Frage von Karl87, 29

Fondssparpläne ausgewogen gestreut?

Kann mir jemand eine Einschätzung geben ob ich mich für eine ausgewogene Fondsauswahl entschieden habe..

MAGELLAN C EUR WKN 577954 COMSTAGE MSCI WORLD TRN UCITS ETF WKN ETF110 COMSTAGE EURO STOXX 50® TR UCITS ETF WKN ETF050 KAPITAL PLUS - A - EUR WKN 847625 ROBECO HIGH YIELD BONDS D EUR WKN 988158 DWS DEUTSCHLAND WKN 849096

Kursschwankungen im Depot bis 30 Prozent, akzeptabel Wunschrendite 6 Prozent pa. Laufzeit noch ca 15 Jahre läut jetzt 21 Monate

Danke Gruß Karl

Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Fonds, 20

Sortieren wir mal:

  • Magellan C: Aktien Emerging Markets
  • Comstage MSCI World: Aktien Industrieländer
  • Comstage Euro Stoxx 50: Aktien Europa LargeCap
  • Kapital Plus: Renten Europa
  • Robeco High Yield: Renten High-Yield Corporate Welt
  • DWS Deutschland: Aktien Deutschland

In welchem Verhältnis diese Positionen gekauft werden, sagst Du leider nicht. Nehmen wir also mal eine Gleichverteilung an.

Das wären dann 1/3 Renten und 2/3 Aktien. Die Renten lauten praktisch komplett auf EUR oder sind gegen den EUR abgesichert. Die Aktien verteilen sich grob 1/4 auf Deutschland, 1/4 auf Europa, 1/4 auf Emerging Markets und 1/4 auf restliche Industrieländer (vorwiegend USA).

Dazu fallen mir ein paar Punkte auf:

  • Eine Währungsdiversifikation bei den Renten fehlt. Da sollte IMHO doch ein wirklich globaler Rentenfonds mit einem gewissen Anteil beigemischt werden.

  • Der Robeco-Fonds könnte bei Zinserhöhungen in USA überproportional verlieren, da die Anleihen im Fonds primär auf EUR lauten, jedoch die erforderliche Absicherung gegen die primär in Fremdwährungen notierenden Bonds dann deutlich teurer wird. Da wäre es währscheinlich besser, gleich einen in Lokalwährungen arbeitenden High-Yield-Fonds ohne EUR-Hedging zu nehmen.

  • Auf den Eurostoxx 50 würde ich keinen ETF kaufen, sondern einen guten europäischen Fonds (kein ETF) oder zumindest einen ETF auf den Stoxx Europe 600. Du blendest sonst einige bedeutende Branchen praktisch aus und außerdem werden die innovations- und exportstarken Mid/SmallCaps ignoriert.

  • Für den globalen Fonds hätte ich keinen ETF genommen, sondern einen herkömmlichen Fonds, da dieser gerade in Krisenzeiten besser puffern kann und Rückgänge damit nicht so stark ausfallen. Schau mal bei MFS Meridian, Axa, Vontobel, Nordea etc. Auch ein DWS Top Dividende oder M&G Global Dividend wäre interessant.

  • Anstelle des DWS Deutschland könntest Du auch erwägen, den DWS Aktien Strategie Deutschland (DE0009769869) zu nehmen.

Wichtig für den Erfolg der Strategie wird auch sein, daß Du ein Rebalancing durch gezieltes Nachaufstocken bzw. einen Nachkauf in Marktrückgängen durchführst. Daher: einfach nur den Sparplan laufen lassen, wird nicht unbedingt zum Ziel führen. Man muß auch die Fonds etwas beobachten und ggf. sogar tauschen, wenn die Performance nicht mehr paßt.

Erste Gedanken...

Kommentar von Karl87 ,

Danke für die Einschätzung... Gibt es einen Grund, ETF zu meiden?

Können sie mir das mit den Renten besser erklären.

Danke Gruß

Kommentar von gandalf94305 ,

ETF wurden entwickelt, um institutionellen Investoren die Möglichkeit zu geben, gezielt und kostengünstig in sauber geschnittene Segmente mit klarer, nachvollziehbarer Strategie zu investieren. Naturgemäß würde man das nur tun, wenn man an mittelfristig steigende Kurse glaubt, bzw. würde short gehen, wenn man an fallende Kurse glaubt. Fonds können ihre Exposure in gewissen Märkten abbilden, für die sie keine eigene Stockpicking-Verfahren haben, indem sie einfach die passenden ETFs nehmen. ETFs lassen sich schnell verkaufen, d.h. ein Strategiewechsel ist weniger riskant und kostengünstiger als wenn ein Investor anstelle eines ETFs plötzlich 20-30 Aktien auf den Markt werfen müßte, für die unklare Spreads und Verkaufskurse bestehen.

ETFs wurden also konstruiert, um ein rasches Handeln mit ganzen Marktsegmenten effektiver zu gestalten - nicht jedoch, um langfristige Engagements einzugehen.

Die typischerweise Branchen- oder LargeCap-Indices (in jüngerer Zeit kamen auch in Deutschland Mid/SmallCap-Indices oder Strategieprodukte hinzu) waren lange Zeit auch der Weg für Fonds, jedoch zeigt sich seit spätestens der Jahrtausendwende, daß der nachhaltige Erfolg (ob Value oder Growth) eher in Mid/SmallCaps zu suchen ist. Diese sind jedoch volatiler, d.h. das Risiko über ETF-Investments ist höher.

Untersuchungen über ETF-Portfolios zeigen außerdem, daß ETFs durch ihre höhere Volatilität Anleger zu extremeren Reaktionen provozieren, d.h. es wird eher in Paniktiefs verkauft und auf Euphoriehochs noch deutlich zugekauft. Fondsanleger verfolgen eher eine stabilere Anlagestrategie. ETF-Portfolios von Privatanlegern performen daher im Schnitt schlechter als Fondsportfolios, obwohl man durch entsprechende Absicherungen und Umschichtungen durchaus mit ETFs eine ebenso sinnvolle Strategie fahren könnte. Tun Anleger aber nicht. Sie kaufen ETFs per Sparplan für eine Buy-and-Hold-Strategie, was langfristig nicht funktioniert bzw. deutliche Risiken bietet.

Die letzten 5-6 Jahre haben gezeigt, daß zunehmend die Korrelation von Aktien in Indices hoch ist, jedoch im Falle von Downturns diese Korrelation sogar noch steigt. Das ist natürlich auch ein Effekt indexorientierter Anleger bzw. von ETF-Investoren.

Schaut man schließlich die "Smart Beta" ETFs an, so lassen sich auch für diese Marktsituationen finden, in denen sie schlecht laufen werden. Man kann generell nicht mit einer einheitlichen Strategie erfolgreich sein, sondern muß Flexibilität praktizieren. Das tun ETFs nicht, sondern müssen die Investoren tun, indem sie absichern, umschichten, neue Schwerpunkte setzen oder einfach Rebalancings durchführen. Harmlose Privatanleger tun dies auch nicht.

Da man für fast jeden ETF-abgebildeten Hauptindex in Märkten einen passenden Fonds findet, der langfristig betrachtet besser läuft, halte ich in der aktuellen Marktlage ETFs für das falsche Instrument in den Händen selten handelnder, harmloser Privatanleger.

Meine Meinung - andere Meinungen mögen differieren - sollten das aber auch bitte substantiieren.

Kommentar von gandalf94305 ,

Das Rententhema ist ein fast religiöses :-)

Du kannst auf diejenigen hören, die gebetsmühlenartig wiederholen, daß Renten Geldwerte sind, auf die man nicht setzen sollte. Mit steigenden Zinsen werden Renten fallen.

Logisch. Mit einer Geldschwemme der Zentralbanken müssen aber auch die Anleihen noch etwas steigen. Und selbst wenn mal ein Tapering einsetzt, dann wird sich auch das Zinsgefüge verschieben, was sich auf die Wechselkurse auswirkt. Hier würde ein Hedging einseitig das Gewicht zuungunsten der Anleger verschieben.

Hedging ist ok, wenn man Wechselkurse absichern will. Hedging ist jedoch falsch, wenn kompensierende Reaktionen der Basisinstrumente dadurch einseitig eliminiert werden. Daher sollte man sich durchaus eine Reihe von EUR-notierten Renten bzw. solche Rentenfonds zulegen, jedoch auch mit einem Teil der Rentenposition in andere Währungen diversifizieren. Das können USD, JPY, AUD und GBP sein, aber aufgrund der geringen Verschuldung sind auch gerade die potentiell aufwertenden Emerging/Frontier Markets Währungen interessant.

Renten sind eine gute Ertragskomponente und können auch Aktienmarktturbulenzen gegensteuern, aber je nach Ursache der Turbulenzen können Renten- und Aktienmärkte auch vergleichbar laufen. Daher sollte man Kompensationsmechanismen, die implizit bereits in den Marktabhängigkeiten enthalten sind, nicht teilweise so neutralisieren, daß in entsprechenden Marktphasen deutlich riskantere Situationen übrig bleiben.

Vergleiche doch mal ETFs für MSCI Emerging Markets, JPM Emerging Markets Bonds, iBoxx Euro Corporate Bonds und iBoxx USD Corporate Bonds. Achte auf die Phasen des Gleichlaufens und die Phasen, in denen ein Index deutlich mehr an Risiko puffert als ein anderer. Vergleiche das mit dem Verlauf des EURUSD-Wechselkurses :-)

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten