Frage von skawi,

Entlastungsfreibetrag trotz nicht angemeldeten zweitwohnsitz beim Alleinerziehenden?

Hallo Mein Sohn studiert zur Zeit in Leipzig und ist dort auch mit Hauptwohnsitz gemeldet. Er hat hat aus Unwissenheit seinen Nebenwohnsitz der bei mir ist nicht mit angeben. Ich bin alleinerziehend und sonst sind auch alle Bedingungen für ein Enlastungsfreibetrag für Alleinerziende erfüllt. Das Finanzamt besteht aber auf die Bescheinigung des Nebenwohnsitzes ,die ich jetzt aber nicht habe. Mein Sohn kommt auch jedes Wochenende zu mir mir nach Hause . Was meint Ihr ,steht mir der Entlastungsfreibetrag zu oder nicht?

Antwort
von EnnoBecker,

Meinungen sind hier wenig hilfreich, es sei denn, es ist die des Bundesfinanzministers.

Und der hat seine im BMF-Schreiben vom 29. Oktober 2004 kundgetan. Dort heißt es nämlich unter Tz. 1: "Ein Kind gehört zum Haushalt des Steuerpflichtigen, wenn es dauerhaft in dessen Wohnung lebt oder mit seiner Einwilligung vorübergehend, z. B. zu Ausbildungszwecken, auswärtig untergebracht ist."

Weiter heißt es : "Haushaltszugehörigkeit erfordert ferner eine Verantwortung für das materielle (Versorgung, Unterhaltsgewährung) und immaterielle Wohl (Fürsorge, Betreuung) des Kindes."

Warum ist es wichtig, dass das Kind zu deinem Haushalt gehört?
Weil § 24b (1) EStG den Entlastungsbetrag (ohne "frei") gewährt, wenn zum Haushalt des alleinstehenden[1] Steuerpflichtigen mindestens ein Kind gehört, für das ihnen ein Kinderfreibetrag oder Kindergeld zusteht.

Damit dürfte klar sein, dass der Entlastungsbetrag zu gewähren ist. Was das Finanzamt da verlangt, ruft mal wieder Kopfschütteln hervor. Das Steuerrecht kennt im Übrigen keinen "Neben"wohnsitz.


[1] Im Gesetz steht "allein stehend", gemeint ist aber "alleinstehend". Wen interessiert schon, ob jemand alleine herumsteht oder mit noch anderen Leuten?

Kommentar von EnnoBecker ,

"Sehr geehrte Damen und Herren,

gemäß § 24b (1) EStG können Steuerpflichtige einen Entlastungsbetrag in Höhe von 1.308 Euro im Kalenderjahr von der Summe der Einkünfte abziehen, wenn zu ihrem Haushalt mindestens ein Kind gehört, für das ihnen ein Freibetrag nach § 32 Abs. 6 oder Kindergeld zusteht. Die Zugehörigkeit zum Haushalt ist anzunehmen, wenn das Kind in der Wohnung des allein stehenden Steuerpflichtigen gemeldet ist.

Dies ist hier der Fall. Mein Sohn Jakob ist lediglich mit seiner Einwilligung vorübergehend zu Ausbildungszwecken auswärtig, nämlich in Leipzig, untergebracht. Darüber hinaus trage ich nach wie vor die Verantwortung für das materielle (Versorgung, Unterhaltsgewährung) und immaterielle Wohl (Fürsorge, Betreuung) meines Sohnes.

Die Zuordnung der Leipziger Unterkunft als Hauptwohnung erfolgte auf Grund von Überlegungen, die außerhalb des Einkommensteuerrechts stehen, hier nämlich die Vermeidung der Zweitwohnungsteuer der Stadt Leipzig. Dass statt dessen eine Zweitwohnungsteuer nach Maßgabe meiner Stadt in Frage kommt, ist uns bewusst.

Auf die lediglich melderechtliche Eigenschaft "Haupt-" oder "Nebenwohnung" kommt es für Zwecke des § 24b EStG jedoch nicht an.

Gründe, warum eine Bescheinigung des Nebenwohnsitzes für die Gewährung des Entlastungsbetrags notwendig ist, sind nicht erkennbar und hat das Finanzamt auch nicht vorgetragen.

Ich bitte daher, darzulegen, welche besonderen Gründe in meinem Fall bestehen, einen solchen Nachweis zu erbringen, alternativ den Entlastungsbetrag zu gewähren.

Mit freundlichen Grüßen

skawi"

Kommentar von Gaenseliesel ,

ein echt netter Zug von dir EnnoBecker, DH !!!! So weiß auch ich jetzt, an wen ich mich im Bedarfsfall wenden kann ;-))) K.

Kommentar von skawi ,

vielen Dank BennoBecker Ich hätte nie gedacht so schnelle und proffesionelle Antwort zu bekommen. Du machst mir mut es durchzuziehen. Deine Formulierung ist richtig super.Alleine hätte ich es nicht nie im Leben geschafft. Jetzt habe ich bestimmt richtig gute Argumente mit diesem Schriftstück die Finanzamtmitarbeiterin zum Umdenken zu bewegen. Also recht vielen Dank schönes Wochenende Gruß skawi

Kommentar von EnnoBecker ,

Aber Vorsicht. Besser wäre es, wenn du das in deine eigene Worte fasst.

An der Diktion, also der Art zu schreiben, erkennt die FA-Mitarbeiterin nämlich, woher der Wind weht. Wenn sie dannn entsprechend scharf zurückschreibt, könnte dich das eventuell umwerfen.

Kommentar von skawi ,

klar EnnoBecker, Du hast völlig Recht,das könnte nach hinten losgehen. Ich werde es versuchen auf der Grundlage Deines Textes mit meinen Worten zu schreiben. Gruß skawi

Kommentar von EnnoBecker ,

Hauptsache du hast verstanden, wie die ganze Sache funktioniert und wie das Finanzamt tickt. Man muss sich nämlich nicht alles gefallen lassen.

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