Frage von LittleArrow, 348

Sind bereits besteuerte Kapitalerträge noch in der Anlage KAP bei der Einkommensteuererklärung anzugeben?

Ich habe bei einem inländischen Depot ausschließlich einige Anleihenerträge, die den Sparerpauschbetrag übersteigen und daher bereits mit der Kapitalertragsteuer (sog. "Abgeltungsteuer") voll belastet wurden. Steuerbescheinigung liegt vor. Sind diese Kapitalerträge in Anlage KAP dennoch aufzuführen und die Steuerbescheinigung einzureichen?

Darüber hinaus habe ich noch ein weiteres Depot mit ausländischen Anleihen, die noch nicht besteuert wurden. Klar, dass diese Erträge in die Anlage KAP aufgenommen werden.

Es soll hier nicht um einen komplexeren Fall mit Günstigerprüfung, Kirchensteuerrelevanz, unausgenutzen Sparerpauschbetrag, etwaiger Werbungskosten oder Korrektur der bescheinigten Erträge gehen, wie dies früher mal hier angesprochen und beantwortet wurde: https://www.finanzfrage.net/frage/muss-ich-die-anlage-kap-jetzt-ueberhaupt-noch-...

@microgeo: Unbeachtlich soll auch die mögliche volkswirtschaftliche Relevanz sein, dass bei einem Fehlen dieser bereits versteuerten Kapitalerträge in den Steuererklärungen, die Finanzämter keine vollständige Übersicht über die den Steuersubjekten zugeflossenen Nettokapitalerträge nach oben melden können;-)

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Antwort
von gandalf94305, 290

Wenn Du bei einem inländischen Depot am Ende des Jahres nach der Steuerverprobung eine Jahressteuerbescheinigung erhältst, dann wird der für dieses Engagement in Anspruch genommene Freistellungsauftrag von der Bank an das BZSt gemeldet. Wird dadurch der Sparerpauschbetrag bereits übertroffen, müssen weitere Erträge bei dieser Bank und alle Erträge bei anderen Banken versteuert werden.

Die Angabe dieser bereits versteuerten Positionen ist also nur dann im Detail sinnvoll, wenn

- der Steuersatz aufgrund einer Günstigerprüfung niedriger ausfallen soll

- die Beträge falsch ausgewiesen wurden und nun korrigiert werden (Schätzwerte oder Berücksichtigung von Währungswechselkursen)

- nach Verrechnung mit Verlustvorträgen, bescheinigten Verlusttöpfen und anrechenbaren Quellensteuern der Kapitalertrag in Summe den Sparerpauschbetrag unterschreiten würde

In allen anderen Fällen ist der in den Jahressteuerbescheinigungen ausgewiesene Betrag in Deinem Fall (Überschreitung des Sparerpauschbetrags bei bereits einer Bank) korrekt und der Rest muß ohnehin versteuert werden. Fall 1 hast Du ausgeschlossen. Fall 2 kann bei Anleihen nicht auftreten, sondern ist typisch für ausländische Fonds. Die BZSt-Meldung sorgt dafür, daß Du nicht mehr als 801/1.602 EUR an Sparerpauschbetrag in Anspruch nimmst. Für welche Positionen des Portfolios dieser genutzt wird, spielt keine Rolle. Der Rest ist dann zu versteuern und steuermindernde Beträge wirken ohnehin nur auf diesen (sonst würde Fall 3 von oben zutreffen).

Also musst Du die bereits im Rahmen des Sparerpauschbetrags versteuerten Positionen nicht angeben - nur den bereits in Anspruch genommenen Sparerpauschbetrag. Was darin enthalten ist, ist ja bereits steuerlich "abgegolten".

PS: Die dem Steuersubjekt zugeflossenen Nettokapitalerträge sind dennoch bestimmbar, wenn auch nicht die Positionen.

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