Frage von Laila50, 400

Braucht ein selbständiger Handelsvertreter eine Gewerbeanmeldung?

Ich möchte gerne als freie (weil sie einen nicht fest einstellen) Handelsvertreterin für eine spezifische Firma tätig werden. Brauche ich dafür einen Gewerbeschein? Und darf ich, ohne einen solchen, keine Kunden ansprechen oder nur nichts verkaufen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von wfwbinder, 400
  1. Wie Du siehst gibt es eine kleine Differenz in den Auffassungen, ob Du nun eine Gewerbeanmeldung brauchst, oder nicht. Eindeutig ist eines, wendest Du dich an Privatpersonen, brauchst Du eine Gewerbeanmeldung.

  2. In dem Moment, wo Du potenzielle Kunden ansprichst, bist Du werbend tätig udn musst entsprechend gemeldet sein.

  3. Leider schreibst Du nicht, welchen typischen Kundenkreis Du hast und um welches Produkt es geht. Auf jeden Fall musst Du mit "Kaltacquise" vorsichtig sein. Das darf man nur bei Unternehmern, die als solche in Verzeichnissen stehen.

Kommentar von hildefeuer ,

Keine Gewerbeanmeldung sondern eine Reisegewerbekarte, wovon es auch eine internationale Variante gibt. Gemeldet muss man nirgens sein, wie tausende Polen in Deutschland auch.

Kommentar von wfwbinder ,

Wo soll denn der Vorteil dieser Reisegewerbekarte liegen?

Auch wenn ich in Deutschland mit einer Reisegewerbekarte aus Nepal, oder Bulgarien arbeite, muss ich mit einem Wohnsitz in Deutschland meine Einkünfte hier versteuern. Wenn ich in Deutschland Umsätze erziele unterliegen die hier der Umsatzsteuer (ausser diese wird gem. § 19 nicht erhoben) und die Vorschriften bezüglich der Berufsausübung muss ich auch beachten.

Wo liegt der Vorteil, dieser ausländischen Reisegewerbekarten?

Antwort
von hildefeuer, 341

Das ist ein Reisegewerbe. Freie Handelsvertreter brauchen keinen Gewerbeschein. Lt. Gewerbeordnung und dessen Ausführungsbestimmungen sind Handelsvertreter ausgenommen.§55b Abs.1 Gewo.: (1) Eine Reisegewerbekarte ist nicht erforderlich, soweit der Gewerbetreibende andere Personen im Rahmen ihres Geschäftsbetriebes aufsucht. Das gilt auch für Subunternehmer. Der Begriff andere Personen ist in den Ausführungsbestimmungen definiert. Das sind auch Behörden, Bauträger etc. Es gibt aber einige Ausnahmen, wo die Anmeldung erforderlich ist (z. B. Handel mit Medikamenten). Falls Du aber an Endkunden verkaufst brauchst Du eine Reisegewerbekarte, kein Gewerbeschein.http://www.gesetze-im-internet.de/gewo/BJNR002450869.html Damit du Rechtssicherheit hast, bitte Frage schriftlich beim Ordnungsamt stellen.

Kommentar von wfwbinder ,

Dadurch, dass Du Deine Antwort vielfach wiederholst, wird sie nciht richtiger.

Der von Dir genannte Fall trifft nur auf die Leute zu die, wie Du richtig schreibst:

soweit der Gewerbetreibende andere Personen im Rahmen ihres Geschäftsbetriebes aufsucht.

Also alle Handelsvertreter, vom Staubsaugerverkäufer, der dies als selbständiger Handelsvertreter macht, wie die selbständigen Versicherungs- Bauspar- Kapitalanlage- udn sonstigen Vertreter sind davon nicht betroffen, weil sie sich an Leute wenden, die keine Gewerberäume haben, wo sie aufgesucht werden, sondern, die in den Priatwohnungen aufsuchen, oder sich von denen in ihren Büros aufsuchen lassen.

Die von Dir genannte Gruppe macht höchstens 10 % der in Deutschland tätigen Vertreter aus.

Kommentar von hildefeuer ,

Grundsätzlich ist es doch so das wer herumreist ein Reisegewerbe ausübt. Dazu braucht man keine Gewerbeanmeldung sondern eine Reisegewerbekarte, was grundsätzlich billiger ist. Egal ob man Staubsauger verkauft oder Tupperware. Zum stehenden Gewerbe kommt es wenn man Geschäftsräume bereithält, z. B. als Versicherungsonkel und Kunden zum Anbieter kommen. Es geht hier nicht darum was meistens Zutrifft, sondern was gesetzlich gefordert wird. Der Gesetzgeber mach die Art des Gewerbes davon abhängig, wie Aufträge zustande kommen. Kommt der Kunde zum Anbieter ist das stehende Gewerbe. Kommt der Anbieter zum Kunden ohne das Bedarf vorliegt ist das Reisegewerbe. Ich habe einen rechtsgültigen Bescheid darüber erhalten bzgl. Subunternehmer anmelde frei. Es lag eine Fotokopie der Ausführungsbestimmungen Landman Röhmer bei, darin ist genau aufgeführt das Selbstständige Handelsvertreter anmeldefrei wenn sie im Sinne §55b Abs.1 tätig sind.

Kommentar von wfwbinder ,

OK, statt Gewerbeanmeldung eine Reisegewerbekarte:

§ 55 Reisegewerbekarte

(1) Ein Reisegewerbe betreibt, wer gewerbsmäßig ohne vorhergehende Bestellung außerhalb seiner gewerblichen Niederlassung (§ 4 Absatz 3) oder ohne eine solche zu haben 1. Waren feilbietet oder Bestellungen aufsucht (vertreibt) oder ankauft, Leistungen anbietet oder Bestellungen auf Leistungen aufsucht oder 2. unterhaltende Tätigkeiten als Schausteller oder nach Schaustellerart ausübt. (2) Wer ein Reisegewerbe betreiben will, bedarf der Erlaubnis (Reisegewerbekarte). (3) Die Reisegewerbekarte kann inhaltlich beschränkt, mit einer Befristung erteilt und mit Auflagen verbunden werden, soweit dies zum Schutze der Allgemeinheit oder der Verbraucher erforderlich ist; unter denselben Voraussetzungen ist auch die nachträgliche Aufnahme, Änderung und Ergänzung von Auflagen zulässig.

Wenn ich mir das so ansehe, weiss ich nciht, wo der Vorteil ist.

Aber überlassen wir das den Betroffenen.

Nur der Aufwand einer Reisegewerbekarte scheint nicht wirklich viel geringer zu sein, als der einer Gewerbeanmeldung.

Kommentar von Laila50 ,

nach allem was ich bisher herausbekommen habe, ist der Aufwand zur Erlangung einer Reisegewwerbekarte sowohl finanziell als auch was den Papierkram angeht wesentlich höher als bei der einfachen Gewerbeanmeldung. Das ist ja auch verständlich. Als einfacher Gewerbetreibender darf ich als Vertreter für z. B. Miele-Küchengeräte, nur bereits bestehende Miele-Kunden aufsuchen. Mit einer Reisegewerbekarte kann ich jeden zuhause belästigen.

Kommentar von hildefeuer ,

Die Kammer Mindesbeiträge schwankten zwischen 60€ (Handelskammer) und über 700€ (Handwerkskammer) in den vergangen Jahren, je nachdem welche Satzungen aktiv waren. Es gab auch eine Zeit da muste man in eine Zwangs-Altersvorsorge der Handwerkskammer einzahlen. Das musste man mit Reisegewerbekarte nicht. Man hat ebenfalls die Rundfunkgebühren gespart. Auf ein Jahrzehnt betrachtet entspricht der Wert einem Mittelklassewagen.....

Antwort
von Sumpfhexe, 278

Aber sicher brauchst du einen Gewerbeschein.

Du bist dann selbständig, mit allen Rechten und Pflichten.

Besuche dafür ggf. einen der vielen Existenzgründer-Seminare. Dort wird auch der kaufmännische Teil an Informationen abgedeckt.

Viel Erfolg.

Kommentar von hildefeuer ,

Diese Antwort ist falsch. Nach der Gewerbeordnung ist der freie Handelsvertreter eine klassische Ausnahme!

Kommentar von Sumpfhexe ,

Handelsvertreter gemäß § 84 Abs. 1 Handelsgesetzbuch (HGB) ist, wer als selbständiger Gewerbetreibender ständig damit betraut ist, für einen anderen Unternehmer Geschäfte zu vermitteln oder in dessen Namen abzuschließen.

Selbständig ist derjenige, der im wesentlichen frei seine Tätigkeit gestalten und seine Arbeitszeit bestimmen kann.

Auf den Handelsvertreter finden die Vorschriften §§ 84 bis 92c des Handelsgesetzbuchs (HGB) Anwendung. Gemäß § 86 HGB hat der Handelsvertreter sich um die Vermittlung oder den Abschluss von Geschäften zu bemühen und dabei die Interessen des Unternehmers wahrzunehmen.

Nach § 87 HGB hat der Handelsvertreter einen Anspruch auf Provision für alle während des Vertragssverhältnisses abgeschlossenen Geschäfte, die auf seine Tätigkeit als Handelsvertreter zurückzuführen sind oder mit Dritten abgeschlossen wurden, die er als Kunde für Geschäfte der gleichen Art geworben hat.

Handelsvertreter im Steuerrecht ....

Handelsvertreter

Die Tätigkeit eines Handelsvertreters gehört nicht zu den freien Berufen (Freiberufler). Zwangläufig unterliegt der selbstständig tätige Handelsvertreter der Gewerbesteuer, da er Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb erzielt.

Gewerbebetriebe müssen ihren Gewinn nach der Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder mittels Betriebsvermögenvergleich ermitteln. Besteht nicht kraft Rechtsform eine Verpflichtung zur Aufstellung einer Bilanz oder werden gesetzlich vorgeschriebene Größenmerkmale (Umsatz, Gewinn, Mitarbeiterzahl) nicht unterschritten, besteht grundsätzlich ein Wahlrecht zwischen beiden Formen der Gewinnermittlung. Für kleine Handelsvertretungen lohnt sich die Gewinnermittlung nach der Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Diese Methode erfordert nicht die Aufstellung einer Bilanz und die Inventarisierung.

Im Rahmen einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung wird der Gewinn durch Gegegenüberstellung von Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben ermittelt. Dabei ist das Zuflussprinzip und das Abflussprinzip zu beachten. Des Weiteren muss vor der Gegenüberstellung klassifiziert werden, welche Einnahmen als Betriebseinnahmen und welche Ausgaben als Betriebsausgaben gelten. Zu den Betriebseinnahmen gehören regelmäßig auch die Abschreibungen. Wirtschaftsgüter die nicht im Jahr der Anschaffung/Herstellung zu 100 Prozent als Betriebsausgaben abgesetzt werden dürfen, können nur jährlich mit ihrem Abschreibungsbetrag gewinnmindernd als Betriebsausgaben geltend gemacht werden.

Quelle: http://www.steuertipps.de/lexikon/h/handelsvertreter

Antwort
von Kevin1905, 230
Braucht ein selbständiger Handelsvertreter eine Gewerbeanmeldung?

Ja braucht er (§ 84 HGB)!

Antwort
von vulkanismus, 188

Die viel wichtiger Frage wäre, ob Du dann freier Handelsvertreter bist oder doch angestellt (Stichwort Scheinselbständigkeit).

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