Frage von SilviaSchnitte, 63

Fahrtkostenanerkennung

Seit 2002 wohne ich 115 KM von meiner Arbeitsstelle entfernt, jedes Jahr setze ich die Fahrtkosten als Werbungskosten an (zwischen 210 - 225 Fahrten pro Jahr, je nach Arbeitstagen). Jedesmal muß ich dem Finanzamt, wegen des großen Umfangs, die Fahrten mit meinem Fahrzeug nachweisen. Mal mit HU-Berichten, Kaufverträgen, Inspektions- und Reparaturrechnungen, oder Tankquittungen, damit die Kilometerleistungen nachgewiesen sind. In diesem Jahr haben gesammelte Tankquittungen über den Zeitraum von einem Monat nicht ausgereicht, mir wurde diesmal mitgeteilt das Tankbelege nichts über Kilometerleistungen aussagen. Mehrfach habe ich dem Finanzamt auch erklärt, dass Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln (7,5 Stunden Fahrtzeit täglich) für mich nicht zumutbar sind. Fahrgemeinschaften kämen für mich auch nicht in Frage, da der nächste Mitarbeiter ca. 70 KM entfernt von mir wohnt. Nach dem das Finanzamt in den vergangenen Jahren die Fahrleistungen anerkannt hat (wenn auch teilweise erst nach Prüfung der Steuerklärung), stellt sich mir die Frage, warum ich jedes Jahr wieder die Fahrleistung nachweisen und glaubhaft machen muß? Meine Arbeitsstelle und mein Arbeitsvertrag haben sich in all den Jahren nicht verändert. Ich habe mal gehört, dass wenn Werbungskosten (hier Fahrtkosten, die immer wieder aufkommen) einmal anerkannt wurden, nicht wieder nachgewiesen werden müssen. Stimmt das? Wenn ja, wie kann ich das beim Finanzamt einfordern? Emotional stelle ich fest, ich fühle mich getrietzt, wenn nicht sogar der Willkür ausgesetzt. Noch handelt es sich immer um Nachfragen und Prüfungen, aber es nervt.

Danke für eine Antwort

Anzeige
Antwort
von expermondo, 5

Hallo SilviaSchnitte,

Schau mal bitte hier:
werbungskosten Einkommensteuererklärung

Antwort
von blackleather, 45

mir wurde diesmal mitgeteilt das Tankbelege nichts über Kilometerleistungen aussagen

Tun sie ja auch nicht. Sie sagen nur etwas über die Spritsorte, deren Preis, die getankte Menge und das Datum aus. Mehr nicht. Vor allem nicht, in welche Karre der Sprit reingeschüttet worden ist.

stellt sich mir die Frage, warum ich jedes Jahr wieder die Fahrleistung nachweisen und glaubhaft machen muß?

Weil die Anerkennung in vergangenen Jahren keine Bindungswirkung für die Zukunft entfaltet. Sie könnte ja falsch gewesen sein, dann kannst du nicht erwarten, dass das Finanzamt das geschehene Unrecht in der Zukunft fortsetzt. Im Fachjargon der Finanzbehörden heißt das "Abschnittsbesteuerung", und damit ich mich nicht mit fremden Federn schmücke, zitiere ich mal einen aktuellen Artikel von von Wedelstädt in der letzten Nummer des "AO-Steuerberaters", Seite 219:

"Nach dem Grundsatz der Abschnittsbesteuerung hat das FA in jedem Veranlagungszeitraum die einschlägigen Besteuerungsgrundlagen ohne Bindung an frühere Besteuerungsperioden erneut zu prüfen und rechtlich zu würdigen."

wenn Werbungskosten (hier Fahrtkosten, die immer wieder aufkommen) einmal anerkannt wurden, nicht wieder nachgewiesen werden müssen. Stimmt das?

Nein. Bei Werbungskosten heißt es jedes Jahr wieder: Neues Spiel, neues Glück. Sogar bei Abschreibungen.

Wenn ja, wie kann ich das beim Finanzamt einfordern?

Das erübrigt sich ja dann.

ich fühle mich getrietzt, wenn nicht sogar der Willkür ausgesetzt. Noch handelt es sich immer um Nachfragen und Prüfungen, aber es nervt.

Das kann ich tatsächlich nachvollziehen. Und dennoch: Es führt kein Weg daran vorbei. Wer einen lebensuntypischen Sachverhalt verwirklicht und auch noch über lange Zeit (hier: mehrere Jahre) aufrecht erhält, der muss sich mehr Fragen gefallen lassen als der Durchschnitts-Steuerzahler. Und es ist nun mal untypisch, dass jemand mehr als 10 Jahre lang täglich über 100 km zur Arbeit fährt und in der ganzen Zeit nicht auf die Idee kommt, sich in der Nähe des Jobs eine Wohnung zu suchen. Deswegen magst du ja jedes Jahr aufs Neue Recht haben, aber du musst es auch jedes Jahr aufs Neue beweisen.

Kommentar von EnnoBecker ,

Klasse!

DH!

Antwort
von Rat2010, 35

Ich finde es normal. Du willst sehr viel Geld vom Finanzamt zurück und jeder andere würde sich am Arbeitsort ein Zimmer nehmen. Das ist also nicht normal.

Ist es da zu viel verlangt, dass das Finanzamt belegt haben will, dass du auch wirklich pendelst und das geht nunmal nur entweder mit vollständigen, verprobbaren Tankbelegen (es geht um viel Geld, da kann man auch mal einen Monat mit dem Auto fahren) oder irgendeinem Nachweis, aus dem sich die gefahrenen Kilometer ableiten lassen.

Antwort
von freelance, 34

dass das nicht angenehm ist, kann ich mir vorstellen. Nur wenn ich diese Distanz höre, dann klingeln für mich auch die Glocken, denn ich kenne wenige, die täglich so eine Distanz fahren.

Wenn du das mit dem Pkw fährst, dann hast du eine km-Leistung jenseits der 50.000 km. Und jeder weiss, dass dann ein Auto in wenigen Jahren im Eimer ist.

Das weiss auch das Finanzamt und daher will es diese Nachweise.

Du könntest dich an diesen Paragraphen halten http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__9.html und nur bis zur Grenze von 4.500 Euro gehen. Willst du mehr ansetzen, musst du vermutlich weiterhin diese Beweise liefern - was lt. Gesetz auch ok ist.

Antwort
von EnnoBecker, 29

Ich habe mal gehört, dass wenn Werbungskosten (hier Fahrtkosten, die immer wieder aufkommen) einmal anerkannt wurden, nicht wieder nachgewiesen werden müssen. Stimmt das?

Also ich nehme an, dass esstimmt, dass du das mal gehört hast. Für eine gegenteilige Annahme liegen keine Anhaltspunkte vor.

Aber das ist so nicht zutreffend, denn die Einkommensteuer ist eine Jahressteuer. Aus den Vorjahreserklärungen sind daher nicht zwingend Sachverhalte abzuleiten, die auch für die Folgejahre gelten.

Den Frust allerdings kann ich nachvollziehen: Ich hab auch so einen Fall mit doppelter Haushaltsführung. Man ärgert sich alle Jahre aufs neue darüber. Aber wirklich was dagegen tun kannst du nicht.

Ich könnte dir auch erläutern, warum das so ist und warum du wahrscheinlich in Risikoklasse 2 eingestuft bist. Aber das würde dir jetzt auch nicht helfen.

Kommentar von Meandor ,

Was ist Risikoklasse 2?

Kommentar von EnnoBecker ,

Es geht um das in Kürze verabschiedet werden sollende "Gesetz zur elektronischen Finanzverwaltung (E-Government-Gesetz)".

Hintergrund ist der Wille des Gesetzgebers, künftig jegliche Steuererklärungen samt Pflichtbelegen und Steuerbescheide elektronisch abzuwickeln. Das schließt auch die elektronische Fallbearbeitung mit ein. Durch das eingesetzte Verfahren KONSENS wird ein Risikomanagementsystem (RMS) geschaffen, durch das Fälle mit niedrigen Risikoklassen (z.B. einfache Arbeitnehmerveranlagungen) vollautomatisch abgewickelt werden.

Vom System erkannte Risiken oder Auffälligkeiten werden ausgefiltert und dem Bearbeiter zur manuellen Bearbeitung vorgelegt - mit der Direktion, entsprechende Nachfragen beim Steuerpflichtigen zu stellen.

Damit hat der Bearbeiter nicht (mehr) die Möglichkeit, Sachverhalte, die er beispielsweise nicht versteht oder zu deren Bearbeitung er keine Lust hat, einfach durchzuwinken.

Kommentar von FREDL2 ,

@EB

Damit hat der Bearbeiter nicht (mehr) die Möglichkeit

Höhöhö! Ich erzähl Dir morgen, wie`s wirklich aussieht.

Kommentar von EnnoBecker ,

Das glaube ich gern :-)

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community