Frage von Serpent, 417

Einkommenssteuererklärung - nicht anerkannte Handwerkerleistungen

Hallo, ich habe heute den Bescheid über die Einkommenssteuer für 2013erhalten. Ich hatte in meiner Erklärung Handwerkerleistungen (Lohnkosten)von über 9000 Euro mit eingereicht. Wir haben in 2013 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen in unserem Haus durchführen lassen ( u.a neue Bäder, Fenster ). Das Finanzamt gewährt diese Steuerermäßigung nicht, da die Vorraussetzungen nicht nachgewiesen wurden. Was kann denn mehr machen, als die Handwerkerrechnungen mit seiner Steuererklärung einzureichen? Muss man auch noch belegen, dass man die Rechnungen bezahlt hat (Kontoauszugkopie)?

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Antwort
von LittleArrow, 417

Zunächst: Wurde das Haus gerade gekauft und vor Einzug saniert oder schon mit einem "Haushalt" bewohnt?

Nur mal am Rande: es geht beim § 35a nicht um Lohnkosten, sondern Arbeitskosten.

Im übrigen schauen wir mal in das BMF-Schreiben vom 15.02.2010 in die Textziffer 45 (ab 2008) und 44 (bis 2007), was dort über Nachweis steht (EnnoBeckers Ausführungen stimmen also in diesem Punkt). U.a. heißt es "Daraus folgt, dass es ab dem Veranlagungszeitraum 2008 ausreicht, wenn derSteuerpflichtige die Nachweise auf Verlangen des Finanzamtes vorlegen kann.". http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuera...

Für Handwerkerleistungen können maximal € 6000 mit € 1.200 berücksichtigt werden. Aber vielleicht lassen sich ja weitere Kosten als Dienstleistungen definieren.

Kommentar von LittleArrow ,

Im aktuellen BMF-Schreiben vom 10.01.2014, das grundsätzlich auch für das Steuerjahr 2013 Anwendung findet, heißt es u.a. in Textziffer 49: "Es ist ausreichend, wenn der Steuerpflichtige die Nachweise auf Verlangen des Finanzamtes vorlegen kann."

http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuera...

Kommentar von LittleArrow ,

Der Link in der vorstehenden Anwort verweist irrtümlich schon auf das aktuelle Schreiben hin.

Hier nochmal der Link zum Schreiben von 2010:

http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuera...

Kommentar von EnnoBecker ,

Zunächst: Wurde das Haus gerade gekauft und vor Einzug saniert oder schon mit einem "Haushalt" bewohnt?

Aber das war doch gar nicht die Begründung des Finanzamts.

Kommentar von LittleArrow ,

Vielleicht kennt das Finanzamt hier mehr? Deshalb habe ich diese bisher leider unbeantwortete Frage gestellt.

Der Fragesteller schrieb schließlich "Handwerkerleistungen (Lohnkosten)von über 9000 Euro mit eingereicht. Wir haben in 2013 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen in unserem Haus durchführen lassen (u.a. neue Bäder, Fenster ). Das Finanzamt gewährt diese Steuerermäßigung nicht,..."

Antwort
von MaierC, 377

Ja, man muss auf Anforderung seitens des FA belegen können, dass die Handwerkerleistungen durchgeführt wurden und die Rechnung überwiesen wurde. Das Finanzamt hätte hier eine Anhörung durchführen müssen und nicht einfach die Aufwendungen steuerlich nicht anerkennen, weil der Zahlungsnachweis nicht miteingereicht wurde. Ich würde einen Antrag auf schlichte Änderung stellen und die Belege dementsprechend mit einreichen.

Antwort
von gandalf94305, 321

Das ist recht einfach:

  • Unbare Zahlungsform (Überweisung)

  • Ausweis der Lohnkosten auf der Rechnung

Normalerweise werden Belege nachgefordert. Was bedeutet "[...] da die Vorraussetzungen nicht nachgewiesen wurden"? Welche Voraussetzungen fehlen?

Kommentar von Serpent ,

Der genaue Wortlaut in dem Bescheid vom Finanzamt ist folgender: Die Steuerermässigung für die Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienst-, Pflege- und Betreuungsleistungen oder Handwerkerleistungen ist davon abhängig, dass Sie für die Aufwendung eine Rechnung erhalten haben und die Zahlung auf ein Konto des Erbringers der Leistung erfolgt ist. Die von Ihnen beantragte Steuerermässigung konnte nicht gewährt werden, soweit/weil diese Voraussetzungen nicht nachgewiesen wurden.

Also die Rechnungen hatten die alle vorliegen. Wäre der Nachweis durch einen Kontoauszug erbracht?

Kommentar von Rat2010 ,

ja

Kommentar von gandalf94305 ,

In der Tat. Beide Voraussetzungen müssen gelten und jedes Steuerprogramm weist Dich darauf hin, daß die Originalrechnungen und Überweisungsnachweise beizulegen sind. Darauf hat Dich das Finanzamt nun nochmals freundlich hingewiesen. Da Du nun einen Bescheid erhalten hast:

  • Einspruch einlegen
  • Dem Einspruch die Kontoauszüge beilegen
  • Abwarten
Kommentar von blackleather ,

jedes Steuerprogramm weist Dich darauf hin, daß die Originalrechnungen und Überweisungsnachweise beizulegen sind

Von einem Steuerprogramm muss sich niemand Vorschriften machen lassen. Allenfalls vom Gesetz. Und das Gesetz verlangt genau das nicht.

Wo kämen wir denn sonst hin? Vielleicht dahin, dass jeder Hanswurst kraft seiner Wassersuppe irgendwas von irgendwem verlangen darf, nur weil er hinter einem Schreibtisch sitzt? Vielleicht dahin, dass künftig das Staatswesen wieder nicht mehr auf der Grundlage von Gesetzen funktioniert, sondern auf der Basis von Politbürobeschlüssen???

Antwort
von Privatier59, 275
Muss man auch noch belegen, dass man die Rechnungen bezahlt hat (Kontoauszugkopie)?

Genau das muß man.

Kommentar von blackleather ,

Aber nicht unaufgefordert.

Antwort
von EnnoBecker, 244
Die Steuerermässigung für die Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienst-, Pflege- und Betreuungsleistungen oder Handwerkerleistungen ist davon abhängig, dass Sie für die Aufwendung eine Rechnung erhalten haben und die Zahlung auf ein Konto des Erbringers der Leistung erfolgt ist

Bis hierhin ist es auch noch richtig aus dem § 35a (5) Satz 4 EStG abgeschrieben.

Die von Ihnen beantragte Steuerermässigung konnte nicht gewährt werden, soweit/weil diese Voraussetzungen nicht nachgewiesen wurden.

Dem Finanzamt sollte man den Bescheid um die Ohren hauen. Wo in § 35a (oder in der Abschrift im Bescheid steht drin, dass ein Nachweis erforderlich ist? Staht da etwa "...und muss nachgewiesen werden?" Nein, steht da nicht.

Haben! Haben muss man die Rechnung und unbare Zahlung.

Wieder nur unnötige Arbeit:

Wenn ich den jetzt leider notwendigen Einspruch formulieren würde, würde mein Unmut aber sehr deutlich zum Ausdruck kommen.

Denn der Fragesteller hat hier ALLES richtig gemacht.

Kommentar von LittleArrow ,

Korrekter Grundtenor bis auf:

Denn der Fragesteller hat hier ALLES richtig gemacht.

"ALLES" kann ich bei dem geschilderten Sachverhalt nicht erkennen, noch nicht. Mit fehlen dafür noch Angaben;-)

Kommentar von EnnoBecker ,

Dann lass uns doch einfach teilhaben.

Kommentar von LittleArrow ,

Steht in meiner Antwort.

Kommentar von FREDL2 ,

@EB & BL

Denn der Fragesteller hat hier ALLES richtig gemacht.

Hat er wohl, es hat ihm nur nichts genutzt.Hätte er seine Belege gleich mitgeschickt, könnte er die Kohle vermutlich bereits auf den Kopf hauen. Streitereien mit dem FA sind nicht jedermanns Hobby. Meins jedenfalls nicht.

Kommentar von EnnoBecker ,
es hat ihm nur nichts genutzt.

Ja, leider. Aber das haben wir in diesem Faden wohl schon erschöpfend gelärt.

Streitereien mit dem FA sind nicht jedermanns Hobby.

Als harmoniebedürftiger Randwidder mag ich es auch lieber, wenn man sich einigt. Aber der Widder als solches explodiert bei Ungerechtigkeiten.

Antwort
von Rat2010, 228

Natürlich muss man auch die Zahlung auf ei Konto des Handwerkers belegen. Das steht so im Gesetz (§ 35 a Abs. 5 Satz 3 EStG). http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__35a.html

Nur steht das ja auch in den Erläuterungen zu deinem Steuerbescheid. Also einfach die entsprechenden Zahlungen (Kontoauszüge) nachreichen.

Deine Steuer mindert sich dadurch alleridngs um maximal 1.200 €.

Kommentar von Serpent ,

Also Einspruch einlegen und Auszüge mitschicken?

Kommentar von Rat2010 ,

Genau.

Auch wenn ich da immer mehr wie ein Laie tue und die Änderung beantrage. Das Thema ist (oder es war jedenfalls früher so), dass ein Einspruch die Prüfung auch der nicht deiner Meinung nach zu berichtigenden Punkte auslöst und den Veranlagungsbeamten nicht glücklich macht. Ein Antrag auf Änderung ist harmloser, geht aber auch.

Kommentar von EnnoBecker ,

Natürlich muss man auch die Zahlung auf ei Konto des Handwerkers belegen. Das steht so im Gesetz (§ 35 a Abs. 5 Satz 3 EStG)

Genau DAS steht da nicht. Da steht nämlich:

Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen nach Absatz 2 oder für Handwerkerleistungen nach Absatz 3 ist, dass der Steuerpflichtige für die Aufwendungen eine Rechnung erhalten hat und die Zahlung auf das Konto des Erbringers der Leistung erfolgt ist.

Wo steht da etwas davon, dass man etwas belegen muss?

Früher stand es mal drin. Das hat man aber rausgenommen, weil man vom Papierkram wegwollte. Der Steuerpflichtige sollte die Belege nur HABEN, um sie bei Bedarf vorweisen zu können. Bedarf entsteht aber nur dann, wenn begründete Zweifel an der Richtigkeit der Steuererklärung aufkommen und nicht, wenn ein Sachbearbeiter im Finanzamt zu doof ist, Gesetze zu lesen.

Kommentar von Rat2010 ,

Again what learnde.

Und wieder ein paar Kopien gespart. Danke.

Kommentar von EnnoBecker ,

Für den Fragesteller ist es an dieser Stelle aber nicht mal mehr ein Unterschied.

Den Einspruch muss er schreiben und die Kopien hinsenden.

Im übrigen hat das Finanzamt gegen einige Vorschriften mehr verstoßen, indem es einfach gekürzt hat anstatt den Steuerpflichtigen anzuhören und ihm so Gelegenheit zu geben, im normalen Veranlagungsverfahren die Belege hinzugeben. Davon wird zwar der Bescheid nicht nichtig, aber doch rechtswidrig.

Wenn ich solche Bescheide bekomme, weise ich auch gern mit Nachdruck auf diesen Umstand hin.

Kommentar von Rat2010 ,

Im übrigen hat das Finanzamt gegen einige Vorschriften mehr verstoßen, ...

So was ist mir allerdings auch noch nicht mal hier in München passiert, wo es (jedenfalls bei mir und schon wieder) über 9 Monate nach Einreichung der Erklärung dauert, in denen nichts passiert.

Wahrscheinlich ist es die neueste Rationalisierungsmaßnahme. Wen interessieren Vorschriften, wenn es schneller geht und unter dem Strich (das ist der Hammer) auch noch mehr für das Finanzamt rauskommt, was ich bei solchen "Fehlern" annehme?

Kommentar von EnnoBecker ,

Naja, man darf nicht vergessen, dass dort auch nur Menschen arbeiten - und die machen nun mal Fehler.

Schlimm wird es nur, wenn der Mensch auf der Gegenseite - Steuerpflichtiger genannt - dem schutzlos ausgeliefert ist, weil er sich nicht zu helfen weiß. Dafür hat der Gesetzgeber habe Hilfeleistende vorgesehen, die einspringen können.

Und ärgerlich ist es, wenn sowas systematisch wird, so dass es verhersagbar wird. Dann wandelt sich nämlich der Fehler durch die Realität in Richtig um und man steht doof da. Abgesehen von der Mehrarbeit, die man in der Zwischenzeit hat.

Kommentar von blackleather ,

Naja, man darf nicht vergessen, dass dort auch nur Menschen arbeiten

Das ist unerheblich. Dem Steuerpflichtigen treten nicht Menschen gegenüber, sondern eine (anonyme) Behörde.

und die machen nun mal Fehler.

Und genau die darf sich die Behörde nicht erlauben. Schließlich erlaubt sie Fehler dem Steuerpflichtigen auch nicht - dort sind sie sogar strafbewehrt!

Kommentar von EnnoBecker ,
Das ist unerheblich. Dem Steuerpflichtigen treten nicht Menschen gegenüber, sondern eine (anonyme) Behörde.

Das mag so sein, wenn man sich gern vor Gericht wiedersieht. Was aber auch nur unnötige Arbeit ist. Bei mir biegt sich der Tisch und ich bin froh, wenn wir alles zusammen - also auch MIT dem Menschen im Finanzamt - so geräuschlos wie möglich zu Ende bringen.

Deshalb enthalten meine Telefonat mit dem Finanzamt auch gern mal so Worte wie "Was hamsn da jemacht?" oder "Na da hamse aber Spaß mit dem Fall, wa?" Letzteres beispielsweise mit einem, der Einkünfte in UK hat, die hier dem PV unterliegen. Wie wir wissen, lauten sämtliche Bescheigungen vom 6. April bis zum 5. April - da mach mal einer was Gescheites draus.

Böse werd ich nur, wenn ich erkenne, dass mir ein Dummer oder Böswilliger gegenübertritt.

Schließlich erlaubt sie Fehler dem Steuerpflichtigen auch nicht - dort sind sie sogar strafbewehrt!

Wo denn?

und das Finanzamt bezahlt meine Rechnung.

Oh, für normale Einsprüche stelle ich gar keine Rechnungen. Sollte ich wohl mal in bestimmten Fällen einführen.

Hier würde ich auch keine stellen, denn wenn das FA von seinem Recht, sich die Belege (vorher bitte!) vorlegen zu lassen, Gebrauch gemacht hätte, wäre der Aufwand derselbe.

Kommentar von blackleather ,
Hier würde ich auch keine stellen, denn wenn das FA von seinem Recht, sich die Belege (vorher bitte!) vorlegen zu lassen, Gebrauch gemacht hätte, wäre der Aufwand derselbe.

Und dann wäre aber auch kein Rechtsbehelfsverfahren erforderlich gewesen.

Kommentar von EnnoBecker ,

Ich weiß, es gibt eine eigene Gebührenposition, 2801 oder so. Oder 2101, das geht immer.

Aber lieber nehme ich für die Erklärung n Zehntel mehr.

Kommentar von blackleather ,

Und der Fiskus macht so weiter und unterlässt auch weiterhin die gesetzlich vorgeschriebene Anhörung. Es kostet ihn ja nichts.

Kommentar von EnnoBecker ,

Ich kann ja nur sagen, dass du recht hast.

Und ich mache auch so weiter und erlaube mir auch ein paar kleine feine Freiheiten, von denen ich weiß, dass sie funktionieren.

Beim Steuerrecht kann es mitunter zugehen wie in einer mexikanischen Würfelbude.

Kommentar von blackleather ,
mexikanischen Würfelbude.

Dort pflegen mitunter aber die Colts auch locker zu sitzen.

Kommentar von EnnoBecker ,

Kein Problem, solange man es nicht persönlich nimmt.

Ich überlege gerade, wie ich dir einen aktuellen Fall schildere. Bist du nicht mal wieder in meiner Stadt?

Kommentar von blackleather ,
Im übrigen hat das Finanzamt gegen einige Vorschriften mehr verstoßen, indem es einfach gekürzt hat anstatt den Steuerpflichtigen anzuhören und ihm so Gelegenheit zu geben, im normalen Veranlagungsverfahren die Belege hinzugeben. Davon wird zwar der Bescheid nicht nichtig, aber doch rechtswidrig. Wenn ich solche Bescheide bekomme, weise ich auch gern mit Nachdruck auf diesen Umstand hin.

D'accord.

Bei so was geht mir auch immer das Messer in der Tasche auf. Wenn ich dann auch noch das Rechtsbehelfsverfahren erfolgreich führe, mache ich prinzipiell einen Amtshaftungsfall (§ 839 Abs. 1 BGB) draus und das Finanzamt bezahlt meine Rechnung.

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