Frage von PaarZuzug,

Einkommen im Ausland relevant für Steuer in D nach Zuzug?

Meine Frau hatte einen Verdienst im Ausland vor Zuzug und Heirat in D. Nun steht die Steuererklärung an. Ich hatte im relevanten Steuerjahr nur Einkommen in D, nur Wohnsitz in D. Sie hatte erst einen Wohnsitz im Ausland (Nicht-EU), Zuzug während des Steuerjahres und verdiente im Steuerjahr im Ausland und in D. Sie hatte bis April einen Wohnsitz im Ausland, ab Mai nur noch einen Wohnsitz in D.

Ist der Verdienst im Ausland relevant für die deutsche Steuer bzw. wie kann man ermitteln, ob der Verdienst relevant in D ist?

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von SafePirat,

Die Einkünft vor Zuzug müssen im Mantelbogen der Steuererklärung angegeben werden, da sie dem Progressionsvorbehalt unterliegen, d.h. den Steuersatz erhöhen.

Wichtigt ist zu prüfen, ab wann die unbeschränkte Steuerpflicht begann (Begründung Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt; hat nichts mit dem Datum der Anmeldung beim Einwohnermeldeamt zu tun). Dann wäre ggf. noch ein Doppelbesteuerungsabkommen zu prüfen. Zu beachten ist, dass die "ausländischen" Einkünfte nach deutschem Recht zu ermitteln sind; das kann manchmal etwas schwieriger sein.

Auch kann es sein, dass die getrennte Veranlagung (wg. Progressionsvorbehalt) günstiger ist. Für das Zuzugjahr ist daher die Hinzuziehung eines Steuerberaters ratsam.

Kommentar von EnnoBecker ,

Dann wäre ggf. noch ein Doppelbesteuerungsabkommen zu prüfen.

Achja? Wofür das denn? Wo ist denn hier der DBA-Fall?

Als Steuerberater sollte man schon unterscheiden können zwischen DBA-Fällen und der Zuzugsbesteuerung (§ 2 (7) Satz 3 iVm § 50 (2) Satz 2 Nr. 3 iVm § 32b (1) Nr. 2 EStG).

Kommentar von SafePirat ,

Das ist schon klar, dass bei einem "reinen" Zuzugsfall kein DBA Anwendung findet. Das war im Zusammenhang mit dem Hinweis auf die Prüfung wann die unbeschr. Stpfl begonnen hat, gemeint. Nach meiner Erfahrung wird von Laien oftmals hier nur auf die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt abgestellt.

Hier wollte der Threadsteller wohl den Beginn der unbeschränkten Steuerpflicht erst mit der Heirat annehmen. Es ist doch nicht so abwegig, dass der (Zweit-) wohnsitz in Deutschland schon vorher bestanden haben könnte, weil die Frau Zugang zur Wohnung des Stpfl. im Inland hatte. Dann käme sehr wohl auch ggf. ein DBA zur Anwendung. Genauso, wenn die Frau nach "Zuzug" noch Einkünfte aus dem Ausland hatte. Ich habe schon viele Zuzugfälle betreut und selten geht es ganz ohne DBA-Anwendung, weil "Zuzug" und "Beendigung der ausländischen Einkünfte" eben nicht immer auf den gleichen Tag fallen.

Aber ich sehe ein, dass meine Antwort vielleicht etwas verkürzt war, aber das soll ja hier auch keine umfassende Beratung sein. Daher ja auch die Empfehlung bei einem Zuzugfall für das eine Jahr zumindest mal etwas Zeit und Geld in eine Beratung bei einem Stb zu investieren, weil das doch oft kompliziert ist, als man vorher denkt.

Kommentar von EnnoBecker ,

Es ist doch nicht so abwegig

Richtig. Auch deine Nachfragen sind völlig richtig. Aber so wie die Leute hier fragen kann man meistens nicht antworten.

Steuerberater zu sein ist eben mehr als sicher durch den Normendschungel surfen zu können.

Wann war deine Bestellung?

soll ja hier auch keine umfassende Beratung sein.

Wieder richtig. Die Leute sollen ja auf dem Bürostuhl Platz nehmen und deshalb muss man ihnen das auch sagen.

Ich freu mich auf weitere Antworten von dir. Fachlichen Austausch mit Boxhandschuhen finde ich toll :-)

Antwort
von blackleather,

Ist der Verdienst im Ausland relevant für die deutsche Steuer

Der Verdienst im Ausland ist relevant für die deutsche Steuer.

wie kann man ermitteln, ob der Verdienst relevant in D ist?

Durch einen Blick ins Einkommensteuergesetz, speziell §§ 1 Abs. 1 Satz 1, 32b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG und das einschlägige Doppelbesteuerungsabkommen

Kommentar von EnnoBecker ,

Herr Kollege, wo bitte ist denn hier ein DBA-Fall?

Kommentar von blackleather ,

Bei einem Fall mit Auslandsberührung musst du doch erst mal klären, welches Recht überhaupt anwendbar ist.

Also habe ich bezüglich der ausländischen Einkünfte - d.h. derjenigen vor dem Zuzug nach D - zu klären, bei welchem Staat das Besteuerungsrecht für diese Einkünfte liegt. Erst wenn geklärt ist, dass diesbezüglich ein Besteuerungsrecht oder das Recht zur Einbeziehung in den Progressionsvorbehalt bei Deutschland liegt, kann ich im EStG weitermachen und schauen, was mit ihnen anzustellen ist.

Kommentar von EnnoBecker ,

Ganz und gar nicht.

Wenn die ausländische Einkunftsquelle mit dem Zuzug nach Deutschland entfällt, haben wir die Voraussetzungen für ein DBA überhaupt nicht.

Dann sind wir reinweg in der Normenfolge § 2 (7) Satz 3 iVm § 50 (2) Satz 2 Nr. 3 iVm § 32b (1) Nr. 2 EStG.

Kommentar von blackleather ,

Wenn die ausländische Einkunftsquelle mit dem Zuzug nach Deutschland entfällt, haben wir die Voraussetzungen für ein DBA überhaupt nicht.

Das hat schon rein von der Logik her was für sich. Allein schon deswegen muss man dir Recht geben. Außerdem:

Als Steuerberater sollte man schon unterscheiden können zwischen DBA-Fällen und der Zuzugsbesteuerung

(Da spukte mir doch aufgrund jüngster Klausurtraumata noch zu sehr das IPR durch den Kopf.)

Kommentar von EnnoBecker ,

Außerdem

Jaja, der SafePirat ist ja ein weiterer Kollege hier und wird misstrauisch von den Alttieren beäugt. Also wie immer.

Bin gespannt, was wir noch von ihm zu lesen bekommen. Um PM hab ich bereits gebeten.

Kommentar von blackleather ,

Um PM hab ich bereits gebeten.

Hast du auch eine von robinek?

Kommentar von EnnoBecker ,

Bei robinek brauch ich doch nicht zu versuchen, Vorurteile zu vermeiden.

Antwort
von EnnoBecker,

Da hier heute anscheinend die komplette Steuerberaterschaft am Antworten ist, will ich mich natürlich nicht raushalten.

Einen DBA-Fall sehe ich nicht, aber der Kollege "SichererPirat" hat es im ersten Satz auf den Punkt gebracht. Die ausländischen Einkünfte, welche nach deutschem Recht ermittelt werden[1], unterliegen in Deutschland dem Progressionsvorbehalt.

Darum zieht man steuergünstig zum 1. Januar um und erzeugt hilfweise tatsächlich einen DBA-Fall.


[1]
Das bedeutet beispielsweise, wenn der ausländische Staat eine Entfernungspauschale von 10 Cent gewährt, wird für die deutsche Besteuerung trotzdem mit 30 Cent gerechnet.

Kommentar von PaarZuzug ,

da weiss man ja gar nicht, wo man hA setzen soll :o)

Kommentar von EnnoBecker ,

Achwas, bei dieser Antwortfülle konntest du gar keinen Fehler machen :-)

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