Frage von schnuckili,

Betriebsbedingte Kündigung in Großunternehmen - geht das so einfach?

Im Rahmen von Personalabbaumaßnahmen sollen es in einem Großunternehmen ggf. auch betriebsbedingte Kündigungen geben, wenn die natürliche Fluktuation nicht ausreicht, um den Stellenabbau zu erreichen. Sind solche Kündigungen so ohne weiteres durchzusetzen? Es handelt sich in dem Fall um eine teilzeitbeschäftigte Frau mit Kindern, deren Mann seit kurzem arbeitslos ist. Die Frau ist bereits 25 Jahre im Unternehmen und teilzeitbeschäftigt. Kann man ihr so ohne weiteres kündigen oder greift da auch ein Sozialplan?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von qtbasket,

Bei betriebsbedingten Kündigungen ist der Arbeitgeber in der Pflicht:

Voraussetzungen einer betriebsbedingten Kündigung sind, dass:

dringende betriebliche Bedürfnisse die Kündigung rechtfertigen und

der betroffene Arbeitnehmer nicht an einem anderen Arbeitsplatz im selben Betrieb weiterbeschäftigt werden kann.

In der Regel wird der Arbeitnehmer das bestreiten, und im Rahmen einer Kündigungsschutzklage wird das Arbeitsgericht klären, ob die Gründe ausreichend sind.

Oftmals kommt ein Vergleich beim Gütetermin zustande. Immer gegen Abfindung.

Ein Sozialplan gibt es bei einer Einzelkündigung nicht - das wäre eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat und da müssen schon ganze Abteilungen geschlossen werden.

Antwort
von obelix,

jeder Arbeitgeber kann insofern einfach kündigen, wenn der Gekündigte sich das gefallen lässt. Wehrt er sich, sieht die Welt anders aus. Dann werden die Gründe, die Argumente und die Kündigung selbst geprüft.

Wenn es ein Grossunternehmen ist, dann sollte man den Weg zum Betriebsrat suchen. Dort sollte man Antworten bekommen.

Geht es um eine Kündigungswelle im grösseren Stile, dann gibt es einen klaren Prozess. Das Unternehmen sucht das Gespräch mit dem Betriebsrat und stimmt das Vorhaben ab. Es kommt zu einer Betriebsversammlung, in der die Entscheidungen angesprochen werden. Dort werden keine Namen genannt.

Danach gibt es eine Frist, in der mit dem Betriebsrat besprochen wird, wie viele gehen, welche Abteilungen betroffen sind. Es wird ein Sozialplan aufgesetzt und nach dem werden die entsprechenden Mitarbeiter ausgewählt.

Ob nun Teilzeit oder nicht, das ist Teil des Planes, der mit dem BR abzustimmen ist.

Ich würde den Weg zum Betriebsrat suchen. Einen Anwalt kann man immer noch nehmen, wenn man gekündigt wurde. Sofern man gemäss dem Sozialplan seinen Job verliert, ist eine erfolgreiche Klage mehr oder weniger erfolglos, ausser die Sozialauswahl war fehlerhaft.

Antwort
von alfalfa,

Im Regelfall ist bei Großunternehmen im Rahmen der Mitbestimmungspflicht eine Sozialauswahl zu treffen. Hierbei hat der Betriebsrat ein Mitwirkungsrecht. Dazu werden einvernehmlich Kriterien erstellt und eine Rangfolge der Mitarbeiter gebildet. Kriterien sind z.B.:

  • Betriebszugehörigkeit
  • Behinderungen
  • soziale Situation
  • Alter

Die Frau dürfte gute Chancen haben nicht zu den Personen zu gehören, die von der Maßnahme betroffen sind.

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