Frage von bianwa, 34

Erbengemeinschaft sucht Rat

Mein Vater ist verstorben und wir sind eine Erbengemeinschaft bestehend aus 3 Kindern aus 1.Ehe und der Ehefrau aus 2.Ehe! In den letzten 5 Jahren sind die Eltern meines Vaters verstorben zuletzt im Jahr 2011 unser Opa. Es ist so, dass der Großteil des hinterlassenen Vermögens meines Vaters aus dem Erbe der Großeltern besteht. Laut 2.Ehefrau soll die Aufteilung des Gesamtvermögens wie folgt, vorgenommen werden: Vom Gesamtvermögens gehört ihr die Hälfte( Zugewinn in der Ehe), von der anderen Hälfte steht ihr wiederum die Hälfte zu und der Rest wird durch 3 geteilt. Nun habe ich aber gelesen, dass das Erbe, welches mein Vater erhalten hat nicht zum Zugewinn gehört. Ist das richtig? Geht der Rest vom Erbe der Großeltern an uns Kinder über? Müssen wir was beachten? Vielen Dank im Voraus!

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo bianwa,

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Erbengemeinschaft

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von imager761, 17

Laut 2.Ehefrau soll die Aufteilung des Gesamtvermögens wie folgt, vorgenommen werden: Vom Gesamtvermögens gehört ihr die Hälfte( Zugewinn in der Ehe), von der anderen Hälfte steht ihr wiederum die Hälfte zu und der Rest wird durch 3 geteilt.

Nein: Wird der Güterstand durch den Tod eines Ehegatten beendet und lebten die Ehegatten in diesem Zeitpunkt im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft, so wird ohne Rücksicht darauf, ob die Ehegatten im Einzelfall tatsächlich einen Zugewinn erzielt haben, und ohne Berechnung desselben zur Vereinfachung der Zugewinnn pauschaliert ermittelt (erbrechtliche Zugewinnlösung). Der überlebende Ehegatte erhält daher statt 1/4 (§ 1931 BGB) 1/2 der Erbschaft.

Die übrige Hälfte, also jeweils 1/6 des Reinnachlasses, das ist das nach Abzug (auch gemeinsamer) Schulden und Beerdigungskosten verbleibende Vermögen, teilen sich die Kinder des Erblassers.

BTW: Aus diesem zusätzlichen Viertel hat der überlebende Ehegatte vorhandenen Stiefkindern bei Bedürftigkeit die Mittel zu einer angemessenen Ausbildung zu gewähren (§ 1371 IV BGB).

Nun habe ich aber gelesen, dass das Erbe, welches mein Vater erhalten hat nicht zum Zugewinn gehört. Ist das richtig?

Nein: Tatsächlich bleiben die Vermögen der Eheleute getrennt voneinander und sog. priviligierter Vermögenszuwachs durch Schenkung oder Erbe zählt zum Anfangsvermögen, erhöht damit nicht das Endvermögenm und damit den ehelichen Zugewinn. Lediglich die Erträge daraus werden vermögensbildend berücksichtigt.

Allerdings gilt diese Zugewinnberechnung nur bei Auflösung der Ehe durch Scheidung.

Tatsächlich teilt ihr euch also mit der Stiefmutter den Reinnachlass; genauer: Eure Stiefmutter hat eine Erbquote von 3/6, jeder von euch 1/6 Erbrecht.

Dies ist bei der Vermögensaufteilung insbes. von Nachlassgegenständen bedeutsam: Das gemeinsame Failienauto mit einem Wert von 12.000 EUR gehörte deinem Vater nur zur Hälfte. Das kannst du gegen Auszahlung von jeweils 1000 EUR an die Geschwister und 9000 EUR an die Witwe bekommen.

Hätte dein Vater sich von dem Erbe eurer Großeltern eine Münzsammlung gegönnt, kann sich dein Bruder als begeisteter Numismatiker die von der Erbengemeinschaft abkaufen, in dem er 3/6 des Wertes der Stiefmutter und je 1/6 euch anbietet.

An einer Immobilie erwirbt jeder zu seiner Erbqute Miteigentum und kann seinen Anteil verkaufen oder andere ankaufen oder sich eben fiktive Mieteinnahmen gegen anteiligfe Kosten und Lasten monatlich auszahlen lassen.

Als Erbengemeinchaft handelt ihr aber nur übereinstimmend oder garnicht. Im Streitfall muss man Fremdverkauif und Erlösteilung zur Erbquote hinnehmen und sollte eine Teilungsversteigerung vermeiden, die richtig viel Geld kostet und das Erbe deutlich schmälert.

G imager761

Kommentar von bianwa ,

Vielen Dank für deine schnelle und sehr ausführliche Beantwortung! Hab' nur immer noch nicht verstanden, ob 1/6 vom Gesamtvermögen nach Abzug aller Fällig- keiten errechnet wird oder ob das von den 50% errechnet wird, weil die anderen 50% von Haus aus der Ehefrau gehören????

Kommentar von imager761 ,

Auch in der Ehe bleiben im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft die jeweiligen Vermögen und Erbe der Eheleute getrennt voneinander bestehen.

Der Reinnachlass eures Vaters berechnet sich daher nur nach dem, was ihm gehört, nicht hälftig vom ehelichen Gesamtvermögen :-)

Nur bei gemeinschaftlichen Konten gilt die Annahme, das der Saldo hälftig beiden Kontoinhabern gehört, also exakt 1/2 des Kontostandes am Sterbedatum als Nachlassvermögen des Erblassers berücksichtigt würde.

Vom Reinnachlass eures Vaters könnt ihr 1/6 als Barwert oder zu dieser Erquote Ausgleich über Nachlassgegenständen beanspruchen.

Die Immobilie wird ebenso nur nach dem Miteigentumsanteil eures Vaters, d. h. mit 1/2, vererbt: Demnach besäße die Witwe nunmehr (1/2 Eigentum + [die Hälfte von Vaters Haushälfte] 1/4 Erbe =) 3/4 oder 9/12 Miteigentumsrechte, jeder von euch wäre mit 1/12 zum Miteigentümer berufen und grundbuchlich zu diesen Anteilen kostenlos Änderungen einzutragen. Oder kann jeder jedem Miteigentümer ein Kaufangebot seines Anteils unterbreiten.

G imager761

Kommentar von bianwa ,

Danke! Um es nochmal richtig zu stellen! Es gibt kein Haus! :-) Du hast mir sehr geholfen! Es ist so, dass die Frau schon viele Jahre nicht arbeitet und auch über meinen Vater versichert war! Nach deinen Ausführungen bleibt uns Kindern jetzt zu hoffen, dass das gesamte Geld nicht auf dem Girokonto liegt. Denn das Erbe meiner Großeltern ist ja sein Vermögen allein gewesen. Sollte sein Sparbuch allerdings auch über beide Eheleute laufen, gehe ich davon aus, dass es sich ähnlich wie mit dem gemeinsamen Konto verhält. Ist die Frage, man kann ja Schenkungen usw auch noch rückwirkend geltend( im Sinne von der Erbmasse zugehörig) machen, ob das rechtlich so möglich ist! Ich hoffe, du verstehst, was ich meine???:-))))

Kommentar von imager761 ,

Das Erbe eures Vaters bleibt sein Vermögen, selbst wenn es auf einem gemeinsamen Konto geparkt wurde. Allerdings wird es eben hälftig mit der Stiefmutter geteilt, d. h. jeder von euch bekommt 1/6, die Witwe 3/6 von allem, was zu dessen Reinnachlass zählt, also dem, was nach Abzug seiner Verbindlichkeiten und Bestattungskosten übrig bleibt.

Da beisst die Maus keinen Faden ab und es entspricht den Vorstellungen des Gestzgebers, die Witwe genauso so begünstigen wie die Kinder - hätte euer Vater das anders gewollt, würde er eben anderslautende Verfügungen, Vermächtnisse oder Erbeinsetzung bestimmt haben, oder?

Schenkungen an seine Frau, die keiner sittlichen Pflicht (Geschenke zu Festtagen oder Hochzeitstag, gemeinsame Urlaube usw.) entspringen, könnte man 10 Jahre lang, ab dem zweiten im Übertragungswert 1/10 fallend, dem Reinnachlass hinzurechnen und zur Pflichtteilsquote, 1/12, ausgeglichen verlangen. Jedenfalls dann, wenn man sie anhand von Überweisungen oder Belegen nachweisen könnte: Nur weil er November 2008 einmal 10.000 EUR in bar abhob und eure Schwiegermutter bei der Weihnachtsfeier ein neues Brillliantenkollier trug, besagt das garnichts.

Denselben Anspruch hat natürlich eure Stiefmutter gegen euch, hätte euer Vater euch aus dem Erbe der Großmutter beschenkt, jemandem seine Autoversicherung bezahlt, als Mietbürge fungiert, einen Darlehensvertrag mit unterschrieben oder die Miete der Studentenbude (mit-)getragen.

G imager761

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Kommentar von bianwa ,

Danke für das ausführliche erklären! Ich hoffe, dass du mich nicht missverstanden hast. Wir sind durchaus bereit Vaters Vermögen hälftig zu teilen. Damit können wir Kinder wirklich leben. Das Problem war nur, dass sie uns generell pro Kind nur 1/12 zugestehen wollte! LG

Kommentar von imager761 ,

Das Problem war nur, dass sie uns generell pro Kind nur 1/12 zugestehen wollte! LG

Dem ist, wie eingangs erklärt, definitiv nicht so: Mit Ausnahme des gemeinsamen Hausrats gibt es keinen Voraus auf das Vermögen, wie die Witwe den fordert, sondern der Reinnachlass wird mit Bewertungsstichtag Sterbetag quotal geteilt.

G imager761

Antwort
von wfwbinder, 11

Es wird bei dieser Erbverteilung nicht unterschieden.

1/4 bekommt Eure Stiefmutter gem. § 1371 BGB, als Zugewinnausgleich im Todesfall.

1/4 gem. § 1931 Erbrecht des Ehegatten.

Zusammen also 1/2.

die zweite Hälfte teil ihr 3 Euch, also jeder 1/6 von allem.

Euer Vater hätte ein Testament machen sollen.

Kommentar von bianwa ,

Vielen Dank für deine schnelle Antwort!

Kommentar von wfwbinder ,

Was ich, nach der Frage und dem Kommentar auf die Antwort von Imager nicht verstehe, wem gehört denn das Haus nun ursprünglich?

Ich verstand es so, dass der größete Teil des Vermögens vom Opa stammte und an Euren Vater vererbt wurde?

Oder haben Euer Vater und seine Frau das Haus erbaut?

Sonst könnte sich nämlich keine 1/2 Beteiligung der Frau ergeben.

Kommentar von Mikkey ,

"von Haus aus" i.S.v. "ohnehin" - Redewendung ;-)

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