Frage von MrGreen, 9

"Drohende Korrektur" oder "Blase": Aussteigen oder aushalten?

Hallo zusammen,

ich bin noch ziemlich Neuling und hätte eine Frage zur "drohenden Korrektur der Kurse". Wenn ich davon ausgehe, dass mein Depot breit gefächert ist, und wenn ich davon ausgehe, dass sich, selbst wenn ein Einbruch wie 2008 droht, sich die Kurse wieder erholen (das taten nämlich alle meiner Fonds), würde ich die drohende "Korrektur" dann aussitzen oder lieber aussteigen? Oder kann ich die Situation mit z.B. 2008 nicht vergleichen?

Ich weiß, dass Niquet "Keine Angst vor dem nächsten Crash" sagt, aber ich tue mich immer schwer damit, verschiedene Situationen zu vergleichen. Ich wäre ja geneigt abzuwarten, allerdings bin ich mir nicht sicher, was die Auswirkungen einer angeblichen / möglichen Blase angeht.

Tipps sind willkommen :) Gruß MrGreen

Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Fonds, 5

Wenn Du von einer Blase sprichst, dann solltest Du auch angeben, worin diese besteht.

  • Der Wechselkurs EURUSD ist trotz Problemen in der Eurozone deutlich über dem langjährigen Mittel von ca. 1,25. Das liegt am Zinsgefüge und den wirtschaftlichen Perspektiven bzw. Problemen auf beiden Seiten des großen Teichs.

  • Die Rohstoffmärkte sind in vielen Bereichen sehr günstig, da die Nachfrage aus USA und China geringer wurde. Hier wird erst mit einer Erholung der Wirtschaft auch mit einer deutlichen Erholung zu rechnen sein.

  • Der Goldpreis (hier könnte man eine Blase des billigen Fed-Geldes wegen vermuten) wird in USD gemessen, d.h steigt in USD, wenn die Währung selbst schwächelt. Handelsübliche Spekulation ist im Geschäft, aber von Crash-Szenarien haben wir doch auch nach der Bernanke-Warnung nichts gesehen.

  • Aktienmärkte: Unternehmenserträge in vielen Sektoren sind auf Rekordwerten, während Unternehmen aus Schwellenländern zunehmend ihren eigenen Binnenmarkt als Abnehmer finden und mit geringer Verschuldung und günstigen Produkten punkten. Die Emerging Markets waren aber gerade die großen Leidtragenden seit Anfang des Jahres. Schau Dir mal die Indexstände von heute im Vergleich zur Jahreswende an. KGVs der einzelen Märkte sind eher niedrig als drastisch hoch.

  • Immobilien: diese werden mit der Konjunktur laufen, werfen jedoch (wie man an REITs global sehen kann) weiterhin gute Erträge ab. Auch keine Blase. Es geht eher wieder zu einem Normalzustand zurück.

  • Anleihen? Diese Kurse wurden massiv durch das billige Geld manipuliert, waren aber durch die erreichten Renditen dann wenig attraktiv. Man hat die Leute in Aktien und andere Anlagen getrieben.

Vor einer möglichen Blase solltest Du also höchstens dann Angst haben, wenn der Großteil Deines Portfolios in langlaufende Rentenpapiere von Emittenten guter Bonität angelegt ist. Ansonsten wohl eher nicht :-)

Wenn sich also Deine Fonds von dem Einbruch in 2008 erholt haben, dann werden sie das wahrscheinlch jetzt wiederholen, obwohl die Korrektur deutlich geringer als in 2008 war. Halte Dein Pulver trocken und kaufe gezielt nach, wenn es eine Bodenbildung geben sollte. Vergleiche die Wochenentwicklung der Fonds mit der ihrer zugehörigen Referenzindices - und Du wirst erkennen können, ob die Fonds gut sind.

Ich prüfe in solchen Situationen auch, welche Werte denn gerade besonders fallen. Fonds in diesen Bereichen können nämlich aufgrund günstiger Bewertungen dann attraktiv für einen Einstieg sein. Es sollten dadurch natürlich auch keine Schwergewichte entstehen, wo sie von Deiner Portfolioallokation her nicht vorgesehen sind. Daher: gemächlich nachkaufen... ich mache das manchmal lieber über zwei Wochen verteilt mit 500 EUR pro Tag als mit einem Paket von 7.000 EUR auf einmal.

Mein Tip:

  • Was ist Deine Angst?

  • Woran könntest Du erkennen, ob Dein Angstszenario eintritt bzw. eingetreten ist?

  • Was würdest Du dann tun wollen, das langfristig den Wert Deines Portfolios mehrt?

  • Wäre dies besser als Abwarten und Nachkaufen?

Wir werden sehen. Geduld!

Antwort
von Candlejack, 2

ich bin noch ziemlich Neuling

das ist ja nichts schlimmes, wir haben alle mal angefangen...

selbst wenn ein Einbruch wie 2008 droht

ein solcher Einbruch ist derzeit nicht abzusehen und würde auch nur bei einer erheblichen Krise vorkommen.

würde ich die drohende "Korrektur" dann aussitzen oder lieber aussteigen?

grundsätzlich ist der Aktienmarkt ein langfristiger Markt und Krisen sind auszusitzen. Die gabs schon immer und wirds immer geben. WENN allerdings so ein Bruch wie 2008 droht, würde ICH persönlich aussteigen und unten (den richtigen Zeitpunkt findest Du eh nicht) wieder einsteigen. Denn sehr große Korrekturen wie 2000 oder Krisen wie 2008 bergen neben der Verpflichtung zur Ruhe natürlich auch eine Chance für Preise. Denn wenn Du ahnst bzw. weißt, dass der Kurs bei 8.000 bricht, auf 5.000 fällt und wieder auf 8.000 gehen wird, wärst Du doch schön dusslig, die 3.000 nicht mitzunehmen, aussitzen hin oder her ;-)

Wenn Du allerdings monatlich investierst, ist so eine Krise mit Werthalbierung das Beste, was Dir passieren kann. Plötzlich bekommst Du für Deine 100 im Monat doppelt so viele Anteile, die dann von selbst bei Erholung wieder den Wert bekommen (läuft u.a. auch unter cost-average-effekt).

Ich weiß, dass Niquet "Keine Angst vor dem nächsten Crash" sagt,

Du sollst auch keine Angst haben, Du sollst ihn für Dich nutzen ;-)

ich tue mich immer schwer damit, verschiedene Situationen zu vergleichen.

Kann man auch schlecht. Allein 2000 und 2008 waren völlig verschiedene Vorgänge. 2000 war die massive Korrektur einer massiven Marktüberhitzung seit 1997, die dann noch eine kleine Wirtschaftskrise nach sich zog, weil viele Firmen Teilerträge eben auch an den Anlagemärkten machten und so ihre geschäftlichen Schwächen überdeckten, was dann allerdings nicht mehr ging. 2008 war ne handfeste Finanzkrise, ausgelöst durch die Lufthypotheken aus Amerika und die dranhängende Zertifikatepleite.

Antwort
von Niklaus, 2

Wenn du keine Angst vor Crash haben willst, solltest du deine Fonds mit Stop & Go Professional absichern. Diese geschieht mit einem Trailinglimit.

Man kann Aktienfonds auch mit einem dynamischen Trailinglimit absichern. Das bedeutet, dass das Limit immer dem Kurs folgt. Wenn die Märkte fallen geht es raus aus dem Aktienfonds in einen Geldmarktfonds und bei steigenden Märkten wieder zurück in den Aktienfonds. Durch die intelligente Kombination der Stopp-Loss-Order und der Start-Buy-Order kann man Kursverluste reduzieren und- Kursgewinne mitnehmen. Durch den Einsatz des Trailinglimits kommt der Cost-Average-Effekt in Sparplänen erst richtig zur Geltung. Es fällt kein Ausgabeaufschlag beim Tauschen an.

Kommentar von Gaenseliesel ,

.... hört sich gut an und wo ist der Haken, Niklaus ? Ich meine, so würde sich doch jeder Anleger absichern um das Verlustrisiko zu minimieren, oder ?

Habe in diesen Dingen nicht so den Durchblick, sorry ! Gruß ! K.

Kommentar von Niklaus ,

Es gibt keinen Haken. Ruf mich einfach an und ich erkläre es dir. Gruß Edgar

Kommentar von Gaenseliesel ,

Niklaus, lass mal gut sein, ich denke dies ist nicht die Kategorie meiner Geldanlage !

Hat sich sooooo gut gelesen - schade ! ;-)

Aber Danke für das Angebot ! :-) Gruß ! K.

Kommentar von gandalf94305 ,

Wenn man ein Stop Loss mit einem Start Buy kombiniert, dann gibt es einen Spread zwischen den beiden Limits. Es kann also bei kurzfristigen Dips unter ein Limit passieren, daß man verkauft und dann gleich wieder kauft, da unmittelbar eine Erholung stattfindet. Das Risiko ist dabei, daß man Performance verliert - je nachdem wie groß der Spread zwischen den Limits ist.

Ich persönlich halte von solchen starren Verfahren wenig - auch nicht, wenn sie Charttechnik und andere statistische Techniken bemühen, denn es gibt immer Situationen, in denen das nicht funktioniert.

Sind Deine Fonds von gute Qualität, so werden sie sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nach einem Kursrückgang auch wieder erholen und ggf. sogar überproportional von Chancen in der Krise profitieren.

Die Beispielrechnungen der sog. "Stop & Go Professional" Technik laufen alle sehr lange, so daß auf jeden Fall wesentliche Kursrückgänge im Intervall enthalten sind. Echte Rechnungen mit Intervallen von 3-5 Jahren oder in Seitwärtsphasen zeigen, daß hier auch einge Fehlsignale vorkommen, die Performance kosten. Nimmt man außerdem noch nicht die dumme Sparstrategie des gleichen Betrags pro Monat als Anlageprinzip, sondern kauft gezielt zusätzlich zu einem Sparplan mehr Anteile in Kurstiefs, erreicht man insgesamt bessere Ergebnisse - vor allem für sehr volatile Fonds.

Wie Du schon sagst: warum macht das nicht jeder so? Wenn das jeder machen würde, dann würde es nämlich genau nicht mehr funktionieren. Und im Grunde ist das der übliche Weg, wie institutionelle Anleger und viele Fonds ihre Portfolios verwalten - eben nicht nur mit perfekten Erfolgen.

Kommentar von Gaenseliesel ,

Vielen Dank gandalf94305 für diese ausführliche Erklärung !

Ich sehe schon, ist wirklich etwas für Profis und selbst die bewerten solche Anlagen eher kontrovers.

Nochmals Danke, dass Du dir die Zeit genommen hast ! Gruß ! K.

Kommentar von Niklaus ,

@gandalf94305. Richtig es kam in den letzten 3-5 Jahren aufgrund der Seitwärtsbewegungen zu häufigen Fondstäuschen, die auch Performance gekostet haben. Seit der Einführung von S & G Professional 2.0 hat sich das positiv geändert. Es wurde ein zweites Entscheidungskriterium der Gleitenden Durchschnitt der letzten 183 Tage eingeführt. diese Maßnahme wird sowohl beim Stop als auch beim Go Signal eingeführt und führt zu wesentlich weniger Fondstäuschen.

Kommentar von gandalf94305 ,

Nun, es gibt ja auch einen Fonds, der diesem Verfahren folgt. Ich denke mal, der Chart spricht für sich ;-)

LU0326969457: http://www.finanzpartner.de/fi/LU0326969457/FI-Fund-Stop-Go-Professional/

Man kann statische Regeln immer optimieren und durch Backtesting schönrechnen, aber leider ist die Realität ab einem gewissen Punkt in nicht allzu ferner Zukunft immer anders und wird von dem Modell nicht mehr abgebildet. Plopp.

Aber ich will ja keinem etwas nehmen... wer sich damit wohl fühlt, soll doch gerne die passende Strategie nehmen und irgendwann diese wechseln, wenn man sich nicht mehr wohl fühlt :-)

Kommentar von Niklaus ,

Ich kenne den Fonds. Da liegt es nicht an der Strategie sondern an den Positionen die der Fonds hält. :-)

Kommentar von gandalf94305 ,

Man könnte diese Strategie nun auch mit ein paar langweiligen Mischfonds oder dem MSCI World (mit dem mißt er sich ja) vergleichen...

www.ariva.de/fi_fund_-_portfolio_global-fonds/chart?compare=None&compare=706...

Antwort
von Tritur, 2

Hin und her macht Taschen leer! Das gilt für Aktien, erst recht aber für Fondsanteile.

Das sogenannte Market-Timing ist eine brotlose Kunst. Der Verkauf in Erwartung einer Baisse und der Kauf wenn man glaubt jetzt müsse es wieder nach oben gehen, ist wegen der zahlreichen Fehlsignale nur selten erfolgreich und dann auch nur rein zufällig. Die Kosten Market-Timings sind auf Dauer höher als der Nutzen. Es gibt darüber reichlich Fachliteratur.

Eigentlich muss man nur dann umschichten, wenn man auf eine Aktie aufmerksam wurde, die interessanter erscheint, als die am wenigsten interessante Aktie im Depot. Aber auch dann ist noch darauf zu achten, dass man sich seine breite Streuung nach Branchen und Ländern nicht beeinträchtigt.

Hat man einen oder zwei erfolgreiche und flexible Mischfonds im Depot, muss man sowieso nie umschichten. Dafür gibt es das Fondsmanagement, welches das besser kann als der Kleinanleger.

Kommentar von gandalf94305 ,

Genau. Die meisten harmlosen Privatanleger sollten mit ein paar sehr guten Mischfonds im Depot komplett zufrieden sein. Ich würde zwar nicht nur ein oder zwei, sondern eher die Zahl vier sehen, aber das ist ein Detail. Mischfonds schichten nicht nach starren Regeln um, sondern können mit ihrem Fondsmanagement auf Marktsituationen geeignet reagieren.

Daher ist aus meiner Sicht die Antwort auf die Frage nach einem Rundum-Sorglos-Portfolio nicht ein Haufen Fonds, die mit einer fixen Wechselstrategie versehen werden, sondern eine komplette Umschichtung in Mischfonds.

Antwort
von althaus,

Wieder mal eine Korrektur. Ich finde günstige Kurse um wieder einzusteigen bzw. nachzukaufen.

Antwort
von billy,

Ganz cool bleiben und aussitzen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten