Frage von archibald, 4

Bankenrettung und Fondsanlage

Hallo, wir haben mittlerweile über 100 T€ in verschiedenen Fonds bei einer Fondsdepotbank gespeichert. Nun wird in der Politik diskutiert, daß "Vermögen" über 100 T€ bei einer eventuellen "Bankenrettung" mithaften soll (Beispiel Zypern). Wären dabei auch unsere Fonds weg? Danke Euer Archibald

Antwort
von gandalf94305, 3

Es ist zu unterscheiden zwischen Sondervermögen und Einlagen.

Sondervermögen wird von einer Depotbank nur treuhänderisch für einen Kunden verwahrt. Diese Einlagen sind also im Falle einer Insolvenz der Depotbank nicht Gegenstand der Insolvenzmasse. Sie sind dem Kunden auszuliefern, was im Falle von Wertpapieren einfach der Übertrag auf eine andere Depotbank ist.

Auch der Inhalt von Bankschließfächern ist nicht von einer Bankinsolvenz betroffen. Diese Inhalte sind ebenso Kunden auszuhändigen.

Einlagen sind kein Sondervermögen, da Kunden über Sparkonten der Bank rechtlich ein Darlehen gewähren, das diese wiederum nutzen kann. Legt man also 200.000 EUR in Fondsanteilen an, so kann die Bank damit nichts anderes tun als diese Fondsanteile aufzubewahren. Sie darf damit nicht in irgendeiner Form arbeiten (z.B. diese als Sicherheiten für Darlehen verwenden, einzelne Wertpapiere verleihen). Spareinlagen von 200.000 EUR werden von der Bank genutzt, um liquide Mittel anderen Kunden anzubieten, z.B. über Darlehen.

Daher bedürfen Einlagen eines besonderes Schutzes, der in Deutschland bis zu 100.000 EUR gewährt wird. VR-Banken und Sparkassen haben darüber hinaus weitergehende Schutzmechanismen.

Da jedoch Privatpersonen nicht so wahnsinnig sein sollten, mehr als 100.000 EUR auf einem Sparkonto, Girokonto, Tagesgeldkonto oder Festgeld anzulegen, stellt diese Grenze nicht wirklich ein Problem dar. Man wird ja nur die kurz- bis mittelfristig benötigte Liquidität dort vorhalten. Der Rest sollte in Wertpapieranlagen in einem Depot liegen.

Die jüngst vielzitierte "Haftung" von Sparern gibt es also schon lange und ist auch ok so. Einlagen über 100.000 EUR sind im Prinzip verloren, wenn die Bank in die Insolvenz geht. Eine staatliche Rettung muß nicht erfolgen. Bisher hat das in der Bundesrepublik Deutschland gerade mal ca. 20 Banken (vowiegend kleinere) betroffen.

Ein anderes Thema sind Zwangsanleihen und Zwangsabgaben, z.B. über eine Vermögensabgabe oder Vermögenssteuer. Das würde tatsächlich auch Immobilien, Wertpapieranlagen und die Goldbarren im Schließfach der Bank angreifen. So weit sind wir allerdings noch nicht und werden hoffentlich auch nicht wieder dort hinkommen.

Weitaus schlimmer ist jedoch das Problem, daß viele Anleger mit Minizinsen auf ihren Spareinlagen noch zufrieden sind, da sie ja Zinsen bekommen. Sie ignorieren die Inflation und Steuern, die dafür sorgen, daß man bei solchen Anlageformen mit jedem Monat Kaufkraft verliert. Numerisch wird der Wert auf dem Konto immer größer - die Preise steigen jedoch schneller.

Antwort
von betroffen, 2

Abgesehen davon, dass die 100.000,- pro Bank und Kunde keineswegs sicher sind...

Du schreibst: "...wir haben mittlerweile über 100 T€ in..."

"Wir" heißt ihr seid mindestens zwei Personen. -Also fängt dieses Problem erst über 200.000,- an.

Antwort
von Rat2010, 2

"weg" geht nicht. Die Fonds bestehen ja - vermutlich - fast ausschließlich aus Aktien und Anleihen. Wenn davon z. B. 10 % verkauft würden, wären schon im Vorfeld oder falls es am Wochenende beschlossen würde weltweit riesige Wertverluste die Folge. Der Beschluss würde also Werte mindern (auch solchem die der Staat schützen will oder ihm gehören), die er eigentlich anknabbern will.

Der Weg geht also nicht. Möglich wäre aber eine Zwangsanleihe, von der alle Vermögen (auch Immobilien, Aktien und Auslandsvermögen) betroffen wären. Das würde auch relativ gerecht empfunden. Allerdings wohl mehr ein Thema, wenn Staaten gerettet werden müssen.

Kommentar von NasiGoreng ,

Möglich wäre aber eine Zwangsanleihe, von der alle Vermögen (auch Immobilien, Aktien und Auslandsvermögen) betroffen wären.

Zwangsanleihen müssen Personen gezeichnet werden, nicht von Vermögensgegenständen. Zu den Vermögenswerten, welche als Bemessungsgrundlage herangezogen werden, gehören auch die kapitalisierten Pensions- und Rentenansprüche. Da wird vor allem die Beamtenkaste jaulen, welche immer glaubt, sie müsste stets nur privilegierter Empfänger von Staatsknete sein.

Das würde auch relativ gerecht empfunden.

Zwangsanleihen eines Staates, dem wegen seiner schlechten Bonität freiwillig niemand mehr Geld leihen will oder allenfalls zu sehr hohen Zinsen, sind wegen ihrer niedrigen, nicht marktgerechter Zinsen eine verkappte Vermögensabgabe. Nur Vermögenslose würden das als gerecht empfinden.

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von Tritur, 3

Wertpapierfonds sind Sondervermögen, und daher weder haftendes Eigenkapital noch Verbindlichkeiten der Depotbank, sie stehen deshalb bei einem Bankenkrach nicht im Feuer.

Aber keine Regel ohne Ausnahme. Hat ein Wertpapierfonds Forderungen gegen seine Depotbank, wie z.B. aus Kontoguthaben oder aus verzinslichen Forderungspapieren, welche von der Depotbank selbst emittiert wurden, dann sind diese sehr wohl von einem Zusammenbruch der Depotbank betroffen.

Unwahrscheinlich ist, dass ein Bankenkrach auf eine einzelne Bank beschränkt bliebe. In diesem Falle sind Geldforderungen des Fonds auch gegen andere Banken gefährdet.

Ein Fonds ist bei einer Bank jeweils nur ein Kunde. Würde das Fondsguthaben je Bank im Falle eines Zusammenbruchs mit 100.000 EUR verschont, bedeutet das für den einzelnen Fondsanleger so gut wie gar nichts.

Es lohnt sich also, bei Fonds mit dem Anlageschwerpunkt bei verzinslichen Anlagen, die halbjährlichen Geschäftsberichte daraufhin zu prüfen, wem sie ihr Geld geliehen haben.

Antwort
von Privatier59, 2

Du hast das "Modell Zypern" offenbar mißverstanden: Beteiligt an der Banksanierung wurden die Kundeneinlagen (also Kontenguthaben) sowie die Bankaktionäre.

Nicht betroffen waren hingegen die Depotbestände.

Fonds wären eine Möglichkeit, sein Geld bei einer Sanierung nach dem Vorbild von Zypern zu retten, denn Fonds werden von der Bank separat vom Eigenvermögen gehalten und müssen dem Kunden ungeschmälert heraus gegeben werden. Allerdings würden im Fondsvermögen etwaig gehaltene Bankaktien oder Bankanleihen natürlich betroffen sein. Ungeschoren kommt der Fondsinhaber allerdings nur dann davon, wenn die Bank ordnungsgemäß wirtschaftet und Kundenvermögen vom Eigenbestand trennt.

Antwort
von SBerater, 2

bei der Bankenrettung auf Zypern ging es um Spareinlagen, nicht um Fondsvermögen. Fondsvermögen ist Sondervermögen, das selbst bei einer Bankenpleite nicht gefährdet wäre.

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