Frage von thomas98765, 2.489

Erfahrungen/Meinungen zur Eventus eG (Wohnungsgenossenschaft)

Hi zusammen,

aufgrund der aktuell niedrigen Zinsen beschäftige ich mich mit alternativen Anlageformen und bin über Aktien, Fonds (auch Aktien-/Renten-/Immobilienfonds...) und ETFs usw. auf Genossenschaften für investierende Mitglieder aufmerksam geworden.

Genossenschaften werden laut der Internetseite [...] Werbung vom Support gelöscht) jährlich vom Genossenschaftsverband geprüft und auch nur ca. 40% der beantragten Genossenschaften "schaffen" überhaupt den Sprung und werde vom Genossenschaftsverband zugelassen. Was haltet ihr von z. B. der [...] Werbung vom Support gelöscht Aufgrund der 100% aus Eigenkapital finanzierten Projekte, dem Status als Genossenschaft (und der Kontrollen vom Verband- zumindest laut Website) scheint das Risiko eines Totalausfalls überschaubar, oder übersehe ich etwas? Mir ist klar, dass ich, aufgrund des Blind -Pool-Konzepts, nicht immer sofort weiß in welches Objekt mein Geld investiert wird. Auf der Website sind jedoch die Investitionen, wahrscheinlich "nach einer gewissen Zeit" sichtbar. Ich vermute aber auch die Fachleute wissen besser Bescheid in welche Immobilien eine Investition lohnt als ich. Die Firma existiert seit 2012 und konnte bisher immer pünktlich die jährliche Dividende zahlen.

Was haltet ihr von dieser Genossenschaft und dem Konzept? Ich bin mir aktuell unsicher. Hat vielleicht sogar jemand Erfahrungen mit der Genossenschaft?

Gruß,

Thomas

Antwort
von thomas98765, 2.322

Hi,

besten Dank für die hilfreichen Antworten und eure Mühe eine Recherche zur dieser Genossenschafts zu betreiben!

Dass Infos aus dem Bundesanzeiger abgerufen werden können wusste ich bspw.noch nicht.

Ob Werbung über Kommentare wie "deutscher Marktführer" und "13 Jahre Branchenerfahrung" (obwohl die Firma seit 3 Jahren existiert) zum Mitgliederquise sinnvoll ist, darüber lässt sich streiten.

Da es eine recht junge Firma ist und die Anzahl der Genossen und des Geschäftsguthaben der Genossen rel. gering ist siehst du,gandalf94305, also eine Investition in diese Genossenschafts also risikoreich, oder?

Welche konkreten Probleme könnten im schlimmsten Fall auftreten? Die Genossenschaft investiert das Geld der Investoren wohl komplett in Immobilien. Das bedeutet nach meinem Verständnis, wenn nicht mehrere Fehlinvestitionen erfolgen (laut Website wird auf mehrere Grundstucke diversifiziert) und die Grundstücke/Gebäude an Wert verlieren, sollte das Geld der Investoren nicht in Gefahr sein/weniger werden. Ist das korrekt und gibt es weitere Möglichkeiten eines (total)verlustes?

Viele Grüße

Thomas

Kommentar von gandalf94305 ,

Ich kenne die Eventus eG nicht persönlich, obwohl sie eigentlich hier bei mir direkt um die Ecke sitzt.

Die Gesellschaft kann ok sein oder aber nicht. Man weiß es eben nicht. Schieflagen haben es an sich, daß sie erst nach einer gewissen Zeit zu Tage treten. Der Werbeprospekt weist ja auch auf die "J-Kurve" hin, d.h. schafft es ein junges Unternehmen nicht, aus dem anfänglichen Tal der überwiegenden Investitionen zu kommen, ist das Unternehmen insolvent. Erreicht man ein gutes Wachstum, läuft das Unternehmen in die Profitzone. Erst ab dann kann man von nachhaltigen Gewinnen sprechen und sinnvolle Ausschüttungen erwarten. Alle Ausschüttungen zuvor sind Augenwischerei, da sie die für das Unternehmen schlechten Verluste erhöhen und den Anlegern suggerieren, alles sei in Butter.

Risiken lauern im wesentlichen in drei Bereichen

  • Marktrisiko: wenn die erworbenen Immobilien bzw. neu hergestellten Objekte nicht lohnend vermietet oder verkauft werden können, da der Markt in diesen Lagen für Immobilien ungünstig läuft, gibt es ein Problem. Die Objekte, die im Prospekt genannt werden, sind alle erstaunlich klein. Da haben andere Wohnbaugenossenschaften oder REITs deutlich größere Projekte. Da Objekte auch Sicherheiten für laufende Vorhaben darstellen, kann dies bei operativer Überschuldung zur Insolvenz führen.
  • Managementrisiko: wenn die Verwaltungskosten zu hoch werden bzw. absichtlich nach oben gedreht werden, da Geld aus den Einlagen abgeschöpft werden soll, dann vermindert sich das liquide Kapital der Firma aus den Neuzugängen von Genossen. Erträge aus Vermietung und Verkauf werden durch die hohen Gesellschaftskosten geschmälert. Selbst wenn die Immobilien dann ok sind, kommt beim Privatanleger wenig an, da alles im Unternehmen oder in undurchsichtigen Beteilligungs- und Projektgesellschaften verschwindet.
  • Betrugsrisiko: wenn einzelne Projekte als Projektgesellschaften ausgegründet und dann über separate Managementgesellschaften verwaltet und womöglich noch mit Beratungsgesellschaften und Bauträgergesellschaften alle aus einem Unternehmensverbund bedient werden, dann wird das häufig als Vorteil dargestellt, da man Spezialisten für alles hat. In Wirklichkeit dient eine solche Konstruktion jedoch dazu, die tatsächlichen Geschäfte und Risiken zu verschleiern, da man immer nur Teileinblicke in einzelne Geschäftsberichte bekommt, die zudem noch zu anderen Zeiten Momentaufnahmen darstellen. Insolvenzen, Überschuldungen und versickernde Mittel können so hübsch für eine Weile kaschiert werden. Das bedeutet den Totalverlust des Kapitals für Anleger.

Langfristige Investitionen sind Vertrauenssache. Man muß sich mit dem Investment wohlfühlen und darf nicht benötigtes Kapital investieren. Das Kapital ist erst mal auf Jahre gebunden und das ist gut so, denn auch Immobilien verkauft man nicht unter Streß, um gute Ergebnisse zu erzielen. Man muß dem Management des Unternehmens vertrauen. Ob man an Versprechen von 6,5% oder 8,5% glauben will, muß jeder für sich selbst entscheiden. Aus meiner Sicht sind Versprechen über 4% p.a. immer mit deutlichen Risiken verbunden. Sonst würde sich das Unternehmen nämlich am Kapitalmarkt refinanzieren und nicht die Last der vielen kleinen Genossen an das Bein binden. Warum ist Prokon wohl über Genusssscheine an den Markt gegangen und hat nicht einfach Anleihen begeben?

Deine VR-Bank um die Ecke bietet langweilige 3% oder so auf ihre Mitgliedschaftseinlagen. Das ist sehr risikoarm und dennoch über der Inflationsrate nach Steuern.

Antwort
von jsch1964, 2.263
  • Ich kenne die Eventus nicht, das mal zuerst.

    Wenn ein Unternehmen mit dem Geld von Anlegern arbeitet, sollte die Geschäftsidee zum einen gut durchdacht sein und zum anderen auch genau so umgesetzt werden, wie es im Prospekt steht. Die meisten Pleiten, die in den letzten Jahren aufgetreten sind, entstanden dadurch, dass das Anlegergeld nicht ordnungsgemäß eingesetzt wurde.

    Dieses Risiko sollte eigentlich bei einer Genossenschaft tatsächlich kleiner sein, bzw. gar nicht existieren, denn die Kontrollen sind hier in der Tat strenger, als anderswo.

    Andererseits haftet bei einer Genossenschaft jeder für alle anderen mit. Wenn also der Worst-Case eintreten sollte, kannst Du (je nach Satzung) mehr als Deinen ursprünglichen Einsatz verlieren.

    Beteiligungsrisiko der Mitglieder :

    http://www.rain-althoff.de/rb-zivilrecht-genossenschaft-haftung.html
Kommentar von gandalf94305 ,

Laut Satzung der Eventus ist eine Nachschußpflicht ausgeschlossen.

Antwort
von gandalf94305, 2.043

Die Firma existiert seit 2012 und konnte bisher immer pünktlich die jährliche Dividende zahlen.

Na so was... Sie existiert seit 2012 und hat seither immer ihre Dividenden bezahlt? Das wäre also maximal für 2012 und 2013? Hmm... keine besondere Leistung.

Ich halte von solchen neuen Gesellschaften wenig.  Es wird suggeriert, daß die Firma "deutscher Marktführer" (worin) sei und 13 Jahre Branchenerfahrung (ei, es gibt sie seit 2012) habe. Der Website ist wenigsagend.

Daher lasse ich von solchen Gesellschaften erst mal die Finger und suche mir lieber andere, die einen klareren Track Record haben und die ehrlich kommunizieren.

Kommentar von gandalf94305 ,

Schauen wir mal in den Bundesanzeiger, so findet sich dort nur der Jahresabschluß 2012. Zum Jahresende 2012 hatte Eventus eG genau 40 Mitglieder mit einem Geschäftsguthaben der Genossen von 932.100 EUR. Und an diese 40 Mitglieder hat Eventus also Dividenden gezahlt? Sehr vielsagend!

Im Geschäftsbericht 2013 (noch nicht im Bundesanzeiger veröffentlicht) steht: "Bisher wurde die Dividendenausschüttung stets erreicht." Aha... also ist bisher wahrscheinlich = ein Jahr, nämlich 2013.

Laut Geschäftsbericht gab es einen Zuwachs an Mitgliedern von 75%. 2012 waren es 40. 2013 sind es also 70. Wow! Eine enorme Gesellschaft. Und auch diese 70 haben in 2013 ihre Dividenden bekommen, nehme ich an.

Das pro-Kopf-Investment ging in 2013 um 13,8% zurück. Damit wäre also das Geschäftsguthaben der Genossen wohl bei ca. 1,4 Mio EUR. Eine riesige Gesellschaft.

Es wird für 2012 ein Jahresfehlbetrag von 0,17 Mio EUR ausgewiesen, für 2013 waren es 0,51 Mio EUR.

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