Frage von KleinErna, 43

Frage zum Depot

Hallo liebe Finanzfrage-Leser,

was haltet ihr von folgendem Depot für eine langfristige Geldanlage zwecks Altersvorsorge. Das Depot soll pflegeleicht sein nach der Buy und Hold-Methode.

iShares DJ US Select Dividend (DE) (AOD8Q4), (Aktien Large Caps Value, USA/Nordamerika) = 7%

iShares Euro Stoxx Total Market Value Large (AOHG2N), (Aktien Large Caps Value, Westeuropa) = 7%

iShares DJ Asia Pacific Select Divident (AOHO74), (Aktien Large Caps Value, Japa/Australien) = 3%

ComStage ETF MSCI USA Small Cap (ETF123), (Aktien Small Caps Blend, USA/Nordamerika) = 7%

ComStage ETF MSCI Europe Small Cap (ETF126), (Aktien Small Caps Blend, Westeuropa) = 7%

Ishares Euro Stoxx Small (AODPMZ), (Aktien Small Caps Blend, Japan/Austalien) = 3%

Ishares MSCI Emerging Markets (AOHGZT), (Aktien Schwellenländer) = 15%

EasyETF GSCI TR (AOEAZC), (Rohstoff) =6%

Festgeld/Tagesgeld = 12%

Mischfonds Ethna (bereits vorhanden), = 15%

Gold (bereits vorhanden) = 18%

zzgl. (bereits vorhanden) = ETW

zzgl (bereits vorhanden) = Rückkaufswert private Rentenversicherung

Antwort
von Tritur, 28

Warum so viele ETFs?? Ich würde die verkaufen und den Erlös in einen oder zwei aktiv verwaltete, international anlegende, thesaurierende, in Deutschland domizilierte und flexible Mischfonds anlegen. Begründung: 1. Auch wenn die Verwaltungskosten von ETFs im Vergleich zu aktiv verwalteten Fonds zunächst niedrig aussehen, sind sie in Relation zur geringen Leistung des ETF-Managements dennoch sehr hoch. Einen Index nachbilden kann jeder Depp. Man braucht dazu keine spezielle Ausbildung, kein Research, keine Erfahrung und keine Kenntnis des Aktienmarkts, sondern bestenfalls einen PC. Dazu sind die wahren Kosten eines ETFs, wie bei allen Fonds, stets höher als angegeben, da die Transaktionskosten der ständigen Anpassungen an den zugrunde liegenden Index in der TER nicht ausgewiesen werden.

  1. Ein ETF kann niemals richtig gut sein, weil der abgebildete Index keine qualitative Aktienauswahl darstellt und nicht nur gute und preiswerte, sondern auch schlechte und überteuerte Aktien enthält. In vielen Indizes, wie z.B. im Dax, richtet sich die Gewichtung der einzelnen Aktien nach ihrer Marktkapitalisierung. Überbewerte Aktien sind in solchen Indizes also übergewichtet und bedeuten ein erhöhtes Kursrisiko.

  2. Ein ETF wird sich wegen seiner Kosten grundsätzlich immer schlechter entwickeln als der jeweils abgebildete Index.

  3. Versucht ein Fonsmanager mit seinem ETF die Performance des abgebildeten Index zu erreichen oder gar zu übertreffen, muss er versuchen zusätzliche Erträge zu erwirtschaften oder hebeln. Solche ETFs haben dann viel größere Risiken als der zugrunde liegende Index. Zusätzliche Erträge können z.B. durch Wertpapierverleihgeschäfte erzielt werden. Dabei verleiht der Fondsmanager sachwertähnliche Aktien seines Fonds an ein anderes Finanzinstitut. Die Rückgabeforderung stellt für den ETF ein Bonitätsrisiko dar, welches es in seinem Index gar nicht gibt. Zudem wird auch die branchenmäßig genaue Abbildung des zugrunde liegenden Index aufgegeben, weil die im Rahmen der Wertpapierleihgeschäfte verliehenen Aktien anderer Branchen durch Forderungen gegenüber der Finanzindustrie ersetzt werden. Eine andere Möglichkeit die Performance eines ETFs zu pushen ist das Hebeln durch die Aufnahme von Fremdkapital. Dies ist riskant und erhöht die Volatilität des ETFs im Vergleich zu seinem Index.

  4. Die vielen Aktien eines Index stellen eine breit gestreute Beteiligung an der gesamten Wirtschaft einer Region oder einer Branche dar. Aktien sind Sachwerte und mindern das Risiko aus einzelnen Unternehmenszusammenbrüchen. Leider gibt es viele ETFs, welche ihren Index nicht durch den Kauf der im Index befindlichen Akten abbilden, sondern den Index mit Hilfe von Derivaten „synthetisch abbilden“. An Stelle einer breit gestreuten sachwertähnlichen Aktienanlage erwerben die Anleger solcher ETFs ausschließlich Forderungen gegenüber ein paar Anbietern von Derivaten. Solche ETFs haben zusätzlich zum normalen Kursrisiko des Index auch noch das erhebliche Kontrahentenrisiko der Derivatepartner. Bei solchen Fonds ist im Falle einer schweren Finanzmarktkrise das Blutbad vorprogrammiert.

  5. Der Grundsatz einer breiten und weltweiten Anlagestreuung ist nur mit einer ganzen Anzahl von ETFs zu erfüllen. Dies ist aber schwierig, weil es für viele Länder und Branchen keine Indizes gibt und ETFs die Wirtschaftsentwicklung dieser Börsen synthetisch abbilden müssen. Überdies macht die Kombination mehrerer ETFs immer wieder Umschichtungen nötig, was wegen der inhaltlichen Überschneidungen beim Anleger entweder große Sachkenntnis oder eine regelmäßige und teure Beratung erfordert.

Ein langfristig überdurchschnittliches Anlageergebnis kann man nur mit aktiv verwalteten Fonds erreichen. Zwar gibt es auch unter diesen jede Menge Versager oder kostenmäßige Halsabschneider, aber eben auch viele Gute. Die zu finden ist kein Hexenwerk, wenn man die anzulegenden Suchkriterien kennt und sich bei der Suche ein wenig Mühe macht.

Kommentar von KleinErna ,
Ich würde die verkaufen und den Erlös in einen oder zwei aktiv verwaltete, international anlegende, thesaurierende, in Deutschland domizilierte und flexible Mischfonds anlegen.

Welche Mischfonds wären das z.B.?

Danke

Antwort
von gandalf94305, 22
  • Ich halte für eine Buy-and-Hold-Strategie nichts von ETF.

  • Der Anteil an Tagesgeld wäre mir viel zu hoch.

  • Den Rohstofffonds würde ich nicht nehmen, da er primär in Öl investiert und damit wie die Aktien konjunkturabhängig ist.

  • Gold ist viel zu viel und sollte auf keinen Fall neu gekauft werden.

  • Der MSCI Emerging Markets hat eine bunte Mischung der EM, die gewisse Branchenschwerpunkte setzt. Finanzen und IT sind hier recht hoch gewichtet. Die Länderzusammensetzung vernachlässigt die Potentiale, sondern setzt nur auf bestehende Größe.

Sorry.

Kommentar von KleinErna ,

Danke,

was ist denn für eine Buy-and-Hold-Strategie sinnvoll?

Danke

Kommentar von gandalf94305 ,

Nun, das ist meine Meinung... Du wirst hier ja wahrscheinlich noch andere Antworten bekommen.

ETFs folgen strikt den Indices und besitzen damit die gleiche Volatilität wie diese. Kauft man gezielt in Tiefphasen nach und kappt ggf. in Hochphasen der Indices die Positionen, um Gewinne mitzunehmen und die ursprüngliche Allokation wieder herzustellen, dann wird das mit einem langfristig erwarteten Aufwärtstrend dieser Märkte passen, um einen langfristigen Wertzuwachs zu erreichen.

Ebenso wird man bei stärkeren Rückgängen ggf. die Position auflösen oder umschichten wollen, um Risiken, die durch bestimmte Konstituenten bestehen, zu reduzieren bzw. zu eliminieren.

Beispiel:

  • Der iShares US Select Dividend enthält natürlich mehr als 1/3 Versorger. Kommt es dort aufgrund der massiven Erfordernisse von Modernisierungen im heute recht maroden Energieversorgungsnetz der USA zu deutlichen Ausgaben, wird diese Branche heftig leiden. Vergleichbar wäre das mit dem Ausstieg Deutschlands aus der Nuklearenergie.

  • Der iShares EURO Total Market Value Large enthält über 1/3 an Finanzwerten. Was, wenn hier noch Ungemach droht, da Frankreich oder die Südländer Probleme bekommen? Was, wenn Griechenland noch einen Schuldenschnitt möchte und aus Unfähigkeit, seinen eigenen Haushalt zu konsolidieren, dies verneint bekommt?

Es geht nicht darum, alles immer in gleichen Anteilen zu halten. Es geht um die Schwerpunkte, die ein Portfolio bewußt oder implizit setzt und dadurch gewissen Risiken ausgesetzt wird. Auf diese mußt Du eine Antwort haben. Buy-and-Hold ist keine.

Daher wären für eine Buy-and-Hold Strategie aus meiner Sicht nur aktiv verwaltete Fonds sinnvoll, die sich nicht sklavisch an einen Index klammern müssen, sondern flexibler auch einzelne Branchen oder Länder oder Währungen umgewichten können. Idealerweise wären es sogar Mischfonds, um sogar zwischen Anlageklassen Schwerpunkte zu verlagern.

ETFs erfordern eine deutlich aktivere Strategie des Anlegers, da man hier 1:1 einen Marktindex abbildet, von dem Du ja gar nicht weißt, ob er Deinen Zielen entspricht. Warum denn nicht einfach einen Stoxx Europe 600, einen S&P 500, einen MSCI Asia Pacific und meinetwegen noch den MSCI Emerging Markets nehmen? Was führt Dich zu genau dieser Auswahl?

Zum Rohstoff-ETF: warum einen ausgerechnet auf den extrem energielastigen GSCI? Warum nicht einen GSCI Light Energy oder Ultralight Energy? Warum nicht einen CRB oder RICI? Was führt Dich zu genau dieser Auswahl?

Für mich ist Deine Auswahl nicht nachvollziehbar und widersprüchlich.

Kommentar von KleinErna ,
Was führt Dich zu genau dieser Auswahl?

Ein Buch von Gerd Kommer über ETF´s incl. Musterdepot ;-)

Kommentar von gandalf94305 ,

All die Leute, die wissenschaftlich, empirisch oder magischerweise begründete Portfolios wundervoller Kompositionen mit noch wundervolleren Begründungen ihrer Allokationen zusammenstellen, und die auf dieser Basis die galaktische Weltformel für das dauerhafte Portfolioglück gefunden haben wollen, vergessen aus meiner Sicht einen ganz wesentlichen Punkt: die Kapitalmärkte verhalten sich nicht logisch.

Wenn aber kein klares Ursache-Wirkungs-Prinzip besteht, dann ist es auch prinzipiell unmöglich, mit einer fixen Strategie zum Ziel zu kommen, denn für jede solche existieren eine Reihe von Szenarien, die ihr zum Verhängnis werden.

Beispiel: gerne hat man bis vor der Finanzkrise Dividendenfonds enpfohlen. Das ist ja auch gut so. Nur waren natürlich darin insbesondere auch Banken sehr stark gewichtet. Manche Dividendenfonds, die das nicht frühzeitig umgeschichtet hatten, sowie ETFs auf den Eurostoxx 50 oder wenige europäische Dividendentitel litten heftig darunter und haben sich bis heute nicht erholt. Während ein Fonds auch nach einer Krise noch umschichten kann, um wenigstens aus der Erholung heraus noch Gewinne zu erhalten, muß ein ETF sklavisch dem Index folgen. Ist ja auch gut so, denn das Umschichten müßte doch der Anleger machen, wenn das Instrument nicht mehr passt.

Knapp 40% meines Portfolios sind momentan ETFs. Ich spreche mich nicht kategorisch gegen ETFs aus, obwohl manche Leute genau die Begründungen gegen ETFs generell aus den gleichen Argumenten wie oben ableiten. ETFs sind quasi Multi-Aktien. Also muß man sie auch als solche handeln und in entsprechenden Marktlagen reagieren. Im ETF-Teil des Portfolios ungefähr 4-5 mal so viele Transaktionen statt wie in meinem Fondsdepot, was letztendlich auch eine vernünftige Rendite liefert.

Nur: ETFs und Buy-and-Hold passen meiner Meinung nach nicht zusammen - andere mögen anderes glauben.

Letztendlich muß man flexibel bleiben. Auch ein ARERO-Weltfonds, der auf ähnlichen Gedanken basiert, muß feststellen, daß er seit dem Q4/2012 schwächelt. Die Gründe sich klar, wenn man sich die Portfoliostrategie anschaut. Nur kann nicht jemand jetzt einfach die vorher ja ausführlich als ideal begründete Strategie einfach ändern. Ein guter Mischfonds kann das.

Kommentar von KleinErna ,
Idealerweise wären es sogar Mischfonds, um sogar zwischen Anlageklassen Schwerpunkte zu verlagern.

Welche und wie viele Mischfonds würdest du vorschlagen?

Danke

Kommentar von KleinErna ,

Und wenn ich anstatt Ishares MSCI Emerging Markets (AOHGZT) = db x-trackers MSCI Emerging Markets nehme?

Und wenn ich anstatt EasyETF GSCI TR (AOEAZC) = db x-trackers DBLCI-OY balanced (DBX1LC) nehme?

Danke

Kommentar von gandalf94305 ,

Was ist denn der Unterschied zwischen diesen von Dir genannten ETFs? Warum ist der db x-trackers auf den gleichen Index besser als der iShares-ETF? Was ist denn der Vorteil des DBLCI-OY gegenüber dem GSCI-Index? Wie ist denn Deine Erwartung?

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