Frage von tommytom, 91

Fragen zur Est, Kapitalerträge und Est-Erklärung

Hallo,

ich hätte ein paar Fragen zum Thema Einkommensteuer und Einkommensteuererklärung, zu denen ich leider keine Antworten gefunden habe.

  1. ) Bin ich überhaupt verpflichtet, eine ESt-Erklärung abzugeben, wenn meine Einkünfte weit unter 8000 Euro liegen, bzw. wenn keine Einkommensteuer anfällt und ich vom Finanzamt nicht aufgefordert werde eine abzugeben?

  2. ) Ich hatte im Jahr 2014 0 Euro Einnahmen aus selbständiger Arbeit oder einer Beschäftigung durch Einstellung (habe vom erspartem gelebt bzw. durch Unterstützung von Eltern). Allerdings hatte ich 1700 Euro Kapitalertrag (Zinsen aus einem Darlehen, das ich privat vergeben habe). Mit Abzug des Freibetrages von 800 Euro wären das 900 Euro, die versteuert werden müssen. Fallen für mich damit Einkommensteuern für das Jahr 2014 an, oder nicht? Sonderausgaben gab es übrigens auch, ca. 850 Euro Kranken- und Pflegeversicherung.

  3. ) Müssen Kapitalerträge (z.B. Zinsen aus einem Privatdarlehen) in einer ESt auch angegeben werden, wenn sie in der Summe 800 Euro im Jahr nicht überschreiten?

4.) Mir ist aufgefallen, dass ich im Jahr 2012 mehrere Fehler in der ESt gemacht habe. Ich habe zum einen Einnahmen im 3stelligen Bereich und zum anderen noch höhere Sonderausgaben (Kranken- + Pflegeversicherung, Studiengebühren) vergessen anzugeben. Dabei war ich glaube ich garnicht mal aufgefordert worden eine abzugeben. Und wahrscheinlich auch nicht verpflichtet. Und meine Einkünfte betrugen um die 3000 Euro. Ich war also so oder so nicht verpflichtet, Einkommensteuer zu zahlen. Muss/Sollte ich trotzdem diese Einkommensteuererklärung berichtigen, oder darf ich mir und dem Staat den damit zusammenhängenden Aufwand ersparen?

Vielen Dank

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Antwort
von gandalf94305, 91
  1. Nein. Verpflichtet bist Du nicht.

  2. Keine Einkommensteuer, da Du im Jahr mind. 8.354 EUR plus ein paar weitere EUR an Einkünften haben kannst, ohne daß Steuern anfallen (Freigrenze).
  3. Nein. Wenn die Kapitalerträge in Summe nicht 801 EUR übersteigen, mußt Du sie nicht angeben. Es kann aber zur Dokumentation dieser doch sinnvoll sein, sie anzugeben. Abgeltungssteuer ist nur ein bestimmter Einkommensteuertarif für Kapitalerträge. Liegst Du also unter der Freigrenze, fällt nichts an.

  4. Wenn Du insgesamt unter der Freigenze liegst, solltest Du  Dir den Aufwand sparen. Steuern fallen ja nicht an.
Kommentar von tommytom ,

zu 1.

Ich habe vergessen zu erwähnen, dass ich selbständig bin (Freiberufler). Bleibt es dabei, dass ich keine ESt-Erklärung abgeben muss, wenn meine Einkünfte unter 8354 Euro bleiben?

2. Alles klar! Also bei mir wären das ja 2014 ca. 225 Euro Kapitalertragsteuern (25% von 900 Euro). Wie hoch hätte das andere Einkommen sein müssen, damit ich hätte 225 Euro abführen müssen?

3. Alles klar, danke!

4. Alles klar, danke!

Kommentar von gandalf94305 ,

zu 1. Nein, nach §56 EStDV nicht. Es geht aber um Einkünfte, nicht um Gewinn!

zu 2. Ist Dein Einkommen unter 8.354 EUR im Jahr, so ist der Einkommensteuersatz Null. Keine Kapitalertragsbesteuerung. Der Grenzsteuersatz, bei dem 25% Einkommensteuer anfallen, wird bei ca. 14.000 EUR erreicht (2014). Unterhalb dieses Einkommens wird die Abgeltungssteuer auf den persönlichen Steuersatz per Günstigerprüfungsantrag reduziert.

Kommentar von LittleArrow ,

Der Grenzsteuersatz von 25 % wird 2014 bei einem zu versteuernden Einkommen von ca. € 15.730 erreicht.

Kommentar von gandalf94305 ,

Ei, da bin ich wohl irgendwie verrutscht... die Größenordnung passt ;-)

Antwort
von billy, 55

Wenn Sie nicht gesetzlich zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, können Sie sich freiwillig veranlagen lassen.

Die freiwillige Abgabe einer Steuererklärung lohnt meist, wenn Sie hohe Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen haben oder wenn Sie Handwerker und Dienstleister in Ihrem Haushalt arbeiten lassen.

Normalerweise müssen Sie Ihre Steuererklärung bis Ende Mai des folgenden Jahres abgegeben haben. Eine Verlängerung ist nach einem Antrag beim Finanzamt möglich oder wenn ein Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein Sie unterstützt.

In der Form Ihrer Steuererklärung haben Sie geringen Spielraum. Am besten nutzen Sie die amtlichen Vordrucke.

Sie können Ihre Steuererklärung auch elektronisch mit Elster via Internet an das Finanzamt übermitteln.

Mehr hierzu bei: http://www.finanztip.de/steuerklaerung-abgabeplicht/#ixzz3TutRWEYj 

Kommentar von tommytom ,

Vielen Dank für die nützlichen Hinweise :-)

Kommentar von gandalf94305 ,

Lach und schmeiß mich weg... :-)

Antwort
von LittleArrow, 50

Mit Abzug des Freibetrages von 800 Euro wären das 900 Euro, die versteuert werden müssen.

Hierzu zunächst die richtige Darstellung: "Mit Abzug des Sparerpauschbetrages von 801 Euro wären das 899 Euro, die steuerpflichtig sind", denn es gibt keinen Freibetrag mehr und die Beträge sollten auch korrekt sein. Ob eine Versteuerung stattfindet, hängt auch von der Höhe des zu versteuernden Einkommens ab.

Ferner irritiert mich Deine Fragestellung bei der Antwort von gandalf: "Wie hoch hätte das andere Einkommen sein müssen, damit ich hätte 225 Euro abführen müssen?" Nach Deiner Sachverhaltsschilderung ergibt sich für diese Frage keinerlei Grundlage (woher sollte dieses Einkommen plötzlich kommen oder ist es eine Hausaufgabe?). Da müßte man zunächst vom zu versteuernden Einkommen ausgehen und nicht nur vom "anderen Einkommen" (sowie "Werbungs-/Betriebskosten, Sonderausgaben etc."). 

Da bei einem zu versteuernden Einkommen von ca. € 15.730 (Alleinstehender!) ein Grenzsteuersatz von 25 % erreicht wird, bietet sich bei Kapitaleinkünften über € 801 hinaus (in Deinem Fall sind es mindestens € 899) die sog. Günstigerprüfung an, die in der Anlage KAP 2014 durch eine 1 in Zeile 4 beantragt werden muss. Das andere zu versteuernde Einkommen darf also höchstens € 14.831 (15.730 - 899) betragen. In diesem Betrag wären auch bereits versteuerte Kapitaleinkünfte einzuschließen, deren Abgeltungsteuer dann durch die niedrigere Einkommensteuer ersetzt würde.

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