Frage von Sponsch, 61

Dienstunfähigkeitsklausel als Lehrer (Beamter) Pflicht?

Hallo,

erstmal zu den Infos: Ich bin Grundschullehrer (derzeit noch Angestellter) und werde vermutlich nächstes Jahr verbeamtet. Nun war ich bei der Verbraucherzentrale, um mir Infos über die Berufsunfähigkeitsversicherung zu holen. Habe jetzt zwei ausgewählt: Eine mit und eine ohne Dienstunfähigkeitsklausel. Da die mit DU deutlich teurer ist und ich den Mehrwert nun so verstanden habe, dass ich wenn ich Dienstunfähig geschrieben werde keine weiteren Tests machen muss, habe ich mich für die ohne die DU Klausel entschieden. Nun sagen die mir jedoch, dass für Beamte eine DU Pflicht ist.

Ist das richtig oder würde die normale BU Versicherung ohne DU Klausel auch greifen, wenn ich zwar Dienstunfähig geschrieben werde, jedoch auch die 50% Grenze überschreite? Oder ist die BU nur für Angestellte?

Hoffe ihr versteht meine Frage und jemand kann mir bei meinem Problem helfen.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort
von Hanseat, 26

Da haben Sie am falschen Ende gespart und schlecht gewählt. Das problem fängt schon damit an dass Sie zur VBZ gegangen sind. Die VBZs haben keine Ahnung von DU-Klauseln und haften noch nicht einmal dafür. Und glauben Sie mir, die DU-Klauseln der wenigen Anbieter sind höchst unterschiedlich.

Das ist doch ganz einfach, Sie werden dienstunfähig geschrieben (gem. Beamtengesetz), nicht zu 50 % o.ä., sondern einfach dienstunfähig. Damit werden Sie als Beamter auf Probe (BaP) entlassen (es sei denn Dienstunfall) und als Beamter auf Lebenszeit (BaL)  in den Ruhestand versetzt. Hier geht es schon los, die einzelnen Anbieter von DU-Klauseln sehen sehr unterschiedliche Leistungen bei BaP vor, und die Nachprüfungsmöglichekiten sind höchst unterschiedlich. Es gibt einige Anbieter mit sehr guten Klauseln (z.B. Condor) die aber keine BaP versichern.

Ob Sie dann Leistungen einer BU erhalten, steht in den Sternen. Das prüft der Versicherer ohne DU-Klausel ganz "normal" wie bei jedem anderen Leistungsfall. Ich kenne eine Reihe von DU-Fällen wo Sie sicherlich nicht so einfach eine BU-Rente erhalten hätten.

Sie sollten zu einem entsprechend qualifizierten und spezialisierten Makler gehen, nur der kann alle Anbieter mit Ihnen vergleichen, alle Bedingungen mit Ihnen durchsprechen und ggf. BU und DU nochmals genau abgrenzen.

Es ist ja auch nicht mit einer DU-Klausel irgndeines Anbieters getan. Logischerweise sollte nicht nur die DU-Klausel top sein (Verzicht auf konkrete Verweisung z.B.) sondern es sollten natürlich auch die allgemeinen Bedingungen des Produktes (Berufsunfähigkietsversicherung ) ebenso top sein. Da gibt es leider grottenschlechte Produkte (u.a. HUK, Ergo, Nürnberger) am Markt. Es bleiben nur einige wenige Anbieter übrig, aber diese müssen trotzdem sehr genau miteinander verglichen werden, nicht zuletzt weil es auch sehr unterschiedliche Altersbegrenzungen gibt.

Das, und auch eine Beratung über die Höhe der notwendigen und gewünschten Absicherung, kann eine VBZ nicht leisten.

Ihr "Projekt DU" sollten Sie nicht auf sich selbst gestellt umsetzen, das kann nur schief gehen.

Nochmal, natürlich können Sie eine BU ohne DU-Klausel abschliessen, aber ob Sie dann im Falle der Dienstunfähigkeit Geld sehen, steht in den Sternen. Es mag sein dass eine Bu ohne DU-Klausel günstiger ist, aber bei Ihnen als verbeamteter Lehrer ist ja der Absicherungsbedarf mittelfristig überschaubar, und auch was die Laufzeit angeht, muss man m.E. nicht unbedingt bis 67 gehen.

Kommentar von Sponsch ,

Vielen Dank für diese ausführliche Antwort. Von der Verbraucherzentrale wurde ich auch weitergeleitet und sie haben mir auch einiges mitgegeben zum Vergleich. Condor und DBV wären beide  BU mit DU-Klausel, wobei bei der DBV noch extra der BaP erwähnt wird.

Suche eher eine BU bis 65 und im Bereich von 1000 Euro, was als Beamter vollkommen ausreichen sollte.

Ich denke ich werde dann versuchen so schnell wie möglich einen Makler aufzusuchen, da ich es eigentlich noch diesen Monat fertig bekommen möchte. Habe gehört die Preise sollen nächstes Jahr nochmal ansteigen.

Kommentar von Kevin1905 ,

Habe gehört die Preise sollen nächstes Jahr nochmal ansteigen.

Der Höchstrechnungszins für das Neugeschäft sinkt zum 01.01.2017 auf 0,9%. Bei BU/DU werden die Überschüsse mit den Beiträgen verrechnet, zwecks Senkung dieser.

Neben dem Alterssprung - die meisten Versicherer machen sie am 01. Januar ein Jahr älter - wird dies dazu führen dass ein Vertragsbeginn zum 01.01. teurer wäre als zum 01.12.

Das alleine ist aber kein Kriterium. Wenn der Schutz nicht passt, bringt auch ein geringerer Beitrag nicht viel.

Antwort
von lohepudel, 40

Ohne den Zusatz der Dienstunfähigkeitsklausel handelt es sich eben nur um
eine übliche Berufsunfähigkeitsversicherung, bei der für einen
Leistungsanspruch die Berufsunfähigkeit (meist 50 %) erfüllt
werden muss. Und die ist heute echt schwer zu erreichen. Der Weg zur
Berufsunfähigkeit ist bestimmt doppelt so lang wie der zur Dienstunfähigkeit.

Nur mit der DU-Klausel besteht ein Anspruch auf Leistungen bei einer Dienstunfähigkeit. Das Risiko lassen sich die Versicherungen bezahlen.

Antwort
von basiswissen, 9

Ich kann Hanseat nur beipflichten. Die DU-Klausel ist immens wichtig und wer hier 10 oder 20,00 Euro im Monat spart sollte sich den Vertrag gleich ganz weglassen.

z.B. Ein Dienstherr kann schon aufgrund seiner Einschätzung den Beamten als Teil-DU einstufen (er muss der Empfehlung des Amtsarztes nicht folgen) und in auf halbe Stelle bei halben Bezügen setzen. Von der BU gibt es da üblicherweise nix! Nur mit entsprechend guter DU-Klausel wird das was.

Hier n paar Tipps zu den unterschiedlichen DU-Klausen:https://info-beihilfe.de/dienstunfaehigkeit-beamter/dienstunfaehigkeitsklausel/


Viel Erfolg un eine weise Entscheidung!

Antwort
von Sponsch, 25

Ist es denn so viel einfacher eine Dienstunfähigkeit zu erhalten als eine Berufsunfähigkeit?

Kommentar von Hanseat ,

Nein, eine eigenständige DU gibt es nicht, das ist nicht Anderes als eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit eingebauter Dienstunfähigkeitsklausel.

Kommentar von Sponsch ,

Ich meinte eher, ob es wahrscheinlich ist, dass man Dienstunfähig wird und gleichzeitig nicht die 50% Grenze erreicht.

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