Frage von dynamoss, 14

Art der Verzinsung einer Anleihe/ Grund

Hallo,

ich beschäftige mich gerade mit dem Zinsänderungsrisiko. In dem Zusammenhang frage ich mich, weshalb Unternehmen zur Finanzierung vorwiegend festverzinsliche Anleihen ausgeben, wenn sie diese danach mit einem Zinsswap in eine variable Verzinsung umwandeln? (Stichwort: erreichen einer Ziel-Duration)

Die andere Richtung wäre doch genauso denkbar und würde den ein oder anderen Zinsswap ersparen. Hat die feste Verzinsung vielleicht etwas mit den Vorlieben der Anleger zu tun?

Antwort
von gandalf94305, 11

Der Unterschied liegt im Risiko. Die festverzinslichen Kupons erlauben Anlegern eine bessere Planbarkeit der Erträge, jedoch auch in Verbindung mit der Zinsstrukturkurve eine bessere Einschätzung des Risikos. Kurzlaufende Swaps sind günstiger, da sie weniger Risiko enthalten, d.h. hier geht es nicht nur um Swaps von Zinsen, sondern auch von Risiken. Da hinter der Emission einer Anleihe unternehmensseitig ein Finanzierungsplan stehen muß, ergibt sich somit das typische Modell der festverzinslichen Anleihen.

Indexierte Anleihen (z.B. an Inflation oder Bonität der Emittentin orientiert) haben eine weitere Komponente, die für die Emittentin ein zusätzliches Risiko darstellt. Daher sind die Kupons im Vergleich zu festverzinslichen Bonds etwas geringer.

Auch die andere Richtung ist denkbar und machbar, jedoch erfüllt sie nicht in gleicher Weise die Anforderung des Unternehmens nach Liquidität. Da könnte man dann gleich Swaps nehmen. Ein Bereich, in dem dies passiert, sind beispielsweise Währungsswaps, bei denen nicht Zins-, sondern Währungsrisiken ausgetauscht werden - dies dient zur Sicherung von Gegengeschäften in den jeweiligen Währungspaaren.

Entstehen längerfristige, planbare Bedarfe, so kann man hier natürlich auch Fremdwährungsanleihen begeben, was jedoch wirklich längerfristig auch mit dem passenden Gegengeschäft versehen sein muß. Viele Unternehmen in Russland stehen derzeit vor dem Problem der Finanzierung von USD-Anleihen, da ihnen das kurzfristige Rohöl- oder Gas-Gegengeschäft teils weggebrochen ist, jedoch die langfristige (oft nicht per Hedging abgesicherte) Fremdwährungsanleihe bleibt.

Gleiches findet man bei Fracking-Unternehmen in USA, die Anleihen begeben haben, jedoch nicht mit einem so drastisch fallenden Rohölpreis rechneten.

Es gibt also durchaus alle Spielarten - je nach Risikoeinschätzung wird ein Unternehmen einen Weg wählen. Manchmal passt er - machmal geht die Rechnung nicht auf.

Kommentar von dynamoss ,

So ganz verstehe ich es noch nicht. Natürlich weisen variabel verzinsliche Anleihen ein Zinsänderungsrisiko auf, aber dafür sind fest verzinsliche Anleihen mit Oppurtinitätskosten verbunden. Bei sinkendem Marktzins würde eine festverzinsliche Anleihe genauso das Ergebnis des Unternehmens negativ beeinflussen, wie es bei variabel verzinslichen Anleihen bei steigendem Zins geschieht.

Also jetzt mal aus Unternehmenssicht.

Konzern XY möchte ein Großprojekt über 10 Jahre finanzieren. Die Finanzierung kann über die Emittierung von variabel oder festverzinslichen Anleihen erfolgen. Aus welchem Grund sollte Konzern XY zu einem großen Anteil festverzinsliche Anleihen emittieren, nur um danach die Opportunitätskosten mit Zinsswaps und damit einer variablen Verzinsung zu senken? Warum emittiert Unternehmen XY nicht 50% fest und 50% variabel (oder in beliebig anderer Zusammensetzung) und erreicht ohne, oder mit weniger Zinsswaps das gleiche Ergebnis?

Bei einer Limitauslastung der Zinsaufwendungen durch gestiegende Marktzinsen könnte Konzern XY dann genauso Zinsswaps abschließen und sich so bei einer variabel verzinslichen Anleihe einen Festzins sichern und das Risiko weiter steigenden Zinsen eliminieren.

Kommentar von gandalf94305 ,

Das kann in beide Richtungen schwingen. Welcher Weg besser ist, kommt auf die Zinsstrukturkurve und die zu erwartende Zinsvolatilität an.

Es kommt jedoch auch auf den tatsächlichen Liquiditätsbedarf des Unternehmens an. Dies läßt sich über Zinsswaps besser steuern als mit rein festverzinslichen Bonds, denn die Kosten und Risiken bei Zinsswaps sind umso geringer, je kürzer das Instrument läuft. Das Management der Duration (eigentlich: Minimierung der Duration) über Zinsswaps ist damit ein recht flexibles Risikomanagement für die begebene Anleihe.

Man könnte das nun als ein Plädoyer für Floater verstehen, aber die sind bei Investoren unbeliebter, da sie einen weiteren Risikofaktor außer der Emittentin der Bonds beinhalten. Weiterhin sind sie bei nur bei Erwartung eines steigenden Indexwerts des Floaters interessanter als festverzinsliche Bonds. Das Risiko wird hier teils auf den Anleger verlagert.

Kommentar von dynamoss ,

Super! Vielen, vielen Dank!

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