Frage von Prank,

Arbeitszimmer absetzen bei Wohnsitz im Ausland

Ich habe als Angestellter eines deutschen Arbeitgebers einen Telearbeitszusatzvertrag und arbeite ausser an ca. 25-35 Büro-Tagen im Jahr von von zuhause. D.h. dass ich eigentlich 100% meines Arbeitszimmers von der Steuer absetzen könnte.

Mein Erstwohnsitz - an dem ich auch komplett versteuere - liegt in Deutschland. Zusätzlich habe ich einen weiteren gemeldeten Wohnsitz in Italien (hier wird nicht nach "Erst-" und "Zweit-Wohnsitz" unterschieden). In Italien versteuere ich nicht, habe hier aber ein theoretisch absetzbares Arbeitszimmer (was ich am Wohnsitz in Deutschland nicht explizit habe). Den Großteil meiner Zeit bin ich überwiegend am Wohnsitz in Italien.

Deshalb meine Frage: Ist es möglich, dass ich unter diesen Umständen bei meiner deutschen Steuererklärung das Arbeitszimmer am italienischen Wohnsitz absetze?

Vielen Dank für Antworten im Voraus!

Antwort
von EnnoBecker,

Italien (hier wird nicht nach "Erst-" und "Zweit-Wohnsitz" unterschieden)

Das ist in Deutschland nicht anders.

Also deiner Sachverhaltsdarstellung ist zu entnehmen, dass dein Arbeitslohn in Deutschland, nicht aber in Italien, besteuert wird.

Es stellt sich die Frage, ob du deinen italienischen Wohnsitz aus beruflichen Gründen gegründet hast und somit die Aufwendungen im Rahmen der doppelten Haushaltsführung geltend machen kannst - oder ob lediglich der Ansatz der Aufwendungen für das Arbeitszimmer (und natürlich auch der Gegenstände, die sich darin befinden) in Frage kommt.

Kommentar von Prank ,

Hallo Enno, meinen italienischen Wohnsitz habe ich aus gesundheitlichen (privaten) und damit nicht beruflichen Gründen, deshalb kommt wohl nur ein etwaiger Ansatz für das Arbeitszimmer selbst in Frage.

Kommentar von EnnoBecker ,

In diesem Fall wäre wohl noch zu prüfen, ob die Versteuerung Deutschland zutreffend ist.

Das hängt (unter anderem) davon ab, in welchem Land sich der Mittelpunkt deiner Lebensinteressen befindet.

Kommentar von Prank ,

Mittelpunkt der Lebensinteressen ist Italien...

Allerdings verrichte ich meine Telearbeit via VPN direkt auf den Systemen meines Arbeitsgebers in Deutschland. D.h. ich bin physisch zwar im Ausland, die Arbeitsleistung und -Erfolg erfolgt aber zu 100% in Deutschland.

Eine Versteuerung in Italien wäre für mich bzw. meinen Arbeitgeber - denke ich - relativ "komplex".

Kommentar von EnnoBecker ,

Also dann - Arbeitszimmer nach deutschen Grundsätzen.

Kommentar von Prank ,

Hallo Enno, vielen Dank für die Info. Wie sicher bist Du Dir? Nicht, dass ich durch die Angabe des "italienischen" Arbeitszimmers bei der deutschen Steuererklärung "schlafende Hunde" wecke udn dann plötzlich doch der Doppelversteuerung unterliege bzw. in Italien versteuern muss?

Kommentar von EnnoBecker ,

Also welchem Staat jetzt das Besteuerungsrecht zufällt, können wir hier nicht abschließend prüfen, weil ja doch einiges an Angaben fehlt. Deshalb habe ich das so vorausgesetzt.

Aber dass in Deutschland die Besteuerungsgrundlagen nach deutschen Grundsätzen ermittelt werden, dürfte wohl außer Frage stehen.

Kommentar von Prank ,

ok, vielen Dank! Letzte Frage noch: gibt es zu dem letzt genannten Thema Doppelversteuerung bzw. welches Besteuerungsrecht unter welchen Umständen/Voraussetzungen zu tragen kommt, eine Art Checkliste oder Infobase? Gruß und Dank für die Hilfe!

Kommentar von EnnoBecker ,

gibt es ... eine Art Checkliste oder Infobase?

In Deutschland und anderen Ländern gibt es für alles ein Gesetz oder eine völkerrechtliche Vereinbarung.

Hier geht es zum Doppelbesteuerungsabkommen: http://www.steuerschroeder.de/italien.rtf

Kommentar von EnnoBecker ,

Ach, vergiss es, der Schröder hat neuerdings bloß noch alte DBA verlinkt. Das hier war von 1925, das kannst du nicht gebrauchen.

Ich hab nur leider im Moment keine Zeit zum Suchen...

Kommentar von Prank ,

Hab es selbst gefunden (von 1989):

http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/...


Aus meiner Sicht falle ich unter Artikel 4 (2).Absatz Punkt c),

  1. da ich in beiden Staaten über eine ständige Wohnstätte verfüge, mein Mittelpunkt der Lebensinteressen (engere persönliche und wirtschaftliche Beziehungen) aber nach Punkt a) nicht eindeutig bestimmt werden kann (persönlich: Tendenz Italien, wirtschaftlich: ganz klar Deutschland) und
  2. mein gewöhnlicher Aufenthalt nach Punkt b) in beiden Staaten zu durchschnittlich gleichen Anteilen liegt,

so dass ich nach c) in dem Staat als ansässig gelte, dessen Staatsbürger ich bin (damit Deutschland).

D.h. ich müsste aus meiner Sicht unter Artikel 15 Unselbständige Arbeit fallen und hierbei nicht unter Absatz (1), sondern Absatz (2). Ich falle, da ich als in Deutschland ansässig (s.o.) gelte einerseits unter die Bedingung b) (mein Arbeitgeber ist zwar international, angestellt bin ich aber bei der Konzern-Mutter in Deutschland) und auch andererseits nach c) meine Vergütung nicht von einer Betriebsstätte oder festen Einrichtung meines Arbeitgeber in Italien getragen wird.

Aus meiner Sicht muss ich also in Deutschland mein Einkommen aus unselbständiger Arbeit meines deutschen Arbeitgebers versteuern und müsste - der Kreis schließt sich - totzdem mein Italienisches Arbeitszimmer nach deutschen Grundsätzen bei der deutschen Steuererklärung absätzen können.

Sehe ich das richtig?

Wenn ja, dann frage ich mich nur noch, ob ein 100% Absetzen des Arbeitszimmers in Italien erlaubt wird, wenn ich mit Blick auf obige Ausführungen nur maximal ein halbes Jahr vor Ort in Italien bin. Den Rest bin ich an meinen Wohnsitzen in Deutschland, allerdings habe ich da keine separaten Arbeitszimmer (sondern jeweils nur Schreibtische in kleineren Wohnungen integriert). Kann das noch ein Problem werden?

Kommentar von EnnoBecker ,

Wow! Ich bin beeindruckt.

Ich würde es ansetzen und fertig.

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