Frage von 66jahre, 45

Fondssparen auf Indexfonds z.B. auf MSCI-Word - Risikobegrenzung?

Besteht bei einem Fondssparplan auf ETF, z.B. auf Aktienfonds MSCI-World die Gefahr des Totalverlustes? Gibt es eine Risikobegrenzungsmöglichkeit?

Antwort
von gandalf94305, 40

Bei einem ETF gibt es eine Reihe von Risiken, die zu einem Totalverlust oder zumindest einem sehr hohen Verlust führen könnten:

  • Insolvenz einer signifikanten Anzahl von Schwergewichten im Index: das wäre im Fall des MSCI World beispielsweise ein Bankrott der USA oder auch von Großbritannien oder Japan. In diesem Fall würden zahlreiche Unternehmen mit Mitleidenschaft gezogen - vor allem die kapitalabhängigen Largecaps. Der Indexwert wird sicher nicht auf Null sinken, aber ein deutlicher Verlust ist drin. Im Zuge der Finanzkrise hat man ja auch Abstürzt von 30% über ein überschaubares Zeitintervall gesehen.

  • Zusammenbruch des Bankensystems in der EUR-Zone: dann wäre zwar theoretisch ein Sondervermögen noch irgendwo vorhanden, mangels funktionierender Bankenlandschaft und ohne akzeptable Fungibilität der dann nicht mehr sinnvoll verwendbaren Währung EUR jedoch praktisch unverfügbar. Dies ist einem Totalverlust gleichzusetzen.

  • Eine globale Katastrophe (nehmen wir mal einen Meteoreinschlag) sorgt für einen Zusammenbruch der Weltwirtschaft und der Kapitalmärkte. Ein geregelter Handel an Börsen würde dann wahrscheinlich nicht mehr stattfinden, d.h. Assets, die nicht physisch bei Dir sind, wären damit effektiv verloren.

Diese Katastrophenszenarien sind seeeeehr unwahrscheinlich und sollten einen Investor nicht davon abhalten zu investieren, denn wenn diese eintreten, dann ist im Prinzip auch keine einfache Rettung vor den Auswirkungen mehr möglich. Wenn man diese Szenarien für wahrscheinlich hält, dann sollte man überhaupt nicht in die Kapitalmärkte investieren.

Da UCITS ETFs Sondervermögen sein müssen und selbst Swaps und andere Instrumente besichert werden müssen, besteht die Gefahr eines Verlusts durch Ausfall der ETF-Emittenten oder Swap-Kontrahenten praktisch nicht.

Es verbleiben somit zwei wesentliche Risiken für zwar nicht Totalausfälle, aber für signifikante Verluste:

  • Risiken einzelner Branchen: sollte wie in der Finanzkrise eine einzelne Branche stark in der Gunst der Anleger abfallen, dann kann dies massive Kurseinbrüche des MSCI World nach sich ziehen, da der Index strikt den Kursentwicklungen folgt. Eine schnelle Umschichtung gibt es nicht vor dem nächsten Index-Rebalancing. MSCI hat normalerweise nur quartalsweise Indexüberprüfungen. Hier sind durch die Abhängigkeiten anderer Branchen durchaus Kurseinbrüche von -30% drin.

  • Risiken einzelner Schwergewichte: sollte z.B. eine Firma Apple heftig im Index gewichtet sein, so wäre im Fall eines massiven Kursverlusts (z.B. durch Betrugsfälle, Produktfehler, fallende Käufergunst) auch Auswirkungen auf den MSCI World zu sehen. Ein solcher Kurseinbruch kann aufgrund der Wechselwirkungen mit anderen Werten und der folgenden Vertrauenskrise durchaus -10% bewirken.

  • Risiken der Fremdwährungen, insbes. des USD: sollte der USD gegen den EUR stark abwerten, so werden die stark globalen Unternehmen zwar weiterhin solide Ergebnisse aufgrund ihrer globalen Absatzmärkte liefern, jedoch ein Großteil der Umsätze im USD-Binnenmarkt würde in EUR deutlich abfallen. Das könnte auch Einbrüche im MSCI World von 10-20% bedeuten.

  • Schließlich gibt es die allgemein konjunkturbedingte Volatiliät, die im historischen Mittel für Aktienmärkte zwar 6-9% Plus p.a. ausweist, jedoch auch Jahre einbezieht, in denen deutliche Verluste bestanden.

So kann man zwar davon ausgehen, daß im langfristigen Mittel die genannten Risiken irgendwie wieder herausgemittelt werden, da sich Märkte ja auch von heftigen Krisen wieder erholen, aber schlecht ist es, wenn diese Krise gerade dann zuschlägt, wenn man Positionen liquidieren will. Dann kann man schlecht weitere 5-10 Jahre warten, bis Erholung abgeschlossen ist.

Es gibt einige Optionen, Risiken zu begrenzen, aber diese bauen auf aktive Managementstrategien, nicht auf reine Indexprodukte mit starren Abbildungen eines Referenzwerts. Du kannst diese selbst umsetzen (Absicherungen mit Stops, Profite in Downturns mit Puts, gezielte Positionsaufstockungen in Kursdellen, Umschichtungen von Branchen, Regionen, Währungsräumen oder Kapitalisierungsgrößen, ...) oder aber auf ein aktives Fondsmanagement vertrauen.

Für die meisten harmlosen Privatanleger würde ich sagen, daß das wesentliche Risikomanagement darin besteht, nicht einen ETF zu wählen, sondern einen qualitativ hochwertigen, aktiv verwalteten Fonds für globale Aktien.

Antwort
von freiSein, 32

ein Totalverlust beim MSCI-World? Das ist sehr unwahrscheinlich, denn dann müsste der Index auf 0 fallen. Und das hiesse: alle Firmen verschwinden, es gibt keine Nachrücker in den Index, vermutlich gäbe es dann keine Börsen mehr etc. Ein Totalverlust aus dieser Sicht ist also eher unwahrscheinlich.

Wenn es wirklich ein ETF ist, dann ist auch das Emittentenrisiko gering, denn so ein ETF gehört zum Sondervermögen.

Risikobegrenzung? Das ginge nur über Absicherungsstrategien wie Putscheine oder andere Varianten.

Durch das Ansparen minimierst du die Risiken, denn hier greift der Cost-Average-Effekt.

Antwort
von Niklaus, 32

Bei einem Aktienfonds also auch ein ETF- Fonds der in Aktien investiert, hat man nur ein theoretisches Totalausfallrisiko. Ein ETF in den DAX investiert z.B. in die 20 DAX Wert. Totalausfall könnte es nur geben, wenn alle 30 DAX Unternehmen insolvent würden. die meisten gemanagten Fonds haben mehr als 30 Titel im Portfolio. Außerdem bieten gemanagte Fonds immer einen Mehrwert im Vergleich zu ETFs.

Man kann diese Sparpläne mit einem dynamischen Trailinglimit absichern. Das bedeutet, dass das Limit immer dem Kurs folgt. Wenn die Märkte fallen geht es raus aus dem Aktienfonds in einen Geldmarktfonds und bei steigenden Märkten wieder zurück in den Aktienfonds. Durch die intelligente Kombination der Stopp-Loss-Order und der Start-Buy-Order kann man Kursverluste reduzieren und- Kursgewinne mitnehmen. Es wird nur das bereits angesparte Kapital geswitcht. Mit dem Sparbeitrag werden weiterhin Aktienfondsanteile gekauft. Durch den Einsatz des Trailinglimits kommt der Cost-Average-Effekt erst richtig zur Geltung. Es fällt kein Ausgabeaufschlag beim Tauschen an.

Antwort
von Privatier59, 25

Ja natürlich gibt es die Gefahr des Totalverlustes: Wenn die Weltwirtschaft kollabiert, wenn der Planet Erde in ein schwarzes Loch gerät oder dann, wenn die Menschheit wieder auf die Bäume springt und mit Bananen bezahlt.

Abgesehen davon kann es keinen Totalverlust geben. Aber Volatilität ist sicher, dh, der Kurs kann sowohl steigen wie sinken. Bei einem Fondssparplan wird der Effekt aber durch regelmäßige Käufe ausgeglichen und auf lange Anlagezeiträume kann man nur gewinnen.

Antwort
von althaus, 23

Es ist sehr unwahrscheinlich, daß die Erde unter geht und die Indexes auf null fallen. Als Risikobegrenzung kann man ja im Gegenzug einen Put kaufen.

Kommentar von gandalf94305 ,

Aha.... Puts als Absicherung auf einen Anlagehorizont von vielleicht 30 Jahren? Hmm...

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