Frage von Bigiomi, 10

Cafe in Motreal/Kanada Doppelbesteuerung ?

Guten Tag, ein Freund von mir Deutsch/Amerikaner (2 Pässe) ist in der BRD freiberuflich im Sportmarketing tätig und versteuert seine Umsätze hier in der BRD. Er möchte jetzt ein Cafe in Montreal eröffnen, Investitionskosten 350.000 € . Eine "Holding" Catering (reine Internet-Firma) hat er hier in Deutschland (also Sitz in Deutschland) gegründet. Kann er über diese Holding eine Niederlassung (Cafe) in Kanada eröffnen - wie sieht die Besteuerung dann aus? Doppelbesteuerung? Was wäre steuerlich anders, wenn er ohne die Holding in Kanada das Cafe eröffnet. Für Antworten und Tipps wäre ich euch dankbar. Schöne Grüße

Antwort
von wfwbinder, 7

Also bei Investitionen von 350.000,- Euro verlässt er sich hoffentlich nicht ausschließlich auf Ratschläge, die Du Dir in Finanzfrage.net holst.

  1. die Frage, gründet er nun ein Cafe in Montreal, oder eine Firma (Holding) die er hat?

  2. Wenn es eine Holding ist, muss es eine Kapitalgesellschaft sein, oder eine andere Gesellschaftsform. Die Einzelfirmenholding kenne ich noch nicht. Ebenso nicht, Sitz: Internet. Es kann also eine Firma sein, die Geschäfts über Internet macht, aber sie muss trotzdem einen Sitz haben.

Wenn nun ein Unternehmen mit Sitz in der Bundesrepublik einen Betrieb in einem anderen Land eröffnet, muss man 2 Punkte beachten, ein Unternehmen mit Sitz in Deutschland ist hier mit dem Welteinkommen unbeschränkt Steuerpflichtig. Ausnahmen können sich, wenn es welche gibt aus dem Doppelbesteuerungabkommen ergeben.

Artikel 7 des DBA sagt grundsätzlich, die von einer Betriebsstätte erwirtschafteten Gewinne werden in dem Staats besteuert in dem sich die Betreibsstätte befindet.

http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/...

Also, Besteuerung des Cafes in Kanada.

Kommentar von Bigiomi ,

Danke für Deine schnelle Antwort. Dieses Projekt wird erst in 2016 in Angriff genommen. Die Ratschläge hier dienen dazu um im Vorfeld gleich richtige Weichen zu stellen.

zu 1. er gründet ein Cafe in Montreal.

Aus Deiner Antwort ersehe ich, dass es vermutlich besser ist die Firma in Deutschland und das Cafe in Montreal zu trennen, also zwei eigenständige Firmen, eine in Deutschland und eine in Kanada, somit werden die erwirtschafteten Gewinne von jeder Firma in dem Staat besteuert in dem sich die Betriebsstätte befindet.

Habe ich dies so richtig verstanden ? VG

Kommentar von wfwbinder ,

Nein, auch wenn die deutsche Firma in Montreal das Cafe gründet wird dort besteuert, deshalb habe ich ja extra den Verweis auf das DBA eingestellt.

Aus meiner Sicht ist aber eine Investition von 350.000,- Euro Wert 1-2 % dieser Summe in eine fundierte Beratung zu stecken, um die optimale Lösung auszuloten.

Es kann u. U. günstiger sein, die Gewinne in der deutschen Firma anzusammeln, aber es könnte auch günstiger sein, die Gewinne in Kanada mit einer dortigen Firma anzusammeln.

Ausserdem wissen wir aus dem Sachverhalt nciht, wo Dein Freund seinen Wohnsitz, oder ob er ggf. mehrere hat, das kann bei der Ausschüttung wichtig. sein.

Dein Sachverhalt ist, als würde ich durch das Schlüsselloch in ein geschmücktes Weihnachtszimmer gucken, aber in den Ecken der Wand an der die Tür ist, können noch immer Ruten stehen.

Kommentar von Bigiomi ,

ups :-) letzter Absatz nett beschrieben.

Sein Wohnsitz ist Deutschland. Er wurde in USA geboren, da sein Vater dort arbeitete. Die Eltern sind Deutsche. Sie leben aber heute wieder in Deutschland, deswegen 2 Pässe.

Nochmals ganz lieben Dank, auch an EnnoBecker, für eure Darstellung - super

Antwort
von EnnoBecker, 5
(2 Pässe)

Also n Doppelpass sozusagen. Na egal. Als Kanadier hängt seine unbeschränkte Steuerpflicht an der Staatsangehörigkeit. Deutschland hingegen macht die unbeschränkte Steuerpflicht davon abhängig, dass man im Inland seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt (Stichwort Udo Lindenberg) hat.

versteuert seine Umsätze hier in der BRD

Das hilft natürlich nicht, weil das Umsatzsteuerrecht grundsätzlich anders funktioniert.

Wahrscheinlich soll man daraus ableiten, dass er seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt tatsächlich in Deutschland hat. Das machen wir also mal.

Er ist also unbeschränkt steuerpflichtig sowohl in Kanada als auch in Deutschland.

Nun soll in Kanada ein Café betrieben werden.

Aus meiner Sicht kann eine Holding kein Cafè betreiben, denn dann wäre es ja eben keine Holding mehr, sondern ein aktives Unternehmen. Was soll denn die Holding überhaupt halten? Es muss doch dann eine Untergesellschaft geben? Das ganze Konstrukt ist entweder falsch beschrieben oder faslch gedacht.

Es ist aber auch völlig egal, ob er selbst oder eine von ihm gegründete Kapitalgesellschaft das Café in "Motreal/Kanada" (sic!) betreibt. Es wird ja ohnehin in Kanada nach kanadischem Recht besteuert.

Und in Deutschland - vorbehaltlich des DBA und eventueller treaty overrides nach deutschem. Kann mal jemand ins DBA gucken, und nachschauen, ob es für Einkünfte nach Artikel 7 die Freistellung mit PV oder die Anrechnung vorsieht?

Kommentar von wfwbinder ,

Totale, betriebdstättenbezogenen Gewinnermittlung (auch die Aufwendungen im anderen Staat werden im Betriebsstättenstaat abgezogen). kein treaty override. PV bei ESt.

Übrigens hatte ich Doppelpass als Deutschland / USA, wegen Amerikaner gelesen.

Kommentar von EnnoBecker ,
Totale, betriebdstättenbezogenen Gewinnermittlung (auch die Aufwendungen im anderen Staat werden im Betriebsstättenstaat abgezogen)

Bis dahin völlig klar.

PV bei ESt.

Also Freistellung. Danke.

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