Frage von GRme83,

Finanzamt fordert Gewerbesteuererklärung von mir (ich bin Freiberufler) - Wie sich nun erklären?

Hallo zusammen,

erstmal kurz zur Vorgeschichte. Ich bin freiberuflich tätig als IT-Berater für Software-Qualitätssicherung. Meine Buchhaltung halte und pflege ich selber über die Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Meine Einkommensteuererklärung und die Umsatzsteuererklärung lasse ich durch meinen Steuerberater erledigen. Ich betreibe also kein Gewerbe und muss somit auch keine Gewerbesteuer zahlen. Ich bin Diplom-Informatiker.

Nun hat sich das Finanzamt bei meinem Steuerberater gemeldet und meint nun (Zitat):

"Sie haben die Einkünfte aus der Tätigkeit als IT-Berater als Einkünfte aus Selbständiger Tä- tigkeit erklärt. Neben der fachlichen Qualifikation als Diplom-Informatiker, muss auch das Tätigkeit einer Selbständigen Tätigkeit entsprechen. Nach den vorliegenden Unterlagen wird Ihr Mandant überwiegend als Berater und Prüfer der Softwareprogramme, nicht doch für Entwicklung von Anwendersoftware tätig. Da der gewinn mehr als 24.500 € beträgt,tst-die Gewerbesteuererktärung einzureichen. Ich gebe Ihnen hiermit gemäß § 91 der Abgabenordnung Gelegenheit, sich dazu innerhalb eines Monats zu äußern. Als Nachweise sind Kopien von einigen Rechnungen und Verträge vorzulegen. Sollte ich innerhalb dieser Frist von Ihnen keine Nachricht erhalten, werde ich wie angegeben verfahren."

Davon mal abgesehen, dass das "deutsch" des Kollegen vom Finanzamt nicht überragend ist, suche ich nun nach einer Möglichkeit mich zu erklären. Klar ist, dass ich mich IT-Berater nenne, aber durchaus auch Quellcode produziere für Tests von Software. Ich programmiere also durchaus in der Praxis und biete nicht nur eine theoretisch (mündliche) beratende Dienstleistung an. Auf meinen Rechnungen an den Dienstleister, der als Vermittler zwischen mir und dem eigentlichen Endkunden hängt, schreibe ich auch IT-Beratung auf und dann die einzelnen Posten, die in meinem Vertrag mit dem Vermittler stehen. In diesen Verträgen steht aber nicht Beratung, sondern durchaus Klauseln, wie:

  • Planung und Durchführung von manuellen und automatisierten Tests
  • Testtreiberprogrammierung in Java

Und dies lässt ja nicht nur auf eine theoretische Beratung schließen. Meine Angst liegt daran, dass ich für das Finanzamt ein Gewerbe betreibe und somit die Gewerbesteuer für die letzten Jahre dann auch nachzahlen muss.

Vielleicht sollte ich mich nicht mehr IT-Berater nennen, sondern IT-Dienstleister oder?

Was könnt ihr mir raten? Wie kann ich gegenüber dem Finanzamt argumentieren?

Ich danke euch schon jetzt für eure Tipps. Vielleicht kennt einer von euch solche Fälle oder hat es auch schon selber mitgemacht.

Danke und Gruß, Martin

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo GRme83,

Schau mal bitte hier:
Einkommensteuererklärung Freiberufler

Antwort
von Meandor,

Du könntest dem Finanzamt all das schreiben, was Du hier geschrieben hast. Das wäre eine gute Stellungnahme.

Wie Du Dich selbst nennst, und wie Du Deine Tätigkeit auf Rechnungen bezeichnest ist unwichtig. Wichtig ist, was Du tatsächlich tust, und zweitwichtigst ist, wie Du das beweisen kannst.

Das Problem beim Finanzamt ist: Keiner dort hat Ahnung von IT, sie müssen aber von Gesetzes wegen beurteilen, ob Deine Einkünfte freiberuflich oder gewerblich sind, daher müssen sich die mit Maßstäben messen, die sie kennen

Das Finanzamt erwartet von einem selbständigen IT-ler, dass er bei seiner Berufsausübung "kreativ" tätig werden kann. Entweder er entwickelt Software aus eigenen Antrieb, oder wenn er Entwicklungsaufträge erhält, muss er frei sein in der Entwicklung. Wenn der Auftraggeber fertige Vorgaben gibt, wie das Produkt letztlich sein muss, tendiert das in Richtung Gewerbebetrieb. Es wird zum Beispiel ein Ingenieur als Vergleich herangezogen. Wenn dieser den Auftrag bekommt etwas zu prüfen, spricht das für gewerblich, den er entwickelt nicht selbst, er erledigt nur Aufgaben. Wenn er für die Prüfung Werkzeuge herstellen muss, ist das nur eine Nebentätigkeit aber nicht maßgeblich.

Wenn das Finanzamt das heranzieht, dann bist Du für sie ein Gewerbetreibender, denn die Testtreiberprogrammierung ist nur eine Nebenarbeit zum prüfen, und das eine reine Auftragsarbeit für den Auftraggeber.

Antwort
von blackleather,

Ich würde gerade nicht auf den programmierenden Elementen der Tätigkeit herumreiten. Meiner Ansicht nach sind gerade das gewerbliche Aspekte. Eine reine Beratung hingegen, bei der nichts geschaffen (oder geschafft ;-) ), sondern nur gelabert wird, ist hingegen eher eine selbständige Tätigkeit. Wir sehen das bei z.B. bei Steuerberatern und Rechtsanwälten, aber auch bei Beratenden Betriebswirten.

Kommentar von GRme83 ,

Das hatte ich eigentlich auch gedacht. Somit nenne ich mich ja Berater und weise dies auch klar in meinen Rechnungen aus. Laut dem Schreiben vom FA fordern sie aber genau das Gegenteil.

Kommentar von blackleather ,

Die können fordern, was sie wollen. Mehr als die Wahrheit kannst und wirst du ihnen nicht darlegen.

Und du darfst dir nichts in deine Tätigkeit hineinreden lassen, was gar nicht darin enthalten ist.

Antwort
von traderjoes,

Ich denke, Du wirst wohl Rechnungen etc. nachweisen müssen und das Finanzamt orientiert sich bei der Einstufung an Deinem Tätigkeitsschwerpunkt und Deinen Einnahmen. Ich würde das Thema auf jeden Fall mit meinem Steuerberater durchgehen.

Die Frage wäre, ob es wirklich so dramatisch wäre, wenn Du "gewerblich" bist. Als Einzelunternehmer zahlst Du ja erst ab einem Hebesatz von 380% faktisch Gewerbesteuer.

Kommentar von EnnoBecker ,

Völlig vorbei, sorry.

Kommentar von traderjoes ,

Na dann...

Kommentar von EnnoBecker ,

Es geht hier nicht um Nachweise, sondern um Qualifikationen.

Kommentar von GRme83 ,

Ganz so daneben ist es vielleicht gar nicht. Das FA hat zumindest geschrieben, dass es Rechnungen und Verträge haben möchte. Und dies sicher zur Einschätzung und Bewertung...

Kommentar von EnnoBecker ,

Es hat geschrieben "...werde ich wie angegeben verfahren."

Angegeben hat es aber offenbar gar nichts :-)

Aber wie der Fragesteller schon richtig schreibt, ist "das "deutsch" des Kollegen vom Finanzamt nicht überragend".

Das FA verlangt aber - und das ist der Punkt - die Abgabe einer Gewerbesteuererklärung. Die Prüfung, ob es sich um eine gewerbliche oder selbständige Arbeit handelt, soll da irgendwie als Nebenprodukt anfallen. Und das ist der falschrumme Weg.

Recht hast du damit, dass zur Prüfung die Verträge und Rechungen (Tätigkeitsnachweise) vorgelegt werden müssen.

Kommentar von blackleather ,

der falschrumme Weg

Dafür gibts doch von mir mal ein DH! außer der Reihe. Für überragendes deutsch. :-)

Kommentar von EnnoBecker ,

Das ist ja wohl auch das Mindeste :-)

Antwort
von EnnoBecker,

Langer Text.

Also ich hab das Ganze so verstanden:

  1. Du hast einenn Steuerberater
  2. Du bist der Ansicht, dass deine Tätigkeit nicht der Gewerbesteuer unterliegt

Korrekt?

Wenn du der Ansicht bist, nicht gewerblich tätig zu sein, dann hast du ja grundsätzlich zwei Möglichkeiten:#

  1. Du kannst gegen den Verwaltungsakt, eine GewStErklärung abzugeben, Einspruch einlegen
  2. Du gibst eine ab und darin steht NULL drin

Die Frage, ob deine Arbeit 18 oder 15 ist, ist doch anganz anderer Stelle zu beantworten.

Was sagt denn der Berater dazu?

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