Frage von Sophia009, 263

Einkommenssteuererklärung Studentin - Lohnsteuer und Gewerbe

Hallo zusammen,

ich benötige Hilfe zu Fragen bzgl meiner ersten Einkommenssteuererklärung und hoffe darauf, dass mir hier jemand weiterhelfen kann.

Kurz etwas zu meiner Situation:

Ich bin neben meinem naturwissenschaftlichen Studium als Werkstudentin tätig. Seit Oktober im Master.

Dort habe ich dieses Jahr ca. 14.000-15.000 Brutto verdient. Abgezogen wurden Lohnsteuer, Rentenbeiträge, Soli.

Soweit mir bekannt darf ich etwa 8500 Euro verdienen, sodass keine Einkommenssteuer anfällt.

Da ich darüber hinaus verdient habe, muss ich entsprechend der Grundtabelle 2014 nach dem progressiven Steuersatz eine gewisse Summe XY an das Finanzamt abtreten.

Da ich dieses Jahr einige Kosten hatte, hatte ich gehofft meine Steuerast soweit zu mindern, sodass ich unter die 8500 Grenze gelange und die gezahlte Lohnsteuer zurückerstattet bekomme.

Jetzt stellt sich ein großes PROBLEM: Ich habe dummerweise nebenher ein paar mal (max 4 Einsätze) als Messehostess über Gewerbeschein gearbeitet und entsprechende Rechnungen geschrieben. Blöderweise hat mir niemand von der Stadtverwaltung und nichtmal beim Finanzamt davon abgeraten einen zu beantragen, sondern selbst nach Schilderung meiner Jobsituation dazu geraten.

Ich habe mir nun sagen lassen, dass diese Arbeit auf Gewerbeschein (waren insgesamt max 500 Euro :/) mich in die Bredouille bringt.

Weiß jemand, inwiefern sich meine Möglichkeit auf Lohnsteuerrückerstattung ändert?

Besten Dank im Voraus! :)

Anzeige
Antwort
von expermondo, 5

Hallo Sophia009,

Schau mal bitte hier:
Finanzamt Student

Antwort
von Luscinia, 246

Noch ein Praxistipp hinterher: Hol Dir ein Steuer-Programm (z.B. bei Aldi - müsste es zwischen den Jahren oder Anfang Januar wieder geben), damit kriegt man das eigentlich ganz gut hin.

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für Finanzamt, 228

Als Arbeitnehmer kann man bis zu 11.500,. Euro verdienen, ohne Steuern zu zahlen, weil zumindest der Arbeitnehmerfreibetrag von 1.000,- runter geht, falls man keine höheren Werbungskosten nachweist, dann noch Sonderausgabenpauschale von 36,- Euro und die Vorsorgepauschale.

Wegen Deiner 500,- Euro (Einnahmen?) aus dem Messejob würde ich mir keine Sorgen machen. Das ist zwar steuerpflichtig, aber erstmal gehen Deine Betriebsausgaben runter (Fahrkosten, Telefon usw), dann wären 410,- Euro steuerfrei, oder wenn die einkünfte über 410,- Euro sind, dann gibt es zumindest einen sogenannten Härteausgleich.

Und abschießend, nur mal angenommen du müßtest tatsächlich auf die 500,- Euro Einnahmen 70,- Euro Steuern zahlen, was wäre Dir lieber, die 70,- Euro sparen und die 430,- euro verdinest weniger haben, oder die 430,- Euro cash in der Tasche?

Kommentar von EnnoBecker ,
oder wenn die einkünfte über 410,- Euro sind, dann gibt es zumindest einen sogenannten Härteausgleich.

Der steht dann in § 70 EStDV und funktioniert so:

Der Betrag, der die 410 Euro übersteigt, wird von den 410 Euro abgezogen. Was übrigbleibt, ist zu versteuern.

Hier bei 500 also:

500-410=90
410-90=320 (<- Freibetrag)
500-320 = 180 (<- zuversteuern)

90 Euro Aufwand werden sich ja hoffentlich noch irgendwo anfinden, oder?

Kommentar von Sophia009 ,

@EnnoBecker

Vielen Dank für Ihre Antwort auf meine Frage und entschuldigen Sie bitte meine Unwissenheit in Steuerfragen.

Das mir Bekannte habe ich Steuerzeitschriften und mündlichen Gesprächen entnommen.

Folglich machte mir besagter Bekannter etwas Angst, als er mir sagte, ich sei naiv gewesen nebst Werkstudentenjob noch ein Gewerbe anzumelden. Man könne mir noch bis zu 10 Jahre nach Tätigkeitserbringung Steuerhinterziehung nachweisen, da ich direkt nach Rechnungseingang für jeden Job ein Schreiben ans Finanzamt abgeben müsse. Ich ging davon aus, es reiche aus am Jahresende eine Steuererklärung abzugeben?

Desweiteren sagte er mir, dass ich aufgrund dieser Doppelbeschäftigung auf keinerlei Lohnsteuerrückerstattung hoffen solle.

@ wfwbinder:

ist meine Überlegung korrekt?:

bei etwa 14.000-15.000 EUR Verdienst auf Lohnsteuerkarte (+1000 EUR aus Gewerbe, es waren tatsächlich doch 1000)

Ich rechne der Einfachheit halber mit 150000 weiter

d(zu versteuernder Betrag) = 150000- 115000 =3500

Müsste ich nun Kaufbelege in Höhe von 3500 einreichen, um unter die Steuergrenze von 11.500 zu gelangen?

Erst wenn ich meine Steuerlast soweit verringere, habe ich Anspruch auf die über das Jahr hinweg gezahlte Lohnsteuer?

Und befindet sich der Betrag oberhalb der Grenze, muss ich Einkommenssteuer zahlen und erhalte keine Lohnsteuer zurück?

Kommentar von EnnoBecker ,
ein Gewerbe anzumelden. Man könne mir noch bis zu 10 Jahre nach Tätigkeitserbringung Steuerhinterziehung nachweisen,

Die Gewerbeanmeldung hat doch mit Steuern nichts zu tun. Wenn du deinen steuerlichen Pflichten nachkommst, ist doch alles in Ordnung.

Und wegen Steuerhinterziehung musst du dir nun wahrlich keine Gedanken machen.

da ich direkt nach Rechnungseingang für jeden Job ein Schreiben ans Finanzamt abgeben müsse.

So ein Quatsch. Stell die mal den Mediamarkt vor, da gibt es jeden Tag tausende von Rechnungen. Die müssten ja 20 Leute einstellen, die solche Schreiben ans Finanzamt schicken. Und dort müssten weitere 10 Leute allein für Mediemarkt eingestellt werden, die den Quark abheften.

Wenn ich mir das angesichts der Arbeitslosenzahlen so angucke, gefällt mir die Idee sogar.

Kommentar von wfwbinder ,

@Sophia

Grundsätzlich ist Deine Berechnung richtig. Aber nur Geld ausgeben um keine Steuern zahlen zu müssen ist nicht sinnvoll. Nur etwas, was man wirklich braucht ist sinnvoll.

DEr Eingangssteuersatz ist ganze 14 % und wegen 1.000,- die dich 140,- euro Steuern kosten, 1.000,- Kosten produzieren, nur um die 140,- Euro zu sparen wäre doch quatsch.

Kommentar von EnnoBecker ,
Grundsätzlich ist Deine Berechnung richtig.

Nicht ganz. Das hier....

Und befindet sich der Betrag oberhalb der Grenze, muss ich Einkommenssteuer zahlen und erhalte keine Lohnsteuer zurück?

...klingt so, als denke sie, es sei eine Fallbeilmethode.

Kommentar von wfwbinder ,

DEshalb schrieb ich extra noch etwas zum Thema Eingangsteuersatz.

Was ja auch in meiner ursprünglichen Antwort am schluss enthalten war:

Und abschießend, nur mal angenommen du müßtest tatsächlich auf die 500,- Euro Einnahmen 70,- Euro Steuern zahlen, was wäre Dir lieber, die 70,- Euro sparen und die 430,- euro verdinest weniger haben, oder die 430,- Euro cash in der Tasche?
Antwort
von blackleather, 163
Blöderweise hat mir niemand von der Stadtverwaltung und nichtmal beim Finanzamt davon abgeraten einen zu beantragen, sondern selbst nach Schilderung meiner Jobsituation dazu geraten.

Ist doch klar. Die Nichtanmeldung eines ausgeübten Gewerbes ist eine Ordnungswidrigkeit. Hast du echt erwartet, dass Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung dir zu einer Ordnungswidrigkeit raten?

Ich habe mir nun sagen lassen, dass diese Arbeit auf Gewerbeschein (waren insgesamt max 500 Euro :/) mich in die Bredouille bringt.

Und worin soll diese "Bredouille" bestehen? Im Steuerzahlen? Das ist doch lediglich eine Pflicht, der du hoffentlich noch oft im Leben begegnen wirst.

Weiß jemand, inwiefern sich meine Möglichkeit auf Lohnsteuerrückerstattung ändert?

Anhand deiner Sachverhaltsdarstellung lässt sich vermuten, dass sie sich evtl. etwas verringert. Kann sein, muss aber nicht. Genaueres wird dir der Steuerberater, den du mit deiner ersten Einkommensteuererklärung beauftragst, erläutern, nachdem du ihm genaueres erläutert hast.

Für einen Steuerberater habe ich derzeit kaum Geld.

Gut, dass du das schon vorher weißt. Da du ja auch weißt, dass die Steuererklärung abgegeben werden muss und du selbst ja nicht Steuerrechtler, sondern Naturwissenschaftler bist, wirst du also messerscharf schlussfolgern, dass du für den Steuerberater sparst.

Kommentar von Sophia009 ,

Die Problematik besteht laut Steuerberater darin, dass ich neben der Werkstudentintätigkeit kein Gewerbe ausüben dürfe und dass das Finanzamt selbst aus kleinsten Beträgen, die über einen Gewerbeschein abgerechnet wurden, eine große Angelegenheit macht.

Zusätzlich entfällt die Möglichkeit von einem Steuerberatungsverein Hilfe zu erhalten, da ich wegen ein paar Minijobs im Rahmen des "eigenen Gewerbes" "selbstständig" bin.

Sich als Student einen Steuerberater zu leisten, ist meinen Erfahrungen zufolge selten. Viel Geld zu zahlen dafür, dass man eh nichts zurückerstattet bekommt oder gar gem. Grundtabelle Einkommenssteuer zahlen , finde ich etwas unverhältnismäßig.

JA, ich bin mir dessen bewusst, später wie auch jetzt Steuern zu zahlen und möchte das keineswegs umgehen! Dennoch befindet man sich als Student in der glücklichen Position, einen Großteil des Bruttoverdienst netto zu erhalten.

Kommentar von blackleather ,
eine große Angelegenheit macht.

Die große Angelegenheit besteht doch lediglich darin, dass du dir ein paar zusätzliche steuerliche Pflichten aufhalst. Aber das ist doch bei jeder Form von Selbständigkeit so, also ganz normal.

Zusätzlich entfällt die Möglichkeit von einem Steuerberatungsverein Hilfe zu erhalten, da ich wegen ein paar Minijobs im Rahmen des "eigenen Gewerbes" "selbstständig" bin.

Das ist keine Tragik. Die Beratung durch einen Steuerberater ist nicht schlechter als die durch den Lohnsteuerhilfeverein.

Viel Geld zu zahlen dafür, dass man eh nichts zurückerstattet bekommt oder gar gem. Grundtabelle Einkommenssteuer zahlen , finde ich etwas unverhältnismäßig.

Ich auch. Da ist doch die Gewissheit beruhigend, dass man den Steuerberater nicht bezahlt, um irgendwas zurückzubekommen, sondern um sich sicher sein zu können, dass man absolut korrekt besteuert worden ist - nicht mehr und nicht weniger.

Antwort
von LittleArrow, 121

*Da ich dieses Jahr einige Kosten hatte, *

An welche Kosten in welchen Monaten hast Du denn dabei gedacht?

Ich habe mir nun sagen lassen, dass ....

Von wem bzw. von welchem Experten in welchem Fachgebiet?

Kommentar von Sophia009 ,

Kosten, die abzusetzen wären:

  • 12 x 90 euro Krankenversicherung 1080
  • 76% der Rentenbeiträge
  • Pauschbetrag
  • Lernmittel und Schreibbedarf ca. 100
  • Druckerpatronen
  • Kontaktlinsenbedarf (absetzbar ?! starke Sehbehinderung, ohne würde ich nichts sehen)
  • Laptop (Abschreibungssgegenstand)
  • Fahrtkosten
  • Büroeinrichtung
  • Druckerzubehör
  • MS Office
  • Laptop-Zubehör

usw.

Zu der zweiten Frage: das sagte mir ein bekannter Steuerberater, welcher allerdings nur 2 min Zeit für mich hatte. Diesen kenne ich auch nur flüchtig.

Zusätzlich habe ich bei dem Steuerring angerufen und diese sagten mir, dass sie aufgrund des Gewerbes mir ihre Dienstleistung verwehren.

Für einen Steuerberater habe ich derzeit kaum Geld.

Viel verdient ja, das ganze Geld floss aber in die Tilgung meines Studienkredits.

Danke im Voraus

Kommentar von Kevin1905 ,

Schmeiß hier nicht Sonderausgaben und Betriebsausgaben in einen Topf.

Kommentar von LittleArrow ,

Du hast also Einkommen aus zwei Einkommensarten: nichtselbständige Arbeit (Bruttolohn) und Gewerbe (Messeverdienst).

Im ersten Fall ermittelst Du Deine Werbungskosten genau, wenn sie insgesamt höher als der Pauschbetrag von € 1.000 liegen. Du hast einmal jobbezogene Werbungskosten (z. B. Entfernungspauschale) und dann studienbezogene Werbungskosten. Bedenke, dass dabei die Studienkosten (z. B. Semestergebühren, Laptop-Abschreibung, Fahrtkosten, Druckerpatronen, Lernmittel) für das Masterstudium auch als vorweggenommene Werbungskosten angesetzt werden können. Die Differenz zwischen Bruttoeinkommen und Werbungskosten heißt dann Einkünfte aus unselbständiger Arbeit. Die Kontaktlinsenkosten fallen unter den Tisch.

Bei Deinem Messejob hattest Du sicherlich auch nachweisbare bzw. glaubhafte Kosten, wie z. B. Fahrtkosten, Unterkunft. Diese Kosten vermindern Dein Gewerbeeinkommen und führen zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb.

Als nächstes ermittelst Du Deine Sonderausgaben, u. a. den Vorsorgeaufwand (z. B. Krankenversicherung, Rentenversicherung (Arbeitnehmeranteil),

Verwende ein Steuerberechnungsprogramm z. B. von http://www.n-heydorn.de/steuer.html (dort die erweiterte Option anklicken).

Damit ermittelst Du Dein zu versteuerndes Einkommen, die Einkommensteuer, KiSt und Soli. Dagegen wird die bereits gezahlte Lohnsteuer, KiSt und Soli gerechnet. Die Differenz wird erstattet oder ist nachzuzahlen.

Hierüber wundere ich mich allerdings:

Dennoch befindet man sich als Student in der glücklichen Position, einen Großteil des Bruttoverdienst netto zu erhalten.

Für Dich ist also schön und beglückend ein Monatsbruttoeinkommen von ca. € 1.000 zu haben, weil es auch das Nettoeinkommen ist (keine Kranken- und Rentenversicherung!?).

Für mich wäre es hingegen schöner - bei gleichem Zeitaufwand - ein Monatsbruttoeinkommen von € 10.000 zu haben, selbst wenn ich dabei noch einige Abzüge habe. Beim Netto kommt halt wesentlich mehr als nur € 1.000 raus. Ich könnte Dich dann vielleicht auch mal auf eine Reise mitnehmen;-))

Kommentar von Sophia009 ,

Herzlichen Dank für diese detaillierte Antwort! :)

Ich hatte bislang nur 9 % Abzüge vom Bruttolohn (Rentenbeiträge). Lohnsteuer < 1 %

Bruttolohn gem. Tarif (16/h)

Arbeitszeit: 20 h pro Woche im Semester und 37,5 h/ Woche während der vorlesungsfreien Zeit.

Bei Monaten mit > 2000 Euro lag der Auszahlbetrag hingegen bei etwa 1500-1700.

Ersteres war gemeint. Da entsprach das brutto Errechnete dem entsprechenden Auszahlbetrag.

Kommentar von LittleArrow ,

Danke für Deinen Kommentar. Ich wollte Dir anschaulich machen, dass die Einkommensteuer eine Jahressteuer ist. Da zählen die Jahreseinkünfte aus allen Einkunftsarten, egal ob in wenigen Monaten oder gleichmäßig über alle Monate verdient wurde. Die Lohnsteuer wird hingegen monatlich ermittelt und vom Arbeitgeber gleich einbehalten.

Bei gewerblichen Einkünften erfolgt die Versteuerung im Zuge der Einkommensteuererklärung, also nachträglich. Allerdings kann darin dann künftig eine Ursache für quartalsweise Steuervorauszahlungen liegen.

Bei Monaten mit > 2000 Euro lag der Auszahlbetrag hingegen bei etwa 1500-1700.

Die Differenz ist möglicherweise nicht nur LSt, KiSt und Soli, sondern auch noch Renten- und Krankenkassenbeiträge. Wir betrachten hier ja nur die Lohn- und Einkommensteuerseite.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community