Frage von LittleArrow, 72

Auflösung der Erbengemeinschaft nach Immobilienverkauf - Was ist noch zu beachten?

In einer Erbengemeinschaft wurde vor längerer Zeit bereits das teilbare Vermögen, wie Bargeld und Wertpapierbestand, einvernehmlich aufgeteilt. Nun wurde die letzte Immobilie (schon länger als 10 Jahre im Eigentum der Erbengemeinschaft) mit dem nötigen notariellen Kaufvertrag verkauft und der Verkaufserlös von x Euro soll ebenfalls unverzüglich einvernehmlich aufgeteilt werden.

Ist damit die Erbengemeinschaft aufgelöst oder warum bedarf es noch einer schriftlichen Vereinbarung und evtl. auch noch einer notariellen Einschaltung?

Bleiben die Haftungen und Zusicherungen (z. B. versteckte Mängel, Anliegerbeiträge) aus dem Immobilienverkaufsvertrag eine gesamtschuldnerische Verantwortung der Erbengemeinschaft gegenüber dem Käufer? Hat dies eine Auswirkung auf die Auflösung der Erbengemeinschaft?

Natürlich folgt nach der Kontoauflösung noch die Erklärung zur gesonderten und einheitlichen Feststellung ... für die Einkommensbesteuerung ... oder kann erst nach Erhalt des Steuerbescheides die Erbengemeinschaft aufgelöst werden?

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Antwort
von qtbasket, 72

Habe für dich mal ein bisschen im Netz geschmökert...

Urteile und Details finden sich auf juris.de, nur ist der Zugang eben kostenpflichtig....

Steht das Erbe mehreren Erben zu (Erbengemeinschaft), bestehen für die Erbenhaftung einige Besonderheiten. Die Miterben sind Gesamtschuldner der gemeinschaftlichen Nachlassverbindlichkeiten (§ 2058 BGB).

Nach der Teilung des Nachlasses kann der Nachlassgläubiger nur noch die Gesamtschuldklage erheben, weil die Gesamthandsgemeinschaft aufgelöst ist. Der einzelne Miterbe haftet dann grundsätzlich in voller Höhe mit seinem gesamten Vermögen (Ausnahmen: §§ 2060, 2061 BGB)

Kommentar von LittleArrow ,

Danke auch Dir soweit.

Jetzt fehlt mir nur noch hierauf eine Antwort: "Ist damit die Erbengemeinschaft aufgelöst oder warum bedarf es noch einer schriftlichen Vereinbarung und evtl. auch noch einer notariellen Einschaltung?"

Antwort
von EnnoBecker, 57

Die Erbengemeinschaft ist ja eine GbR nach dem Zufallsprinzip.

Deshalb auch die F-Erklärung (gegebenenfalls auch noch Umsatzsteuererklärung und Gewerbesteuererklärung, falls einschlägig).

Da sie aber eben eine GbR ist, ist sie aus steuerlicher Sicht eben auch so zu behandeln. Das bedeutet beispielsweise, dass eine Betriebsaufgabe zu erklären ist, wenn ein Betrieb geerbt wurde und dieser nun beendet wurde.

Da hier aber NUR von der F-Erklärung geschrieben wurde, ist wohl davon auszugehen, dass alle Vermögensgegenstände und Schulden im Privatvermögen sind, auch die (wie auch immer genutzte) Immobilie.

Wenn dies so der Fall ist, ist aus steuerlicher Sicht die GbR schlichtweg beendet.

Zivilrechtliche Haftungssachen bleiben davon unberührt - und strafrechtliche sind ohnehin stets höchstpersönlich.

Kommentar von LittleArrow ,

Danke für Deine Sichtweise.

Wenn dies so der Fall ist, ist aus steuerlicher Sicht die GbR schlichtweg beendet.

So ist es, alles Privatvermögen, auch wenn die Immobilie seit über 10 Jahren vermietet ist.

Kommentar von EnnoBecker ,

wenn die Immobilie .... vermietet ist.

Wenn sie privat vermietet ist, sind die Einkünfte daraus Einkünfte aus Vermietung. Wenn es Ferienwohnungen, Garagen oder Betriebsgrundstücke sind, dann kann auch noch eine umsatzsteuerliche Unternehmereigenschaft hinzutreten, ohne dass davon die private Vermietung berührt würde.

Bei privater Vermietung haben wir auch kein Anlagevermögen, statt dessen gibt es den § 23 (1) Nr. 1 EStG.

Kommentar von LittleArrow ,

Danke für die Verästelungen. Es ist einfach das erste Wenn.

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