Frage von jupp230, 52

Einkommensteuerfestsetzung

Unser Steuerbescheid 2012 hat pro Ehepartner gemäss §50 Abs. 1Satz 2 EStG das zu versteuernde Einkommen zur Ermittlung der Steuer um den (ggf. anteiligen) Grundfreibetrag (8.004 Euro) erhöht. Ist dies zulässig? Wir, schweizerisches Ehepaar (Se Hausfrau, Er versteuert in der Schweiz), haben sonst kein Einkommen in Deutschland, ausser jeder 1.220,- Euro pro Jahr aus Vermietung einer kleinen Wohnung. Dieses wird jetzt pro Ehepartner durch die Festsetzung auf je 9.224,- Euro erhöht auf eine Jahreseinkommen von theoretisch 18.448,- Euro und mit 2 x 184,- Euro besteuert. §32a(1) definiert 0,- Euro tarifliche Einkommenssteuer bei einem Einkommen 0,- bis 8.004,- Euro; wieso ist das in unserem Fall anders? Ist das richtig so?

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von EnnoBecker, 44

Da hast du was falsch verstanden. Das bedeutet nicht, dass ihr jetzt zweimal 8.004 Euro zu versteuern habt, sondern einfach, dass es diesen Grundfreibetrag nicht gibt. Versteuert werden also bei jedem 1.220 Euro, und zwar vom ersten Euro an.

Das steht so im Gesetz und ist meines Erachtens auch folgerichtig und logisch, da ihr den Freibetrag ja schon nach Maßgabe der schweizerischen Steuergesetzgebung habt. Ihr hättet ja sonst zweimal Grundfreibetrag.

Die vom Finanzamt gewählte Formulierung "wird erhöht" ist hirnrissig und folgt nur der technischen Bearbeitung: Man erhöht also das Einkommen um den Freibetrag, schaut dann in der Tabelle nach dem entsprechenden Steuerbetrag und rechnet den in einen Prozentsatz um. Der wird dann auf das zu versteuernde Einkommen angewendet, also auf die 2 x 1.220 Euro.

Bei der Hausfrau würde ich in Deutschland einen Antrag auf fiktive unbeschränkte Steuerpflicht stellen, damit wenigstens einmal nicht versteuert wird. Im Übrigen sollte der Mann seinen Anteil an der Mietwohnung an die Frau übertragen. Damit würde auch die anderen 1.220 Euro steuerfrei bleiben. Und es ist eine Steuererklärung weniger zu machen.

Zwei sogar, wenn ich das richtig sehe. Es müsste ja eine Feststellungserklärung gemacht werden und zwei Einkommensteuererklärungen. Hat nur die Frau die Wohnung, ist nur eine Einkommensteuererklärung zu machen, wobei die fiktive unbeschränkte Steuerpflicht zum Wegfall der deutschen Steuer führt.

Kommentar von jupp230 ,

Hallo Enno Becker. Deine Antwort war am hilfreichsten, da der Antrag für meine Frau (Hausfrau) inzwischen vom Finanzamt genehmigt wurde. Vielen Dank. Habe dies entsprechend als beste Antwort ab Antwortseite gesandt, aber scheint nicht durchgekommen zu sein?? Mein Computer orgelt ewig daran. Trotzdem nochmals vielen Dank und Gruss, jupp 230.

Kommentar von EnnoBecker ,

Hat aber heklappt. Danke.

Antwort
von LittleArrow, 30

Ja, in Eurem Fall ist das richtig so, weil § 32a Ziff. 1 bei Euch nicht anwendbar ist.

Ihr beide seid in D nicht unbeschränkt steuerpflichtig, sondern Ihr seid sog. beschränkt Steuerpflichtige (§ 1 Abs. 4 EStG; im folgenden immer EStG!). Euer Einkommen aus V+V (§ 21) berücksichtigt auch Werbungskosten gem. § 9. Dieses Nettoeinkommen unterliegt gem. § 49 Abs. 1 Ziff. 2f. der beschränkten Steuerpflicht.

Um nun den allgemeinen Steuertarif (den Du in § 32a richtig gefunden hast!) auf beschränkt Steuerpflichtige anwenden zu können, ist das im Steuertarif eingearbeitete steuerfreie Grundeinkommen von € 8004 je Ehepartner, das beschränkt Steuerpflichtigen nicht zusteht, durch Hinzurechnung zu korrigieren (§ 50 Abs. 1 Satz 1 und 2!). So funktioniert die Rechenmaschine.

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