Frage von Neuerdings, 85

Behandelt die Bank Geld auf dem Girokonto wie angelegtes Geld?

In diesen Zeiten läßt manch einer größere Beträge auf dem Girokonto, weil sich eine Anlage bei den niedrigen Zinsen kaum noch lohnt. Das brachte mich auf folgende Frage:

Darf die Bank das Geld auf dem Girokonto wie angelegtes Geld behandeln, also es selber anlegen (spekulieren), oder ist es quasi nur "geparktes" Geld, das nicht angerührt werden darf? - Ich vermute, daß die Bank das Geld auf dem Girokonto wie angelegtes behandelt, vielleicht nicht hundertprozentig, aber doch so, daß es bei einer Pleite auch verloren wäre.

Gibt es eine entsprechende gesetzliche Regelung?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von OschauLars, 28

Hallo Neuerdings,

Insgesamt ist dieses Thema sehr komplex und nicht in ein paar Zeilen zu
erklären. Eine sehr knappe Antwort auf deine Fragen wäre: Dein Geld auf
einem Girokonto einer Bank in Deutschland ist sicher und die Banken
dürfen mit Deinem Geld fast alles machen.

Jetzt kommt die Langversion. Deine Frage beinhaltet verschiedene Aspekte. Einerseits fragst Du, was Banken mit dem Geld auf dem Girokonto machen dürfen. Andererseits, ob es bei einer Pleite verloren ist.

Zunächst einmal ist es für Banken völlig egal, auf welchem Konto Dein Geld liegt. Für die Bank ist es geliehenes Geld, dass sie a) zurückzahlen und b) verzinsen muss.

Geht eine Bank Pleite, ist auch das Geld der Anleger/Kunden (komplett oder in Teilen) verloren. Für bestimmte Anlageformen gibt es in Deutschland die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken als gesetzliche Einrichtung. Dieser Fond entschädigt Privatpersonen bis zu einer Höhe von 100.000 EUR um Falle einer Pleite. (https://de.wikipedia.org/wiki/Entsch%C3%A4digungseinrichtung_deutscher_Banken). Es gibt weitere Entschädigungsfonds, die freiwillig sind.

Entschädigt werden nicht alle Anlagen. Welche Anlagen ungeschützt sind, kannst Du in der Wikipedia nachlesen. Die üblichen Anlageformen (Girokonto, Sparbuch) sind bis zu der genannten Höhe abgesichert.

Jetzt zu der Frage, was die Bank mit Deinem Geld vom Girokonto machen kann.

Die Banken haben verschiedene Einlagen mit unterschiedlichen Kündigungsfristen. Da liegt Geld auf Girokonto rum, dass jeden Moment ausgezahlt oder an eine Bank überwiesen werden kann. Oder es liegt auf Sparbücher, wo es Kündigungsfristen gibt. Gleichzeitig verleihen die Banken Geld kurzfristig (Dispo) und längerfristig (Raten- oder Immobilienkredit). Die Kunst der Banken besteht darin, dass alles unter einen Hut zu bringen. Die Fachbegriff sind Fristen-, Loßgrößen- und Risikotransformation.

Wenn Du 10.000 EUR in einem Sparbuch mit dreimonatiger Kündigungsfrist
liegen hast, möchte die Bank daraus vielleicht zwei KFZ-Darlehn über
5.000 EUR zu 72 Monaten machen. Da geht so ohne weiteres nicht. Sie könnte aber mehrere Sparbucheinlagen zusammenfassen und für einige Tage (oder auch nur Stunden) verleihen. Kurzfristig angelegtes Geld (z.B. Tagesgeld und Girokonto) kann die Bank auch nur kurzfristig verleihen.

Die Banken müssen regelmäßig auflisten, wie viel Geld auf welche Anlagen und Kredite entfällt. Das Verhältnis muss bestimmten Anforderungen genügen, die durch die BaFin festgelegt werden. Zusätzlich müssen die Banken eigenes Geld (Eigenkapital) einbringen, wenn sie Kredite vergeben. Sie können nicht - wie gerne dargestellt wird - 100% der Kundengelder weiterverleihen.

Ich hoffe, die Sache ist klarer geworden.

Antwort
von Finanzschlumpf, 24

Also die rechtliche Seite ist ganz klar, es gibt keine gesetzliche Regelung, die eine - irgendwie geartete - Anlage von Sichteinlagen ( = Kundenguthaben auf Girokonten ) generell verbietet. Es gibt gewisse Vorgaben, in welche Formen und mit welcher Laufzeit bestimmte Teile wie angelegt werden dürfen.

Grundsätzlich gilt aber, dass eine Bank Einlagen nicht nicht anlegen kann. Kraft der Buchungsgesetze steht jeder Passive ( Einlage ) immer eine Aktiva gegenüber , das geht nicht anders, egal welche gesetzliche Vorgaben man beschließt.

( Ich könnte mir dennoch vorstellen, dass man mal eine solche Schwachsinnsregelung beschließt , auch wenn sie finanzphysikalisch garnicht möglich ist, hat man mit der Einlagesicherung ja auch gemacht. Man kann eine Einlage nicht "absichern", das ist unmöglich. ).

Antwort
von wfwbinder, 41

Banken müssen "laufzeitkonkludent" anlegen.

Also täglich kündbare Einlagen, dürfen auch nur kurzfristig kündbar als Kredit rausgelegt werden (Dispokredite).

Dann mittelfristig und langfristig.

Also dürfen täglich kündbare Einlagen nicht für Aktienspekulationen eingesetzt werden.

Für diese "Eigengeschäfte" gelten ohnehin relativ enge Grenzen.

Kommentar von Neuerdings ,

Danke. - Ergibt sich daraus, daß auf dem Girokonto doch noch das Geld sein könnte, wenn die Bank (unwahrscheinlicherweise) pleite ist? Wäre es also geradezu sinnvoll, Geld auf dem Girokonto statt auf dem Sparkonto zu lassen? 

Kommentar von Privatier59 ,

Du stellst Dir Kontoführung offenbar so vor wie die Fächer im Postverteilungszentrum, für jeden Kunden eins. Das aber gibt es nicht. Die Kundeneinlagen werden auch nicht separat auf Treuhandkonten (bei wem denn auch?) aufbewahrt, sondern fließen ins allgemeine Vermögen der Bank. Der Kunde hat dann einen entsprechenden Anspruch gegen die Bank und der ist nur so viel wert wie die Bank zahlungsfähig ist.

Kommentar von wfwbinder ,

Diese Vorschriften haben nichts mit gesonderter Vermgensführung zu tun (wie z. B. bei Investmentfonds).

Wer sein Geld einer Bank gibt, der gibt sien Geld weg udn hat einen Rückzahlungsanspruch gegenüber der Bank. Deshalb steht ja in der Bilanz auch nicht "Verwaltetes Fremdes Vermögen" sondern "Verbindlichkeiten gegenüber Kunden"

Kommentar von Finanzschlumpf ,

öhm , fristenkongruent nicht fristenkonkludent ... :-)

Wobei selbst das zulässt, dass gewisse Teile der Sichteinlagen auch in Aktien angelegt sind...

Antwort
von Privatier59, 44

Ich verstehe die Frage nicht: Egal auf welchem Konto das Geld auch ist, es ist immer nur eine Forderung des Kunden an die Bank. Wenn die Bank pleite ist, ist das Geld weg. Das ist der Grund dafür, daß Sicherungsfonds erfunden wurden.

Kommentar von Neuerdings ,

Es könnte doch so sein, daß Geld auf dem Girokonto anders behandelt werden müßte, beispielsweise das heute eingegangene Gehalt, und daß es dafür eine gesetzliche Regelung gibt.

Aber so ist es wohl nicht.


Es bleibt trotzdem die Frage, ob ein Gesetz das ausdrücklich regelt.


Antwort
von NasiGoreng, 22

Ein Kreditinstitut kann mit Deiner Einlage, egal ob auf dem Giro- oder auf dem Sparkonto, machen was es will! Du hast ihm damit einen Kredit gegeben und weder einen bestimmten Zins noch Sicherheiten vereinbart oder einen Verwendungszweck vorgeschrieben.

Wenn das Kreditinstitut insolvent wird, kannst Du nur hoffen, dass es anderen Kreditinstituten nicht gleichzeitig genau so geht und der Einlagensicherungsfonds noch genügend Pulver hat auch dich zu entschädigen.

Nichts auf dieser Welt ist sicher außer der Tod!! 

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten