Frage von Burgenblicker,

Darf Bank Geldanlage mit festem Zinssatz vorzeitig wegen geänderter Kapitalmarktzinsen kündigen?

Hatte am 20.04.2012 einen VR-Festzins-Vertrag (Anlage 20.000 €) bis zum 15.04.2014 zu 2% abgeschlossen. Nun kam die vorzeitige Kündigung zum 15.04.2013. Angegebener Grund "geänderte Kapitalmarktzinsen". Im Kleingedruckten des Vertrages fand ich nun die Klausel, dass der Bank ein Kündigungsrecht zustehe (frühestens zum 15.04.2013...danach jährl zum 15.04. eines Jahres). Eine Kündigung durch den Kunden wurde ausgeschlossen. Vorher stand jedoch in Punkt 3 "Die Zinssätze gelten verbindlich für die gesamte Zeit der Zinsvereinbarung". Ist das heute gängige Praxis, dass man sich nicht mehr an Vereinbarungen halten muss und die Rechte beider Parteien so ungleich gestalten darf? Kann ich mich gegen solch machtvolles Bankenverhalten nun gar nicht mehr wehren? Finde es einfach nur unanständig! War mein Vertrag sittenwidrig?

Antwort
von althaus,

Warum sittenwidrig. Die Möglichkeit der Kündigung wurde ja nicht verschwiegen. Es gibt jeden Menge Konstruktionen. Das war kein reines Festgeld, das Du hattest, sondern eines mit Kündigungsmöglichkeit der Bank, die natürlich sich das recht zur Kündigung nimmt, wenn die Zinsen gefallen sind. Du hättest vorher die Bedingungn besser lesen sollen. Nun hast Du eben Pech gehabt und musst zu niedrigeren Zinsen wieder anlegen. Mir sind jede Menge solche Produkte bekannt in denen sich die Bank bessere Bedingungen einräumt als dem Kunden. Du musst die Produkte ja nicht kaufen. Wer lesen kann ist klar im Vorteil.

Kommentar von Burgenblicker ,

Danke, für die ernüchternde Antwort. ;-) Wusste vorher schon,dass der Hauptfehler bei mir liegt, den Vertrag damals so akzeptiert zu haben. Das Verhalten der Bank gegenüber einem langjährigen, guten Kunden (mein Vater) ist trotzdem nicht o.k.. Aber heute zählen nur harte Zahlen, keine Werte.

Antwort
von qtbasket,

Du solltest davon ausgehen, dass die AGBs in deinem Vertrag von der Rechtsabteilung deiner Bank geschrieben wurden - aus der Sicht der Bank gilt deshalb : alles in Ordnung.

Ob du als Kunde benachteiligt wurdest, das ist eine völlig andere Frage - dazu solltest du schon eine rechtskundige Person befragen, dies sich da genau auskennt - beispielsweise bei einer Verbraucherzentrale. Hier wäre das schon eine nicht zulässige Rechtsberatung.

Aber grundsätzlich solltest du dir überlegen, ob du zu einem solchen Geldinstitut noch Geschäftsbeziehungen pflegen möchtest. Was hindert dich eigentlich daran nach der Kündigung dein Kapital woanders anzulegen - denn ein Rechtsstreit bedeutet auch für dich Ärger und Kosten, bis du letztlich beim BGH eventuell zu deinem recht kommst.

Meine Meinung: bei 2% Zinsen, die dir nun nicht mehr gewährt werden sollen - nichts wie weg. Es gibt zwar nicht mehr viel an Zinsangeboten in dieser Höhe, aber bei www.fmh.de kannst du dich zumindest über die aktuell guten Angebote informieren.

PS. Es gibt zurzeit auch gut laufende Aktienfondes, die bringen mehr.

Kommentar von Burgenblicker ,

Vielen Dank für die Anwort. Die Verbraucherberatung hat bei der telefonischen Auskunft zwar auch ihre Verwunderung ausgedrückt, mich dann aber an die örtliche Verbraucherberatung verwiesen. Eine Beratung durch einen ihrer Rechtsanwälte würde 35 Euro kosten, ich könne ja einen Termin machen. Kostenlos wäre für mich, wenn ich mich an die für die VR-Bank zuständige BVR-Schiedsstelle in Berlin wenden würde. Dort würde der Ombudsmann als unabhängiger Streitschlichter meine Beschwerde bearbeiten. Die Beantwortung könne aber bis zu 3 Monate dauern. Die örtl. Verbraucherberatung hat aktuell keine Beratungstermine mehr frei gehabt. Aber die Zeit drängt, wegen der Frist Mitte April. Handle in dieser Sache übrigens nur als Bevollmächtigte. Die Filialleiterin der Bank hat mich heute leider auch nicht zurückgerufen, mache mir keine großen Hoffnungen, werde mich jedoch massiv beschweren und wenn möglich alle Konten meines dementen Vaters auflösen. Da ich nur Bevollmächtigte über dessen Konten bin, kann ich leider keine spekulativen Geschäfte, sprich Aktienkäufe tätigen u nicht zu online-Bank wechseln.

Kommentar von volksbanker ,

Als Bevollmächtigte kannst du - wie du richtig sagst - keine neuen Konten eröffnen. Im Umkehrschluss kannst du aber auch keine Konten auflösen oder kündigen. Da musst du dich schon als Betreuer für deinen Vater vom Amtsgericht bestellen lassen.

Antwort
von gammoncrack,

Das ist wirklich seltsam.

Ich persönlich, aber ich bin kein Fachmann, würde hier Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um das nicht aktzeptieren zu müssen.

Es handelt sich ja hierbei, auch wenn es so im Kleingedruckten steht, um eine einseitige Benachteiligung des Kunden. Das geht, meinem Rechtsverständnis nach, nicht.

Als erstes würde ich diese AGB einmal dem Verbraucherschutz zur Verfügung stellen, zeitgleich den Vorgang dem BaFin mit Bitte um Prüfung zukommen lassen.

Ich habe wirklich schon gedacht, ob man dann nicht von der Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen kann. Geht wohl nicht :-))

Kommentar von Mikkey ,

Die einseitige Benachteiligung sehe ich auch, zumal dem Kunden hier ja nicht in gleicher Weise ein Sonderkündigungsrecht eingeräumt wird, für den Fall, dass die Kapitalmarktzinsen steigen.

Kommentar von gammoncrack ,

Eben!

Kommentar von gammoncrack ,

Ich würde auch das in Bezug auf

http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__307.html

einmal einer Prüfung unterziehen (lassen).

Antwort
von billy,

Die VR - Bankengruppe wäre so ziemlich die letzte Bank der ich Geld anvertrauen würde.

Kommentar von volksbanker ,

Sehr geistreich! Nur zur Info - es war die einzige Bankengruppe, die keine Staatshilfen in Anspruch genommen hat. Frag mich wie du den Diamant-Status erreicht hast...

Kommentar von gammoncrack ,

Da stimme ich Dir vollumfänglich zu! Einfach nur was schreiben, dann kommt das irgendwann.

Kommentar von Burgenblicker ,

Mit einfach so hingeworfener, lapidarer Antwort kann ich nichts anfangen, da müsste schon mehr Substanz dahinter sein. Was ist der Grund für so eine schlechte Bewertung?

Kommentar von gammoncrack ,

Darauf bekommst Du keine oder eine nichtssagende Antwort. Der schreibt seit Anbeginn der Zeiten fast nur Stuss!

Antwort
von Privatier59,

Finde es einfach nur unanständig! War mein Vertrag sittenwidrig?

Das eine muß nicht zum anderen führen. Ich würde da eher mal die AGB der Inhaltskontrolle unterziehen. Insbesondere erscheint das Klauselwerk widersprüchlich und die Kündigungsklausel überraschend. Allerdings muß man für endgültige Urteile zu diesem Thema das gesamte Klauselwerk in der Hand haben und der Gang zum Anwalt dürfte in dieser Sache bestimmt nicht lohnen. Lohnender ist da wohl der Gedanke, wieso man 20 Riesen mit kümmerlichen 2% vor sich dahin vegitieren läßt in einer Zeit wo der Aktienmarkt boomt.

Kommentar von Burgenblicker ,

Als Bevollmächtigte für meinen dementen Vater waren mir die Hände sehr gebunden. Darf da keine spekulativen Geschäfte tätigen, auch kein Online-Konto bei einer günstigeren Bank eröffnen usw.

Kommentar von Privatier59 ,

Das sind nachvollziehbare Motive, aber dennoch lohnt sich angesichts der geringen Zinserträge um die es hier geht mehr als eine Beschwerde bei der Bank nicht.

Kommentar von Tritur ,

Ich hatte das Vermögen meiner dementen Großmutter seinerzeit immer überwiegend in Aktien angelegt und nie Probleme mit dem Amtsgericht gehabt.

Kommentar von Privatier59 ,

Das ist wohl eine Frage der gesamten Vermögenslage. Aus den mir bekannten Betreuungsfällen ist mir bekannt, dass die Vormundschaftsgerichte schon sehr darauf achten, dass der ganz überwiegende Teil der Ersparnisse absolut sicher angelegt wird.

Kommentar von Tritur ,

dass der ganz überwiegende Teil der Ersparnisse absolut sicher angelegt wird

Wie geht das denn????

Antwort
von volksbanker,

Banken haben Rechtsabteilungen, die solche Dinge vorab prüfen. So gesehen wird das auch in Ordnung sein - besonders kundenfreundlich ist dies sicherlich nicht. Machen kannst du wenig - auch wird die Bank keine Kulanz an den Tag legen. Du kannst nur für dich die Konsequenz ziehen und in Zukunt keine Geschäfte mehr mit diesem Institut machen.

Kommentar von gammoncrack ,
Kommentar von volksbanker ,

Deutsche Bank und Commerzbank existieren in ihrer eigenen Sphäre - da gelten andere Regeln...

Kommentar von gammoncrack ,

Naja, irgenwo wird man immer was finden, wo die Bank einen Prozess verloren hat.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten