Frage von gurusucher, 341

Antrag auf Ausstellung einer Verlustbescheinigung: sinnvoll oder nicht?

Hallo, folgendes Problem: Ende Dezember werden mir ca 90 Euro Zinsen von einem Tagesgeld-Konto gutgeschrieben werden. Bei der gleichen Bank habe/hatte ich auch ein Wertpapier-Depot (inzwischen alle Pos. verkauft). Unter dem Punkt "Steuern" wird dort aufgelistet: "Verrechnungstopf Allgemein: Nicht verrechnete allgemeine Verluste = 250 Euro". Mein Freistellungsauftrag i.H.v. 100 Euro wurde im Laufe des Jahres bereits voll ausgeschöpft. Konto und Depot bei dieser Bank will ich irgendwann im Laufe des nächsten Jahres auflösen. Bei anderen Banken habe ich in 2013 Gewinne mit Wertpapieren erzielt. Nun habe ich folgende Alternativen gemäß der Sachbearbeiterin: a) ich beantrage KEINE Verlustbescheinigung. Dann werden die Steuern auf die 90 Euro Zinsen am Jahresende mit den Verlusten verrechnet werden. Allerdings bleibt vermutlich noch etwas Verlust ungenutzt (250 - 100 Euro)?! b) ich beantrage EINE Verlustbescheinigung. Dann würden mir bei dieser Bank 25% Kapertragssteuer von den 90 Euro Zinsen abgezogen werden. Allerdings würden die 250 Euro Verlust im Rahmen der Einkommensteuerbescheinigung mit Gewinnen in Wertpapierdepots bei anderen Banken verrechnet werden. Welche Alternative ist sinnvoller: a) oder b) ? Für eine Antworten bedanke ich mich im Voraus!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gandalf94305, Community-Experte für Steuern, 301

$43a Abs. 3 EStG regelt dies. Eine Bank muß demnach mindestens einmal zum Jahresende eine Steuerverprobung durchführen. Dann werden alle Gewinne bei dieser Bank gegen Verluste und Freistellungsauftrag aufgerechnet, sowie die Steuer ggf. um anrechenbare Quellensteuer gemindert.

Die Bank wird also die 90 EUR Zinsen gegen die 250 EUR Verlusttopf allgemein verrechnen und dort 160 EUR belassen.

Option A: Verlustbescheinigung bis 15.12 beantragen

Dann werden die 160 EUR bescheinigt und es erfolgt die Verrechnung gegen ggf. bei anderen Banken mit Abgeltungssteuer belegten Gewinnen. In 2014 kannst Du die Gewinne per Freistellungsauftrag vom Steuerabzug freistellen und somit Konto und Depot schließen. Die Steuerbescheinigung weist dann den in Anspruch genommenen Freistellungsauftrag aus. Sollten in 2014 bei anderen Banken noch Gewinne zu versteuern sein, so würden diese mit einem Rest-Verlusttopf in 2015 bei der Einkommensteuererklärung für 2014 verrechnet. Verluste und Gewinne, die inzwischen bei den anderen Banken entstehen, werden dort jeweils miteinander passend verrechnet. Verlusttöpfe, die bei den anderen Banken übrigbleiben, werden ins jeweils nächste Jahr vorgetragen.

Option B: keine Verlustbescheinigung

Dann bleiben die 160 EUR im Verlusttopf und werden erst nach Auflösung von Konto und Depot bescheinigt. Sie mildern auch ggf. entstehende Gewinne in 2014 auf dem alten Konto. Der bescheinigte Verlusttopf kann in 2015 per Einkommensteuererklärung über die Veranlagung mit ggf. bescheinigten Gewinnen verrechnet werden.

Also:

  • Du hast die automatische Steuerverprobung (wenn es eine inländische Bank ist) vergessen.

  • In beiden Optionen passiert im Prinzip das Gleiche. In der Option A wird jedoch frühzeitig ein Verlust bereits mit Gewinnen bei anderen Banken verrechnet. Dies würde bei Option B nicht passieren, d.h. es gäbe ggf. zu versteuernde Gewinne in 2013 und die dazu passenden Verluste würden erst in 2014 oder später andere Gewinne mildern.

  • Du hast Option C vergessen :-)

Ich würde daher Option C wählen.

Kommentar von gandalf94305 ,

Hatte ich vergessen Option C zu erläutern? :-)

Option C: Depotübertrag

Kaufe Dir Anfang 2014 einen Anteil an etwas, das möglichst keine Kosten verursacht, z.B. einen Fondsanteil mit Ausgabeaufschlag Null.

Übertrage dann das Depot mit Verlusttopfübertrag auf das neue Depot.

Nun sind alle Töpfe konsolidiert und Du kannst das Spielchen mit der Einkommensteuererklärung vergessen.

Option C funktioniert natürlich nur dann, wenn man eine alte Bank und eine neue Bank hat. Mit mehr als zwei Banken wird das Spielchen nicht klappen, da man keine Teilverlusttöpfe übertragen kann. Andererseits kannst Du dann ja auch den Freistellungsauftrag entsprechend verteilen, damit die anderen Banken abgedeckt sind... prüfe das auf jeden Fall mal.

Kommentar von gurusucher ,

@Gandalf: klasse Antwort, besten Dank! Es handelt sich um eine inländische Bank (Diba) Vielleicht kann man Option C sogar noch optimieren, indem man eine der Prämienaktionen von Consors, Comdirect oder DAB-Bank nutzt. Also Fondsanteile mit 0% AA bei der alten Bank kaufen, dann zur neuen übertragen und noch eine Prämie kassieren (Comdirect bietet z.z: 1% auf das übertragene Depotvolumen) Beste Grüße!

Kommentar von gandalf94305 ,

Ich habe diesen Trick mit ebenso der ING-Diba umgesetzt:

  • Gezielt wurden Verluste mit meinem ETF-Depot realisiert (Dauer: ca. 1 Woche).

  • Ein neues Depot im bestehenden Kundenkonto wurde eingerichtet (Dauer: 2 Tage).

  • Per "Sparplan" wurden Anteile für 60 EUR OP Extra Bond (ohne Ausgabeaufschlag) gekauft. Das lieferte etwas mehr als einen Anteil im neuen Depot (Dauer zum nächsten 1. oder 15. eines Monats)

  • Sparplan wird gelöscht.

  • Überschüssige Anteile wurden verkauft, so daß genau ein Anteil des Fonds im Depot verblieb.

  • Übertragungsauftrag mit Verlusttopf- und Quellensteuertopfübertrag zur FFB wurde für das Depot initiiert (mein anderes Depot im gleichen Konto bleibt bestehen). Die Übertragung dauert ca. zwei bis drei Wochen.

  • Verlusttöpfe bei ING-Diba sind Null. Verlusttopf bei FFB wurde wieder aufgeladen :-)

  • Neues Depot der ING-Diba wird geschlossen.

Aufgrund von kleinen Problemen bei ING-Diba mit dem Übertrag der Verlusttöpfe und der Kommunikation der entsprechenden Taxbox-Ids an die FFB dauerte das Ganze dann doch ca. vier Wochen, aber es hat funktioniert und ist legal/legitim im Rahmen des Investmentsteuergesetzes möglich und stellt keinen Fall nach §42 AO dar.

Kommentar von gurusucher ,

Ja, das ist wirklich eine gute Idee. Den OP Extra Bond hatte ich auch mal ins Auge gefasst. Aussichtsreiche Fonds OHNE Ausgabeaufschlag gibt es bei der Diba ja nicht besonders viele. Außer dem OP vielleicht noch die beiden Carmignac I. und P. Beste Grüße und ein schönes WE!

Kommentar von gandalf94305 ,

Zumal der OP Extra Bond ja ein deutsches Domizil hat und damit schneller übertragen wird als irgendwelche obskuren aus Frankreich oder Irland/UK...

Aussichtsreiche Fonds OHNE Ausgabeaufschlag gibt es bei der Diba ja nicht besonders viele.

Na, warum bin ich wohl zur FFB umgezogen :-) Die FFB hat gegenüber ebase noch den Vorteil, auch einige institutionelle Tranchen und Fonds von ein paar weniger üblichen Gesellschaften verwahren zu können. Aus meiner Sicht ist die ING-Diba im Depotgeschäft nur etwas halbherzig unterwegs - entsprechend klein sind auch die durchschnittlichen Depotvolumina gegenüber einschlägigen Fondsbanken oder den trading-orientierteren Online-Brokern.

Antwort
von amwickel, 204

Wenn Du kein Geld verlieren willst, dann ist für mich eindeutig die Variante A, mit Beantragung einer verlustrechnung zu bevorzugen. ich gehe davon aus, dass Du ohnehin eine Einkommensteuererklärung abgibst.

Kommentar von gurusucher ,

Danke für die Antwort! Ja, eine Einkommensteuererklärung werde ich abgeben für 2013. Aber was ist mit dem ungenutzten Verlust? Wenn ich dieses Konto/Depot in 2014 auflöse, kann ich dann immer noch eine Bescheinigung beantragen?

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