Frage von microgeo, 4

Frankenthema: Größere Auswirkungen auf Konzerne wie Nestle, Roche etc. zu befürchten?

Hintergrund: Viele Schweizer Konzerne sind zwar international tätig, produzieren aber auch häufig noch vieles im eigenen Land. Entsprechend supoptimal dürfte ein teurer Franken für Firmen wie Nestle mit hohem Exportanteil sein. Meinungen?

Antwort
von Rat2010, 4

Es hat verschiedene Auswirkungen.

Wenn Nestle wie viele Konzerne seine Umsätze fast nur im Ausland macht, so werden doch die Umsatz- und Ergebnisprognosen in Landeswährung abgegeben. Wenn also Nestle gerade noch ein KGV von 17 hatte, ist es zwei Tage später bei 19 oder 20, weil das Ergebnis in Franken sinkt. Dazu haben die auch Konzernweit Bargeldbestände, die von heute auf morgen abgewertet werden müssen.

Das sorgt für durchaus richtige Korrekturen an den Börsen.

Die andere Auswirkung dauert etwas länger. Ein Unternehmen mit einer zu starken Währung, kann sich überlegen, ob es die Margen, also das, was man an Gewinn machen will, beibehält und weniger konkurrenzfähig wird oder ob es die Preise (in Franken) senkt. Beides hat einen negativen Einfluss auf das Betriebsergebnis. Die Kurse an dne Börsen sinken zurecht.

Richtig greifbar wird das bei den Hotels und Restaurants in der Schweiz. Die Schweizer machen im Ausland Urlaub und die Ausländer kommen weniger. Also kann der Hotelier entweder die Preise senken oder mit geringerem Umsatz leben.

Wenn man wie Nestle oder Roche nur einen kleinen Teil der Kosten in der Schweiz hat, ist der zweite Effekt gering. Dass das Ergebnis in Franken aber gerade wegen des hohen Auslandsanteils sinkt aber Fakt.

Ich habe Kunden in der Schweiz (Deutsche): unangenehm, wenn man von einen Tag auf den anderen 15 % verliert, ohne irgendwas dagegen machen zu können. Wesentlich unangenehmer dürfte es allerdings für Schweizer Anleger sein, die ihr Geld vermeintlich sicher für 1 % auf ein Tagesgeld im Ausland oder - was gern gemacht wurde - wegen 0,50 % mehr Zins auf ein Eurokonto in der Schweiz angelegt haben.

Mir fehlen die Zahlen. Es gibt sicher auch einiges an Einlagen von Schweizern in Franken. So im Schnitt 7 - 10 % ärmer dürften sie aber geworden sein.

Antwort
von gandalf94305, 3

Nicht wirklich.

Überlege mal, was Nestlé denn wirklich ist und wo Nestlé produziert bzw. verkauft. Das gilt inzwischen auch für Unilever, Diageo, Coca Cola, Kraft, Masterfood und all die anderen Größen der Branche.

Nestlé ist doch keine kleine Schweizer Bude, die nun darunter leidet, daß man ihre Produkte plötzlich 30% teurer gemacht hat. Das ist ein Konglomerat aus vielen internationalen Gesellschaften, die jeweils in ihren Währungsräumen arbeiten.

Hat Nestlé nicht in CHF, sondern in USD oder EUR Anleihen begeben, hat sich gerade eine wundersame Schuldenverringerung eingestellt :-)

Nestlé hat außerdem einiges Geld in der Kriegskasse, das in CHF notiert und sich plötzlich vermehrt hat. Man könnte also auch Unternehmenskäufe sehen.

Swatch produziert in der Schweiz und wird damit seine Exporte nun teurer verkaufen müssen oder aber zu Lasten der Margen Preisnachlässe (in CHF) gewähren.

Zu Julius Baer oder Credit Suisse muß man nicht mehr viel sagen...

Trotz aller Panik sind die Reaktionen im Prinzip erklärlich und nich so sehr überraschend. Überraschend war nur der Zeitpunkt der SNB-Ankündigung.

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