Frage von Boersenmessias,

Bilanzmanipulation moralisch vertretbar?

Findet ihr, dass Bilanzbetrug gegenüber den Aktionären als Hauptstakeholder, moralisch zu vertreten ist, wenn man durch die damit verbundene Schönung der Zahlen, die Solvabilität eines angeschlagenen Unternehmens in einer Rezession sichert und somit Mitarbeiter, die ihre Familien ernähren müssen ihren Job behalten können und man dann später die Bilanzlücken wieder auffüllt, wenn die Wirtschaft wieder läuft und dann auch trotz gewinnen auf Dividenden verzichtet und die Bilanz stattdessen stärkt, damit man durch die nächste Rezession ohne Tricks kommt?

Schließlich haben die Aktionäre am Ende des tages ja auch was davon, wenn ihre Aktien nicht durch eine Insolvenz wertlos werden und sich zum Ende der Rezession auch wieder erholen... Wer sollte also ein Interesse daran haben, dass man nicht mal beim Bilanzieren bisschen flunkert, wenn die Summe des Nutzens derart hoch ist und eigentlich keiner drunter leidet...

Antwort
von Justus2000,

Die Frage an sich ist schon unzulässig, denn Bilanzmanipulation ist ein Straftatbestand. Ähnliche unrühmliche Beispiele siehe Schieder, Nici, Flowtex. Auch der Inhaber von Nici wollte nur seine Firma retten und gut durch die Krise bringen, weil er meinte, der Umsatzeinbruch wäre nur eine Delle. De facto handelt es sich aber solchen Firmen um "Low Performer", die in Zeiten guter wirtschaftlicher Lage brav auf der Welle mitschwimmen, so dass nicht auffällt, dass andere viel mehr verdienen (weil ihre Produkte / Prozesse / etc. viel besser sind). Erst in Krisenzeiten treten die Schwachpunkte zu Tage und Managementfehler der Vergangenheit werden offensichtlich. Wer dann offen mit seinen Banken umgeht und sich externe Hilfe bei einer branchenerfahrenen Unternehmensberatung holt, dem ist langfristig mehr geholfen, als mit kurzfristigen Bilanzmanipulationen! Das sagt auf Erfahrung einer, der seit Jahren mit solchen Bilanzjongleuten zu tun hat. Justus

Antwort
von SBerater,

du nimmst an, dass du erkennen kannst, ob eine Firma letztendlich pleite geht. Du äusserst dich so, als ob viele Firmen, die in die Insolvenz gehen, dies nur tun, weil es eine Rezession gab.

Was ist, wenn sich die Firma trotz Manipulation nicht retten kann? Dann werden andere die Bilanz ansehen und prüfen, ob dies Manipulation juristisch vertretbar ist.

Ich glaube, dass viele zwar nicht die Bilanz bewusst schönen, aber verschnarcht wie sie sind, die Insolvenz verschleppen. Und frag die, ob sie es nochmals verschleppen würden.

Moral hin oder her... Als GF oder Vorstand würde ich auf die Moral pfeifen, denn sollte es doch zur Insolvenz kommen, dann ist die Privatinsolvenz nicht weit - oder gar schwedische Gardinen.

Antwort
von alfalfa,

Also: Es gibt Bilanzierungswahlrechte. Das ist legal, gewollt und legitim. Flunkern, Manipulieren etc. sind deliktische Handlungen und ggfs Straftaten. Letzteres führt zu Sanktionen.

Wer strafbare Bilanztricks benötigt um sein Unternehmen zu retten hat ein ganz anderes Problem. Nämlich ob das Unternehmen die richtige Strategie hat! Da würde ich ansetzten, statt am Schreibtisch die Braut bilanztechnisch zu schmücken. Denn das wäre nur Symptom Bekämpfung statt Ursachenanalyse nebst Maßnahmen zur Nachhaltigkeit des Unternehmens.

So einfach ist die Gesetzgebung. Wie jeder das auslebt, steht auf einem anderen Blatt Papier. Das wäre dann der Bereich Werte und Moral.

Also bitte nicht vermixen, oder anders gesagt: Bitte die richtigen Fragen stellen.

Antwort
von robinek,

Was verstehst Du in der heutigen Zeit eigentlich noch unter Moral? Was ist das? Gegen kleine Aktionäre?! Politiker, Banker, Industriemanager, selbst Ärzte musst Du Dir als Vorbilder nehmen! Das Kapital liegt doch nicht hauptsächlich bei den kleinen Aktionären deren Gedanke auch nur am grösstmöglichen Gewinn ,im kleinen Rahmen liegt! Seien wir doch alle realistisch. Der überwiegende Teil nicht nur unseres Volkes wird durch ehrliche Arbeit nicht reich! "Die meisten Reichen werden noch reicher durch die Armen"! Wenn es zu gerichtlichen Verfahren kommt, je höhrer der Rang um so länger der Prozess, meistens endet es dann mit Bewährung!

Antwort
von Privatier59,

Alles eine Frage der Reflexe, in diesem Falle des Fluchtreflexes. Du weißt schon: Rio, Zuckerhut, Ronals Biggs etc.

http://www.serien-load.de/wp-content/uploads/2010/08/mad-boy.jpg

Antwort
von gammoncrack,

Wer da ein Interesse dran hat?

Ich vermute, die Staatsanwaltschaft und die Börsenaufsicht.

Kommentar von Boersenmessias ,

ja, aber rechtfertigt das wenige Staatsanwälte in Lohn und Brot zu halten, während tausende Mitarbeiter dann auf die Straße gehen müssen, wenn ein Unternehmen bei korrekter Bilanzierung nur wegen einer Rezession in die Insolvenz geschickt würde.

Kommentar von gammoncrack ,

Und wer will da die Grenze ziehen? Dann kann ja jedes Unternehmen mit dem Argument "dachte, es würde bald besser werden" Insolvenzverschleppung begehen.

Und wenn es dann nicht klappt? Dann gehen ja bei anderen Unternehmen, die gutgläubig weiter geliefert haben und nun Probleme bekommen haben, zusätzliche Arbeitsplätze den Bach runter.

Nee, nee, ganz schlechte Idee.

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