Frage von Frei123, 479

Belege auf Thermopapier - Lesbarkeit bei Steuererklärung

ich habe festgestellt, dass Thermopapier so seine Tücken hat. Das war mit bekannt, aber ich wusste nicht, dass es einen Unterschied macht, womit man die Belege/ Quittungen/ Rechnungen auf einem weissen Blatt Papier aufklebt. Das mache ich erst seit wenigen Monaten.

Nur stelle ich fest, dass manche Belege nur noch schwer lesbar sind. Bei vielen Zahlungen gibt es Nachweise durch Kartenzahlung.

  • wie sieht das Finanzamt das Problem? Wann ist ein solcher Beleg ungültig, nicht mehr steuerrelevant?
  • wie umgeht man das Problem bzw. was schlagen die Behörden hier vor?
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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Privatier59, 479

Rechtzeitig eine Kopie ziehen ist die einzige Möglichkeit:

http://www.akademie.de/wissen/thermo-papier-quittungen-finanzamt

Antwort
von imager761, 295

wie sieht das Finanzamt das Problem?

Pragmatisch: Verblichene Zahlungsbelege stellen einen objektiven Verstoß gegen die Aufbewahrungspflichten gemäß § 147 AO dar. Und Kopien erkennen sie nicht an :-O

Für Kaufleute im Sinne des Handelsgesetzes gilt der inhaltlich weitgehend identische § 257 HGB. Belege müssen demnach nicht nur zehn Jahre lang verwahrt werden, sondern während dieses Zeitraums auch lesbar sein. Dass der Aussteller einer Rechnung dafür Sorge zu tragen hat, wurde vom Gesetzgeber allerdings nicht festgelegt.

Wann ist ein solcher Beleg ungültig, nicht mehr steuerrelevant?

Wenn der Originalbeleg nicht mehr lesbar ist :-(

wie umgeht man das Problem

Sonnenlicht und Weichmacher sind der einzige Feind des Thermopapiers. Ich hefte mein Tankbelege sofort gelocht ab, verzicht auf Klarsichthüllen, PP-Register, Tesafilm und Kleber sowie schicke Kunstoffordner und so überleben meine Belege schon das 17. Jahr :-)

G imager761

Kommentar von Frei123 ,

einfach nur lochen und dann in die Dunkelkammer? :)

verzicht auf Klarsichthüllen

Dass auch diese Hüllen schädlich sein könn(t)en, wusste ich nicht.

der Aussteller einer Rechnung dafür Sorge zu tragen hat, wurde vom Gesetzgeber allerdings nicht festgelegt

... was wiederum in unserem doch so sehr geregeltem Lande erstaunlich ist :)

überleben meine Belege schon das 17. Jahr

Danke für den Praxistip!

Antwort
von Sobeyda, 246

Wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, habe ich leider keinen Rat. Aber ich kopiere alle relvanten Thermobelege und hefte den Originalbeleg dann dran.

Kommentar von Frei123 ,

das ist ne gute Idee.

Antwort
von blackleather, 362

Die Finanzämter sehen das so:

OFD Cottbus, Verfügung vom 30.05.2000, S 0315 – 3 – St 261

"Seit einigen Jahren wird im Einzelhandel und in Gastronomiebetrieben Thermopapier verstärkt zur Ausstellung von Rechnungen verwendet. Die Haltbarkeit liegt je nach Qualitätsstufe zwischen 4 bis 12 Jahren.

Ermittlungen haben ergeben, dass bei Tankstellen, Restaurants und in Einzelhandelsgeschäften Thermopapiere der geringsten Haltbarkeitsstufe (sog. Faxpapiere) verwendet werden.

Dies führt bei künftigen Betriebsprüfungen vermehrt dazu, dass mit nicht mehr oder kaum noch lesbaren Thermopapierrechnungen zu rechnen ist.

Die Folgen davon treffen die Rechnungsempfänger.

Der überwiegende Teil der Rechnungsempfänger dürfte sich derzeit mangels Problembewusstsein mit technisch ungenügenden Rechnungen begnügen.

Erst wenn im Rahmen von Außenprüfungen dem Grunde nach berechtigte Betriebsausgaben bzw. Vorsteuern nicht anerkannt werden, weil die Belege nicht mehr lesbar sind, wird das Problem offenkundig. Der Belegmangel ist dann nicht mehr heilbar und das Prüfungsklima kann sich künftig verschlechtern.

Nach § 144 Abs. 4 AO sowie § 14 Abs. 1 UStG ist der leistende Unternehmer verpflichtet dem Leistungsempfänger einen Beleg bzw. eine Rechnung über die erbrachten Leistungen zu erteilen. Nach § 145 Abs. 2 AO sind Aufzeichnungen in der Weise vorzunehmen, dass der Besteuerungszweck erreicht wird.

Aus den genannten Vorschriften erwächst für den Rechnungsaussteller die Verpflichtung Belege so zu erteilen, dass sie für das Besteuerungsverfahren geeignet sind.

Daraus ergibt sich auch die Verpflichtung Rechnungen in einer technischen Qualität zu erstellen, die es dem Rechnungsempfänger ermöglicht, seiner Aufbewahrungspflicht nachzukommen.

Die Rechnungsaussteller können von der Finanzbehörde nicht zur Ausstellung haltbarer Belege verpflichtet werden.

Bei laufenden Prüfungen ist auf diese Problematik hinzuweisen, damit es den Steuerpflichtigen möglich ist, rechtzeitig Vorsorge zu treffen."

Kommentar von Frei123 ,

damit gibt wohl doch eine Pflicht für den Rechnungsaussteller - wobei in der Praxis wohl nicht gelebt.

Kommentar von blackleather ,

Nein, eine unmittelbare Rechtspflicht für den Rechnungsaussteller gibt es nicht, denn was hat der mit den Steuerfolgen auf Seiten des Rechnungsempfängers zu tun?

Man könnte allenfalls noch einen Anspruch auf Rechnungsleistung in haltbarer Form aus § 241 Abs. 2 BGB herzuleiten versuchen, das hieße aber, die Verkehrssitte schon sehr stark zu bemühen...

Antwort
von freelance, 216

das ist schlecht, denn wenn man die wichtigen Informationen nicht mehr lesen kann, dann kann das alles sein. Vor allem sollte der USt-Betrag lesbar sein.

Was tun? Aufkleben ja, aber nur mit einem Kleber, der das Thermopapier nicht verblassen lässt. Ich kenne Probleme mit Tesastreifen. Alles unter dem Streifen verblasst sehr schnell.

Zusätzlich solltest du die Belege kopieren und die Kopien mit ablegen.

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