Frage von lohepudel, 44

Droht in Deutschland eine massive Zunahme der Arbeitslosigkeit und prekärer Arbeitsverhältnisse durch Industrie 4.0, Robotik und Digitalisierung?

Gerade im Bereich der Studierten sehe ich ich hier deutliche Gefahren, weniger z.B. im Bereich der Handwerker.

Selbst bei Ingenieuren stelle ich in unserem Unternehmen mittlerweile fest, dass immer mehr Projekte durch schlechter bezahlte Zeitverträge mit Zeitarbeitsfirmen abgedeckt werden. Und diese Firmen haben enormen Zulauf.

Eure Einschätzungen würden mich interessieren.

Antwort
von Rat2010, 18

Ich denke,  dass es in Sachen Automatisierung einfach so weiter geht. Überlege mal, was sich seit Computer in die Unternehmen kamen jedes Jahr entwickelt hat. So kann das noch lange weiter gehen.

Neue Arbeitsplätze entstehen, andere werden unwichtiger oder fallen ganz weg. Seit jemand das Rad erfunden hat, woduch man mehr transportieren konnte als nur mit tragen, geht das immer so weiter.

Vielleicht beschleunigt sich das. Vielleicht (und du fragst nach D) beschleunigt sich aber auch die Überalterung der Bevölkerung. In der Vergangenheit haben sich immer wieder neue Tätigkeiten aufgetan, so dass sich der Beschäftigungsrückgang durch Automation in den einen Bereichen durch zusätzliche Jobs in anderen ausgeglichen hat. Warum sollte es in Zukunft anders sein?

War man früher ein Leben lang beim gleichen Unternehmen, ist die Beschäftigung inzwischen wesentlich flexibler geworden. Für D nicht gerade ein Nachteil. Für den Einzelnen auch nur dann, wenn er sich über den Tisch ziehen lässt. Solche Trends kehren sich aber auch schnell mal wieder um und vielleicht liegt bei der Bereitschaft, Leute fest einzustellen, die Umkehr des Trends in der Vergangenheit. Ähnlich wie bei der Verlagerung von Produktionsstandorten, wo auch einiges zurückgekommen ist.

Wenn du den Fortschritt als Grund für (negative) Veränderungen ausmachst, sehe ich die Politik und alles, was damit zusammenhängt, als Grund für eine positive Entwicklung.

Eine Sache würde mich interessieren: Du schreibst, dass Ingenieure, die von darauf spezialisierten Unternehmen für Projekte verliehen werden, schlechter als andere bezahlt werden. Die Unternehmen zahlen aber logischerweise deutlich mehr dafür und seitens der Entliehenen habe ich auch noch keine Klagen gehört. Woher kommt deine Erkenntnis?

Kommentar von lohepudel ,

Aus zahlreichen Gesprächen mit solchen Ingenieuren wo die Karten auf den Tisch gelegt wurden. Auch gibt es dazu einschlägige Untersuchungen.


Hier ein Artikel aus dem Internet auszugsweise zitiert:

"Ganze Ingenieur-Belegschaften leisteten in der Automobilindustrie über Werkverträge ein- und dieselbe Arbeit wie die Stamm-Mannschaft, nur zu geringerem Lohn und Absicherung. Sie übernahmen über Jahre hinweg wie ein Festangestellter Kernaufgaben in der Entwicklung – doch eben als Ingenieur zweiter Klasse.

Die Sorgen um Nachwuchs sind nicht ausreichend groß, dass sich daran etwas ändert, denn die Zahl der inserierten Stellen übersteigt die tatsächliche um ein Vielfaches.


Personalvermittler und Zeitarbeitsfirmen sichten zeitnah alle Stelleninserate der »echten« Arbeitgeber und schreiben diese auf eigene Initiative und in veränderter Form unter eigenem Namen aus, um die Kandidaten eigeninitiativ beim Arbeitgeber präsentieren zu können. Dabei können aus einer Position schon mal locker fünf werden."



Kommentar von Rat2010 ,

Es gibt beides.

Um Spitzen in der Produktion auszugleichen brauche ich andere Leute wie wenn ich für eine Innovation Know-how einkaufe.

Du wirst je nach Interesse der Quelle (Gewerkschaften sind keine gute Quelle, Arbeitgeberverbände auch nicht) alles mögliche finden.

Fakt ist, dass es gut für den Standort Deutschland, gut für Unternehmen und am langen Ende auch gut für die Beschäftigung ist, wenn ich Aufträge annehmen kann, anstatt sie abzulehnen, weil ich nicht genügend Leute habe und für das Projekt auch keine fest einstellen will. Dass Betriebsräte und Gewerkschaften das anders sehen müssen, weil deren Bedeutung schwindet, steht auf einem anderen Blatt.

Antwort
von wfwbinder, 27

Zeitarbeitsfirmen mit Ingenieuren? Ist das erste, was ich höre.

Eher Projektverträge mit beratenden Ingenieuren, die sich jeweils auf Zeit für ein bestimmtes Projekt verdingen.

Da wir aber in "D" sowieso viele freie Stellen in den MINT Bereihen haben, gibt es da wohl kaum Arbeitslose.

Die Digitalisierung führt lediglich zu Anpassungen und Umstrukturierungen.

Kommentar von lohepudel ,

Brunel, Ferchau und Teccon sind z.B. große Dienstleisterfirmen, welche Ingenieure zu solchen Zwecken entleihen. Und spürbar schlechter bezahlen.

Angeblich fehlen Mitarbeiter in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Ein pauschaler Mangel herrscht aber nicht.Viele MINT-Stellen sind frei, weil die Bezahlung schlecht ist oder sehr spezielle Kenntnisse verlangt werden. Ich rechne gerade im MINT-Bereich mit mehr Arbeitslosen.

Kommentar von wfwbinder ,

große Dienstleisterfirmen, welche Ingenieure zu solchen Zwecken entleihen. Und spürbar schlechter bezahlen.

DAs wäre z. B. ein Feld, wo sich Ingenieure doch als Arbeitsgemeinschaft, oder GbR andienen könnten um die Marge der Zeitarbeitsfirmen selbst zu verdienen.

oder sehr spezielle Kenntnisse verlangt werden

Dann wird man sich die eben beschaffen müssen. Ich habe eine ganze Zeit sehr gut damit verdient, dass ich für Berufskollegen Spezialfälle gelöst habe. Mache ich auch heute noch, z. B. wenn es um Auslandsbeziehungen geht.

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