Frage von vogelexplosion,

Freundin in zweiter Ausbildung steuerlich geltend machen als außergewöhnliche Belastung?

Hallo! Meine Freundin (Verlobte - falls relevant) und ich leben in einer gemeinsamen Wohnung. Ich bin voll berufstätig, und sie befindet sich in ihrer zweiten Ausbildung. Die erste Ausbildung hat sie erfolgreich abgeschlossen. Sie ist 24 Jahre alt und Ihre Eltern erhalten kein Kindergeld für sie (Antrag und Widerspruch wurden abgelehnt). Da ich mich somit in der Unterhaltspflicht fühle, habe ich Sie für das Jahr 2011 als "besondere Belastung" in meiner Steuererklärung angegeben. Im Steuerbescheid vom Finanzamt wurde diese Belastung jedoch nicht berücksichtigt. Eine Angestellte vom Finanzamt konnte mir keine kokreten Gründe dafür nennen. Vielleicht noch wichtig zu wissen ist, dass meine Freundin nebenbei jobt allerdings auch Schulgeld für Ihre Ausbildung zahlt. Sie kommt im Durchschnitt auf ein monatliches Einkommen von ca. 200€. Davon bleiben ihr nach Abzug des Schulgeldes und der Monatskarte noch rund 70€ zum leben. Essen, Miete und weitere "Wohnkosten" zahle ich allein. Wer kann mir sagen, warum ich meine Freundin nicht steuerlich geltend machen kann?Oder ist dem Finanzamt ein Fehler unterlaufen? Vielen Dank für Eure Zeit und Mühe!

Antwort
von Privatier59,

Du FÜHLST Dich in der Unterhaltspflicht?! Deine Gefühle in allen Ehren, aber ich fühle mich meiner Katze auch moralisch zum Unterhalt verpflichtet und kann trotzdem nichts absetzen! Im Gegensatz zu mir hast Du aber FÜR DIE ZUKUNFT die Chance auf Nachbesserung. Heirate einfach, dann gibts den Splittingvorteil und Du sparst ne Menge Geld. M.a.W.: Fehlende Ehe ist der Grund der Ablehnung.

Kommentar von EnnoBecker ,

Deine Katze ist keine "gleichgestellte Person" im Sinne des § 33a (1), auch wenn du das anders empfinden magst.

Fehlende Ehe ist kein Grund.

Kommentar von Privatier59 ,

Und wo ist die Unterhaltspflicht ohne Ehe?

Kommentar von EnnoBecker ,

Schau mal den Dialog zwischen FREDL2 und mir an.

Kommentar von Privatier59 ,

Was, für eine Miezi gibt Steuerermäßigung, aber für eine Mieze nicht! So eine Schweinerei. Wir leben in einer Bananenrepublik.

Antwort
von FREDL2,

Außergewöhnliche Belastungen (steuerlicher Begriff) sind zwangsläufig größere Aufwendungen, welche der überwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverhältnisse, gleicher Vermögensverhältnisse und gleichen Familienstands nicht entstehen. Nur solche Kosten können ggf. als außergewöhnliche Belastungen steuerlich berücksichtigt werden.

Krankheitskosten können das sein, Kosten für einen Zivilprozess und auch Unterhaltskosten. Aber nur für Verwandte in gerader Linie, also für Großeltern, Eltern, Kinder oder Enkel.

Kommentar von EnnoBecker ,

Es geht um § 33a(1).

Kommentar von FREDL2 ,

@EB: okay, ändert aber nichts. Er fühlt ja nur, gesetzlich verpflichtet ist er nicht. Mit Trauschein wäre die Verlobte besonders belastend. So nicht.

Kommentar von EnnoBecker ,

Nö.

Schau mal in Tz 3.3 des BMF-Schreibens vom 7. Juni 2010.

Kommentar von FREDL2 ,

@EB: Der gesetzlich unterhaltsberechtigten Person gleichgestellt ist eine Person, wenn bei ihr zum Unterhalt bestimmte inländische öffentliche Mittel mit Rücksicht auf die Unterhaltsleistungen des Steuerpflichtigen gekürzt werden.

Ja,es gibt kein Kindergeld. Aber ob das wegen Rücksicht auf die Unterhaltsleistungen des Steuerpflichtigen ist, das weiss man doch nicht.

Hilf mir bitte auf die Sprünge, wenn ich ins Wirre denke.

Kommentar von EnnoBecker ,

@FREDL2

Es gibt auch kein Hartz4, weil sie zusammen mit dem Freund eine Bedarfsgemeinschaft bildet. Den Antrag kann sie sich sogar von vornherein sparen.

Glaub mir nur, ich habe dieses Spiel schon gespielt.

Kommentar von FREDL2 ,

@EB: na gut. Schwanzeinzug

Kommentar von EnnoBecker ,

O Gott, diese Bilder!

Kommentar von FREDL2 ,

Wieso? Mir fehlt da nichts.

Kommentar von EnnoBecker ,

Gut, dass wir drüber sprachen.

Antwort
von vogelexplosion,

VIELEN DANK FÜR DIE SCHNELLEN ANTWORTEN!!! Ich formuliere meine Frage noch mal neu ;-) Wenn ich nicht für meine Freundin zahle, wer dann? Hat sie dann Pech und muss sich selbst um ihren Lebensunterhalt kümmern? Trotz unbezahlter Vollzeitausbildung? Oder sind ihre Eltern unterhaltspflichtig? Oder kann sie eine staatliche Hilfe in Anspruch nehmen, die wir außer Acht gelassen haben?

Antwort
von EnnoBecker,

Dein Gedanke ist da schon ganz richtig. Leider funktionieren Steuern jedoch etwas komplizierter.

Deshalb suchst du dir mal am besten das BMF-Schreiben vom 7. Juni 2010 mit dem Titel "Allgemeine Hinweise zur Berücksichtigung von Unterhaltsaufwendungen nach § 33a Absatz 1 EStG als außergewöhnliche Belastung" heraus. Insbesondere unter Punkt 3.3 wird auf deine Situation eingegangen.

Ich mag jetzt nicht selber rechnen, aber es kann sein, dass herauskommt, dass diese Aufwendungen dem Grunde nach zwar abzugsfähig sind, aber nicht der Höhe nach.

Außerdem solltest du gegen den Bescheid Einspruch einlegen. Es kann nicht sein, dass das Finanzamt etwas festsetzt und nicht weiß, warum. Wahrscheinlich hast du bloß da angerufen, oder? Das tut man ja auch nicht.

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