Frage von neuerJob, 28

DBA D-CH Art. 15a - Auslegung

nachdem ich kein DBA-Experte bin, hier eine Frage zum DBA D-CH, Art. 15a zu Grenzgängern.

Folgender Fall: Arbeit/ Festanstellung in D, wohnhaft in der Schweiz. Pendeln zur Arbeitsstätte regelmässig/ an jedem Arbeitstag mit Heimkehr an den Wohnort.

Im DBA heisst es:

"Ungeachtet des Artikels 15 können Gehälter, Löhne und ähnliche Vergütungen, die ein Grenzgänger aus unselbständiger Arbeit bezieht, in dem Vertragstaat besteuert werden, in dem dieser ansässig ist."

Wie ist das Wort können auszulegen bzw. wer entscheidet über die Besteuerung? Habe ich als Angestellter das Wahlrecht oder entscheiden das Behörden? Kann ich also festlegen, wo ich besteuert werden will, ob in CH oder D?


Bitte keine Antworten á la:

  • kann man doch verstehen oder
  • liegt doch auf der Hand oder
  • wer lesen kann ist im Vorteil oder
  • wirf doch eine Suchmaschine an

Würde ich es verstehen bzw. würde ich die Auslegung der Finanzverwaltung kennen, würde ich die Frage hier nicht stellen.

Danke!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Privatier59, 17

Bevor ein anderer wieder rumnörgelt, mach ich es lieber. Schau Dir mal folgende Erläuterung zu dieser Bestimmung an:

http://www.infobest.eu/de/impot-sur-le-revenu-du-travail-salarie---principe-de-b...

Wenn Du das mal bis zum Ende durchliest, stellst Du einigermaßen erschrocken fest, dass Du noch 5 Jahre lang Deine Steuern an den deutschen Fiskus zu entrichten hast.

Ganz nebenbei halte ich Dein Vorhaben für eine Schnapsidee: Du solltest Dich mal über die enormen Lebenshaltungskosten in der Schweiz informieren. Das frisst jedem Steuervorteil locker auf, insbesondere, da Dein Gehalt nicht dem Schweizer Niveau angepaßr wird.

Kommentar von neuerJob ,
Bevor ein anderer wieder rumnörgelt, mach ich es lieber

sehe ich nicht als nörgeln, sondern als Antwort. Danke.

Den Art 4 (4) DAB D-CH hatte ich nicht auf dem Radar. Da kann man sich fragen, ob der dt. Staat nicht ein wenig zu gefrässig ist.

Das mit den Kosten in der Schweiz sehe ich. Letztendlich ist die Konstellation noch modifizierbar.

Danke für die Antwort.

Antwort
von wfwbinder, 13

Es ist immer Schlecht, wenn man nur einen Teil einer Vorschrift anführt, oder eben die Vorschrift nicht zuende liest.

  1. In dem Artikel 15 a steht, dass die Besteuerung im Wohnsitzstatt erfolgen kann, wenn eine Ansässigkeitsbescheinigung vorgelegt wird. Also, wenn man in Der Schweiz wohnt und in D Arbeitet, oder umgekehrt, dann legt man eine Bescheinigung vor, wo man ansässig ist udn wird auch dort besteuert.

  2. Der Staat in dem man arbeitet, kann dann bis zu 4,5 % im Abzugsverfahren an Steuern erheben.

  3. Ja, Du kannst es selbst bestimmen, solltest aber genau überlegen, ob es paßt. Sprich, Du solltest es nachrechnen.

Kommentar von Privatier59 ,

Für "Wegzügler" gibt es aber eine Spezialvorschrift.

Kommentar von wfwbinder ,

Ja, aber wegzügler betrifft ihn möglicher Weise nicht.

Wenn die Voraussetzungen für die Besteuerung in der Schweiz vorliegen, dann unterlägen die Einkünfte hier nur dem Progressionsvorbehalt, der ohne inländische Einkünfte ins Leere geht.

Kommentar von neuerJob ,

sicherlich hätte ich den gesamten 15a kopieren können.... Danke für die Eigenrecherche, sofern notwendig.

Punkt 3 ist für mich die essentielle Aussage, die mir unklar war. Wenn ich ein Wahlrecht habe, dann werde ich das prüfen, ob es sich steuerlich lohnt. Damit geht auch einher, sofern es sich nicht oder zu wenig lohnt, ob man überhaupt langfristig in CH wohnen würde, denn die Kosten sollten doch höher sein.

Vielen Dank! Jetzt ist Licht im Dunkel!

Antwort
von EnnoBecker, 12
Wie ist das Wort können auszulegen

Taucht in einem DBA das Wort "können" auf, so ist es stets als "können auch" zu verstehen. Und der Ansässigfkeitsstaat wird, wenn er "auch kann", die Besteuerung vornehmen. Warum sollte er darauf verzichten?

Kommentar von neuerJob ,

vielleicht gibt es ja Staaten, die keine Steuerfressmaschinen sind...

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