Frage von HM123,

Banken Falschberatung

Wer wurde noch von der Hypovereinsbank (HVB) flasch beraten? Kann man sich eventuell zu einer Interessensgemeinschaft zusammenschließen? Mein Fall betrifft einen Zertifikatskauf vom 29.09.2007: ISIN: DE000HV5VRS6, WKN: HV5VRS. Es wurde nicht auf die Risiken des Zertifikates hingewiesen.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gandalf94305,

In den letzten Jahren habe ich im Bekanntenkreis zahlreiche solche Fälle gesehen. Es wurden irgendwann irgendwelche Zertifikate gekauft, die ja im Prinzip in einer ruhigen Börsenzeit auch moderat vernünftig bis nicht so übel liefen, jedoch in der Finanzkrise zum Teil einschneidende Verluste hinnehmen mußten.

Das Dumme dabei ist, daß selbst in der Zeit vor 2008, als Banken noch recht locker ihren "Beratungsauftrag" wahrnahmen, eben diese Banken den Kunden die Verkaufsunterlagen zu den Produkten aushändigten. In den Verkaufsprospekten stand auch schon damals, was so ein Zertifikat tut, wann Zahlungen stattfinden und wann Rückzahlungen erfolgen können. Eigentlich hätte ein Anleger, der den Verkaufsprospekt gelesen hätte, die Risiken dort auch entnehmen können. Leider hat jedoch praktisch niemand diese Dinger gelesen und so wird nur im Nachhinein gejammert, man hätte eine Falschberatung erfahren. Das mag im engeren Sinne sogar wirklich so sein, denn aus meiner Sicht sollten viele solcher Zertifikate an harmlose Privatanleger überhaupt nicht verkauft werden. Anleger sahen nämlich nur irgendwelche regelmäßigen Zahlungen, ignorieren jedoch die Volatilität des Basiswerts, d.h. die Möglichkeit eines Verlusts bei Rückzahlung des Nominalwerts.

Effektiv wird es jedoch sehr schwer bis unmöglich sein, eine objektive Falschberatung nachzuweisen:

  • Gibt es ein Beratungsprotokoll zu einem Gespräch, aus dem dieses Zertifikat gekauft wurde?

  • Gab es Zeugen bei diesem Gespräch?

  • Wer hat die Entscheidung getroffen, das Zertifikat zu kaufen?

  • Wie wurde die Order zum Zertifikatskauf erteilt?

  • Zu welchem Kurs (mit Agio?) hast Du gekauft?

  • Um welchen Verlustbetrag geht es im Verhältnis zum gesamten Portfoliovolumen? 5%? 10%? 20%? Mehr?

Die Kosten eines gerichtlichen Verfahrens sind hoch und die Aussichten sind schlecht. Daher ist der eigentlich beste Weg eine außergerichtliche Einigung mit der Bank, wenn man hier eine solide Basis für eine Argumentation hat. Versuche mal, die oben genannten Fragen zu beantworten. Läßt sich daraus objektiv eine Falschberatung ableiten?

Das Produkt wurde im November 2007 erst aufgelegt, d.h. Du hast es wohl bei der HVB vor Emission gezeichnet. Wenn der Prospekt jedoch vom 18.10.2007 ist, dann frage ich mich, auf welcher Basis dieses Produkt bereits im September verkauft werden konnte.

Wenn der Verlustbetrag mind. fünfstellig ist, kannst Du einen Anwalt aufsuchen, der Dich im Rahmen einer Erstberatung über die Chancen eines Vorgehens gegen die Bank aufklärt. Ansonsten lohnt es sich nicht und Du solltest den Verlustbetrag als Lehrgeld abschreiben.

Lies auch dies mal: http://www.finanzfrage.net/frage/hochspekulative-zertifikate-an-ueber-85jaehrige...

Kommentar von gandalf94305 ,

Da die Schwelle bereits am 23.10.2008 verletzt wurde, erfolgten keine weiteren Kuponzahlungen und die Express-Rückzahlungsoption bestand nicht mehr. Du hast also wahrscheinlich zum Kurs von 101,50 EUR gekauft und 55,63 EUR zurückbekommen. Hier stellt sich natürlich auch die Frage, warum dieses Produkt, das ja börsengehandelt war, nicht vorzeitig nach den ersten Zeichen eines deutlichen Kurseinbruchs verkauft wurde?

Kommentar von HM123 ,

Vielen Dank für die ausführlichen Erläuterungen und Fragen.

Hier die Fakten:

  • In den Unterlagen meines Onkels habe ich keinen Prospekt oder dgl. gefunden.
  • Er kann sich an die Beratung oder den Kauf nicht im Speziellen erinnern.
  • Die Käufe liefen meist so ab, dass die Beraterin der Bank zu ihm nach Hause kam und etwas vorgeschlagen hat. Das hat er dann unterschrieben. (Für diese Art von Leuten haben die Banken den Namen LEO geprägt: leicht erreichbares Opfer, diesen Ausdruck kennt übrigens Google als Phrase).
  • Es gibt einen Wertpapierauftrag vom 29.10.2007. Gekauft wurden die Papiere (500 Stück) am 19.11.2007 (Abrechnungstag) zu, wie du vermutet hast, 101,50 € das Stück, ein Agio ist nicht gesondert ausgewiesen.
  • Zeugen bei der Beratung gab es keine.
  • Deine Frage „Wie wurde die Order zum Zertifikatskauf erteilt?“ verstehe ich nicht. Falls das hilft: Ich nehme an, dass der Berater sich den Kauf unterschreiben hat lassen. Aber Unterlagen, wie eine Durchschrift z. B., habe ich nicht gefunden.
  • Der Prospekt, den ich im Januar 2013 aus dem Internet geladen habe datiert vom 18.10.2007. Hast du einen vom November 2007?
  • Der Verlust bezogen auf das Wertpapierdepot lag bei ca. 25%. Allerdings gibt es noch ein weiteres Depot bei der HVB in dem „HVB-VermögensDepot-privat-Typ-Balance“-Papiere lagern. Unter Berücksichtigung dieser Papiere liegt der Verlust bei etwas der Hälfte.
  • Von der HVB gibt es zwischenzeitlich 2 Stellungsnahmen zu den Schreiben meines Anwaltes. Die HVB behauptet, dass eine umfassende Aufklärung stattgefunden hätte, legt aber keine Beweise vor. Im 2. Schreiben vertieft sie das das Thema Verjährung, die nach § 37a a.F. WpHG i.V.m. § 43 WpHG bereits mit dem Kauf beginnt und so kurz ist, dass sie schon längst abgelaufen ist. (Anmerkung: Die Rechtslage ist wohl derzeit so, dass nur bei vorsätzlicher Falschberatung die Verjährung erst mit dem Verkauf einsetzen würde).
  • Zu deinem Hinweis, dass die Schwelle bereits 23.10.2008 unterschritten wurde, kann ich nur anmerken, dass ich mich am im April 2008 zusammen mit der Beraterin bei meinem Onkel war, mein Onkel ihr mitteilte, dass es seine Geldanlage an mich abgibt, entsprechende Vollmachten wurden unterschrieben, und wir uns über die Zusammensetzung des Portfolios beraten ließen. An diesem Tag war der Index von 8312,10 (Stand 19.11.2007) auf 7.232,28 gefallen, was die Beraterin aber nicht sonderlich beunruhigte, weil der Puffer ja bei 4.156,05 lag. Sie hat mich in der Folge dieses Besuchs mehrfach kontaktiert, aber eine Warnung zu dem Papier habe ich nicht bekommen auch nicht im Oktober 2008.

Für mich stellt sich die Frage, gibt es vergleichbare Fälle und wenn ja, wie wurde diese von der Bank abgewickelt? Lässt sich die Bank zu einem außergerichtlichen Vergleich bewegen und ja, mit welchen Argumenten?

Antwort
von Typderfinanzen,

Wusste gar nicht das die HVB auch Getränkemärkte betreibtm aber wenn Sie zu Flaschen beratet aber gut, So Schluss mit den schlechten Scherzen, hast du von der HVB ein Beratungsprotokoll erhalten ? Ich nehm an als man am Anfang dein Depot eröffnet hat, hat man eine Beratung nach WPHG durchgeführt. Da dürfte erstmal eine Einschätzung deiner Risikostufe erfolgt sein (mit dir). Wenn du einer "hohen" Risikoklasse "zugeschrieben" wurdest, nehme ich an, dass man dir schon am Anfang die Risiken klar gemacht haben. Für den Fall, dass dich wirklich niemand niemals über Risiken von Zertifikaten aufgeklärt hat, dann würde ich mich erstmal mit meinem Berater zusammensetzen und fragen was das denn soll. Wenn dabei nichts rauskommt, dann würde ich mich an die Filialleitung wenden, kommt da nichts raus an den zuständigen Ombudsmann. Sollte das alles nichts bringen, solltest du einen Anwalt (der sich in diesem Bereich auskennt) kontaktieren und ggfls. rechtliche Schritte erwägen. Das Problem dabei ist, du musst die Beweise bringen und das könnte sich als schwierig erweisen.

Kommentar von gandalf94305 ,

Der Getränkeanteil wurde vor einigen Jahren schon verkauft: http://www.handelsblatt.com/archiv/hvb-verkauft-ihre-beteiligung-an-aktienbrauer...

:-) :-) :-)

Kommentar von Typderfinanzen ,

xD

Kommentar von HM123 ,

Aber die Flaschenverkäufer sind geblieben!

Antwort
von Privatier59,

Interessensgemeinschaft

Diese Idee kommt oft in allen möglichen Konfliktfällen. Nur, was soll das bringen? Gewiß, geteiltes Leid ist halbes Leid. Das aber ist auch der einzige Vorteil. Die Falschberatung muß jeder Kunde individuell für seinen Fall nachweisen.

Anders als viele meinen, gibt es in Deutschland auch keine Sammelklagen wo man einen Betroffenen vorschickt und die anderen partizipieren dann vom Ergebnis. Die einzigen die wirklich Gewinn aus Interessengemeinschaften ziehen sind windige Anwälte die sich in so etwas einschmuggeln und dann ihre Mandate von da aus ziehen. Oftmals zum Nachteil der Betroffenen.

Man muß sich nur anschauen, wie unterschiedlich beispielsweise in der Lehmann-Sache die Urteile ausfallen. Nur wenige Betroffene haben ihre Prozesse dann gewonnen.

Antwort
von althaus,

Bevor Du hier Geschütze auffährst begründe mal wieso Du falsch beraten wurdest und welche Risiken verschwiegen wurden. Da es sich um ein konservatives Produkt handelt sehe ich keine Chance dagegen vozugehen. Siehe Beschreibung: Das Zertifikat wird am Laufzeitende mindestens zu 100,00% des Nennwertes zurück gezahlt. Die Wertentwicklung des Zertifikats orientiert sich an der Kursentwicklung des Basiswertes., Denn am Ende der Fälligkeit bekommst Du mindestens 100% zurück. Daher verrate mal worin die Risiken liegen? Das Zertifikate ein Bonitätsrisiko haben ist nichts neues. Darauf kannst Du Dich nicht berufen. Also bevor man hier großkotzig wird. Formuliere Deine Frage mit etwas mehr Inhalt, bitte.

Kommentar von gandalf94305 ,

Als konservatives Produkt würde ich das nicht bezeichnen, da es von einem mit nur 12 Werten besetzten Index aus dem Stoxx 50 ER handelt.

http://www.onemarkets.de/de/produkte/indizes/indexgruppe/index.html?underlying=D...

Hier wird zwar eine Selektion nach hoher Dividendenrendite vorgenommen, aber wir wissen ja auch, welche Branche die höchste Dividendenrendite bis 2008 oder so hatte ;-)

Knackpunkt ist hier eher die Konstruktion der Relax-Express-Funktion, die zusätzliche Rendite verspricht, jedoch in diesem Fall überhaupt kein Ergebnis lieferte. Da hätte man lieber einen ETF auf den Stoxx Europe 600 oder - noch besser - auf einen vernünftigen Europa-Fonds setzen sollen.

Konservativ wäre gewesen, auf einen defensiven bis ausgewogenen, europäischen Mischfonds zu setzen.

Kommentar von althaus ,

Anhand der Fragestellung nehmen ich sehr stark an daß er zu einer Falschberatung keine Chance hat.

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