Frage von alin84, 26

Berliner Testament, erben die noch folgenden Kinder auch?

Hallo, wir haben mit meinem Mann ein Haus gebaut. Wir haben zwei Töchter. Jetzt sind wir dabei unseren Nachlass zu regeln, falls jemanden von uns beiden etwas passieren sollte. Wir wollen uns mit dem Berliner Testament als alleinigen Erben einsetzten. Meine Frage ist: Sollte ich versterben und mein Mann heiratet noch einmal und bekommt noch Kinder. Gehören diese auch zu den Schlusserben oder muss man dies extra im Testament erwähnen (Es geht hier nur um die leiblichen Kinder). Kann der Vollerbe das Testament mit einer entsprechenden Klausel nach Versterben des Ehepartners ändern und weitere Kinder hinzufügen?

Antwort
von imager761, 22

Mit deiner Frage hast du die Schwachstelle eines gemeinsamen Testaments schon erkannt :-)

Unterstellt, ihr wählt die juristendeutsch Einheitslösung genannte Variante, wird der Längstlebende Allein- oder Vollerbe und kann damit ungehindert neben seinem unverändert eigenen auch über das ererbte Vermögen verfügen. Den zunächst enterbten Kindern steht lediglich ein Pflichtteilsanspruch gegen den überlebenden Ehepartner nach dem Tod des zuerst versterbenden Ehegatten zu oder die Hoffnung, dass weder der Längstlebende oder sein möglicher Partner noch nachgeborene oder adoptierte Geschwister ihr Schlusserbe schmälern.

Bei der der so genannten Trennungslösung benennt ihr euch wechselseitig lediglich zu so genannten Vorerben. Gleichzeitig wird bestimmt, dass (nur) die gemeinsamen Kinder nach dem Tod des zuletzt Versterbenden Nacherben sein sollen. Damit hätten sie einen Sicherungsanspruch über ihren Erbteil am Reinnachlass des Erstversterbenden.

Der gravierende Unterschied besteht in dem relativen Schutz, der sich den gemeinsamen Kinder bietet: Ist der überlebende Ehegatte nur Vor- und nicht Vollerbe des zuerst versterbenden Ehepartners geworden, ist der Nacherbe – im Gegensatz zum Schlusserben – zumindest in gewissem Umfang vor beeinträchtigenden Verfügungen zu Lebzeiten des überlebenden Ehegatten geschützt, §§ 2113 ff. BGB.

Dennoch: Der gravierende Nachteil diese wechselseitigen Verfügungen bleibt, dass man etwas festschreibt, was aus heutiger Sicht richtig erscheint, sich aber in der Zukunft als falsch herausstellt :-O

Was, wenn der Partner duch Pflichtteilsforderungen aus dem gemeinsamen Haus getrieben würde? Sich ein Kind oder dessen Partner undankbar zeigt, Pflege seines Elternteils verweigert, "Entmündigung" betreibt, Abschiebung in eine Heim verfügt, billigere Einäscherung beauftragt? Würden man das Verhalten durch ein festgeschriebenes Erbe belohnen wollen?

Meine Meinung ist, dass sich gemeinsame Hausbauer neben Miteigentumsrechten ein Wohnrecht eintragen lassen sollten, um ihren Lebensabend dort und so zu gestalten, wie sie sich das beim Spatenstich vorstellen. Und jeder Ehegatte sollte sein Vermögen für sich, so und an denjenigen verteilen, wie er das für richtig hält und sich die Option offenhalten wollen, sich jederzeit auch umentscheiden zu können, wenn es erforderlich wird :-)

Hierzu wünsche ich eine glückliche Hand und rate für den Fall, dass es eine wechselseitige Verfügung werden soll, unbedingt zu einer ausführlichen fachlichen Beratung aller Vor- und Nachteile bei einem Notar.

G imager761

Antwort
von Mikkey, 13

"Berliner Testament" ist keine Vorschrift, etwas auf eine festgelegte unabänderliche Art zu regeln.

Ein gemeinsames Testament, das in diese Klasse fällt kann selbstverständlich in verschiedenen Fällen unterschiedliche Regelungen enthalten. In der üblichen Form gehen die "neuen" Kinder leer aus.

Wenn es testamentarische Vorstellungen gibt, deren unmissverständliche Formulierung man sich nicht selbst zutraut, dann geht man zum Notar und lässt sich dabei helfen.

Antwort
von wfwbinder, 10

Das Berliner Testament ist nicht so sicher, wie man denken könnte.

Deshalb hat man ja auch Möglichkeiten darin etwas zu Erbrecht späterer Ehegatten zu sagen, denn Dein Mann könnte ja erstversterben udn Du nochmal heiraten. Dann wäre der Anteil Eurer Töchter zusätzlich in Gefahr, nciht nur durch ein eventuelles späteres Kind, sondern auch durch den Ehemann, der 1/5 von Deinem Vermögen Erben würde. Die Töchter wären den Anteil aus dem Erbe des Vaters los, wenn ihr ncihts dazu sagt.

Ein Berliner Testament ist immer ein gewisses Risiko für die Kinder, die ihr Pflichtteil nicht einfordern.

Sicherer wäre eventuell ein Erbvertrag.

Oder eine Alternative, ihr lasst die Erbfolge normal, aber regelt, dass Du bis zu DEinem hoffentlich späten Ende, weder Miete zahlen mußt, noch aus dem Haus gedrängt werden darfst.

Sagt dem Notar was ihr genau möchtet und der fasst es in Juristendeutsch.

Antwort
von LittleArrow, 7
Hallo, wir haben mit meinem Mann ein Haus gebaut.

Wer ist da beim "wir" der Dritte (oder Vierte)?

Kann der Vollerbe das Testament mit einer entsprechenden Klausel nach Versterben des Ehepartners ändern?

Das Berliner Testament kann nach dem Versterben des Ehepartners nicht mehr vom Überlebenden geändert werden.

Das Berliner Testament kann aber Regelungen für den Fall z. B. der Wiederverheiratung bestimmte Regeln vorsehen. Aber es gibt auch noch Problempotential ohne Wiederverheiratung, wie Du in diesem Link nachlesen kannst:

http://www.notar-veit.de/die_urkunden/testament/testament.htm

Auf der Seite findest Du im Downloadbereich noch einige Dokumente, die von Interesse sein könnten.

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