Frage von katerman007,

Freiberufler oder nicht?

Hallo ich bin seit kurzen freiberuflich tätig, zumindest sagte man mir, dass ich das wäre und einfach Rechnungen ohne Mwst. schreiben kann. Jedoch bin nich mir nun etwas unsicher. Zum einen biete ich Tennistraining für einen Verein an, Nachhilfe für eine Wohlfahrtgesellschaft, zudem habe ich eine Firma beraten und nun werde ich gefragt ob ich als freier Vertriebsmitarbeiter tätig sein kann... bisher habe ich jedoch nichts angemeldet und einfach meine Steuer-ID auf die Rechnung mit angegeben... Mein erlernter Beruf ist Dipl-Ing (FH). Was habe ich nun falsch gemacht? Wo muss ich mich anmelden. Hinzukommt, dass das einkommen unter 8000Euro im Jahr liegt und ich noch als Student eingetragen bin. Falls ich als freiberufler arbeiten darf, muss ich ebenfalls eine klausel auf die rechnung schreiben, wie der kleinunternehmer?

Antwort von obelix,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

ich würde den Blindflug beenden und das Zepter in die Hand nehmen und nicht auf irgendwelche Behauptungen reagieren.

Geh zum Steuerberater und kläre das mit deinen vielen Tätigkeiten. Der wird dir sagen, was freiberuflich ist, und was gewerblich. Eine Steuernummer vom Finanzamt benötigst du allemal (die Steuer-ID hat damit nicht zu tun). Und ggf. benötigst du ein Gewerbe, das bei deiner Gemeinde anzumelden ist.

Nach deiner Beschreibung kann ich nur vermuten, dass du auf Probleme zusteuerst, die von vielen kenne, die sich mal so nebenbei selbständig gemacht haben. Daher: geh zu einem Fachmann und lass dich beraten.

Kommentar von Meandor,

Zitat: Und ggf. benötigst du ein Gewerbe, das bei deiner Gemeinde anzumelden ist.

Wie sieht den so ein Gewerbe aus? Gibt es das bei der Gemeinde bündelweise zum abholen? Gibt es Mengenrabatt?

In Deutschland herrscht Berufsfreiheit. Das ist ein Grundrecht. Jeder kann eine Gewerbe beginnen, wann immer er will, solange der Gesetzgeber keine Einschränkungen erlassen hat.

Man benötigt kein Gewerbe. Entweder man hat eins oder man hat keins. Und wenn man eines hat, dann muss man dessen Beginn der Gemeinde anzeigen.

Antwort von Meandor,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Tennistraining für einen gemeinnützigen Verein ist steuerfrei bis zu 2.100 Euro im Jahr (§ 3 Nr. 26 EStG).

Freier Vertriebsmitarbeiter ist bei mir steuerrechtlich immer ein Gewerbetreibender, bis ich genau weis, was der überhaupt macht. Bei einem Ing. ist die Chance hoch, dass es Beratungsleistungen sind, und wir somit den Weg zu den freien Berufen oder sonstigen selbständigen Tätigkeiten finden.

Wenn es das einzige Einkommen ist (die 8.000 Euro), dann fällt eh keine Einkommensteuer an.

Ob es für den Status als Student eine Verdienstobergrenze oder sowas gibt, weis ich nicht.

Was Du auf die Rechnungen schreiben muss, richtet sich steuerlich höchstens nach dem UStG (Umsatzsteuergesetz). Bei einem Einkommen von unter 8.000 Euro im Jahr, hast Du wohl auch einen Umsatz von unter 17.500 Euro im Jahr. Kraft Gesetz bist Du somit Kleinunternehmer, außer Du würdest Dich gerne mit der Umsatzsteuer beschäftigen.

Kleinunternehmer heißt, solange Du nicht auf die Idee kommst Umsatzsteuer auszuweisen, will Papa Staat auch keine USt von Dir.

Freiberufler = Begriff aus der Einkommensteuer

Kleinunternehmer = Begriff aus der Einkommensteuer

Jeder Freiberufler ist Unternehmer, aber nicht unbedingt Kleinunternehmer und ein Kleinunternehmer ist nicht unbedingt ein Freiberufler.

Antwort von keule70,

Hi, Freiberufler bist du nur in bestimmten Berufsgruppen. Der wesentliche Unterschied zwischen Freiberufler und Selbstständiger ist die nicht erforderliche Gewerbeanmeldung. Ich selbst bin auch freiberuflich tätig.

Das Training als Honorartrainer ist freiberuflich. Aber dort kannst du, sofern du weniger als 2100 EUR im Jahr bekommst, für diesen auch den Übungsleiterfreibetrag nutzen. Wie hoch sind diese Einnahmen?

Zur Nachhilfe: Diese ist freiberuflich, sofern du gewisse Qualitätsstandarts erfüllst bzw. diese wissenschaftlich fundiert ist. So war meiner Meinung nach die Definition.

Was den Bereich Unternehmensberatung angeht, habe ich keine Ahnung.

Vertriebsmitarbeiter wird vermutlich auch nicht unter die freien Berufe fallen. Für diese Tätigkeiten müsstest du vermutlich ein Gewerbe anmelden. Aber das ist auch nicht so schlimm. Für die Gewerbesteuer gibt es auch einen Freibetrag.

Für die freiberufliche Tätigkeit musst du kurz zum Finanzamt und ein Formular ausfüllen. Dieses muss eigentlich bis 1 Monat nach Tätigkeitsbeginn erfolgen. Ich habe es auch erst 4 Monate später gemacht, da ich vom FA falsche Auskünfte bekommen habe. Wenn man freundlich hingeht und um Unterstützung bittet, ist es aber kein Problem.

Mit der Anmeldung vermeidest du den Verdacht der Schwarzarbeit und der Steuerhinterziehung.

Im nächsten Jahr gibst du dann eine Steuererklärung ab, bei der du die Anlage S ausfüllst.

Übrigens: Auch als Freiberufler kannst du MwSt ausweisen, wenn du nicht von der Kleinunternehmerregelung gebrauch machst! Wichtig ist das Kreuz Kleinunternehmer oder nicht. Dann musst du aber monatlich eine Umsatzsteuervoranmeldung oder so abgeben und die MwSt in der Rechnung ausweisen.

Kommentar von Meandor,

Ich bin studierter Lebensmittelchemiker und fangen an, neben meiner Haupttätigkeit, Brötchen zu produzieren. Weil ich aber kein Bäcker sein will, haben meine Brötchen lustige Farben und exotische Geschmacksrichtungen.

Mein Umsatz mit den Brötchen beträgt circa 10.000 Euro im Jahr.

Ich melde kein Gewerbe an, und gebe keine Steuererklärung ab.

Nach drei Jahren bekomme ich einen Anruf vom Rathaus, sie hätten keine Gewerbeanmeldung von mir. Ich reiche diese nach. Anschließend bekomme ich eine Aufforderung vom Finanzamt ich soll Steuererklärungen abgeben und ein Unterlassungsschreiben der Handwerkskammer. Ich geb die Steuererklärungen ab und stelle das backen ein.

Bin ich Steuerhinterzieher?

Bin ich Schwarzarbeiter?

Kommentar von keule70,

Die Info habe ich nur von einem Rechtsanwalt bekommen, der sich mit Unternehmensgründung beschäftigt.

Ich bin nach AO als selbstständiger verpflichtet, bis zum 31.5. meine Steuererklärung abzugeben. Wenn ich dem Finanzamt nicht mitteile, dass ich selbstständig bin, und das merk auf einmal, dass ich auf eigene Rechnung handel, wird es mir zumindest eine Aufforderung dazu schicken. Ein Anfangsverdacht entsteht vermutlich schon, wenn ich auf eigene Rechnung handel und meiner Anzeigepflicht nicht nachkomme. Damit ist man nicht zwangsweise ein Steuerhinterzieher.

Das war zumindest die Argumentationsstruktur.

Kommentar von Meandor,

Mit Anfangsverdachten sind die Steuerfahnder immer sehr vorsichtig. Verdächtig ist vieles, aber meist reicht es nicht.

In meinem Bundesland interessiert so etwas noch gar nicht. Da kommt der Hinweis, zuerst Erklärungen zuschicken, und wenn dann alles erklärt wird, ist man aus allem raus.

Antwort von werists,

Freiberufler und MwSt. auf den Rechnungen sind zwei paar Schuhe!

Ob das Finanzamt die Tätigkeiten als Freiberuflich anerkennt kommt auf die Art der Tätigkeit und dem erlernten Beruf an. Tennistraining und Nachhilfe sollten kein Problem sein. Die Beratung kann aber schon eine gewerbliche Tätigkeit sein (je nach Thema) Die freiberufliche Tätigkeit muss (mit genauer Beschreibung) beim Finanzamt angezeigt werden, lehnen diese dann ab muss bei der Stadt/Gemeinde ein Gewerbe angemeldet werden. Das hat auch den Vorteil, dass Du dann flexibel bist und nicht bei jedem Auftrag prüfen musst ob diese freiberuflich ist oder nicht. Große Nachteil entstehen dadurch nicht.

PS.: Die Verkaufstätigkeit ist sicher gewerblich

MfG

Kommentar von Meandor,

Das Finanzamt prüft aber erst bei der ersten Jahresveranlagung ob eine gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit vorliegt.

Was macht der Fragesteller aber, wenn er keine Gewerbe anmeldet und nächstes Jahr sagt das Finanzamt, dass er kein Freiberufler ist?

Was macht es bei den Aufträgen für einen Unterschied ob jemand den Auftrag als Freiberufler oder Gewerbetreibender erfüllt?

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