Frage von heinerbumm 10.02.2012

Ersatz von Verlusten

  • Hilfreichste Antwort von FREDL2 11.02.2012
    1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

    Gandalf hat natürlich recht. Ich versuche zusätzlich eine einfache Erklärung.

    Verantwortung für eigene Entscheidungen zu übernehmen kommt zunehmend aus der Mode. Deswegen ist es für viele selbstverständlich und wichtig, einen anderen Schuldigen zu suchen und den am besten auch gleich zu verklagen.

    That`s ist. Das kann man doch täglich auch hier nachlesen.

  • Antwort von gandalf94305 10.02.2012
    2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Deine Frage ist grammatikalisch irgendwie unvollständig, daher versuche ich mal eine Deutung.

    Wissen und Glauben sind immer zwei verschiedene Dinge. Wissen und Hoffen sowieso. Anleger wollen 10% Rendite p.a. bei 0% Risiko. Oder noch besser 20%? Warum verkaufen sich Kapitalschutzzertifikate und Garantiefonds in manchen Zeiten so gut?

    Viele Anleger sind sehr unerfahren und werden in Boomphasen von Kapitalanlagen frech und mutig. Sie kaufen Aktien und Anleihen, die sie in der Bild-Zeitung empfohlen bekommen, vielleicht kaufen sie auch Gold. Oder sie legen ihr Geld in CHF an. Das geht dann auch eine Weile gut und sie freuen sich über jedes Promille, das ihre "Anlage" nach oben klettert. Charts, die immer nach oben gehen, sind doch hübsch. Unter Freunden kann man sich als der Anlageprofi brüsten.

    Irgendwann kommt das Unvermeidliche und es gibt einen kleinen Kurseinbruch. Nun kommt erst einmal Hoffnung auf. Ja nicht verkaufen... es geht ja wieder nach oben. So ist die Börse eben.

    Durchbricht man den Einstandskurs, beginnt die ganz große Hoffnung, denn man will ja nicht mit Verlust verkaufen. Also warten wir noch etwas - der Wert muss ja wieder steigen.

    Schließlich kommt die Ernüchterung, wenn über eine ganze Weile hinweg doch keine Erholung passiert - und man sucht den oder die Schuldigen. Man selbst hat ja nur gekauft und gewartet. Warum ist das Ding denn nicht wie erwartet gestiegen? Ok, dann verkauft man mit jetzt größerem Verlust und macht seinem Unmut Luft. Wer haftet? Wer leistet Schadensersatz? Es kann doch nicht sein, daß man einen so großen Verlust einfährt.

    Oops. Einige Zeit nachdem man verkauft hat, steigt der Wert tatsächlich wieder an. OOOOPS! Der steigt ja sogar wieder auf die alten Werte? Na, dann war das doch richtig... aber kaufen, wenn es steigt? Hmm... warten wir noch etwas.... irgendwann kauft der liebe Anleger doch... und zwar zu Höchstkursen. Wenn nämlich der Bericht in der Bildzeitung und auch populären Fernsehsendungen mit Dringlichkeit auf die Bedeutung dieses Investments hinweist und wie gut das doch in der letzten Zeit schon gelaufen ist.

    Der Zyklus beginnt von vorne.

    Gier und Angst wechseln sich mit Hoffnungsphasen ab. Das sind alles schlechte Ratgeber. Bankberater verkaufen gerne die Fonds und Zertifikate der eigenen Partner, stellen jedoch auch keine "Depotüberwachung" für ihre Kunden dar. Die reaktive Komponente im Beratungs- und Anlageverhalten fehlt. Da viele Anleger außerdem nicht täglich ihre Depots überprüfen, stellen sie Verluste oft erst am Jahresende fest.

    Schuld ist meines Erachtens ein komplettes Fehlen von "Investmenterziehung" an Schulen. Das Spektrum an Fragen in diesem und anderen Foren zeigt doch deutlich, daß es einen breiten Bedarf an wirtschaftlichen, gesetzlichen, vertraglichen und finanziellen Hintergrundinformationen gibt. Es sollte daher IMHO ein Schulfach geben, das dies allen in Grundzügen nahebringt. Dann werden wir vielleicht in einer Generation aufgeklärtere Anleger haben, die mehr Risiken und Chancen einschätzen können.

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