Frage von Amica,

Frührente ja oder nein?

Guten Tag,

ich möchte mit 63 in Frührente gehen, aber bei meinem AG mit einem 450 Euro-Job weiterarbeiten. Mein AG sagt, dass dies doch keinen Sinn macht, da ich "unter dem Strich" nicht mehr Geld zur Verfügung habe und möchte, dass ich weiterarbeite. Ich bin jetzt wieder total verunsichert. Durch die Frührente habe ich zwar 7,2% Abzug, andererseits muss ich einen größeren Anteil von der Rente versteuern, wenn ich mit 65 gehe.Die Witwenrente wird dann auch mehr gekürzt. Man weiß ja auch nicht, wie sich die Rentensituation die nächsten 2 Jahre entwickelt.

Was ist die klügere Lösung, kann man das sagen? Vielen Dank mfG Amica

Antwort
von Primus,

Da Du sehr verunsichert bist, kann ich Dir nur empfehlen einen Beratungstermin beim Rentenversicherungsträger zu machen.

Dort wird Dir jede Möglichkeit genau ausgerechnet und du bekommst schwarz auf weiß zu sehen welche Konstellation für dich die beste ist.

Kommentar von Amica ,

Hallo Primus,

danke für deine Antwort. Ich war schon bei der Renten "Beratung". Dieser Herr hat mir keine Antwort geben können, was ich denn definitiv an Rente bekommen würde, wenn ich bis 65 arbeite. Das ist nur eine "Prognose" und niemand weiß, wie sich das in den nächsten 2 Jahren entwickelt. Wenn ich z.B. länger krank wäre, dann bekäme ich weniger Entgeltspunkte und das vermindere dann auch die Rente. Zum Glück bin ich nicht krank, aber Angst macht einem das schon.

mfG Amica

Antwort
von hubkon,

Hallo AMICA,

Sie schreiben:

Frührente ja oder nein?

Antwort:

Das Wort "Frührente" ist ein Überbegriff und beinhaltet sowohl vorgezogene Altersrenten mit entsprechenden Abschlägen als auch teilweise- und volle Erwerbsminderungsrenten mit ebenfalls entsprechenden Abschlägen.

Da Sie nichts von einer Erkrankung oder Leistungsminderung schreiben ist wohl davon auszugehen, daß Sie eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen meinen.

Wenn Sie also aktuell 63 Jahre sind, dann wären Sie nach Adam Riese ca. 1950 geboren.

Die in Frage kommenden Möglichkeiten sind, je nachdem wie Ihre Erwerbsbiographie ist, sehr unterschiedlich.

Eine umfassende Darstellung der einzelnen Möglichkeiten finden Sie unter folgendem Link der DRV:

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/258148/publica...

Auszug:

Ab dem Jahr 2012 wird für ab 1947 Geborene bis zum Jahr 2029 die Regel- altersgrenze schrittweise auf 67 Jahre angehoben; ab dem Geburtsjahr gang 1964 ist 67 die Regelaltersgrenze. Schwerbehinderte Menschen und Ver sicherte, die 45 Jahre Pflichtbeitragszeiten und Berücksichtigungs zeiten zurückgelegt haben, können aber weiterhin ohne finanzielle Einbu ßen nach Vollendung des 65. Lebensjahres in Rente gehen. Schwerbehin derte Menschen, die vor 1952 geboren sind, können bereits ab 63 Jahren eine Rente ohne Abschläge erhalten.

Lesen Sie die weiteren Einzelheiten bitte direkt in der Broschüre nach und wenn dann noch Fragen offen sind, wenden Sie sich direkt an Ihre DRV und lassen sich entsprechend beraten.

Richtig ist, daß die Witwenrente bei Überschreiten gewisser Freibeträge gekürzt wird, was sich sowohl auf die Rente als solche als auch auf Ihren Zusatzverdienst auswirkt.

Was da dann letztendlich unter den zusätzlichen, steuerlichen Gesichtspunkten unter dem Strich exakt dabei rauskommt, das ist ein Kapitel für sich.

Sie müßen also zunächst mit Ihrer Rentenversicherung abklären, in welcher Höhe Ihre Rentenbezüge ganz genau ausfallen und mit diesen Infos mit einem Lohnsteuerhilfeverein genau ermitteln, welche Steuern dann ggf. genau anfallen.

Oft gestaltet sich das Ganze für Bezieher von Witwen/Witwerrenten als Nullsummenspiel, weil ja die Witwenrente unter dem Hinzuverdienst leidet, sprich Leistungswillige werden durch Kürzungen bestraft und viele Bezieherinnen von Witwenrenten zahlen unter dem Strich drauf!

Ein weiterer Gesichtspunkt sollte natürlich auch die Lebensqualität mit einbeziehen, denn wenn Sie nicht mehr zur Arbeit müßen, haben Sie in der Regel weniger Aufwand und weniger Stress, Sie erhalten spürbar mehr Freizeit für Hobbys und können mehr für Ihre Gesundheit tun.

Viele Leute arbeiten bis zum letzten Tag und fallen dann in ein tiefes Loch, weil Sie mit sich und den Ihrigen in der Freizeit nichts anzufangen wissen!

Auch Freizeit muß gemanagt werden, auch Freizeit braucht ein tägliches Programm!

Was ist die klügere Lösung, kann man das sagen?

Antwort:

Die klügere Lösung ist, wie oben beschrieben, alle Einkünfte und Abgaben einander gegenüber zu stellen und den gesundheitlichen Aspekt nicht außer acht zu lassen.

Das Leben ist sehr kurz, niemand weiß, was morgen ist!

In den letzten Jahren jagt eine Rentenreform die nächste und nach den kommenden Wahlen wird es sicherlich wieder manche Überraschungen geben.

Denken Sie doch nur an die brutale Heraufsetzung des Renteneintrittsalters für die armen Frauen von ursprünglich 60 Jahre auf aktuell 67 Jahre, je nach Geburtsjahrgang.

Beste Grüße, viel Erfolg und bestmögliche Gesundheit

Konrad Huber

Kommentar von Amica ,

Guten Tag Herr Huber,

vielen Dank für Ihre ausführliche und hilfreiche Antwort!

Ja, es geht um einen "vorgezogene Altersrente". Laut "Prognose" hätte ich mit 65 Jahren 130 Euro mehr Rente (brutto), aber eben auch 44 Euro weniger Witwenrente. Bei der vorgezogenen Altersrente plus 450 Job habe ich zwar einen höheren Abzug bei der Witwenrente (170 E), aber unter den Strich mehr Einkommen.Wenn ich nicht mehr arbeiten kann, dann habe ich 90 E weniger Rente, als wenn ich bis 65 arbeite.Immer vorausgesetzt, dass die "Prognose" sich nicht negativ verändert. Und da das ja versteuert werden muss, ist die Differenz noch weniger.

Ich kann es drehen und wenden wie ich will, es hält sich in etwa die Waage.Und wie Sie auch sagen, ist der Aspekt der Lebensqualität auch zu beachten, denn der Druck im Job wird immer höher.

Vielen Dank auch für den Link, ich lese ihn mir noch durch.

Freundliche Grüße und auch alles Gute für Sie Amica

Kommentar von hubkon ,

Und wie Sie auch sagen, ist der Aspekt der Lebensqualität auch zu beachten, denn der Druck im Job wird immer höher.<

Antwort:

Ja, das ist vollkommen richtig!

Und wenn Sie alles korrekt überdenken, dann gewinnen Sie doch zusätzlich, wenn Sie früher in Rente gehen, weil Sie ja zwei Jahre oder ggf. noch mehr Monate früher das Geld aus dem Rententopf erhalten.

Genießen Sie Ihre Rentenzeit, solange dies gesundheitlich machbar ist, denn die Gesundheit ist so zerbrechlich wie Meisner Porzellan.

Was sind da ein paar Euro mehr oder weniger?

Nehmen Sie Ihre verdiente Rente rechtzeitig in Anspruch, arbeiten Sie nur noch für Ihre Gesundheit und überlassen Sie den anderen den Druck, Stress, Mobbing usw., solange Sie noch fit sind.

Beste Grüße

Konrad

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten