Frage von samur,

Bei Immobilienfinanzierung gleich Bausparvertrag mit abschließen?

Meine "Bankerin" hat mir empfohlen, bei Aufnahme eines Immobiliendarlehens gleich einen Bausparvertrag mit abzuschließen. Machts das Sinn? Es schränkt mich ja noch weiter ein durch die monatliche Belastung,

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von LittleArrow,

In einer Niedrigzinsphase macht es eher Sinn, sich eine kalkulierbare Finanzierung zu sichern, die keine Zinsveränderungsrisiko bis zur letzten Kreditrate beinhaltet und die auch anfangs noch erschwinglich in der finanziellen Belastung bleibt. Finanzielle Belastung ist dabei immer die Summe aus Zins- und Tilgungsrate, niemals alleine die Zinsen betrachten.

Die Bänkerin will sich möglicherweise eine Extraportion aus der Abschlussgebühr des BSV verdienen. Suche Dir lieber jemand anderes zur Beratung und frage nach sog. Volltilgern, die Dir komplette Zinssicherheit bieten.

Die zusätzliche Einarbeitung von Sondertilgungsmöglichkeiten wäre nicht verkehrt und evtl. sind auch kostenfreie spätere Ratenanpassungen möglich (siehe hierzu z. B. die Sorgloshypothek der Hannover Leben http://www.test.de/themen/bauen-finanzieren/schnelltest/Immobilienkredit-der-Han...)

Antwort
von KlausWehrt,

Sehr geehrte/r Samur,

ich kann nur warnen: Finger weg! Ich habe für Gerichte und Privatkunden schon sehr viele Gutachten zu gescheiterten Bausparkombinationsfinanzierungen verfasst. Im Allgemeinen versuchen Banken, den Kunden solche Finanzierungsmodelle aufzuschwatzen, weil sie daran hohe Provisionen verdienen.

Kontrolliert man den Effektivzinssatz der Gesamtfinanzierung, so liegt der häufig mehr als ca. 1 Prozentpunkt über einem Tilgungsdarlehensangebot. Dieser effektive Jahreszinssatz bietet eine zuverlässige Aussage zur Qualität der Finanzierung: je niedriger, desto besser. Aber vergleichen Sie bitte nicht den effektiven Jahreszinssatz des Vorausdarlehens und den des Bausparkredits mit dem des Tilgungsdarlehens, dabei vergessen Sie, dass der Ansparvertrag für den Bausparvertrag eine Minderverzinsung liefert, die Sie mit günstigen Zinsen bei Bausparkredit und Vorausdarlehen nicht mehr einholen können.

Zum Verständnis. Nehmen wir an, ich habe monatlich 100 Euro in die Tilgung des normalen Tilgungsdarlehen zu stecken. Die Verzinsung beträgt 3%. Dann erspare ich mir, nachdem ich diesen Betrag gezahlt habe, jährlich 3 Euro an Zinsen. Stecke ich diesen Geldbetrag in einen Bausparvertrag, der sich mit 1% verzinst, so vermehrt sich mein Kapital bis zum nächsten Jahr um 1 Euro. Hätte ich diese 100 Euro stattdessen in die Tilgung des Vorausdarlehens investiert, hätte ich 3 Euro an Zinsen gespart. Diesen über zehn Jahre und mehr währenden Zinsnachteil bei der Ansparung holt man später durch ein wenig günstigere Bausparzinsen nur ganz selten wieder ein.

Ein Akademiker der Fernuniversität Hagen (Gunnar Stark) hatte die Vorteile aus Bausparkombinationsfinanzierungen über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren in seiner Doktorarbeit untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass die Bausparkombinationsfinanzierungen nur in ganz wenigen Jahren zu einer günstigeren Finanzierung führten als das normale Tilgungsdarlehen.

Ich hoffe, diese Antwort hilft weiter.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. rer. pol. habil. Klaus Wehrt, Diplom-Volkswirt

Antwort
von commerce,

Normalerweise bietet die Bank einen Bausparer an und lässt diesen in die Immob.finanzierung mit einfließen nach Zuteilung. Grds. macht das bei den niedrigen Zinsen dzt. schon Sinn, wenn es dann finanz. nicht zu viel wird. Denk dran, daß später auch mal Renovierungen anstehen, dann bist Du viell. froh um den zusätzlichen Vertrag.

Antwort
von VWSV58,

Ja, macht Sinn, aber nicht in der Finanzierung. Stimmt alles, was hier steht, aber dennoch ist der BSV eine gute Basis als Instandhaltungsrücklage, wenn Sie z.B. ein Haus finanzieren. Bei der ETW wird diese IHR von Hause aus durch die Eigentümergemeinschaft gebildet, bei Hauskauf wird leider viel zu selten daran gedacht, Hauptsache, die Finanzierung bekommt man zum Stehen. Der Bausparvertrag ( niedrige Bausparsumme abschließen ) eignet sich hierfür aus verschiedenen Gründen heraus sehr gut...

Antwort
von robinek,

Empfehlen kann sie ja! Wir kennen Deine fianziellen Verhältnisse nicht und auch nicht um was für eine Immobilie es sich handeln soll. Meine Empfehlung würde mich zunächst mit meinem/einem Steuerberater kurzschliessen und dann entsprechend weiters vorgehen, d.h. noch andere Finanzierungsangebote einholen

Antwort
von volksbanker,

Der Bausparvertrag als Vorsorgeinstrument für spätere Modernisierungen ist durchaus sinnvoll. So sparst du schonmal für Renovierungen an und kannst dir direkt die günstigen Zinsen sichern. Denn bei einer Immobilie fällt immer etwas an - sei es Dach, Heizung oder Fassade.

So gesehen sind die Behauptungen der Leute hier von wegen "Provisionsgier der Beraterin" mal wieder maßlos übertrieben.

Als Einbindung in die Finanzierung halte ich es für nicht sinnvoll.

Kommentar von LittleArrow ,

bei Aufnahme eines Immobiliendarlehens gleich einen Bausparvertrag mit abzuschließen

Diese Zeitgleichheit müßte ja nicht sein. Aber da die Beraterin diesen Abschluß zeitgleich empfiehlt, muss man ganz uneigennützig ihr Provisionsgier vorwerfen. Da hilft keine Beschönigung.

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