Frage von littleInvest,

Diversifikation bei Portfolio

man soll sein Depot diversifizieren. Wie viele Werte sollte man haben (sofern man genügend Kapital hat, um zu streuen)?

Wie viele Fonds sollte man haben, wenn man nicht in Einzelwerte gehen will?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Niklaus,

In der Regel ist ein Fonds schon eine hoch diversifizierte Anlage. Trotzdem ist es besser auch noch eine Streuung bei den Fonds zu haben. Dies ist aber von folgenden Fragen abhängig und kann deshalb nicht pauschal beantwortet werden.

  • Was ist das Ziel der Anlage?
  • Welcher Anlagezeitraum ist geplant?
  • Welchen Anteil am übrigen Vermögen hätte die neue Anlage?
  • Wie ist das persönliche Verhältnis zu Chance und Risiko?
  • Wie hoch ist die Anlagesumme?

Bei der Fondsauswahl kann man viel falsch machen. Es gibt in Deutschland über 10.000 möglichen Fonds und die Wahrscheinlichkeit hier auf die falschen Fonds zu setzen ist groß. Es gibt:

  • Geldmarkt-, Renten-, Aktien-, Absolut-Return-, Misch, Multi-Asset-, Dach- oder Immobilienfonds
  • Branchenfonds, Länderfonds
  • Risikoklasse
  • geografische Region
  • richtige Aktiengröße Small-, Mid.- Largecap-Fonds
  • der richtige Anlagestile (Value, Growth, Blend, Momentum, Top-Down, Bottum Up)
  • Vermögensverwaltende Fonds

Ich behaupte kein Laie kann für sich die richtige Asset-Allocation zusammenstellen.

Meine Empfehlung ist sich einen Finanzberater mit hoher Investmentfondskompetenz zu suchen. Er sollte außer der absoluten Sachkompetenz auch das komplett verfügbare Fondsuniversum bieten können. Kosten sind nur zweitrangig. Denn es wichtig, das man die richtigen Fonds mit der richtigen Performance und der richtigen Streuung (Portfoliozusammenstellung) in seinem Depot hat. Ein Fonds mit guter Rendite und Ausgabeaufschlag ist natürlich besser als ein Fonds ohne Ausgabeaufschlag mit schlechter Rendite. Finanztest & Co. helfen nicht wirklich weiter.

Antwort
von gandalf94305,

Das kann man nicht so genau beantworten, denn es kommt auch auf die einzelnen Fonds an.

  • Solide Mischfonds kann man durchaus mit 20% Anteil im Portfolio halten.

  • Fonds, die große Wirtschaftsräume abdecken, sind selbst gut diversifiziert und können auch 5-6% Portfolioanteil haben.

  • Fonds mit etwas höherer Volatilität, z.B. auf Länder oder Branchen, sollten auf max. 2-4% kommen.

  • Spezialfonds mit hoher Volatilität und eher spekulativer Ausrichtung würde man bei unter 2% Portfolioanteil belassen.

Man kann daher eine Allokation entwickeln, die beispielsweise die Segmente

  • Renten (25%)
  • Europa (30%)
  • Welt (25%)
  • Emerging/Frontier Markets (20%)

enthält und jedes Segment mit ein zwei oder drei guten Fonds bestückt, oder aber auf Mischfonds setzen, die beispielsweise Renten- und Aktienanteile enthalten, so daß im Endergebnis die Aufteilung eher

  • Anleihenlastige Mischfonds EUR (20%)
  • Aktienlastige Mischfonds Europa (30%)
  • Aktienlastige Mischfonds Welt (30%)
  • Emerging/Frontier Markets (20%)

lautet und jede Position mit ein oder zwei guten Fonds besetzt. Man sollte ja auch den Überblick behalten und sich nicht verzetteln. Außerdem sollte man auch bei Mischfondskombinationen auf Klumpenrisiken achten.

Ich persönlich habe Einzelfonds mit mind. 0,75% und max. 6% Portfolioanteil und einer Zielgröße von ca. 40-50 Fonds im Portfolio, die sich auf 19 Anlagesegmente verteilen. Dafür muß ich jedoch auch einiges an Zeit jeden Tag aufbringen, um hier auf dem laufenden zu bleiben, Rebalancings und Umschichtungen durchzuführen, bzw. überhaupt die Zielerreichung des Portfolios zu überwachen.

Der Übersicht wegen würde ich - je nach Kapital - eine Zahl von 6 bis 12 sorgfältig ausgewählten Fonds für durchaus für ein wartungsarmes Portfolio für ausreichend halten.

Kommentar von NasiGoreng ,

Dieser Antwort mangelt es an Logik!

Das kann man nicht so genau beantworten, denn es kommt auch auf die einzelnen Fonds an.

In der nachfolgenden Aufzählung bringst Du Prozentsätze für verschiedene Fondskategorien. Das können jeweils hunderte von Fonds in jeder Kategorie sein und beantwortet die Frage nach der Zahl der Fonds nicht.

Man kann daher eine Allokation entwickeln, die beispielsweise die Segmente ....

hier steckst die Anlageart Renten in eine Aufzählung von Regionen. Brrrr.

Vergleichbar unlogisch geht es gleich weiter, als ob in aktienlastigen Mischfonds Welt, nicht die gleichen Einzeltitel sein könnten wie in den drei anderen Mischfonds.

Kommentar von gandalf94305 ,

Es mag ja sein, daß Deine Logik anders aussieht, aber irgendwie hast Du heute Dein NasiGoreng wohl geraucht anstatt gegessen :-)

Natürlich können es Hunderte von Fonds in einer Kategorie sein und soll die Frage auch gar nicht konkret beantworten. Der Punkt ist doch: je volatiler und riskanter ein Einzelfonds ist, desto kleiner wird man ihm einen Portfolioanteil beimessen. Will man also einen Portfolio mit Mischfonds aufbauen, reichen ein paar, während ein Portfolio aus Länder/Branchenfonds sehr viel mehr Titel enthalten muß. Das sagen mir die mit steigendem Risiko kleiner werdenden Portfolioanteilprozente.

Ja, man steckt Renten in eine Aufzählung mit Regionen, denn die Anlageklasse "Aktien" würde man sinnvollerweise nach Regionen (und Währungen) differenzieren. Abgesehen davon enthalten "Welt"-Aktienfonds typischerweise einen hohen US-Anteil und wenig bis keine Emerging Markets, so daß eine Kombination sinnvoll ist. Da der Frager wohl im Euroraum lebt, ist dieser auch sinnvollerweise separat ausgewiesen.

Ich schreibe übrigens auch

Außerdem sollte man auch bei Mischfondskombinationen auf Klumpenrisiken achten.

denn - wie Du auch sagst - können verschiedene Fonds durchaus Überlappungen haben.

Das ist keine Anlageberatung, sondern eine Frage nach der erforderlichen Komplexität eines Portfolios, um sinnvolle Anlageziele zu erreichen.

Antwort
von GAFIB,

Die Zahl der Fonds ist eher sekundär, wichtiger ist es, seine Zielsetzungen bzgl. Risikostruktur, Volatilität und Anlage-Regionen bzw. Themen umzusetzen.

Das kann mit nur 1-2 Fonds gelingen, oder eben auch mit 10, 20 oder mehr Fonds. Ich würde eine Orderuntergrenze beachten von ca. 2.000-3.000 € pro Fonds, um die Kaufkosten gering zu halten.

Für globale Anlage gibt es gute (ETF-) Mischfonds, die als Basis meist gut geeignet sind, z.B. den Weltfonds ARERO.de und/oder auch die WKN: DBX0BT. Weitere Diversifikation/Akzentuierung ist dann möglich über Immobilienfonds, Schwellenländerfonds etc.

Antwort
von LittleArrow,

Mindestens 5, aber bei ausländischen thesaurierenden Fonds die Problematik der jährlichen Kapitalertragsteuer beachten und die beim Verkauf anfallende. Einfacher ist es, nur ausschüttende Fonds zu wählen.

Kommentar von NasiGoreng ,

Als Anleger sollte man ausländische Fonds, beispielsweise die aus Luxemburg grundsätzlich meiden. Eine ausländische Fondsdomizilierung wird von deutschen Initiatoren vor allem gewählt, weil sie weniger strengen Vorschriften unterliegt als eine deutsche - meist zum Nachteil des Anlegers.

Thesaurierende Mischfonds mit deutscher Domizilierung haben die von Dir genannte Steuerproblematik nicht.

Kommentar von gandalf94305 ,

Sorry, das sehe ich überhaupt nicht so.

Stelle mir doch mal dar, welche Nachteile konkret ein Fonds aus beispielsweise Luxemburg oder Frankreich hat.

Ich möchte mich nicht in Anlageentscheidungen dadurch beschränken lassen, wo das Domizil eines Fonds ist.

Kommentar von LittleArrow ,

@gandalf94305:

Die Nachteiligkeit bzw. administrative Aufwändigkeit der ausländischen thesaurierenden Fonds hast Du hier in Deiner Antwort bestens beschrieben: http://www.finanzfrage.net/frage/versteurung-auslaenischer-thesaurierender-aktie...

Ich möchte mich nicht in Anlageentscheidungen dadurch beschränken lassen, wo das Domizil eines Fonds ist.

Ich am liebsten auch nicht. Aber die deutschen Fiskalregeln machen es sehr schwer, die Fonds nur nach Qualifikation zu wählen. Von der Besteuerung der "schwarzen Fonds" mal ganz abgesehen.

Antwort
von NasiGoreng,

Egal wieviel Geld man zur Anlage hat, eine breite Streuung ist bei der Fondsanlage absoluter Unsinn - auch wenn Dir Fondsberater und Vermögensverwalter auf Fondsbasis Dir aus Eigeninteresse etwas anderes erzählen.

Schon ein einzelner guter, international anlegender und flexibler Mischfonds kann alle Bedürfnisse auf eine breite und doch selektierte Anlagenstreuung erfüllen.

Es bleibt lediglich das Managerrisiko. Dieses ist minimal, wenn der Fonds von einem Managerteam und nicht von einer Einzelperson verwaltet wird. Aber auch im letzteren Fall reichen maximal drei unterschiedliche von Einzelmanagern verwaltete oder beratene Mischfonds zur Risikostreuung vollkommen aus.

Kommentar von gandalf94305 ,

Es bleibt das Managerrisiko, das dazu führen kann, daß die Strategie irgendwann einmal nicht mehr greift. Wir haben das bei lange erfolgreich laufenden Fonds wie dem Templeton Growth oder M&G Global Basics gesehen, aber auch ein Carmignac Patrimoine hatte seine Schwächephase - nur um ein paar Beispiele zu nennen. Hier hilft auch nicht ein Managementteam, sondern das Risiko verbleibt dadurch, daß ein Fonds immer nur eine Richtung vertritt... und die kann eben auch mal durch den Markt konterkariert werden.

Daher wird man sich mehrere Fonds zulegen, die verschiedene Strategien verfolgen. Ob das nun ein paar wenige gute Multi-Asset-Fonds oder ein paar mehr Fonds mit engerem Fokus und gutem Track Record in ihren Segmenten sind, hängt vom individuellen Anlagestil ab.

Wenn Du das mit maximal drei Mischfonds für jede Portfoliogröße hinbekommst, dann ist das doch auch ok. Aus meiner Erfahrung heraus haben Fondsmanager jedoch typischerweise einen Fokus auf bestimmte Wirtschaftsräume, auch wenn sie eigentlich global anlegen. Daher ist eine grobe Differenzierung nach Wirtschaftsräumen Europa (primär der EUR-Raum), Welt (= Industrieländer mit Schwerpunkt Nordamerika) und Emerging/Frontier Markets (der "Rest") IMHO sinnvoll. Wählt man hier jeweils zwei Fonds, so kommt man bei einer Mindestzahl von sechs heraus, die je 10-20% am Portfolio ausmachen. Das wäre aus meiner Sicht eine vertretbare Diversifikation.

Das Lustige an Portfolios ist doch, daß es eben gerade nicht den Königsweg gibt, der für alle passt. Was "richtig" war, weiß man erst im Nachhinein. Jeder muß das tun, mit dem man sich persönlich wohl fühlt und mit dem man gut schlafen kann.

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