Frage von nyluna, 79

Betriebliche Altersvorsorge + Riester + VWL

Hallo Ich bin Momentan total verwirrt. Heute hatte ich einen Termin mit der Vermögensberaterin der Generali. Meine Chefin möchte bei dieser Versicherung die betriebliche Altersvorsorge für die Angestellten abschließen (bin Azubi) Ich bekomme von meiner Chefin 15 Euro VWL und zahle insgesamt 30€ (selbst zahle ich 18€) ein. Jetzt meinte die Beraterin, dass man die VWL an die BA koppeln kann und es mehr Sinn macht. Klar 40€ Euro und ich zahle weiter meine ca 18€ aus eigener Tasche macht keinen Unterschied. Nur ich bin sehr skeptisch bei sowas. Seit ca einem halben Jahr kommen dauern irgendwelche Vermögensberater und wollen mir was für die Altersvorsorge andrehen. Bin erst bei der Aachener M. gewesen nun bei der Ergo weil eine Freundin dort arbeitet und nun meine Beraterin ist. Die Beraterin von der Generali sagte auch, dass die Riester die ich bei der Ergo habe am besten zusätzlich mit der BAV gekoppelt wird, denn dann bekommt man am meisten raus. Sprich: VWL + Riester zur Generali umschreiben + BAV. Das mit der VWL verstehe ich ja (da diese auch in Fonds angelegt wurde und ich da nicht der Fan bin) aber die Riester? Ich bin sichtlich verwirrt kann mir da einer weiter helfen? LG

Antwort
von Hanseat, 79

Hallo, und jeder der Bearter(innen) will seinen eigenen Kram verkaufen, logisch.

Der Reihe nach, das mit bAV statt VL haben Sie ja offenbar verstanden. Die VL müssen Sie versteuern während die beiträge in die bAV steuerfrei sind. Aber, an das Geld aus einem VL-Vertrag kommt man jederzeit (bzw. nach 7 Jahren) heran, das ist ein Fondssparplan und ein solcher ist eben nur sehr bedingt vergleichbar mit einer offensichtlich klassischen (d.h. ohne Fonds) Rentenversicherung. Wenn Sie akzeptieren dass Ihre VL in einen langlaufenden Versicherungsvertrag fliessen, dann ist das OK.

Die Beraterin der Generali will den Riester der Konkurrenz (sprich Ergo) loswerden damit sie dann ihren eigenen Vertrag vermitteln kann. Hierbei bitte äußerste Vorsicht und Skepsis denn für erstens kostet die Übertragung eines Riestervertrages Geld (max. 150,- Euro) und zweitens haben Sie für Ihren Ergo-Riester schon Abschlusskosten (zumindest zum Teil) bezahlt, diese werden dann aber noch einmal in voller Höhe bei der Generali fällig.

Lassen Sie Ihren Riester wo er ist und Finger weg vom Riestern über Ihren Arbeitgeber. Denn wenn Sie das tun müssen die entsprechenden Beiträge aus Ihrem Netto kommen und Sie müssen dann später auf die Auszahlungen quasi nochmals KV-Beiträge und Steuern zahlen. Die Dame von der Generali versucht nur, Ihren Riester-Vertrag bei der Ergo schlecht zu reden und dann natürlich die Version via bAV-Generali als viel besser darzustellen. Sie hat, was diesen Punkt angeht, definitiv keine Ahnung.

Googeln Sie einfach mal "Riester bAV", dann kommen Sie auf verschiedene Seiten auf denen das Problem gut erklärt wird.

Noch ein grundsätzliches Wort zu Fonds: Sie sagen dass Sie da nicht der Fan sind. Bedenken Sie bitte dass eine klassische Rentenversicherung heutzutage nur noch einen Garantiezins von 1,75 % (bis 01.01.2015, dann 1,25 %) hat und die Generali zudem eher unterdurchschnittliche Verzinsung bietet. Die Generali rangiert hier am unteren Ende aller Lebensversicherer.

Als junger Mensch mit über 40 Jahren bis zum Renteneintritt sollten Sie schon einen Teil Ihrer Spar- und Altersvorsorgebeiträge in Fonds anlegen, und das am besten mit Hilfe von Fondssparplänen.

Kommentar von nyluna ,

Hallo danke für die ausführliche Antwort. Hat mir schon sehr viel weiter geholfen. Die Riester hatte ich auch eigentlich nicht vor wieder zu wechseln. Jetzt stellt sich mir allerdings die Frage: Die vwl ist in Fonds angelegt und meine Riesterrente ist klassisch also ohne Fonds. Sollte ich das so belassen oder die vwl in eine bAV umwandeln? Leider kann man die zwei ja nicht gleichzeitig haben oder? Wenn ich den Arbeitgeber wechsel (was sehr wahrscheinlich ist, da ich nicht übernommen werde) lohnt sich eine bAV jetzt schon? Die Dame sagte mir, dass die bAV dann auf die jeweilige Versicherung umgeschrieben wird und ich einfach so weiter machen kann wie jetzt.

Kommentar von Hanseat ,

Hallo, also wenn Sie nicht übernommen werden, dann lassen Sie die VL wie sie sind und auch Ihren Riester. Wenn Sie nach der Ausbildung dann einen Arbeitsplatz gefunden haben und die Probezeit vorüber ist, dann gehen Sie das Ganze erneut an, nicht vorher. Dann wird man sehen ob Ihr neuer Arbeitgeber überhaupt VL zahlt oder oder oder.

Es ist zwar möglich, einen bAV-Vertrag bei einem Arbeitgeberwechsel mitzunehmen, aber der neue Arbeitgeber muss diesen Vertrag nicht weiterführen. Es hängt also vom neuen Arbeitgeber ab, wenn der sagt, bei mir gibt es bAV nur bei der ABC-Versicherung dann ist das so. Und dann können Sie entweder nur Ihren alten Vertrag stilllegen oder aber das Guthaben übertragen lassen. Letzteres ist ein administrativer Alptraum, abhängig vom neuen Versicherer der hierzu eigentlich gar keine Lust hat und das zu übertragende Guthaben wird sowieso sehr überschaubar sein.

Vor dem Hintergrund dass Sie nicht übernommen werden, ist das Ganze eine fast komplette Fehlberatung der "Dame" von der Generali !

Noch etwas, viel wichtiger als nun 1 oder 2 Jahre vorher mit dem zweiten oder dritten Altersvorsorgevertrag in Versicherungsform anzufangen, ist die Absicherung Ihrer Arbeitskraft. Das kann (und sollte idealerweise) eine BU sein, muss es aber nicht.

Kommentar von Schmidtke ,

Fonds oder Fondsparplan ist gut, gerade bei den aktuellen niedrigen Zinsen.

Problem ist aber, den richtigen bzw. geeigneten Fonds zu finden.

Gerade bei langen Laufzeiten kann bei einem Fonds viel passieren. Da kann der Manager wechseln, ob der genauso gut ist wie der alte?

Bei Gesellschaften, die mehrere Fonds verwalten, kann es und ist es vorgekommen, daß Gewinne in andere Gesellschaften umgelenkt werden.

Man liest nicht selten, zum Beispiel in Finanztest, daß sich Fondskäufer über die Kauf- und Verkaufspolitik ihres Fonds beschweren, da diese zu früh oder zu spät kaufen oder verkaufen.

Also hier muß man auch aufpassen und den Fonds sorgfältig auswählen, was leichter gesagt als getan ist.

Antwort
von Kevin1905, 68

Hab ich die Frage nich gerade drüber im Schwesterforum beantwortet?

https://www.gutefrage.net/frage/betriebliche-altersvorsorge--riester--vwl

Antwort
von Rat2010, 67

Es ist doch ganz einfach:

VWL in Fonds ist gut! Da gehören sie hin. Da wird sinnvoll ein kleines Pölsterchen aufgebaut, das nach sieben Jahren auch verfügbar ist. Dazu kannst du die jederzeit mindern oder aussetzen, wenn das Geld nicht reicht oder der nächste Arbeitgeber weniger zahlt.

Riester ist gut. Riester in einen Fondssparplan wesentlich besser (weil du nicht für was, das du später gar nicht einzahlst, Abschlusskosten bezahlst und die Rendite wesentlch höher ist) aber wenn du schon in der Versicherungsmühle bist (und du bist da mitten drin) ist wenn man zusätzliche Altersvorsorge betreiben will, Riester gut. Es ist tendenziell höher gefördert als alles andere.

BAV musst du nicht haben oder kannst du dir auch noch später, beim neuen Arbeitgeber, aufschwatzen lassen. Gib ihr einfach einen Korb. Dass ein BAV-Spezialist das ander siehst musst du sehen wie einen Gebrauchtwagenverkäufer. Der glaubt auch, dass jeder der reinkommt eines von seinen Autos kaufen will und wenn es nicht passt wird es passend gemacht.

Sei dir bewusst, dass die Provision bei der Beratung eine Rolle spielt und dass deine Lösung mit VWL in Fonds und Riester (getrennt) gar nicht so schlecht ist. Je mehr in einen Vertrag geht, an den du frühestens mit 67 kommst, um so weniger bleibt dir zur Erreichung von Zielen, die vor der Rente liegen. Jede Unterschrift auf einem neuen Vertrag von dir löst Provision aus, die dir in Rente fehlt.

Wenn du eine Freundin und Beraterin hast (in dieser Reihenfolge!), rede mit der!

Antwort
von ellaluise, 63

Nur ein Tip von mir für dich: Achte auch auf die monatlichen Kosten, die jetzigen und späteren Verwaltungskosten.

Wichtig ist ja was am Ende tatsächlich heraus gekommt und nicht was dir jetzt in schönen Zahlen vorgerechnet wird und dann nicht erreicht wird.

Antwort
von Apolon, 50

Nun für die BAV liegt die Entscheidung der Anlage bei dem Arbeitgeber.

Wobei mir allerdings noch nicht klar ist, ob diese Chefin (meist wird da ja im Sprachgebrauch die Vorgesetzte gemeint) der Arbeitgeber ist.

Also wenn es sich hier um den Arbeitgeber handelt, kann dieser ja für seine Mitarbeiter eine arbeitgeberfinanzierte BAV abschließen. Bedeutet aber, dass Du selbst dazu nichts zahlen musst.

Ansonsten würde ich die Riesterrente und auch die VWL nicht ändern.

Die Generali-Tante möchte nur an dir Geld verdienen, mehr nicht.

Antwort
von ralle66, 63

Musste die Schilderung von dir mit einem Kopfschütteln lesen. Wie schon geschrieben wurde, da wird versucht einen Anbieter rauszudrängen, was aber mit Kosten verbunden ist und sich meist nicht lohnt. Deshalb lieber beim bestehenden Riester Vertrag dabei bleiben.

Antwort
von Underfrange, 47

Ich sehe da zum Teil wirklich großen Unfug. Bitte wende dich an einen unabhängigen Versicherungsmakler in deiner Nähe. Schade, dass dein Arbeitgeber sich bereits für einen Auschließlichkeitsvertreter entschieden hat, das kann er. Da wird sich kaum ein Makler für die Beratung interessieren wenn ein anderer die Verträge machen wird. Es gibt aber auch Honorarberater, allerdings ist das für dich als AZUBI nicht unbedingt zu empfehlen. Mein Tipp: Nimm die Zulagen des Arbeitgebers mit und mache einen kleinen Vertrag foindgebunden. Nimm auch Riester mit, aber nicht über den Betrieb sondern privat. Solange du recht wenig verdienst (AZUBI) kannst du für die 60€ im Jahr die Förderung mitnehmen und schauen was die Zukunft bringt. Fondsgebunden daher, weil du noch mehr als 20 Jahre Zeit hast...eher 40, oder?
Falsch wäre laufend einem anderen Berater zu folgen und jedesmal alles neu zu regeln. Alles Gute.

Antwort
von elfie0303, 47

Nach dem GMG unterliegt die sogenannte "Betriebsrente" der Kranken- und Pflegeversicherung.

Wer als "Besserverdiener" den höchsten Beitrag in die Kranken- und Pflegeversicherung einzahlt, wird ob dieser Solidarität mit einkommensschwachen Bürgern im Alter ein zweites Mal abkassiert.

Das gilt nicht nur für die vom Arbeitnehmer durch Gehaltsumwandlung aufgebrachten Eigenanteile, sondern auch für die vom Arbeitgeber "spendierten" Einzahlungen.

Falls der Arbeitnehmer ein Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze erzielt, spart der Arbeitgeber weder Steuern noch Sozialabgaben, wenn er diese (nicht geschenkten, sondern vom AN erwirtschafteten) Zahlungen direkt an den Mitarbeiter auskehrt. Gewinner dieser durch eine abstruse Gesetzgebung und Rechtsprechung des Bundessozialgerichtes herbeigeführte Doppelveranlagung sind allein private Versicherungsunternehmen und die gesetzlichen Krankenkassen.

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