Frage von Satellit, 253

Einkünfte aus Kapitalvermögen - doppelt im Rahmen der Abgeltungs- und Einkommensteuer besteuert?

Hallo,

ich habe eine vermutlich einfache Frage und stehe auf dem Schlauch.

Angenommen, jemand hat 40.000 € Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit und zusätzlich 10.000 € Einkünfte aus Kapitalvermögen.

Nach meinem Kenntnisstand ist es nun so, dass von den EaKV 25% Kapitalertragssteuer einbehalten werden, hier also 2500 €. Ferner werden die EaKV jetzt aber trotzdem noch in das zu versteuernde Einkommen gerechnet, d.h. als zu versteuerndes Einkommen entstehen 50.000 €. Nach Berechnung der festzusetzenden Einkommensteuer wird die einbehaltene Kapitalertragssteuer abgezogen.

Sofern das stimmt, stellt sich mir eine Frage: Wenn schon von der Bank hinsichtlich der Einkünfte aus Kapitalvermögen 25% Kapitalertragssteuer abgezogen/einbehalten werden, fließen die Einkünfte aus Kapitalvermögen dann wirklich noch mit in das zu versteuernde Einkommen zur Berechnung der festzusetzenden Einkommensteuer? Würde das nicht bedeuten, dass Einkünfte aus Kapitalvermögen im Prinzip doppelt besteuert werden (einmal mit 25% Abgeltungssteuer und die restlichen 75% dann noch im Rahmen der Einkommensteuer)?

Vielen Dank für eure Antworten.

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo Satellit,

Schau mal bitte hier:
einkommensteuer Abgeltungssteuer

Antwort
von Kevin1905, 213
Ferner werden die EaKV jetzt aber trotzdem noch in das zu versteuernde Einkommen gerechnet, d.h. als zu versteuerndes Einkommen entstehen 50.000 €.

Nö. Wenn überhaupt würde die Summe der Einkünfte entstehen, nicht das zu versteuernde Einkommen.

Die Steuerschuld aus den Kapitalanlagen ist mit den 25% KESt. endgütlig abgegolten, daher kommt ja auch der Spitzname Abgeltungssteuer.

Das zVE beträgt 40.000,- € abzüglich der geltend gemachten Werbungskosten, Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen, und evtl. außergewöhnlichen Belastungen.

In der Anlage KAP sind lediglich jene Kapitaleinkünfte zu erklären, für die KEINE Kapitalertragssteuer einbehalten wurde, oder wenn dein Steuersatz unter den besagten 25% liegt die Günstigerprüfung zu beantragen, so dass statt den 25% der individuelle niedrige Steuersatz gilt. Auch nicht die schlechteste Idee, wenn man "vergessen" hat seine Freistellungaufträge zuzuteilen.

Eine Doppelbesteuerung findet nicht statt.

Kommentar von EnnoBecker ,

Sehr gut erklärt.

Kommentar von Satellit ,

Danke für die Antwort!

  1. Bedeutet das also, dass Einkünfte aus Kapitalvermögen nicht mit in die Summe der Einkünfte fließen, sofern vorher schon Kapitalertragsteuer einbehalten worden ist? Das irritiert mich auf Anhieb etwas, da ich ursprünglich gelernt habe, dass Einkommen aus Kapitalvermögen dort nur dann nicht einfließt, wenn es negativ ist.

  2. Wenn bei Kapitalerträgen keine KapESt einbehalten worden ist, obwohl sie der Abgeltungssteuer grundsätzlich unterliegen, fließen die Erträge dann mit in die Summe der Einkünfte (und somit schlussendlich ins zu versteuernde Einkommen) ein? In diesem Fall wäre es dann ja so, dass die Kapitalerträge im Rahmen der Einkommensteuer berücksichtigt/versteuert werden und dann im Schritt von der tariflichen Einkommensteuer zur festzusetzenden Einkommensteuer nach §23d III EStG zusätzlich noch 25% der Kapitalerträge addiert werden, oder nicht? Das würde mich wieder zu meiner Frage nach der doppelten Besteuerung führen...

Kommentar von Satellit ,

Sorry, meinte natürlich §32d III EStG!

Kommentar von Kevin1905 ,

Warum versuchst du krampfhaft etwas kompliziert zu machen, was einfach ist? ^^

Das schöne an Kapitalerträgen ist doch, dass sie nicht höher als mit 25% besteuert werden können, jede andere Einkunftsart mit bis 45%.

Möchtest du gerne mehr Steuern zahlen?

Kommentar von freelance ,

die fliessen nicht in das zu versteuernde Einkommen mit ein. Wenn du Kapitalerträge hast, die der sog. Abgeltungsteuer unterliegen, dann werden die mit 25% + besteuert. Höher geht es nicht.

@Kevin nennt den Fall, wenn dein Steuersatz bei weniger als 25% liegt. Dann kannst du die Günstigerprüfung beantragen. Und dann kann dabei herauskommen, dass die Kapitalertäge mit weniger als 25%+ besteuert werden. Das ist eine reine Rechnerei.


Es gibt Erträge aus Investitionen, die deinem persönlichen Steuersatz unterliegen. Das ist dann eine andere Frage. Aber die ist hier nicht gestellt.

Kommentar von EnnoBecker ,

Vielleicht verstehst du es besser, wenn du dir bewusst machst, dass die Lohnsteuer, die Kapitalertragsteuer, Einkommensteuervorauszahlungen oder die Bauabzugsteuer nichts weiter sind als Vorauszahlungen auf die letztlich tatsächlich festzusetzende Einkommensteuer. Das hat der Gesetzgeber gemacht, damit der Fiskus am Ende nicht erfolglos hinter seinen Steuern hinterherrennen muss.

In etwa so wie der Vermieter, der betriebskostenvorauszahlungen verlangt und nachher darüber abrechnet.

Auch wenn - aus welchen Gründen auch immer - keine KapSt einbehalten worden ist, ändert dies nichts daran, dass die Kapitalerträge in der Regel einem Steuersatz von 25% unterleigen. Selbst im Einkommensteuerbescheid wird dies richtig berechnet.

Antwort
von gandalf94305, 158

Man zahlt auf Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit und auf Einkünfte aus Kapitalvermögen Einkommensteuer.

  • Der Einkommensteuersatz für die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit errechnet sich nach den einschlägigen Tabellen.

  • Der Einkommensteuersatz für Kapitalerträge ist (nach Abzug von Verlustvorträgen, 801 EUR Sparerpauschbetrag und anrechenbarer Quellensteuer) 25%.

Für den Fall, daß der erstgenannte Grenzsteuersatz für Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit unter 25% liegen sollte, kann eine Günstigerprüfung beantragt werden, so daß dieser auch für die Kapitalertragssteuer verwendet wird.

Auf die kumulierten Erträge werden SolZ und ggf. Kirchensteuer fällig.

Also: keine Doppelbesteuerung. Nur unterschiedliche Sätze und Rechenverfahren.

Kommentar von EnnoBecker ,

Auch sehr gut erklärt.

Kommentar von LittleArrow ,

Ergänzung:

Für den Fall, daß ....

für Alleinveranlagte also bis zu einem zu versteuernden Einkommen von € 15.500 und bei Zusammenveranlagten bis zu einem zu versteuernden Einkommen von € 31.000.

Frage an den Frageteller:

Was sind das für Kapitaleinkünfte? Es gibt leider auch solche, die mit dem persönlichen Steuersatz besteuert werden!

Antwort
von MaierC, 165

Nein, die Einkünfte aus Kapitalvermögen werden nicht doppelt besteuert. Man kann eine Günstigerprüfung, in dem die EK aus KAP in der Est-Erklärung mit angegeben werden, beantragen. Liegt der Grenzsteuersatz unter den 25%, dann ist es besser die Kapitaleinkünfte nach den Tarif § 32d EStG zu versteuern und die bereits einbehaltene Abgeltungssteuer wird so wie eine Vorauszah-lung behandelt und von der ESt-Sollbelastung zum Abzug gebracht. Liegt der Grenzsteuersatz über 25 % bleibt es bei der Abgeltungssteuer und die Kapitaleinkünfte werden nicht zu den anderen Einkünften hinzuaddiert.

Kommentar von LittleArrow ,

@MaierC: Wie viele andere, frage ich Dich auch, wo man den Grenzsteuersatz ablesen kann?

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