oder der Transport von Kindern zu einer Kindertagesstätte oder Tagesmutter. Umwege privater Natur, beispielsweise der Gang zur Bank, um Geld abzuheben oder der Einkauf für die Mittagspause, gelten als "eigenwirtschaftliche Tätigkeit" und stehen nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Entscheidend für den Versicherungsschutz ist, dass der Versicherte den unmittelbaren Weg wählt, das heißt, er kann entweder den zeitlich oder den geographisch kürzesten Weg wählen. Wer zwar auf dem unmittelbaren Weg von oder zum Ort der versicherten Tätigkeit, aber mehr als zwei Stunden nach Arbeitsende einen Unfall erleidet, steht grundsätzlich nicht mehr unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Quelle:

http://www.dguv.de/inhalt/praevention/themen_a_z/verkehr_sicher/wegeunfaelle/ind...

Antwort
von schlaudachs, 29

Das kommt auf die länge und Art des Umweges an und ob wirklich klar dabei wird, dass getankt werden musste und kein privater Zweck Grund für den Umweg war. Ein Beispielurteil gibts vom Sozialgericht Heilbronn (Az S 3 U 666/10)

Antwort
von obelix, 24

wenn es einen betrieblichen Grund gibt für diesen Umweg, dann ist der Versicherungsschutz gegeben. Wenn nicht, dann gefährdest du diesen.

Es geht weniger um den kürzesten als vielmehr den üblichen Arbeitsweg. Der Weg, den du immer nimmst, der auch bei der Entfernungspauschale angesetzt werden kann, ist der relevante.

Antwort
von Mikkey, 20

Wenn das Tanken durch die Arbeit unumgänglich ist, ist man dabei unfallversichert.Daran werden aber strenge Regeln geknüpft. Es genügt nicht, dass man ohne Tanken nicht mehr in den Betrieb/nachhause kommt, man muss auch vorher keine Gelegenheit gehabt haben, zu Tanken.

Referenz: BSG 8 RKnU 1/94

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