Frage von FirmaPleite, 11

Arbeitgeber pleite. Jetzt Steuer- und Sozialversicherungsnachzahlung

mein letzter Arbeitgeber ging pleite. Ich habe bereits einen neuen Job. Nun kam ein Schreiben vom Finanzamt wie auch von der Sozialversicherung, dass der alte Arbeitgeber hier Abgaben nicht geleistet hat.

Kann es wirklich sein, dass ich nun dafür hafte, dass die Ex-Firma die Abgaben nicht geleistet hat, obwohl es auf den Lohnzetteln stand und jeder der Angestellten davon ausging, dass die Abgaben gezahlt wurden?

Wer haftet? Ich? Die Ex-Firma? Die Masse aus der Firma?

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo FirmaPleite,

Schau mal bitte hier:
Steuern Finanzamt

Antwort
von RatsucherZYX, 7

Nun kam ein Schreiben vom Finanzamt wie auch von der Sozialversicherung, dass der alte Arbeitgeber hier Abgaben nicht geleistet hat.

Aber das kann doch nicht alles an Information sein, was du hier preisgibst.

Wollen die von dir Unterlagen, die evtl. die Schuld des Arbeitgebers beweisen? Was wollen die denn nun wirklich von dir?

Haben die etwas angekündigt, was dich treffen könnte, oder bist du nur besorgt, dass es so mal sein könnte?

Du haftest auf jeden Fall nicht!

Kommentar von vulkanismus ,

Das ist doch nur eine Meinung. Natürlich haftet der AN, da er Gesamtschuldner ist. (Gesetz online auffindbar).

Kommentar von EnnoBecker ,
Kommentar von FirmaPleite ,

die Lohnunterlagen wurden geprüft. Die Zahlungen sind nicht erfolgt. Damit können FA und Sozialversicherungen überlegen, wo sie ihr Geld herbekommen. Und das werden wohl die AN sein.

In Sachen Steuern bin ich mittlerweile sicher, dass es zur Haftung kommen kann. Das FA kann die nicht gezahlte Lohnsteuer beim AN holen. So ein Fachanwalt.

Kommentar von EnnoBecker ,

So ein Fachanwalt.

Lesen hilft.

Antwort
von qtbasket, 6

Natürlich ist es möglich, dass ein Arbeitgeber Abgaben und Sozialversicherungsbeiträge hinterzieht.

Das Finanzamt und auch die Rentenversicherung werden mit Sicherheit strafrechtliche Konsequenzen ziehen - irgendwer in der alten Firma wird da ermittelt werden.

Die Forderungen gehen an den Insolvenzverwalter und werden nach Insolvenzrecht bedient.

Kommentar von FirmaPleite ,

schön, wenn es strafrechtliche Konsequenzen geben soll, die mir aber wenig helfen, denn ich habe die offenen Rechnungen auf dem Tisch - bzw. werde sie bald dort haben. Und dann wird man das Geld bei mir eintreiben.

Antwort
von gammoncrack, 6

Ich schließe mich dieser Frage einmal aufgrund der Kommentare von vulkanismus und Enno an. Ich verstehe das nämlich nicht ganz.

Gem. angeführtem Gesetz gilt die gesamtschuldnerische Haftung doch nur

wenn der Arbeitgeber die Lohnsteuer nicht vorschriftsmäßig vom Arbeitslohn einbehalten hat

Das ist aber doch wohl geschehen:

obwohl es auf den Lohnzetteln stand und jeder der Angestellten davon ausging, dass die Abgaben gezahlt wurden?

Wenn aber der AN die anteiligen Steuern überhaupt nicht erhalten hat, wie kann er dann dafür haften?

Vieleicht könnt Ihre das noch einmal näher erläutern? Oder muss er nun aus dem Nettolohn Steuern nachzahlen? Oder betrifft das ganze nur die Sozialabgaben?

Kommentar von EnnoBecker ,

Das ist aber doch wohl geschehen:

Aber der Punkt ist ein anderer. Sie sind Gesamtschuldner, und hierzu führen die Richtlinien aus:

LStR 42d.1:

(3) 1Soweit Arbeitgeber, Arbeitnehmer und ggf. andere Personen Gesamtschuldner sind, schuldet jeder die gesamte Leistung (§ 44 Abs. 1 Satz 2 AO). 2Das Finanzamt muss die Wahl, an welchen Gesamtschuldner es sich halten will, nach pflichtgemäßem Ermessen unter Beachtung der durch Recht und Billigkeit gezogenen Grenzen und unter verständiger Abwägung der Interessen aller Beteiligten treffen.

Kommentar von gammoncrack ,

Danke, Enno.

Das ist ja richtig übel. Jetzt müsste sich jeder AN in der Art schützen, dass er von jedem AG nach Lohnzahlung einen Nachweis der Steuerzahlung, oder besser, mit Bezug auf diesen Paragrafen, vom Finanzamt eine monatliche Eingangsbestätigung verlangt.

Allerdings würde ich persönlich in einen solchen Fall dem Finanzamt mit Bezug auf diesen Paragrafen mitteilen, dass es sich nicht um eine Entscheidung "nach pflichtgemäßem Ermessen unter Beachtung der durch Recht und Billigkeit gezogenen Grenzen und unter verständiger Abwägung der Interessen aller Beteiligten treffen." handelt.

Mich würde dann schon interessieren, wie solch ein Finanzamt, z. B. Bonn, reagieren würde, wenn alle Telekommitarbeiter, mit Bezug auf eine solche Entscheidung, auf einer monatlichen Eingangsbestätigung bestehen würden.

Grrrrrrrrrrrrr... Manchmal könnte ich.......

Kommentar von EnnoBecker ,

Tatsächlich kommt der Fall aber nur höchstselten vor.

Ich werd mal noch ein wenig herumrecherchieren, ob ich nicht doch noch was Positives finde.

Kommentar von FirmaPleite ,

Oder muss er nun aus dem Nettolohn Steuern nachzahlen

ja, so scheint das zu sein. Von welchem Geld auch immer die Steuer gezahlt wird.... Das FA holt sich von den ehem. AN die nicht gezahlten Steuern. Oder kann es zumindest.

Antwort
von vulkanismus, 6

Entschuldig, aber "das Finanzamt" verschickt keine sinnlosen Briefe (normalerweise). Für die Lohnsteuer gelten sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer als Gesamtschuldner. Wenn also die EX-Firma nicht zahlt, ist der AN dran -tut mir leid für Dich. Ob das auch bei der Sozialvers. so ist, weiss ich nicht.

Kommentar von EnnoBecker ,

Richtig, so ist das.

Das ist eine der schlimmsten Gesetzgebungen überhaupt. Der Fiskus holt sich die Steuern dann vom Arbeitnehmer, OBWOHL der AG die Steuern bereits einbehalten hat. Und der AN kann sich hinten anstellen und seine Forderung beim InsV anmelden.

Außerordentlich ärgerlich.

Kommentar von vulkanismus ,

Mit dem °schlimm° ist diese Vorschrift sehr milde benannt. Darf man hier "Sauerei" sagen. Sicher wurde mal dagegen vorgegangen. Hast Du eine Fundstelle der Ablehung zu Änderung ?

Kommentar von EnnoBecker ,

Ich wüsste nicht, wo ich suchen soll. Da AG und AN Gesamtschuldner sind, kann sich das Finanzamt da bedienen, wo was zu holen ist.

Bei aller "Sauerei", wie du es nennst - ich sehe nicht, an welcher Stelle man da ansetzen sollte.

Kommentar von FirmaPleite ,

ich rede ja auch nicht von sinnlosen Schreiben, sondern von anstehenden Forderungen. Es gab bei der insolventen Firma eine Prüfung der Lohnbuchhaltung. Und da soll es Unstimmigkeiten gegeben haben. In der Masse ist nichts zu holen. Und der Inso-Verwalter meint nun, dass die Steuerforderungen von den ehem. Arbeitnehmern zu tragen sind. Die können dann Forderungen ggü. der Firma stellen.

Übel, übel, wenn es hier zu einer Haftung der AN kommen sollte.

Das mit der Gesamtschuldnerschaft kann man insofern in die Tonne treten, denn das FA hält sich an den, wo es was zu holen gibt.

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