Frage von kurvenstar, 206

Bin ich als Handelsvertreter im Nebenjob rentenversicherungspflichtig?

Hallo, ich arbeite sozialversicherungspflichtig mit einem Zeitanteil von 60%. Nun möchte ich aus Spaß an der Sache gerne als Handelsvertreter im Nebenjob ( selbst. Mit einem Auftragegeber) eine zusätzliche Tätigkeit ausüben. Der Verdienst spielt dabei keine große Rolle. Sicher unter 450€ im Monat. Mein normales Einkommen beträgt gut des sechsfache. Muss ich auf meine Einkünfte im Nebenjob Rentenversicherungsbeiträge zahlen? Gilt hier eine Geringfügigkeitsgrenze? Muss ich mich überhaupt bei der Rentenversicherung melden oder kommen die automatisch auf mich zu ( durch Gewerbeanmeldung und Finanzamt)? Ich danke für Rat und Untestützung.

Antwort
von Kevin1905, 202

Selbständige mit einem Auftraggeber sind rentenversicherungspflichtig wenn:

  1. Sie auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind UND
  2. Von diesem Auftraggeber mind. 5/6 ihrer Umsätze beziehen UND
  3. regelmäßig mehr als 450,- € Gewinn im Monat erwirtschaften UND
  4. keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen oder mehr als einen Minijobber mit monatlicher Gesamtlohnsumme von > 450,- €.

Bei dir scheitert es also an Punkt 3 ==> Keine RV-Pflicht!

Wichtig ist mir noch einmal zu erwähnen, dass Selbständige mit einem Auftraggeber nicht automatisch scheinselbständig (und damit im Grunde Arbeitnehmer) sind.


Um den Status rechtssicher feststellen zu lassen, gibt es das Formular V023 der deutschen Rentenversicherung. Dieses solltest du ausfüllen. Beachte deine Mitwirkungspflichten nach §§ 60 ff SGB I.

Entscheidend für die Einstufung sind u.a.

  • Freie Wahl des Arbeitsortes
  • Freie Wahl der Arbeitzeit
  • Das Recht Aufträge ablehen zu können
  • Keine Umsatzvorgabe oder sonstige Weisungsbefugnisse des Auftraggebers
  • machen Arbeitnehmer in der Firma die gleiche Arbeit, die du auch als Selbständiger machst (das wäre ein sehr starkes Indiz FÜR eine Scheinselbständigkeit).
Kommentar von kurvenstar ,

Hallo und vielen Dank für die Antwort. Ich würde deine Ausführungen vollständig unterstreichen. Sie decken sich mit dem, was ich auch so gelesen habe. Mir war nicht klar, ob diese Tätigkeit für sich betrachtet wird. Ich also allein aus diesem Nebenjob bis maximal 450€ verdienen darf. Oder ob dann meine Gesamteinkünfte inkl. denen aus dem sozialversicherungspflichtigen Job zusammen genommen werden. Wenn abschließend eine rentenversicherungspflichtig bestehen würde, dann wäre der Beitragssatz auf mein tatsächliches Einkommen (Gewinn) aus dem Nebenjob zu berechnen ? Gibt es einen Mindestbeitrag? Oder wird der nun wieder quasi durch die Gerigfügigkeitsgrenze bestimmt? Bei der Tätigkeit handelt es sich übrigens um Repräsentantin für Vorwerk. Das Modell ist dort also ganz normal gang und gebe. Auch Vorwerk selbst stellt klar, dass man als Sebstöndig mit einem Auftraggeber gilt. Muss für die Befreiiung aufgrund der Geringfügigkeit auch ein Antrag auf Befreiung gestellt werden? Nochmals lieben Dank!!

Kommentar von vulkanismus ,

"Vorwerk selbst stellt klar" - logisch, was sollten die auch sonst sagen. Nur - die haben nichts zu sagen - sowas ist gesetzlich geregelt.

Was aber würden sie sagen, wenn Du mit dem Produkt einer anderen Firma "handelst".

Kommentar von Kevin1905 ,

Wenn abschließend eine rentenversicherungspflichtig bestehen würde, dann wäre der Beitragssatz auf mein tatsächliches Einkommen (Gewinn) aus dem Nebenjob zu berechnen ?

Arbeitseinkommen plus Gewinn bis Beitragsbemessungsgrenze (72.600,- € alte BL). Es sei denn du wählst bezüglich der Selbständigkeit dann den Regelbeitrag. Dann gilt immer ein fiktives Einkommen von 2.835,- € als Grundlage (Bezugsgröße).

Gibt es einen Mindestbeitrag?

18,7% von 450,- € sind 84,15 € im Monat.

Muss für die Befreiiung aufgrund der Geringfügigkeit auch ein Antrag auf Befreiung gestellt werden?

Schadet nicht, aber deinen geschätzten Gewinn gibst du in V023 ohnehin an.

Formular V050 mit V023 gemeinsam einreichen innerhalb von 3 Monaten nach Tätigkeitsaufnahme!

Nur wenn innerhalb der 3 Monate der Antrag gestellt wird kann er rückwirkend bewilligt werden ansonsten gilt ab Tag des Eingangs.


Gewerbe ist angemeldet? Fragebogen zur steuerlichen Erfassung eingereicht? Pflichten des selbständigen Handelsvertreters als Kaufmann/-frau im Bezug auf Buchhaltung etc. sind bekannt?

Antwort
von heinerbumm, 174

Grundsätzlich bist du in dieser Tätigkeit rentversicherungspflichtier Selbständiger, wenn Du einen mehr als geringfügig beschäftigten Angestellten hast (es gehen auch mehrere gerinfügig Beschäftigte, wenn die Lohnsumme größer it als 450 Euro monatlich). Rechtsgrundlage ist  2 Nr. 9 SGB VI. Du kannst Dich aber für die ersten drei Jahre nach AUfnahme der Tätigkeit befreien lasse. Sofern Dein Einkommen 450,- Euro im Monat nicht übersteigt bist auf Grund dieser Tatsache aber nicht rentenversicherungspflichtig. Maßgebend ist hier das zu versteuernde Einkommen. Die Rentenversicherung fordert dann die Steuerbescheide bei Dir an.

Kommentar von Snooopy155 ,

Er hat nur einen Auftraggeber - da stellt sich mir die Frage der Scheinselbstständigkeit.

Kommentar von Kevin1905 ,

Das hat jeder Ausschließlichkeitsvermittler einer Versicherung auch. Trotzdem sind diese Leute nicht scheinselbständig und erzielen Einkünfte aus Gewerbebetrieb.

Antwort
von prikolica, 150

Wenn eine Scheinselbstständigkeit entdeckt wird, wirst du automatisch zum Arbeitnehmer und das hat Konsequenzen.

Kommentar von Kevin1905 ,

Ein selbständiger mit einem Auftraggeber ist nicht automatisch scheinselbständig.

Antwort
von vulkanismus, 40

Ich stelle die Frage nach der Scheinselbständigkeit nicht - ich unterstelle sie.

Du hast nur einen Auftraggeber und der sagt, wo´s lang geht.

Wenn er Dich dennoch nur als Selbständigen beschäftigen will, so würde ich den in den Wind schiessen - der will Dich nur ausnutzen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community