Frage von Hilfloser1981,

Frage zu Steuerformular "Anlage S" (Selbständige)

Hallo Leute,

ich habe am WE versucht einer Bekannten bei Ihrer Steuererklärung zu helfen, aber bei, Steuerformular "Anlage S" wusste ich einfach nicht weiter.

Sie hat eine Teilzeitstelle (20 Std./Woche) als Angestellte und ist noch selbständig als Sozialpädagogin tätig.

Seit letztem Jahr ist sie Nachhilfelehrerin beim Studienkreis, wo sie Rechnungen stellt und die dann bezahlt bekommt. Von dort hat sie sonst keine Jahresaufstellung. Außerdem leitete sie letztes Jahr als Sozialpädagogin einen Ausländerkurs. Von der VHS hat sie auch keine schriftlichen Finanzdaten. Zusätzlich war sie bei der DAA als Sozialpädagogin (Kursleiterin) beschäftigt, dafür hat sie eine Honorar Rechgnungsbestätigung erhalten.

Nun meine Fragen, muss sie das Steuerformular "Anlage S" nun drei Mal ausfüllen, für jede Stelle oder trägt sie den ganzen Betrag in die Zeile 4 und das wars? Benötigt das Finazamt, also nun sie für die Steuererklärung, nicht von jedem Arbeitgeber eine finanzielle Bestätigung?

Ich weiß, dass ein Steuerberater für solche Fragen zuständig, aber das sie sich das nicht leisten kann und ich per Google Suche nichts passendes fand, frage ich euch.

Ich danke bereits im Voraus für alle hilfreichen Antworten.

Bis bald

Antwort
von spiridon1975,

Hier scheint etwas durcheinander zu gehen, und ich vermute die Beratung in diesem Forum wird nicht ausreichen.

Grundsaetzlich:

  • wenn sie selbstaendig ist, hat sie fuer die selbstaendige Taetigkeit keinen Arbeitgeber und braucht dort auch keine Arbeitgeberbescheinigung
  • es muss eine Einnahmenueberschussrechnung eingereicht werden. Der Gewinn aus der Einnahmenueberschussrechnung kommt ins Formular S
  • wenn alle Auftraggeber derselben Selbstaendigkeit zuzuordnen sind gibt es auch nur eine Anlage S
  • Ich hoffe die Taetigkeit ist bereits als freiberufliche Taetigkeit beim Finanzamt angemeldet (Formular zur steuerlichen Erfassung).
  • Ich hoffe die Frage der Umsatzsteuer ist geklaert.

Besonders, wenn die Antworten auf die letzten beiden Punkte nein oder Fragezeichen ist, empfehle ich trotz der Kosten einen Steuerberater. Ansonsten kann es naemlich wirklich Probleme geben.

Kommentar von Hilfloser1981 ,

Gerade die letzten zwei Punkte sind mir nicht wirklich klar.

Evtl. vertue ich mich da oder erkläre es falsch. Die drei Arbeitgeber haben Sie nicht beim Finanzamt angemeldet, darum ist sie meines erachtens selbständig Tätig gewesen.. Beim Studienkreis, bei dem sie noch tätig ist, stellt sie monatliche Rechnungen über die Stunden (438 € für das ganze letzte Jahr). Bei der DAA war sie nur drei Monate (300 €) und bei der VHS war sie letztes Jahr 3 Monate (561,60 €) und noch 2 Monate dieses Jahr. Keiner der Arbeitgeber fragte oder wies sie darauf hin, sich wegen der Tätigkeit beim Finanzamt anmelden muss. Wir waren beide der Überzeugung, es reicht wenn sie es bei der Steuererklärung angibt. Umsatzsteuer? Wieso?

Entschuldigung, wenn ich so blöd frage, aber ich blicke da nicht so durch und wegen 1299,60 € zum Steuerberater? Der verlangt ja mindestens die Hälfte schon...

Kommentar von freelance ,

nicht der Auftraggeber hat hier was beim FA zu melden, sondern der Selbständige. Der muss seine selbständige Tätigkeit beim FA anmelden vor den ersten Aufträgen. Dann wird ein Fragebogen ausgefüllt und es wird geklärt, ob Freiberufler oder Gewerbetreibender.

Es ist ein Trugschluss, dass die Auftraggeber darauf hinweisen müssen. Selbständige haben die Verantwortung bei sich!

Über die Steuererklärung kann man bei kleineren Beträgen das Nichtanmelden korrigieren, aber sauber ist die Vorgehensweise nicht.

Umsatzsteuer? Nehmen wir mal an, es wäre eine Tätigkeit, die der USt unterliegt. Dann kann das FA diese nachfordern. Und dann steht man wie ein begossener Pudel da.

Wer sich selbständig macht, der muss sich informieren. Das nimmt einem keiner ab. Die Risiken trägt man selbst.


Man könnte ja noch einen Schritt weiter gehen und bei einer Firmengründung sagen: das hat uns keiner gesagt. Weder IHK, BG etc. haben uns darauf hingewiesen. Auch unsere Kunden nicht. Und wir dachten, mit der Steuererklärung ist dann alles i.O.

Kommentar von spiridon1975 ,

Wenn sie sich beim Finanzamt als selbständig anmeldet, geht das Finazamt von einer selbständigen Tätigkeit aus und prüft nicht, ob Merkmale einer abhängigen Beschäftigung vorliegen.

Die Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit unterliegen grundsätzlich der Umsatzsteuer. Nach Ihren Angaben sind die Einnahmen aber so gering, dass die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen werden kann. In diesem Fall muss keine Umsatzsteuer ausgewiesen oder abgeführt werden.

Die Prüfung, ob eine abhängige Beschäftigung vorliegt kann von der Deutschen Rentenversicherung durchgeführt werden, z.B. bei einer Betriebsprüfung oder auf Antrag.

Kommentar von EnnoBecker ,

Saubere Antwort - auch die hilfose Nachfrage war vorhersehbar.

Zu deinen zwei Brennpunkten noch dies:

ich hoffe die Taetigkeit ist bereits als freiberufliche Taetigkeit beim Finanzamt angemeldet (Formular zur steuerlichen Erfassung).

Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Dann gibt man halt eine Anlage S mit ab und wird fortan als Selbständige/r registriert. Da kommt keiner nach Sibirien für.

Ich hoffe die Frage der Umsatzsteuer ist geklaert.

In dieser Größenordnung kann man doch wohl davon ausgehen, einen KU vor sich zu haben. Also auch hier don't panic.

Lustig fand ich aber diese Passage:

muss sie das Steuerformular "Anlage S" nun drei Mal ausfüllen, für jede Stelle

Ich bin direkt dafür, genau das einzuführen: Ich freu mich schon auf den Bäcker, der für jeden Kunden, dem er ein Hörnchen verkauft hat, eine Anlage G ausfüllt.

Kommentar von Hilfloser1981 ,

Hallo EnnoBEcker,

danke für Deine konstruktive Beantwortung meines Problems.

Okay, so weit so gut. Ich werde meiner Bekannten helfen, Ihren Verdienst in eine EÜR zu übertragen und dass Ergebnis dazu tragen wir dann in der "Anlage S" in die Zeile 4. Muss sie dann auf dem Formular noch etwas ausfüllen?

Wegen dem Verdienst bei der VHS bin ich noch etwas unschlüssig. Der Kurs ging eben bis ins Jahr 2013 und die Bezahlung war auch erst im Jahr 2013. Muss sie den Betrag anteilig im Jahr 2012 berücksichtigen oder komplett im Jahr 2013?

Kommentar von spiridon1975 ,

Die Einkommensteuer fällt im Jahr der Bezahlung an.

Antwort
von freelance,

Selbständige melden ihre Selbständigkeit vor der Tätigkeit beim FA an. Ggf. melden sie auch ein Gewerbe an. Sie klären ihren Status auch mit den Sozialkassen, speziell mit der Krankenversicherung. Das tun sie selbständig, ohne darauf hingewiesen zu werden.

Die Tätigkeiten können USt-pflichtig sein. Damit muss der Selbständige prüfen, ob er dieser Pflicht unterliegt und kann dann entscheiden, ob der diese auf den Rechnungen ausweist oder der Kleinunternehmerregelung unterliegen will.

Für die Tätigkeiten, die Zahlungen, erhalten sie keine Bescheinigungen, sondern sie haben Rechnungen dafür geschrieben oder bekommen ggf. eine Gutschrift vom Auftraggeber.

Es ist für die Steuererklärung eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung zu erstellen (EÜR). Diese ermittelt den Gewinn. Den trägt man dann ein.

Ob die Bekannte nun eine USt-Erklärung mit abgeben muss, kann ich so nicht beurteilen. Ob sie ggf. auch die USt hätte faktorieren müssen, kann ich auch nicht sagen. Ob sie gar der USt-Voranmeldung unterliegt hätte, kann ich auch nicht sagen.


Ich rate dringend den Weg zum Steuerberater, um das ganze geradezuziehen, sonst stimmen die Steuererklärungen nicht oder werden teils gar nicht abgegeben. Das kann teuer werden. Kein Steuerberater ist in dem Falle wohl teurer als ein StB.

Antwort
von senior9,

Einfach mal beim Finanzamt vorbeischauen. Bei einfachen Fragen wird sicherlich Hilfestellung geleistet. Die erstellten Rechnungen liegen unter Umständen auch dort.

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